Das Bildungssystem der DDR


Hausarbeit, 2003
27 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der DDR
2.1. Die Geschichte der Pädagogik der DDR

3. Die Stellung der Bildung in der DDR-Gesellschaft
3.1. Der Marxismus-Leninismus als Grundlage des Denkens

4. Struktur des Bildungssystems

5. Die Vorschulerziehung

6. Das allgemein bildende Schulwesen
6.1. Der Lehrplan und die Stundenverteilung
6.2. Abschlüsse
6.3. Die allgemeine Hochschulreife

7. Die Freie Deutsche Jugend
7.1. Die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“

8. Das Hochschulsystem: Universitäten, Hoch- und Fachschulen

9. Die Berufsausbildung

10. Die Weiterbildung

11. Fazit

12. Biographie

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Laufe meines Studiums an der Universität Lüneburg wurde in den Seminaren wiederholt das Thema DDR und im Speziellen das Bildungssystem der DDR angesprochen. Leider ist wird dieses Thema meist nur sehr kurz angeschnitten. Ich bin aber der Meinung, dass es ein wichtiger Teil der Geschichte Deutschlands und der Pädagogik im Allgemeinen ist.

Geboren in der ehemaligen DDR, bin ich selbst zwei Jahre in der DDR zur Schule gegangen und habe in Ansätzen die sozialistische Erziehung und Pionierorganisation miterlebt. Dennoch habe ich mich schon immer sehr für dieses Thema, vor allem durch Erzählungen meiner Eltern und Großeltern, interessiert. Durch diese Hausarbeit möchte ich mehr über das Bildungssystem und das schulische Leben der DDR-Bürger kennen lernen und außerdem die Kontroversen, die dieses Thema immer wieder hervorruft, besser verstehen.

In meiner Hausarbeit werde ich zunächst kurz auf die Geschichte der DDR und ihrer Pädagogik eingehen. Danach möchte ich kurz die Bedeutung der Bildung in der DDR-Gesellschaft, sowie deren Struktur erläutern.

Im Schwerpunkt meiner Hausarbeit werde ich das allgemeine Schulsystem der DDR vorstellen. Hierzu gehören neben der Zehnklassigen Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule und der erweiterten Oberschule, ebenfalls die Einrichtungen der Vorschulerziehung und das Sonderschulsystem.

Durch ihren sehr großen Stellenwert in der Jugend der DDR, erscheint es mir persönlich sehr wichtig die FDJ und ihre Pionierorganisation mit einzubeziehen.

Um ein vollständiges Bild des Bildungssystems zu zeigen, werde ich außerdem das Hochschulsystem, sowie die Einrichtungen der Berufsausbildung und der Weiterbildung vorstellen.

Auf die Veränderungen im Schulsystem der DDR im Zuge der deutschen Einheit, werde ich nicht eingehen, da aus dies den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde.

2. Die Geschichte der DDR

Die bedingungslose Kapitulation des dritten Reiches am 8. Mai 1945 brachte dem deutschen Volk einen politischen Einschnitt, wie nie zuvor. Besetzt von den vier Siegermächten und in vier Besatzungszonen aufgeteilt, kam es schließlich, durch Abgrenzung des Ostens des Landes, zum Verlust der nationalen Einheit für sehr lange Zeit. In der sowjetischen Besatzungszone wurde nach und nach eine „von den Kommunisten beherrschte politische Ordnung aufgebaut…“[1]. Dies führt am 7. Oktober 1949 zur Gründung eines ostdeutschen Staates, der Deutschen Demokratischen Republik.

