Das Thema des „Colonial Appeasement“ ist besonders interessant im Hinblick auf die Art und Weise, in der englische Politiker die in den Zeiten des „Scramble for Africa“ entstandene „Kolonialbörse“ wieder eröffneten und in anachronistisch anmutender Weise über Kompensationen in den Kolonien diskutierten, um den Frieden in Europa zu sichern.
Diese Arbeit versucht, die Genese des englischen Kolonialangebotes vor dem Hintergrund vielfältiger strategischer Zwänge zu erklären und vermeintliche und wirkliche Gründe für die ablehnende Haltung Hitlers zu beleuchten. Außerdem soll die Kolonialfrage in den Kontext der deutschen Englandpolitik eingebettet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Englandpolitik Hitlers bis 1937
3. Die Vorgeschichte der Unterredung
3.1 Die englische Fehleinschätzung Hitlers
3.2 Die Problematik für England
a) Strategischer Gesichtspunkt
b) Weitere Gesichtspunkte
4. Der Plan eines internationalisierten Mittelafrika
4.1 Das Konzept
4.2 Die Vorteile des Konzepts
4.3 Mögliche Probleme
5. Das Gespräch am 3. März
5.1 Diplomatische Ränkespiele im Vorfeld
5.2 Der Gesprächsverlauf
5.3 Die Nachgeschichte
6. Schlußbetrachtung
7. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des "Colonial Appeasement" im Jahr 1938 und analysiert, inwieweit britische Angebote zur kolonialen Mitbeteiligung Deutschlands als Mittel zur Friedenssicherung in Europa dienen konnten oder ob Hitlers außenpolitische Ziele mit einer solchen Lösung unvereinbar waren.
- Analyse der englischen Kolonialangebote vor dem Hintergrund strategischer Zwänge.
- Untersuchung der deutschen Motive und des tatsächlichen Desinteresses Hitlers an kolonialer Neuordnung.
- Einbettung der Kolonialfrage in den Kontext der deutsch-englischen Beziehungen bis 1938.
- Bewertung des Scheiterns diplomatischer Bemühungen zur Einbindung Deutschlands in ein internationales Kolonialregime.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die englische Fehleinschätzung Hitlers
In seinen einleitenden Bemerkungen wies Henderson auf die Gespräche zwischen Halifax und Hitler am 19. 11. 1937 hin. In diesen hatte Hitler die ungelöste Frage der Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien als das einzige direkte Problem zwischen England und Deutschland bezeichnet. Hitler erschien sowohl kompromißbereit („If there were any colony which, for strategic reasons, we did not wish to give up, we might propose some other territory in compensation.“) als auch bestimmt („ ... he did not want any colony which would be a source of strategic trouble; nor a colony in the Sahara, nor in the Mediterranean (that would be dangerous), nor in the Far East (where the guns were already going off)). Die Schlußfolgerung von Halifax war, „that ... it was now for Great Britain and France to propose a solution of the colonial question“.
Die Fehleinschätzung der englischen Politik bestand in der unkritischen Aufnahme der Äußerungen Hitlers und in der Prämisse, daß Männer wie Schacht Sprachrohr Hitlers waren, der selber seine kolonialen Forderungen nicht präzisierte. Die deutsche Taktik hatte schon 1937 der französische Kolonialminister Moutet erkannt: „Ich glaube nicht, daß die Frage der Kolonien eine derjenigen darstellt, um die es Deutschland und selbst dem Führer wirklich ernst ist. Deutschland bedient sich dieser Frage für sein politisches Spiel, und seine Forderungen werden erhoben oder verschwinden, je nach Bedürfnissen der deutschen allgemeinen Politik, besonders der europäischen Politik.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des "Colonial Appeasement" ein und umreißt die wissenschaftliche Fragestellung sowie die genutzten Quellen.
2. Die Englandpolitik Hitlers bis 1937: Dieses Kapitel skizziert Hitlers frühe Bemühungen um ein Bündnis mit England bei gleichzeitigem Verzicht auf Flotte und Kolonien bis zur ambivalenteren Haltung ab 1937.
3. Die Vorgeschichte der Unterredung: Hier werden die diplomatischen Fehleinschätzungen der britischen Seite gegenüber Hitlers kolonialen Ambitionen und die daraus resultierenden strategischen Probleme analysiert.
4. Der Plan eines internationalisierten Mittelafrika: Es wird das spezifische britische Konzept eines international verwalteten Kolonialgebiets in Afrika vorgestellt sowie dessen Chancen und Risiken diskutiert.
5. Das Gespräch am 3. März: Dieses Kapitel beleuchtet die direkten Verhandlungen zwischen Hitler und Henderson, die diplomatischen Vorbereitungen sowie das letztliche Scheitern der Annäherung.
6. Schlußbetrachtung: Die abschließende Betrachtung bewertet die Widersprüchlichkeit zwischen deutschem Revisionismus und britischer Appeasement-Politik im Kontext der europäischen Vorkriegsentwicklungen.
7. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der primären Aktenbestände sowie der relevanten historischen Fachliteratur, die der Arbeit zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Colonial Appeasement, Nationalsozialismus, Außenpolitik, Deutschland, Großbritannien, Neville Henderson, Kolonialfrage, Mittelafrika, Appeasement-Politik, diplomatische Geschichte, 1938, Revisionismus, internationale Beziehungen, Adolf Hitler.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die britischen diplomatischen Bemühungen im Jahr 1938, Deutschland durch ein internationales Kolonialangebot in ein friedliches "general settlement" in Europa einzubinden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die deutsch-englische Außenpolitik der 1930er Jahre, die spezifischen britischen Konzepte zur Internationalisierung Mittelafrikas sowie Hitlers tatsächliche machtpolitische Ambitionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob das englische Kolonialangebot eine ernsthafte Option zur Friedenssicherung darstellte oder ob es aufgrund einer systematischen Fehleinschätzung von Hitlers Prioritäten zum Scheitern verurteilt war.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung englischer und deutscher Akten zur Außenpolitik im Zeitraum November 1937 bis März 1938 sowie auf relevante Forschungsliteratur der Zeithistorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Englandpolitik Hitlers, die Analyse des britischen Plans zur Internationalisierung Mittelafrikas und den konkreten Verlauf des Gesprächs zwischen Hitler und Botschafter Henderson.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Colonial Appeasement, NS-Außenpolitik, britische Diplomatie, Kolonialfrage, internationale Mandate und die strategische Neuausrichtung zwischen 1937 und 1938.
Welche Rolle spielte die Fehleinschätzung des britischen Außenministeriums?
Die britische Seite ging davon aus, dass Hitler an einer friedlichen, kolonialen Einigung interessiert wäre, und unterschätzte dabei, dass Hitler koloniale Forderungen primär taktisch nutzte, während sein eigentliches Interesse in der territorialen Neuordnung Osteuropas lag.
Warum lehnte Hitler das britische Angebot letztlich ab?
Hitler lehnte das Angebot ab, da es seine Handlungsfreiheit in Europa eingeschränkt hätte und er eine koloniale Lösung als zweitrangig gegenüber seinen Plänen für den Osten betrachtete, weshalb er die Antwort schließlich ganz verweigerte.
- Quote paper
- Markus Laag (Author), 1997, Colonial Appeasement 1938 - Mitbeteiligung Deutschlands an einem internationalen Kolonial-Régime in Mittelafrika oder Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23577