Kaiser Friedrich III. und die Osmanen - der Kreuzzugsgedanke im späten Mittelalter und das Problem einer gemeinsamen Türkenabwehr


Seminararbeit, 2001
19 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Türkengefahr
2.1. Die osmanische Expansion
2.2. Die Akindschi
2.3. Die Türkenangst

3. Die spätmittelalterliche Kreuzzugsbewegung
3.1. Die Reaktion des lateinischen Westens auf den Fall Konstantinopels
3.2. Philipp von Burgund- Reichsfürst und Kreuzzugsförderer
3.3. Die Reichstage von Regensburg, Frankfurt und Wiener Neustadt 1454/1455
3.4. Christliches Wunschdenken
3.5. Weitere Bemühungen um die Kreuzzugssache
3.6. Direkte Bedrohung- Der Türkeneinfall nach Mitteleuropa

4. Die Situation Friedrichs III. – Widerspruch zwischen Herrschaftsanspruch und Wirklichkeit

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Südosten Europas expandierte im Spätmittelalter das Reich der Osmanen und sollte in seiner weiteren Geschichte zu einem Hauptgegner Habsburgs werden. Diese Arbeit soll sich mit dem gegen die Türken gerichteten spätmittelalterlichen Kreuzzugsgedanken während der Zeit Mehmeds II. (1451- 1481) befassen. Frühere Forschungen über die Kreuzzüge bezogen sich vor allem auf die „klassischen“ Kriegszüge des 11. bis 13. Jahrhunderts in den Orient, neuere Untersuchungen befassen sich aber auch mit der Kreuzzugsproblematik an anderen Schauplätzen, die sich bis ins 16. Jahrhundert und noch darüber hinaus erstreckt.[1] In dieser Arbeit soll zuerst die türkische Gefahr und wie man ihr mittels früherer Kreuzzüge zu begegnen versuchte, dargestellt werden.

Nachdem Friedrich III. (1440- 1493) 1452 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, machte der Fall Konstantinopels im Jahr darauf den europäischen Staaten die Macht des türkischen Reiches bewusst. Die Reaktionen auf dieses Ereignis sollen eine zentrale Rolle spielen, da diese die Situation des Abendlandes Mitte des 15. Jahrhunderts verdeutlichen. Das Scheitern einer wirksamen Kreuzzugsbewegung, sogar als Mitteleuropa selbst durch osmanische Einfälle in südliches Reichsgebiet bedroht wurde, soll näher beleuchtet werden. Durch die Komplexität des Themas können nur die wesentlichsten Strukturen beim Verhalten von Kaiser, Papst und Reichstag aufgezeigt werden.

In einer Zeit großer Veränderung bildet sich der Reichstag heraus, eine neue Institution, in der die Reichsstände dem König gegenübertreten.[2] Im Quellenwerk die „Deutschen Reichstagsakten“ werden unter anderem auch die Probleme um einen Türkenkreuzzug, die eng mit dem Thema der Reichsreform verbunden sind, deutlich. Die Reichstage von 1454/55 und 1471 setzen sich zwar eindringlich mit der Türkensache auseinander, es kommen aber keine Ergebnisse hinsichtlich eines Türkenkreuzzuges zustande.

Bereits die Zeitgenossen von Kaiser Friedrich III. hatten von ihrem weltlichen Oberhaupt, welches nach mittelalterlichen Vorstellungen eine wichtige Stellung in Sachen Kreuzzugsförderung einnehmen sollte, ein hauptsächlich negatives Bild, das vor allem durch seine meist träge und entschlussschwere Haltung hervorgerufen wurde. Es haben sich jedoch in der neueren Forschung auch positivere Stimmen über Friedrich III. etabliert, wobei, neben den Gründen für den recht günstigen Ausgang seiner Herrschaft, auch die Möglichkeiten seiner Regierung mehr berücksichtigt worden sind.[3] Auch im Bezug auf Reich und Kreuzzugspolitik sind die Gegebenheiten seiner Zeit stärker zu beachten.

2. Die Türkengefahr

2.1. Die osmanische Expansion

Schon die Feldzüge Murads II. (1421-1451) orientierten sich eher nach Südosteuropa in Richtung Donau und Griechenland als nach Kleinasien.[4] 1451 wurde Mehmed II.- später der Eroberer genannt- neuer Sultan. Seine 30jährige Regierungszeit ist von hauptsächlich westwärts gerichteten Feldzügen gekennzeichnet.[5] Weder Universalgenie noch Feldherrentalent, war er doch umfassend gebildet und war Neuerungen gegenüber aufgeschlossen.[6] Auch war er weniger ein religiöser Mensch, eher ein Skeptiker und Feingeist, fühlte sich aber dennoch zur Weltherrschaft berufen und nutzte angebliche Prophezeiungen über die Auserwähltheit der Osmanen und seiner eigenen Person auch propagandistisch aus.[7]

