Ökonomischer und gesellschaftlicher Wandel im Vergleich


Seminararbeit, 2002
26 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

I. Reform-, Stabilisierungs- und Privatisierungsstrategien im Vergleich
I. 1. Tschechische Republik
I. 2. Ungarn
I. 3. Polen
I. 4. Slowakische Republik
I. 5. Slowenien

II. Wirtschaftsdaten im Vergleich
II. 1. Wirtschaftswachstum
II. 2. Inflation
II. 3. Arbeitslosigkeit
II. 4. Wirtschaftssektoren
II. 5. Durchschnittliches Monatsgehalt
II. 6. Konsumierungswachstum

III. Gesellschaftlicher Wandel im Vergleich
III. 1. Lebenserwartung
III. 2. Bildung
III. 3. Armutsraten
III. 4. Bevölkerungswachstum
III. 5. Meinungsklima im Vergleich

Resümee

Bibliographie

Einleitung:

Die Wirtschaft und Gesellschaft der Ex-Ostblockstaaten waren nach dem politischen Wandel von 1989 einem großen Wandel ausgesetzt. Den ökonomischen und gesellschaftlichen Wandel der vier EU-Beitrittskandidaten der ersten Runde, Tschechische Republik, Ungarn, Polen und Slowenien inklusive der Slowakischen Republik von 1989 bis 2000 im Vergleich zu betrachten, soll Thema dieser Arbeit sein. Ich nahm die Slowakische Republik in meine vergleichende Arbeit auf, weil es ein Nachbarnland Österreichs ist und meiner Meinung nach wirtschaftlich mit den anderen vier Ländern konkurrieren kann, auch wenn es noch nicht die EU-Beitrittskriterien für die erste Runde erreicht hat.

Mein ursprüngliches Thema war eigentlich gesellschaftlicher Wandel im Vergleich, nachdem ich wenig Interesse hatte, verschiedene Wirtschaftsstatistiken der Reformstaaten miteinander zu vergleichen, weil ich noch nie mit Statistiken gearbeitet hatte. Jedoch zeigte es sich für mich sehr schwierig, Literatur über gesellschaftlichen Wandel in den Ex-Ostblockländern zu finden, das genug Material gewesen wäre, es miteinander zu vergleichen. Deswegen übernahm ich dann doch das Thema des ökonomischen Wandels im Vergleich, nachdem der Referent, der dieses Thema eigentlich behandelt hätte, sich vom Seminar abgemeldet hatte.

Der größte und schwierigste Teil meiner Arbeit bestand darin, verschiedene Wirtschaftsdaten von den fünf Staaten Tschechische Republik, Slowakische Republik, Polen, Ungarn und Slowenien zu vergleichen. Ich versuchte zu Beginn, einen kurzen Überblick über die Reform-, Stabilisierungs- und Privatisierungsstrategien der jeweiligen Länder zu geben, um die Entwicklungen der Wirtschaft der einzelnen Staaten besser interpretieren zu können, da ja Politik und Wirtschaft eng in Verbindung stehen und einen reziproken Einfluss aufeinander ausüben.

Dieser Teil über die politischen Maßnahmen der Länder von 1989 bis 1999 ist, sowohl für mich als auch für den Leser, wichtig, um die spätere Entwicklung der Wirtschaftsdaten verstehen zu können. Ich habe deswegen versucht, Politik und Wirtschaft in Zusammenhang zu bringen und bezog mich immer wieder bei dem zweiten Teil meiner Arbeit, der Interpretation der Wirtschaftsstatistiken, auf den ersten Teil, den Reform- und Privatisierungsstrategien der fünf Reformländer.

In einem dritten Teil gehe ich noch kurz auf einige gesellschaftliche Veränderungen wir Mortalitätsrate, Erziehungswesen, Armutsgrenze, Bevölkerungswachstum und Einstellungen der Bevölkerung zum Systemwechsel ein, der anhand von Meinungsumfragen gemessen wurde.

Die Hauptfragen der Arbeit beschäftigen sich also damit, welche Maßnahmen die einzelnen Länder jeweils bei dem Wandel zu einer freien Marktwirtschaft setzten, und wie sich diese in den ökonomischen Daten und in der Gesellschaft wiederspiegeln.

I. Reform-, Stabilisierungs- und Privatisierungsstrategien im Vergleich:

Nach dem Sturz der kommunistischen Regime 1989 waren die neuen Regierungen mit der Aufgabe und Herausforderung konfrontiert, ihre politischen und wirtschaftlichen Systeme umzustellen. Dabei war für die meisten Staaten klar, dass es sich nur um eine Öffnung des Marktes hin zu einer freien Marktwirtschaft handeln konnte.

Die Staaten begegneten dieser Herausforderung jedoch mit unterschiedlichen Strategien, die im folgenden Abschnitt für Tschechien, Ungarn, Polen, der Slowakei und Slowenien kurz dargestellt werden sollen.