Während es im Westen Deutschlands zu einem einzigartigen wirtschaftlichem Aufschwung, verbunden mit einer innenpolitischen Stabilität, kommt, setzt sich im Osten „unter Einsatz von Gewalt und Terror, eine kommunistische Diktatur nach dem Vorbild der Sowjetunion“[2], durch. Seit dem Juli 1952 wird auf der 2. Parteikonferenz der SED auch offen das Ziel, nämlich der planmäßige „Aufbau des Sozialismus“[3] proklamiert. Durch Unruhen, Unzufriedenheit und das Flüchten von jährlich 100.000 Menschen kommt es am 13. August 1961 zur vollständigen Abriegelung der Grenzen durch den Mauerbau und somit zur vollständigen wirtschaftlichen und geographischen Isolierung der DDR. Trotz des gewaltigen wirtschaftlichen Rückstandes, schafft es die DDR sich zu stabilisieren. 1971 wird Erich Honecker Staatsoberhaupt der DDR und verschafft dieser „zunächst einen merklichen politischen und wirtschaftlichen Aufschwung“[4]. Schnell wird jedoch deutlich, dass die Verbesserungen und das gesamte System des Sozialismus nicht auf lange Sicht finanzierbar sind. Zeitgleich gewinnt die Opposition in der DDR „trotz aller Unterdrückungsmaßnahmen nach und nach an personeller und organisatorischer Kontinuität“[5]. Anders als der „große Bruder“, der Sowjetunion unter der Führung von Michail Gorbatschow, zeigt die SED-Führung keine Bereitschaft politische und wirtschaftliche Reformen durchzuführen. Aus diesem Grund kommt es im Herbst 1989 zu innenpolitischen Krisen, die schließlich zum Ende der kommunistischen Alleinherrschaft führen. Am 09.11.1989 öffnete man erste Grenzübergänge. Am 03.10.1990 trat die DDR der BRD offiziell, d.h. unter anderem politisch, geographisch und wirtschaftlich, bei. Diese Eingliederung der DDR in die BRD führte zwangsweise auch zu einer Reform des Bildungssystems der neuen Bundesländer.[6]

2.1. Die Geschichte der Pädagogik der DDR

In der Nachkriegszeit kam es von Anfang an zu einer zentralisierten staatlichen Lenkung.

Die traditionelle Gliederung der Schule wurde in der SBZ bereits 1946 durch das „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“ beseitigt. Stattdessen wurde im Mai 1946 zunächst eine für alle Schüler verbindliche und gemeinsame achtjährige Grundschule als Pflichtschule eingeführt. Danach verzweigt sich die Oberschule in eine Berufsschule, oder vierjähriger Oberstufe. Durch letztere konnte man die allgemeine Hochschulreife erlangen. Alle Schulen wurden mit einer Prüfung abgeschlossen.[7]

Im Juni 1945 nahmen die Schulen Berlins erstmals einen provisorischen Unterricht auf. Ausgearbeitete Lehrpläne existierten noch nicht, denn erst im September 1945 begann das Erarbeiten von Übergangslehrplänen. Im selben Monat wurde der Schulbuchverlag "Volk und Wissen" gegründet. Am 1. Oktober kam es zur Wiedereröffnung von 10.822 allgemeinbildenden Schulen. Am 18. Oktober 1945 veröffentlichten das Zentralkomitee der KPD und der Zentralausschuss der SPD einen "gemeinsamen Aufruf zur demokratischen Schulreform". In diesem wurde die Säuberung des gesamten Lehr - und Verwaltungspersonals, der Aufbau eines einheitlichen Schulsystems, die Trennung von Kirche und Schule, das Verbot von Privatschulen, die grundsätzliche Umstellung der Lehrpläne und die Ausarbeitung neuer Lehrpläne, gefordert.[8]

Ende der 50er Jahre wird, ganz nach dem Vorbild der UdSSR die polytechnische Bildung eingeführt. 1959 tritt das Schulgesetz für die allgemeinbildenden Schulen in Kraft, was zur Einführung der „Zehnklassigen Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule“ (AOS) führt. Mit der AOS als Basis wurde so „eine in sich geschlossene Konzeption der Struktur des Bildungssystems und der möglichen Bildungswege entwickelt.“[9] An der Spitze des Bildungssystems steht das Ministerium für Volksbildung.

Parallel zu den Strukturreformen kam es zu einer Überarbeitung der Lehrpläne und Lehrmittel, unter der Leitung des Deutschen Pädagogischen Zentralinstitutes in Berlin. Angestrebt wurde hierbei eine besonders breite Allgemeinbildung, die dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt und den Anforderungen einer sozialistischen Gesellschaft angepasst wird. In den Jahren 1966 bis 1971 kam es schließlich zur schrittweisen Einführung der Lehrpläne und neuer Lehrbücher.[10]

Die Schulreformen fanden schließlich am 25.Februar 1965 durch das „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“ ihren Abschluss. Kern dieses Gesetzes war die Bildung des einheitlichen Bildungssystems von der Krippe bis zur Erwachsenenbildung.

