Die USA fällt durch die starke multikulturelle Durchmischung ihrer Gesellschaft auf. Als klassisches Einwanderungsland hat sich in den USA seit der Landung der Mayflower im Jahr 1620 ein gesellschaftlicher und religiöser Pluralismus entwickelt, der auf der Welt seines Gleichen sucht. Unterschiedlichste ethnische Gruppierungen mit weit über 200 verschiedenen religiösen Glaubensrichtungen unterschiedlichster Art scheinen sich zu einer Nation und einem Staat zusammengefunden zu haben. Bei dieser starken Segmentierung drängt sich natürlich die Frage auf, was diese Nation zusammenhält. Wieso empfindet sich der Amerikaner als Amerikaner und was verbindet ihn mit seinem Mitbürger anderer Herkunft und andersartigem Glauben? Als Integrationsideologie für die Nation kann auf Grund des Pluralismus keine spezifische Glaubensbezeugung herhalten, es entstand der Begriff der „Civil Religion“. „Civil Religion“ als eine Art weltliche Religion, als amerikanische Ideologie, die auf bestimmten Glaubenssätzen, auf Ritualen und Symbolen beruht. Die „Civil Religion“ hat dazu geführt, dass die amerikanische Kultur und Politik durchsetzt ist von religiöser Rhetorik und Symbolik. Ob und in wieweit diese sogenannte „Civil Religion“ als Integrationsbasis, als gemeinsamer Wertekonsens dient und wie sie sich mit dem Grundsatz der Trennung von Staat und Ki rche verträgt, soll in dieser Hausarbeit erörtert werden. Zunächst wird die Bedeutung des Begriffes „Civil Religion“ näher beleuchtet. Dazu wird zunächst auf Jean-Jacques Rousseau eingegangen, der schon um 1760 in seinem vierten Buch des „Du contrat social“ das Phänomen der „réligion civile“ beschrieb, wobei viele der von ihm beschriebenen Merkmale auch heute noch auf den Begriff „Civil Religion“ zutreffen. Danach wird erläutert, wie Alexis de Toqueville in seinem Werk „De la Démocratie en Amérique“, welches er nach seiner Amerikareise im Jahre 1831 verfasste, als Erster die „Civil Religion“ in den USA beschreibt. Nach der Abhandlung dieser beiden Klassiker soll der Be griff „Civil Religion“ aus heutiger wissenschaftlicher Sicht beschrieben und dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Annäherung an den Begriff „Civil Religion“
2.1 Prägung durch Jean-Jacques Rousseau
2.2 Prägung durch Alexis de Tocqueville
2.3 Modernes Verständnis von „Civil Religion“ geprägt durch Robert N. Bellah
3. „Civil Religion“ in der Alltagskultur der USA
3.1 Gesellschaftlicher und religiöser Pluralismus als Grundlage
3.2 Ausdruck und Erscheinungsformen der „Civil Religion“
3.2.1 „Civil Religion“ in der politischen Rhetorik
3.3 „Civil Religion“ als Wertekonsens und Integrationsideologie einer pluralistischen Gesellschaft?
4. Schlussbetrachtung
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der „Civil Religion“ als Integrationsideologie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dabei steht die zentrale Frage im Mittelpunkt, ob dieses Phänomen als einheitsstiftender Wertekonsens zur Überwindung gesellschaftlicher Pluralität dienen kann und wie es sich mit dem Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche vereinbaren lässt.
- Theoretische Herleitung des Begriffs „Civil Religion“ durch klassische und moderne Denker (Rousseau, Tocqueville, Bellah).
- Analyse des gesellschaftlichen und religiösen Pluralismus als Basis für zivilreligiöse Notwendigkeiten.
- Erscheinungsformen der „Civil Religion“ in Symbolen, Ritualen und der politischen Rhetorik.
