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Formen und Funktionen synoptischer Kapitelüberschriften im englischen Roman des 18. Jahrhunderts

Title: Formen und Funktionen synoptischer Kapitelüberschriften im englischen Roman des 18. Jahrhunderts

Thesis (M.A.) , 1997 , 71 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Astrid Leszinski (Author)

English Language and Literature Studies - Literature
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Summary Excerpt Details

I. Kapitel: Einführung in die Problemstellung, Methodik,
Zielsetzung und Forschungslage

1. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

[...] first, those little spaces beween our chapters may be looked upon
as an inn or resting-place where he may stop and take a glass or any
other refreshment as it pleases him. [...]. Secondly,what are the
contents prefixed to every chapter but so many inscriptions over the
gates of inns (to continue the metaphor), informing the reader what
entertainment he is to expect, which if he likes not, he may travel on to
the next; [...].(1)

Im ersten Kapitel des zweiten Buchs von Joseph Andrews (im folgenden abgekürzt als JA) erklärt Fielding Sinn und Nutzen der Einteilung eines Romans in Kapitel, sowie das Setzen von Überschriften und erläutert die traditionellen Funktionen dieser Konventionen: Kapitel und deren Überschriften erleichtern dem Leser die Orientierung und geben ihm Zeit zum Nachdenken, Pausieren und Reflektieren. Außerdem bietet die Überschrift eines Kapitels dem Leser die Möglichkeit, das folgende Kapitel zu überspringen, falls die Vorinformationen nicht
mit den Erwartungen oder dem Interesse des Lesers übereinstimmen. Fielding nennt also eine Reihe von Aufgaben, die die synoptische Kapitelüberschrift, d.h. die inhaltsresümierende Überschrift, erfüllen kann.(2) Die Leistungen der Kapitelüberschrift, die auf mannigfaltige Weise auf den Leser und den Leseprozeß einwirken
können, sind damit jedoch nicht erschöpft. Obwohl die roman-theoretischen Überlegungen Fieldings in den Anfangskapiteln jedes Buches von JA als Schlüssel zu seiner Romankonstitution fungieren und daher in der Sekundärliteratur einen wichtigen Analyseansatz für sein Werk bilden,(3) sind die Untersuchungen zu seinen Theorien über Kapiteleinteilung und Überschriften defizitär.
_____
1 Henry Fielding, Joseph Andrews, II,1, 123f.
2 Vgl. zur Definition von Synopse und synoptischer Überschrift Stanzel (1995: 40-66) und Kapitel II, 1.2 dieser Arbeit.
3 Fast jede Studie zur Erzähltheorie und Romanstruktur von JA nimmt Fieldings Einleitungskapitel als Ausgangspunkt für weitere narratologische Analysen. Ausschließlich mit diesen Kapiteln befaßt sich Chibka (1990). Vgl. dazu auch Kaplan (1973), der die Einleitungskapitel von TJ ins Zentrum seiner Betrachtung stellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Kapitel: Einführung in die Problemstellung, Methodik, Zielsetzung und Forschungslage

1. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

2. Theoretischer Referenzrahmen und methodische Vorüberlegungen

3. Forschungsbericht zu den Formen und Funktionen synoptischer Kapitelüberschriften

II. Kapitel: Typologien von Formen und Funktionen der Kapitelüberschriften im Roman

1. Literaturgeschichtliche und erzähltheoretische Einordnung der Kapitelüberschrift

1.1 Zu Ursprung und Entwicklung der Kapitelüberschrift

1.2 Relation zwischen synoptischer Kapitelüberschrift und Text: Bedeutung und Relevanzabschätzung für den Roman

2. Klassifikation verschiedener Erscheinungsformen der synoptischen Kapitelüberschrift

2.1 Dominant fiktionsbezogene Überschriften

2.2 Dominant rezeptionsbezogene Überschriften

2.3 Dominant metafiktionsbezogene Überschriften

3. Typologie rezeptionslenkender Funktionen der synoptischen Kapitelüberschrift

3.1 Informationsvergabe und Spannungsaufbau

3.2 Sympathie- und Antipathielenkung

3.3 Beeinflussung der Intensität der Rezeption

3.4 Aufforderung zur aktiven Mitarbeit am Produktionsprozeß

4. Relationen zwischen Formen und Funktionen von Kapitelüberschriften

III. Kapitel: Die Bedeutung der synoptischen Kapitelüberschriften in den Romanen Henry Fieldings

1. Einführung in die Textkonstitution und Rezeptionsästhetik der Romane Henry Fieldings

2. Joseph Andrews: Fiktion oder Authentizität? Kontrastive Wirklichkeitsvermittlung als Strukturprinzip der Überschriften

3. Jonathan Wild: Hyperbolische Sympathielenkung zur Potenzierung von Ironie

4. Tom Jones: Demonstrative Fiktionalität und explizite Aufforderungen zur individuellen Sinnkonfiguration

5. Amelia: Relevanzminderung der Synopse und Affektaktivierung des Rezipienten

IV. Kapitel: Zusammenfassung und Schlußbetrachtung der Ergebnisse

1. Diachrone Veränderungen im Gebrauch der Kapitelüberschriften in den Romanen Henry Fieldings

2. Relevanz der Untersuchung und Ergebnisse für die Fielding-Forschung und die Romananalyse

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch das Phänomen der synoptischen Kapitelüberschrift und deren rezeptionslenkende Funktionen in den Romanen Henry Fieldings, um aufzuzeigen, dass diese Überschriften nicht bloß gliedernde Elemente sind, sondern konstitutive Bestandteile des narrativen Gesamtwerks mit spezifischem Wirkungspotential.

