Einleitung:
Während des Sommersemesters 1998 besuchte ich die Veranstaltung "Frauenleben im Mittelalter". Im Laufe des Semesters hörten wir verschiedene Referate zu den einzelnen Themen. Meine Aufgabe war es, zusammen mit anderen Studenten das Thema Prostitution im Mittelalter zu bearbeiten. Innerhalb unserer Gruppe teilten wir das Thema in verschiedene Teilthemen auf, wobei ich mir zur Aufgabe machte, mich mit den Bereichen Kuppelei, Lebensbedingungen und Alternativen, Verhütung und Abtreibung, Krankheiten, Alter und Kunden und Kosten zu befassen, da mir diese Themenpunkte besonders interessant erschienen. Bevor ich auf die oben genannten Punkte ausführlicher eingehe, will ich kurz die Prostitution im Mittelalter erläutern.
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Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Kuppelei
3) Lebensbedingungen und Alternativen
4) Verhütung und Abtreibung
5) Krankheiten
6) Alter und Kunden
7) Kosten
8) Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Aspekte der Prostitution im Mittelalter, mit einem besonderen Schwerpunkt auf den rechtlichen, sozialen und medizinischen Rahmenbedingungen, unter denen Prostituierte und ihre Vermittler agierten. Ziel der Untersuchung ist es, die gesellschaftliche Wahrnehmung dieses Phänomens vor und nach der Reformation sowie den Alltag der betroffenen Personen differenziert darzustellen.
- Strukturen der Kuppelei und die Rolle der Vermittlerinnen
- Lebensbedingungen von Prostituierten und soziale Alternativen
- Methoden der Empfängnisverhütung und Abtreibung
- Die Auswirkungen der Syphilis auf die Städtische Bordellstruktur
- Das Spektrum der Kundschaft und die Bedeutung des Frauenhausbesuchs
Auszug aus dem Buch
Kuppelei
B. Schuster zufolge wurden im Mittelalter "alle Handlungen, die eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau stifteten, die sie zusammenkoppelten", als Kuppelei angesehen und bezeichnet.9
Der Stadtrat bestrafte im 15. Jh. jedoch nur Fälle, die Verbindungen schufen, die nicht gebilligt werden konnten. Im 15. Jh. wurde z.B. in Konstanz ein Kuppler, der Kinder ehrbarer Eltern verkuppelt hatte, bestraft. Augsburg entzog Ende des 14. Jh. Kupplern, die Kinder ehrbarer Leute zusammenbrachten, die Stadtrechte. Im Stadtbuch finden sich zahlreiche Belege hierfür.
Ähnliche Bestimmungen gab es für Regensburg in derselben Zeit. Erlasse dieser Art zeigen, daß die Wichtigkeit der Familie als Grundlage der städtischen Ordnung betrachtet wurde. Die Gesetze gegen Kuppelei sollten die Oberschicht vor der Verbindung mit der Unterschicht schützen. Man wollte die Kinder der wohlhabenden Oberschicht vor der Einflußnahme durch Mägde, Erzieher und Knechte schützen. In Basel wurden 1457 kupplerische Mägde und Knechte mit dem Tod durch Ertränken bestraft. Aus Straßburg ist bekannt, daß bereits 1322 solche Vergehen aufs Härteste bestraft wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung erläutert die thematische Einbettung der Arbeit in das Seminar "Frauenleben im Mittelalter" und definiert den Untersuchungsgegenstand der Prostitution.
2) Kuppelei: Dieses Kapitel analysiert die rechtliche Verfolgung von Kupplern und die gesellschaftliche Funktion der Bestrafung zur Sicherung der Familienordnung.
3) Lebensbedingungen und Alternativen: Hier werden die prekäre finanzielle Situation der Prostituierten sowie ihre Abhängigkeit von Frauenwirten und mögliche Wege zur sozialen Resozialisation betrachtet.
4) Verhütung und Abtreibung: Der Abschnitt behandelt medizinische und volkskundliche Methoden der Empfängnisverhütung sowie die rechtliche Bewertung von Schwangerschaftsabbrüchen im mittelalterlichen Kontext.
5) Krankheiten: Dieses Kapitel widmet sich der Syphilisepidemie, ihren Übertragungstheorien und den Auswirkungen auf die Schließung städtischer Frauenhäuser.
6) Alter und Kunden: Der Fokus liegt hier auf dem sozialen Hintergrund der Kunden sowie dem Alter der in der Prostitution tätigen Frauen und Männer.
7) Kosten: Dieser Teil befasst sich mit der ökonomischen Komponente, insbesondere den Verdienstmöglichkeiten der Frauen und den Preisen für sexuelle Dienstleistungen.
8) Schlußbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Ergebnisse, die Quellenlage und die historische Einordnung der Prostitution im Mittelalter.
Schlüsselwörter
Prostitution, Mittelalter, Frauenhaus, Kuppelei, Syphilis, Reformation, Sozialgeschichte, Armenpflege, Bordell, Sexualmoral, Stadtgeschichte, Lebensbedingungen, Geburtenkontrolle, Geschlechtskrankheit, Randgruppen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der historischen Realität der Prostitution im Mittelalter und analysiert die Lebensumstände, rechtlichen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber Prostituierten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte sind Kuppelei, Lebensbedingungen, Methoden der Empfängnisverhütung, Krankheiten, die Kundschaft der Frauenhäuser sowie die ökonomischen Aspekte des Milieus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Prostitution vor und nach der Reformation in Deutschland wahrgenommen wurde und welche repressiven sowie sozialen Mechanismen das Leben der Betroffenen bestimmten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Quellenarbeit, die auf einer Literaturanalyse basiert, um das Thema anhand bestehender Fachwerke und historischer Belege strukturiert aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Rolle der Kupplerinnen, die Abhängigkeitsverhältnisse in den Frauenhäusern, die medizinische Sicht auf Verhütung und Syphilis sowie die soziale Herkunft der Freier.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Mittelalter, Prostitution, Frauenhaus, Kuppelei, Reformation und Sozialgeschichte charakterisieren.
Warum wurden viele Frauenhäuser gegen Ende des Mittelalters geschlossen?
Neben der Unrentabilität spielte vor allem die aufkommende Syphilisepidemie eine entscheidende Rolle, wobei die öffentliche Meinung die Schuld für die Verbreitung der Krankheit zunehmend den Frauenhäusern zuschrieb.
Wie unterschied sich die Bestrafung von Kupplern und Kunden?
Während Kunden meist mit Geldstrafen oder einem Verweis belegt wurden, drohten Kupplern teilweise drakonische Strafen wie die Verbannung, Verstümmelung oder sogar der Tod, da sie als "wahre Schuldige" an der moralischen Zersetzung angesehen wurden.
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- Natalie Taepel (Author), 1998, Prostitution im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2366