Mit dem Regierungsantritt Mehmeds beschleunigte sich die osmanische Expansion. Er war eher gegen das relativ defensive Vasallen- und Tributsystem seines Vaters. Sein erstes Ziel waren die Reste des oströmischen Reiches. Mit der Eroberung Konstantinopels sollte die Gefahr einer möglichen Intervention des lateinischen Westens im Rücken des osmanischen Reiches verringert werden.[8] Murad II. hatte Konstantinopel 1422 noch vergeblich belagert.[9] Doch Mehmed II. setzte schwere Artillerie ein und konnte so schließlich die Mauern der Stadt überwinden.[10] Nach der Eroberung Konstantinopels drangen die Türken auch an ihrer nördlichen Grenze immer weiter vor. Trotz der Niederlage von Belgrad 1456 wurden Serbien und Bosnien 1459 bzw. 1463 osmanische Provinz und die Walachei kam 1460 unter die Oberhoheit der Hohen Pforte.[11] Die Hauptlast in der Türkenabwehr trug nun Ungarn.[12]

Großangelegte Feldzüge auf dem Balkan und nach Mittelosteuropa waren jedoch immer nur dann möglich, wenn die inneren Verhältnisse es zuließen und das Osmanenreich an anderen Grenzen (vornehmlich seiner Östlichen) nicht bedroht war.[13]

2.2. Die Akindschi

Die unter anderem in Österreich einfallende osmanischen Reiterscharen gehörten vor allem den Akindschi an. Diese irreguläre, ethnisch und religiös gemischte Reiterei wurden in zeitgenössischen Chroniken Renner und Brenner genannt. Sie wurden von der Obrigkeit weder besoldet noch verpflegt und waren so auf Raub, Plünderungen und den sehr einträglichern Sklavenhandel angewiesen. Die von regionalen Paschas gelenkten Einfälle galten nicht der Eroberung oder dem Glaubenskampf, sondern hauptsächlich dem Beutegewinn.[14] „Ihre Streifzüge waren aber keineswegs von blanker Zerstörungswut und Planlosigkeit gekennzeichnet; vielmehr dienten sie insbesondere von der Mitte des 14. bis in 17.Jahrhundert der Verbreitung von Psychoterror im Feindesland und einer systematischen Auskundschaftung jener Gebiete“.[15] Das europäische Bild der wilden und grausamen Türken wurde in einem hohen Maße von den Akindschi geprägt.[16]

2.3. Die Türkenangst

Die Ursprünge der abendländischen Türkenfurcht lagen jedoch schon zu einem Großteil in den offensiv ausgerichteten Kreuzzügen gegen die Türken, die jedoch meist in der Katastrophe endeten. Mehmed II. und seine brutale Eroberungspolitik, an deren Anfang der Fall von Konstantinopels stand, versetzte dem Christentum einen weiteren Schock. Jedoch war eine Legende der türkischen Unbesiegbarkeit, etwa durch den erfolgreichen Widerstand der Ungarn unter Hunyadi und der albanischen Freiheitskämpfer nicht wirklich berechtigt. Das Eindringen der osmanischen Reiterei in venezianisches und habsburgisches Gebiet löste neben der Versklavung und Tötung tausender Menschen auch große Flüchtlingsströme aus, die zur weiten Verbreitung der Schreckensnachrichten über die Türkengreul beitrugen. Durch den umfangreichen Nachrichtendienst der Osmanen entstand in der Bevölkerung selbst in abgelegenen Gebieten starkes Misstrauen gegenüber mutmaßlichen türkischen Spionen. Doch demoralisierte die Türkenfurcht das Abendland nur in Ansätzen und löste eher Widerstand aus. Doch kam es kaum zu einer gemeinsamen Gegenwehr.[17]

3. Die spätmittelalterliche Kreuzzugsbewegung

Die Kreuzzugsbewegung, Ende des 11. Jahrhunderts entstanden, erlebte ihren Höhepunkt im 13. Jahrhundert und behielt bis ins 16. Jahrhundert ein großes Maß an Popularität.[18] Ihr offizielles Ziel war zuerst die Befreiung des „Heiligen Landes“ von den Heiden, was der Bevölkerung glaubwürdig erschien und zu großer Begeisterung führte. Im Nahen Osten hatten die abendländischen Kreuzritter, nicht zuletzt wegen verschiedener innerislamischer Probleme, auch einige Erfolge vorzuweisen. Bei den Türken als neuen expansiven Element des Islams gab es aber verschiedene Motivations- und Glaubwürdigkeitsprobleme für die Kreuzzüge. So waren sie im 15. Jahrhundert nicht im Besitz des „Heiligen Landes“. Es gab christlich-islamische Bündnisse, um die Türkengefahr einzudämmen, doch wurde so auch der Idee von der Bekämpfung des Islams Boden entzogen. Ohne die ursprüngliche religiöse Antriebskraft, wurde der Kreuzzugsgedanke mehr in politisches Gebiet gedrängt. Die Heere bestanden in den späteren Kreuzzügen vor allem aus bezahlten Söldnern ohne höhere Motive. Sie waren somit in einem höheren Grade unzuverlässig, als ihre hochmittelalterlichen Vorgänger.[19]