- Diskussion der Integrationsleistung der „Civil Religion“ in einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1 Gesellschaftlicher und religiöser Pluralismus als Grundlage
Die USA als junge Nation und als klassisches Einwanderungsland ist geprägt durch den multikulturellen Charakter ihrer Gesellschaft. Seit der Entdeckung Amerikas führten immer wieder neue Einwanderungswellen aus verschiedensten Teilen der Welt zu Umwälzungen in der Gesellschaftsstruktur. Der religiöse Pluralismus findet seinen Ursprung in der Zeit der Einwanderung und der kolonialisierenden Landnahme, die meist durch religiöse Sektierer betrieben wurde, die Zuflucht vor den tyrannischen Staatskirchen im alten Europa suchten, die ihnen die religiöse Entfaltung verwehrten.
Es entstand ein bunter religiöser Flickenteppich. Der Import neuer religiöser Orientierungen durch die Einwanderung sowie auch inneramerikanische Sektenbildungen verstärkte den religiösen Pluralismus zusätzlich. Heute geht man davon aus, dass es um die 250 verschiedene Glaubensrichtungen in den USA gibt, wobei der Katholizismus am weitesten verbreitet ist gefolgt von der Baptistischen und der Methodistischen Kirche. Neben hauptsächlich christlichen Orientierungen gibt es aber auch eine starke Minderheit nichtchristlichen Glaubens so zum Beispiel Anhänger des Judentums, des Islam, des Hinduismus und des Buddhismus. Dieser beschriebene religiöse Pluralismus ist die Ursache und die Grundlage für die „Civil Religion“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die multikulturelle Struktur der USA ein und formuliert die Fragestellung nach der „Civil Religion“ als Integrationsbasis.
2. Annäherung an den Begriff „Civil Religion“: Dieses Kapitel arbeitet die begrifflichen Grundlagen durch die Theorien von Jean-Jacques Rousseau, Alexis de Tocqueville und Robert N. Bellah auf.
3. „Civil Religion“ in der Alltagskultur der USA: Hier werden die Grundlagen des Pluralismus, die praktischen Erscheinungsformen in Symbolen und Ritualen sowie die rhetorische Verwendung durch Politiker analysiert.
4. Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und bestätigt die Funktion der „Civil Religion“ als integratives Band in der US-Gesellschaft.
5. Literaturverzeichnis: Dies ist das abschließende Verzeichnis der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Civil Religion, USA, Integrationsideologie, Pluralismus, Wertekonsens, Robert N. Bellah, Rousseau, Tocqueville, politische Rhetorik, nationale Identität, Einwanderungsgesellschaft, gesellschaftliche Integration, Symbole, Rituale, Religionssoziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der „Civil Religion“ (Zivilreligion) und ihre Rolle als stabilisierender Faktor und Integrationsideologie für die US-amerikanische Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Herleitung durch Klassiker, der Analyse des US-amerikanischen Pluralismus sowie der Untersuchung zivilreligiöser Symbole und Rhetorik im politischen Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu erörtern, ob und wie die „Civil Religion“ in einer hochgradig pluralistischen Gesellschaft als gemeinsamer Wertekonsens fungieren kann, ohne die staatliche Trennung von Kirche und Religion zu verletzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und soziologische Analyse, die theoretische Konzepte (Rousseau, Tocqueville, Bellah) mit aktuellen Beispielen aus der politischen Praxis der USA verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die historische Entwicklung des Begriffs, die soziale Basis des religiösen Pluralismus sowie konkrete Erscheinungsformen wie Rituale, Feiertage und die Rhetorik amerikanischer Präsidenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Civil Religion, Pluralismus, Integrationsideologie, Wertekonsens, nationale Identität und das Spannungsfeld zwischen Staat und Religion.
Inwieweit spielt die politische Rhetorik eine Rolle für die „Civil Religion“?
Die politische Rhetorik, insbesondere in Antrittsreden von Präsidenten, nutzt religiös konnotierte Begriffe, um einen nationalen Konsens zu stiften und das Land als moralisch handelnde „Auserwählte Nation“ darzustellen.
Welches Fazit zieht der Autor zur Integrationskraft?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass sich die „Civil Religion“ als effektives Instrument bewährt hat, um den gesellschaftlichen Pluralismus zu überbrücken, ohne die kulturelle Vielfalt des Landes aufzuheben.
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- Tim Stahnke (Autor), 2004, Bedeutung der Civil Religion als Integrationsideologie in den Vereinigten Staaten von Amerika, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23664