I. 1. Tschechische Republik:

Bis 1990/91 hatte Tschechien, bzw. die noch damalige Tschechoslowakei, einen eher gemäßigten Stabilisierungskurs eingeschlagen, änderte dies dann aber ab 1991 und begann mit einer härteren Stabilisierungs- und Privatisierungspolitik .

Waren 1991 in einer kleinen Privatisierungsrunde Kleinbetriebe, die in der Zeit des Kommunismus enteignet worden waren, zurückgegeben worden, so führte man 1991-95 die „große Couponprivatisierung“ (oder „Voucherprivatisierung“) in zwei Runden durch, in der 77 % der verstaatlichten Industrie zumindest formal in private Hände übergeben worden waren.

Für 1000 Kronen (ca. 35 €) konnte jeder Bürger Tschechiens ein Couponheft mit 1000 Investitionspunkten kaufen, die er dann in zur Privatisierung ausgeschriebenen Unternehmen anlegen konnte.[1] Formal hatte man die Unternehmen zwar bald privatisiert, ein Großteil der Bevölkerung verkaufte aber bald seine Coupons an Fonds, die oft zum Einflussbereich der staatsnahen Großbanken gehörten. Dies führte dazu, dass einerseits die Banken die Unternehmen teilweise nicht in ihre Unabhängigkeit entlassen wollten und dringend anfällige Sanierungen der Unternehmen durch die versplitterten Eigentumsverhältnisse nicht durchgeführt wurden.[2]

Eine effektive Transformation der Großindustrie und der Finanzwirtschaft fand weitgehend nicht statt. Die Krisenerscheinungen waren 1996 unübersehbar, die sich in Bankenpleiten und Börsenbetrugsfällen manifestierten. Denn ein großes Problem ergab sich daraus, dass die Banken den sanierungsbedürftigen Unternehmen, die inzwischen von Börsenspekulanten geführt wurden, Kredite genehmigten, die aber von den Spekulanten nicht zurückgezahlt wurden, sondern sich viele mit den Krediten ins Ausland absetzten. Die maroden Unternehmen mussten daraufhin oft geschlossen werden, ohne dass die Banken ihre Kredite zurückerhalten hatten. Dies führte zu einer Bankenkrise, die vom Staat finanziert wurde. Die Unternehmen wurden aber nicht gerettet.

Als Antwort darauf kam es zu einem zweiten Stabilisierungspaket 1997. Vorhersehbar rutschte die tschechische Wirtschaft in eine Rezession.[3]

Seit 2000 weist Tschechien jedoch wieder ein positives Wirtschaftswachstum auf.[4]

I. 2. Ungarn:

Ungarn hatte 1989 den Vorteil genossen, dass schon während dem Kommunismus ab 1968 graduelle Wirtschaftsreformen durchgeführt worden waren. Deswegen verzichteten die bürgerlichen Reformer, die 1990 die Macht übernahmen, auf eine schmerzliche Schocktherapie , die andernorts für unausweichlich gehalten wurde, und übernahmen den graduellen Liberalisierungsansatz.[5]

Die Privatisierungen wurden eher langsam und umständlich durchgeführt, teilweise auch durch Hilfe ausländischer Investitionen. Von den 200 größten ungarischen Firmen sind mittlerweile 110 im Besitz ausländischer Investoren.

Ende 1997 waren 80 % der ungarischen Wirtschaft in privaten Händen, darunter die Mehrzahl der häufig als „strategisch“ angesehenen Energie- und Telekomunternehmen, zu deren Modernisierung angesichts der Knappheit einheimischen Kapitals ausländisches Kapital unabdingbar ist.

Während die Privatisierungen durch die bürgerliche Regierung bis 1994 langsam und umständlich vor sich gingen, man ökonomisch die Zügel schleifen ließ, man keine klaren Entscheidungen über eine Privatisierungspolitik traf, kam es in der Nachfolgeregierung der Sozialisten bzw. Postkommunisten von 1994 zu undurchsichtigen Finanz- und Privatisierungsaffairen. Die Sozialisten führten aber auch entgegen ihrer Wahlversprechen ein strikteres Reform- und Stabilisierungsprogramm mit vielen Sparmaßnahmen durch, weil die Wirtschaft in den vorherigen Jahren geschrumpft war.[6]

Trotz dieser Imperfektionen kann die Bilanz der ungarischen Privatisierungspolitik, die noch nicht abgeschlossen ist, als Erfolg angesehen werden: Sie ermöglichte die Nutzung großer Mengen an Auslandskapital, importierte Management- und Marketingwissen, modernisierte Schlüsselsektoren des Produktivkapitals und der Infrastruktur und bewirkte gleichzeitig die Dynamisierung der einheimisch kontrollierten Wirtschaft einschließlich der Dienstleistungen.[7]

I. 3. Polen:

Polen begann schon kurz nach 1989 mit einer harten Schocktherapie[8], worauf die Wirtschaft vorübergehend mit katastrophalen Daten reagierte (vgl. die folgenden Kapitel). Trotzdem wurde der harte Stabilisierungs- und Reformkurs 1990 von der Solidarnosc- Regierung beibehalten. Die Wirtschaft reagierte bald darauf mit positiven Zahlen.