  • Historische und erzähltheoretische Einordnung der synoptischen Kapitelüberschrift.
  • Entwicklung einer Typologie von Erscheinungsformen (fiktions-, rezeptions- und metafiktionsbezogen).
  • Analyse rezeptionslenkender Funktionen wie Spannungsaufbau, Sympathielenkung und Aktivierung des Lesers.
  • Exemplarische Anwendung der Typologie auf Fieldings Romane (Joseph Andrews, Jonathan Wild, Tom Jones, Amelia).
  • Untersuchung diachroner Veränderungen im Gebrauch der Überschriften über den Zeitraum von Fieldings Schaffen.

Auszug aus dem Buch

3. Jonathan Wild: Hyperbolische Sympathielenkung zur Potenzierung von Ironie

In which our hero carries GREATNESS to an immoderate height (II, 8).

Die typographische Hervorhebung von "GREATNESS" in dieser Überschrift wird in allen Überschriften in JW beibehalten. Das vorangestellte Zitat veranschaulicht deshalb keine optische Besonderheit, sondern steht stellvertretend für die zentrale rezeptionslenkende Strategie der Überschriften dieses Romans: die emphatische Sympathiewerbung für den Titelhelden. Nicht nur mit der Betonung von heroischer Größe, sondern auch mit einer Fülle evaluativer Kommentare der Erzählinstanz wird hier kontinuierlich um Bewunderung für Jonathan geworben. Es stellt sich jedoch schon nach der Lektüre des ersten Kapitels heraus, daß das Verständnis von "greatness" nicht der erwarteten Bedeutung entspricht: "(...) for greatness consists in bringing all kinds of mischief on mankind, and goodness in removing it from them" (JW, 40). Die Umwandlung dieser Begriffsdefinition wird zum zentralen Motiv der Überschriften und des gesamten Romans.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Kapitel: Einführung in die Problemstellung, Methodik, Zielsetzung und Forschungslage: Definiert den theoretischen Referenzrahmen und die methodische Basis der deduktiven Analyse von Kapitelüberschriften.

II. Kapitel: Typologien von Formen und Funktionen der Kapitelüberschriften im Roman: Erarbeitet eine Typologie zur Klassifikation von Überschriftenformen und deren rezeptionslenkendem Potential.

III. Kapitel: Die Bedeutung der synoptischen Kapitelüberschriften in den Romanen Henry Fieldings: Wendet die entwickelten Kategorien auf Fieldings vier Romane an und zeigt diachrone Veränderungen auf.

IV. Kapitel: Zusammenfassung und Schlußbetrachtung der Ergebnisse: Resümiert die Erkenntnisse zur funktionalen Bedeutung der Kapitelüberschriften und deren Relevanz für die Fielding-Forschung.

Schlüsselwörter

Kapitelüberschrift, Henry Fielding, Rezeptionslenkung, Synopse, Romananalyse, Erzähltheorie, Metafiktion, Narratologie, Leserlenkung, Textkonstitution, Ironie, Sympathielenkung, 18. Jahrhundert, Fiktionalität, Rezeptionsästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion und Wirkung sogenannter synoptischer Kapitelüberschriften (inhaltsresümierende Überschriften) in den Romanen von Henry Fielding.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind die erzähltheoretische Einordnung von Überschriften, deren formale Klassifikation sowie ihr spezifisches Potential zur Lenkung des Lesers.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel ist nachzuweisen, dass diese Überschriften keine rein äußeren Gliederungsmittel sind, sondern integraler Bestandteil des Romans, der den Leseprozess aktiv beeinflusst.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin wählt einen deduktiven Analyseansatz, um aus allgemeinen Rastern von Formen und Funktionen Analysekategorien für Fieldings Romane zu erstellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Typologisierung und eine anschließende exemplarische Anwendung auf die vier Romane Joseph Andrews, Jonathan Wild, Tom Jones und Amelia.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Rezeptionslenkung, Synopse, Metafiktion, fiktionsbezogene vs. metafiktionsbezogene Überschriften und die literarhistorische Einordnung Fieldings.

Wie unterscheidet sich die Nutzung der Überschriften in "Amelia" von Fieldings früheren Werken?

In "Amelia" zeigt sich eine starke quantitative Reduktion synoptischer Elemente; Überschriften werden hier primär zur Steigerung emotionaler Affekte statt zur Informationsvergabe genutzt.

Welche Rolle spielt Ironie in der Überschriftenstrategie von "Jonathan Wild"?

Die Überschriften nutzen eine hyperbolische Sympathiewerbung für den Titelhelden, die durch den Folgetext konsequent ironisch gebrochen wird, um eine kritische Distanz zum Leser aufzubauen.

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Details

Title
Formen und Funktionen synoptischer Kapitelüberschriften im englischen Roman des 18. Jahrhunderts
College
University of Cologne  (Phil.Fak.)
Grade
1,3
Author
Astrid Leszinski (Author)
Publication Year
1997
Pages
71
Catalog Number
V236
ISBN (eBook)
9783638101806
Language
German
Tags
Formen Funktionen Kapitelüberschriften Roman Jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Astrid Leszinski (Author), 1997, Formen und Funktionen synoptischer Kapitelüberschriften im englischen Roman des 18. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/236
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