3. Die Stellung der Bildung in der DDR-Gesellschaft

„Bildungspolitik ist in der DDR stets als Gesellschaftspolitik verstanden worden und muß auch von uns als solche begriffen werden“[11]

Der Bildungssektor wurde in der DDR als ein bedeutender Teil der Gesamtgesellschaft und -politik gesehen. Kam es zu Veränderungen im Bildungssystem, so war dies meist eine Reaktion auf Entwicklungen in den anderen gesellschaftlichen Bereichen. Sie sollten gleichzeitig, die in diesen Bereichen geplanten und ungeplanten politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Prozesse unterstützen. Bildung war also ganz klar in die politisch-gesellschaftlichen Ziele der herrschenden Partei eingebunden.[12]

Aus diesem Grund kam es 1958 zu ersten Reformüberlegungen durch die „Parteikonferenz zur sozialistischen Erziehung der Schuljugend“. Erhebliche Umgestaltungen gab es vor allem bei den Bildungswegen im Anschluss an das allgemeine Schulsystem, wie zum Beispiel dem Fach- und Hochschulsektor auf den ich unter Punkt 8 näher eingehen werde.

Neben den berufsqualifizierenden Aufgaben, die immer weiter an die Anforderungen der Industrie und anderer Gebiete angepasst werden müssen, hat das Bildungssystem gleichzeitig eine politisch-ideologische und gesellschaftliche Funktion. Hierbei gibt es vor allem zwei Ziele:

1. Die Erziehung des allseits gebildeten sozialistischen Menschen und
2. die Vorbereitung der Jugendlichen und Erwachsenen auf die Anforderungen der wissenschaftlich-technischen Revolution. Die gesellschaftliche und politische Sozialisation der Kinder und Jugendlichen soll gesichert und loyale Bürgern erzogen werden.

Ein besonderer Zusammenhang zwischen Politik und Bildung entstand außerdem bei der Entstehung der „Kader“. „Kader sind Inhaber herrschaftstechnisch relevanter Positionen und Funktionen. Ihre Auswahl, Ausbildung, Erprobung und ihr beruflicher Einsatz in Leitungsfunktionen sind Gegenstand bewusster Planung, sind Aufgabe der Kaderpolitik.“[13]

In allen Bereichen der Gesellschaft, insbesondere im Bildungssystem, sind Führungspersonen den Kriterien der Kaderpolitik unterworfen.

„Die Einrichtung formalisierter Ausbildungswege, die Festlegung bestimmter Qualifikationen für die Übernahme leitender Positionen und die Ausdifferenzierung der Methoden der Kaderbedarfsplanung und der Kaderverwaltung haben entscheidende Rückwirkungen auf den Bildungssektor.“[14]

Die gesellschaftliche Funktion und der Stellenwert des Bildungssystems zeigen also, dass das Bildungssystem nicht isoliert betrachtet werden darf. Es ist „Teil eines funktional ausdifferenzierten politischen und gesellschaftlichen System“[15].

3.1. Der Marxismus-Leninismus als Grundlage des Denkens

An dieser Stelle möchte ich noch kurz auf den Marxismus-Leninismus, als Grundlage des Denkens in der DDR-Gesellschaft, eingehen. Der Marxismus ist die von „KarlMarx unter Mitwirkung von Friedrich Engels geschaffene, auf der Geschichtsauffassung des historischen Materialismus gegründete Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus.“[16] Hierbei schafft nicht das Kapital, sondern die Arbeit die Werte. Indem sich das Geld in einem kapitalistischen System bei Wenigen anhäuft, „verelendeten die Massen.“[17] Letztendlich kommt es zum Zusammenbruch des kapitalistischen Systems und somit zum Umschwung, so dass die Massen das Kapital erhalten werden. Marx sieht als Ideal eine klassen- und staatenlose Gesellschaft. Lenin entwickelte den Marxismus weiter zum Marxismus-Leninismus.