Die Privatisierung wurde zu Beginn eher langsam und begrenzt durchgeführt.[9] Die Privatisierung ging in drei Wellen vor sich. Zuerst wurden rund 200 große Betriebe an ausländische Investoren verkauft. Dann folgten etwa 2000 mittlere und kleinere Betriebe, die vor allem an Polen abgegeben wurden.[10]

In einer dritten Phase fand 1996 ein erstes Massenprivatisierungsprogramm statt, indem 512 Mittelbetriebe, die etwa 10 % der Industrieproduktion herstellen, einbezogen wurden. Jeder polnische Staatsbürger hatte das Anrecht, am Nationalen Investitionsfonds durch Zahlung von ca. € 5 einen Anteilschein zu erwerben, der nach Ablauf eines Jahres in Aktien der 15 börsennotierten Investmentfonds, die als Holdings 60 % der Betriebe besitzen werden, umgetauscht werden kann. Bei den Konsortialführungen dieser Fonds sind auch ausländische Banken beteiligt. Jedoch sollten bei diesem Massenprivatisierungsprogramm 160 strategische Großbetriebe von der Privatisierung ausgenommen werden.[11]

Bei der Fonds-Massenprivatisierung wiederholten die Polen nicht die Fehler der Tschechen, nämlich Insider oder Firmenbosse zu einflussreich werden zu lassen und damit für lange Zeit die Restrukturierung zu blockieren. Das System sieht für alle Unternehmen im Fonds-Portfolio jeweils einen klaren Mehrheitsaktionär vor. Seit Anfang 1999 ist die volle Privatisierung der Fonds bzw. ihrer Tochterunternehmen im Gange. Zum größten Teil werden sie an ausländische Investoren abgegeben.[12]

Obwohl die meisten Großbetriebe noch bis 1997 in Staatsbesitz waren, war im Konsumgüterbereich die Umstrukturierung weiter fortgeschritten.[13]

Die Privatisierung und Umstrukturieren der polnischen Wirtschaft ist bis dato aber noch lange nicht abgeschlossen.

I. 4. Slowakische Republik:

Nach der Trennung aus dem gemeinsamen Staat mit Tschechien 1993 hatte sich die Slowakische Republik anfänglich recht gut behauptet und die laufenden Reform- und Privatisierungsprozesse (d. h. die Couponprivatisierung) weitergeführt. Die Aufteilung der Staatsgüter war relativ glatt über die Bühne gegangen, ebenso der rasche Aufbau staatlicher Institutionen in Bratislava, wie Parlament, Nationalbank und Ministerien.

Nach der Wahl des links-nationalen Vladimir Mečiar zum Ministerpräsident 1994 fand diese Entwicklung jedoch ein jähes Ende. Die Massenprivatisierung (Couponprivatisierung) wurde gestoppt. Mečiar ließ deren für 1995 geplanten zweiten Durchgang absagen und wandelte die Coupons in Staatsanleihen um. Statt dessen wurde ein Großteil der industriellen Güter der slowakischen Wirtschaft in äußerst dubiosen Verfahren an Freunde und Politgefährten des Premiers abgegeben.

[...]


[1] vgl. Albrecht Rothacher; Die Transformation Mitteleuropas: Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Tschechien, Polen, Ungarn, Slowenien, Kroatien und Litauen.; Wien 1999; S. 12 f.

[2] vgl. Reinhard Engel; Der harte Weg nach Europa. Osteuropa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Reportagen und Analysen aus Plen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn.; Wien-München 1999; S. 180 f.

[3] vgl. Rothacher; 1999; S. 13 ff.

[4] vgl. Europäische Gemeinschaft; Statistik kurz gefasst; 2001; Quelle: http://europa.eu.int/comm/eur.../DE?catalogue=Eurostat&KS-NJ-01-028-__-I-DE&mode=download; 15.06.2002; S. 2

[5] vgl. Rothacher; 1999; S. 92

[6] vgl. Rothacher; 1999; S. 94 f. und Engel; 1999; S. 215

[7] vgl. Rothacher; 1999; S. 95

[8] vgl. Jakob Juchler; Osteuropa im Umbruch. Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen 1989-1993. Gesamtüberblick und Fallstudien.; Zürich 1994; S. 84

[9] ebd.; S. 82 ff.

[10] vgl. Engel; 1999; S. 78

[11] vgl. Rothacher; 1999; S. 74

[12] vgl. Engel; 1999; S. 78 f.

[13] vgl. Rothacher; 1999; S. 61 + 66

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Ökonomischer und gesellschaftlicher Wandel im Vergleich
Hochschule
Universität Wien  (Zeitgeschichte)
Veranstaltung
SE Zeitgeschichte: Die Osterweiterung der EU aus historischer Sicht
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V23626
ISBN (eBook)
9783638267144
ISBN (Buch)
9783640328499
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandel, Vergleich, Zeitgeschichte, Osterweiterung, Sicht
Arbeit zitieren
Birgit Hittenberger (Autor), 2002, Ökonomischer und gesellschaftlicher Wandel im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23626

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