Das Kreuzzugsheer des ungarischen und späteren deutschen Königs Sigismund vereinigte noch einmal viele Ungarn, Deutsche, Franzosen und Italiener unter dem Kreuz. Es sollte der letzte große europäisch geprägte Kreuzzug sein.[20] Nach anfänglichen Erfolgen, aber auch übermäßigen Grausamkeiten an der christlich-orthodoxen Bevölkerung, unterlag das Heer 1396 bei Nikopolis.[21] Erst das Unionskonzil von Florenz 1439 schaffte eine neue Grundlage im Kampf gegen die Osmanen. Papst Eugen IV.(1431- 1447) rief zur Unterstützung der Ostkirche zum Kreuzzug auf, doch scheiterte durch den frühen Tod des deutschen Königs Albrecht II. von Habsburg (1438- 1439) der Türkenzug bereits im Ansatz.[22]

Der Niederlage der osmanischen Armee in Siebenbürgen 1442 folgte der erneute Aufruf zum Kreuzzug gegen die Türken. Kaiser Friedrich III. überließ dessen Führung bereitwillig dem polnisch-ungarischen König.[23] Das christliche, vor allem aus Ungarn bestehende Heer erfocht unter Führung von Johannes Hunyadi (1407/09- 1456) eine Reihe von Siegen. Doch wurde es 1444 bei Varna vernichtend geschlagen. Wladislaw III., König von Ungarn und Polen fand dabei den Tod.[24]

[...]


[1] Riley-Smith, Jonathan: Die Kreuzzugsbewegung und die Historiker. In: Illustrierte Geschichte der Kreuzzüge. Hrsg. v. J. Riley-Smith. Frankfurt/M., New York. 1999. S. 9- 21, S. 20f.

[2] Krieger, Karl-Friedrich: König, Reich und Reichsreform im Spätmittelalter. München. 1992 (Enzyklopädie deutscher Geschichte; Bd. XIV), S. 60

[3] Meuthen, Erich: Das 15. Jahrhundert. München. 3.erg. u. erw. Aufl. 1996 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte; Bd. IX), S. 47

[4] Werner, Ernst: Die Geburt einer Großmacht. Die Osmanen 1300-1481. Berlin. 3. bearb. u. erw. Aufl. 1978 (Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte; Bd. XIII), S. 248

[5] Kreiser, Klaus: Der osmanische Staat 1300-1922. München. 2001 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte; Bd. XXX), S. 24

[6] Majoros, Ferenc /Rill, Bernd: Das Osmanische Reich 1300- 1922. Die Geschichte einer Großmacht. Augsburg. 1999, S. 155

[7] Werner, Ernst: Sultan Mehmed der Eroberer und die Epochenwende im 15. Jahrhundert. Berlin. 1982 (Sitzungsberichte der Sächs. Akad. d. Wiss., phil.-hist. Kl., Bd.CXXIII, Heft 2), S. 7

[8] Werner 1982, S. 6

[9] Meuthen 1996, S. 64

[10] Keiser 2001, S. 24

[11] Meuthen 1996, S. 65

[12] Niederstätter, Alois: Das Jahrhundert der Mitte 1400- 1522. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit. Wien. 1996 (Österreichische Geschichte; Bd. V), S. 361

[13] Conze, Werner: Ostmitteleuropa von der Spätantike bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. u. m. einem Nachw. v. K. Zernack. München. 1992, S. 154

[14] Niederstätter 1996, S. 361f.

[15] Majoros/ Rill 1999, S. 22

[16] Majoros/Rill 1999, S. 23

[17] Kissling , Hans Joachim: Türkenfurcht und Türkenhoffnung im 15./16. Jahrhundert. Zur Geschichte eines Komplexes. In: Südost-Forschungen. Bd. XXIII. 1964. S. 1-18, S. 4ff.

[18] Riley-Smith 1999, S. 20

[19] Kissling 1964, S. 3f.

[20] Niederstätter 1996, S. 360

[21] Werner 1978, S. 177

[22] Niederstätter 1996, S. 361

[23] Housley, Norman: The Later Crusades 1274- 1580. From Lyon to Alcazar. Oxford. 1992, S. 85

[24] Werner 1978, S. 260ff.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kaiser Friedrich III. und die Osmanen - der Kreuzzugsgedanke im späten Mittelalter und das Problem einer gemeinsamen Türkenabwehr
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar Kaiser Friedrich III. und seine Zeit
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V2358
ISBN (eBook)
9783638114370
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
habsburg, friedrich III., osmanen, türken, kreuzzüge
Arbeit zitieren
Jörg Hauptmann (Autor), 2001, Kaiser Friedrich III. und die Osmanen - der Kreuzzugsgedanke im späten Mittelalter und das Problem einer gemeinsamen Türkenabwehr, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2358

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