Beim Marxismus- Leninismus handelt es also sich um eine Anordnung philosophischer, historischer, politischer und wirtschaftswissenschaftlicher Theorien, die aber in der DDR im Laufe der Zeit immer mehr „zum Inbegriff des ‚wissenschaftlichen’ Agitations- und Propagandainstrumentariums der SED-Herrschaft“[18] wurden. Anhand dieser Theorien wurden zahlreiche Grundsätze und Gebote in der DDR abgeleitet. So beanspruchte die herrschende Arbeiterpartei die alleinige Führung und rechtfertigte sich mit den Lehren Marx und Lenins.“[19] Der Marxismus-Leninismus war in der DDR allgegenwärtig. So musste an jeder Hochschule und Universität das Fach „Marxismus-Leninismus“ als Pflichtfach belegt werden.

4. Die Struktur des Bildungssystems

„Wesentliches Strukturelement des Bildungssystems ist die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Bildungsstufen […]“[20]

„Das Bildungssystem umfasst in erster Linie die formalen Institutionen und Einrichtungen, die Bestandteil des ‚einheitlichen sozialistischen Bildungssystems’ sind.“[21]

Hierzu gehören:

1. die Kinderkrippen, Kindergärten, Spiel- und Lernmittage;

Diese sind zwar nicht verpflichtend, bilden aber durch ihre präzise pädagogische Arbeit die

Basis des Bildungssystems.

2. die Zehnklassige Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule;
3. die Einrichtungen der Berufsausbildung;
4. Einrichtungen, die zur Hochschulreife führen;

Als wichtigste muss hierbei die AOS genannt werden.

5. die Ingenieur- und Fachschulen;
6. die Universitäten und Hochschulen;
7. die Einrichtungen der Erwachsenenqualifizierung.

[...]


[1] Fragen an die deutsche Geschichte. Wege zur parlamentarischen Demokratie. hrsg. vom Deutschen Bundestag. 19. neu bearbeitete Auflage. Bonn: Referat Öffentlichkeitsarbeit 1996. S.314.

[2] Ebd. S.315.

[3] Ebd. S.315.

[4] Ebd. S. 317.

[5] Ebd. S. 317.

[6] Ebd.

[7] Weimer, Hermann. Geschichte der Pädagogik. 18. vollständig, neubearbeitete Auflage/ von Walter Schöler. Berlin: Walter de Gruyter & Co 1976.

[8] http://home.t-online.de/home/Gymnasium.Seelow2/faecher/pb/sys_ddr.htm. Das Schulsystem der DDR. (20.03.2003).

[9] Glaeßner, Gert-Joachim. Die andere deutsche Republik. 1989. S. 280

[10] Weimer, Hermann. Geschichte der Pädagogik. 1976. S. 289.

[11] Sontheimer, Kurt. Bleek, W.. Die DDR. Politik Gesellschaft Wirtschaft. 4. erweiterte, neubearbeitete Auflage. Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 1975. S. 178

[12] Glaeßner, Gert-Joachim. Die andere deutsche Republik. 1989.

[13] Ebd. S. 104.

[14] Glaeßner, Gert-Joachim. Die andere deutsche Republik. 1989. S. 283

[15] Ebd. S. 284

[16] Der Brockhaus in einem Band Online. 9., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Mannheim: Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus 2002. http://www.xipolis.net/6d2a15c08e89e5692bf88a4efe48be1e/suche/artikel.php?shortname=b1&artikel_id=30214300. (17.04.2002).

[17] Ebd.

[18] Hrsg. Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg Multimedia. http://www.chronik-der-wende.de/lexikon/glossar/glossar.jsp?key=M-L. (17.04.2003).

[19] Ebd.

[20] Glaeßner, Gert-Joachim. Die andere deutsche Republik. 1989. S.286.

[21] Glaeßner, Gert-Joachim. Die andere deutsche Republik. 1989. S.284.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das Bildungssystem der DDR
Hochschule
Universität Lüneburg  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Europäische Bildungssysteme
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V23733
ISBN (eBook)
9783638267953
Dateigröße
687 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungssystem, Europäische, Bildungssysteme
Arbeit zitieren
Anja Winterstein (Autor), 2003, Das Bildungssystem der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23733

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