Das Kaiserzeremoniell des Diokletian


Seminararbeit, 1999

11 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt:

Einleitung

I. Augustus und der Beginn des römischen Kaiserkultes

II. Der Kult des Diocletian

III. Die Bedeutung des diocletianischen Kaiserkultes

Zusammenfassung und Ausblick

Quellen und Literatur

Einleitung

Die vorliegende Arbeit behandelt den Kaiserkult im römischen Reich zur Zeit der ersten Tetrarchie 284-305.[1] Es existiert aus dieser Zeit eine ganze Reihe von Quellen. Anzuführen wären hier besonders die Werke von Laktanz und Eusebius, sowie Eutrop. Außerdem ist uns eine relativ große Anzahl von Fragmenten, Gesetzen und Inschriften erhalten geblieben. Zudem verfügen wir auch über die Schriften der anonymen Panegyriker. Letztere sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie ein ziemlich tendenziöses Bild liefern. Auch die christlichen Historiographen geben eine eindeutig christlich gefärbte Darstellung, was sich aus den Umständen und Gepflogenheiten der damaligen Geschichtsschreibung erklären läßt.

An zeitgenössischen Arbeiten verfügen wir über die „klassischen“ Werke von Alföldi und Enßlin,

deren Erstauflagen zwar schon einige Jahre zurückliegen, welche aber zu den wichtigsten Kennern der Materie zu zählen sind. Besonders Alföldi bringt eine Fülle von Material. An neuerer Literatur existiert das vielgelobte Werk von F. Kolb: Diocletian und die Erste Tetrarchie. Improvisation oder Experiment in der Organisation monarchischer Herrschaft?, Berlin 1987; welches ich leider nicht mit verwenden konnte.

Bei der Behandlung der Thematik des Kaiserkultes stößt man häufig auf Widersprüche und Verzerrungen, welche die Quellen zutage bringen. So sind z. B. die Aussprüche der Panegyriker auf den ersten Blick nicht eindeutig zu interpretieren, besonders im Hinblick auf die Apotheose. Die künstlerischen Quellen wie Münzen, Statuen, Friese und die Inschriften bringen, bei eindeutiger Zuordnung oft mehr objektive Informationen. Trotzdem sind die übrigen Quellen als durchaus wertvoll zu betrachten, da sie interessante Detailinformationen enthalten können.

Diese Arbeit setzt mit dem Prinzipat des Kaisers Augustus an, dessen Herrschaft unter dem Begriff der Göttlichkeit betrachtet wird. Dieses Kapitel soll die Grundlagen des Kaiserkultes verdeutlichen, wobei natürtlich Augustus als erster Prinzeps zentrale Bedeutung hat. Das zweite Kapitel widmet sich dem Kult des Diocletian selbst, vor allem im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Selbstvergöttlichung und der Übernahme des persischen Hofzeremoniells. Im dritten Kapitel behandle ich die Bedeutung des Hofzeremoniells im Hinblick auf den römischen Staat. Daran schließt sich die Zusammenfassung mit dem Ausblick an.

Anzumerken ist, daß ich aus dem breiten Spektrum des Kaiserkultes bestimmte Aspekte ausgewählt habe, die mir am wichtigsten erschienen, speziell die Frage des Gottkaisertums. Daher mußten verschiedene andere, wie z. B. die etruskischen Wurzeln des Kaiserkultes und dessen frühe Entwicklung, wie auch viele Details ausgespart werden.

I. Augustus und der Beginn des römischen Kaiserkultes

Erste Anzeichen für einen kaiserlich-römischen Herrscherkult gab es bereits unter Cäsar.[2] Der ei­gentliche Beginn einer verbreiteteren Herrscherverehrung ist jedoch unmittelbar nach Cäsars Tod und mit dessen Aufnahme unter die Götter, als divus Iulius anzusetzen.[3] Sein Adoptivsohn Octavia­nus erhielt als solcher das Recht sich divi Iulii filius[4] zu nennen und wurde somit zum Sohn eines Gottes. Die damit verbundene Ehrung eines Lebenden hob ihn nicht nur aus seinen Zeitgenossen heraus, sondern bildete eine nützliche Hilfe bei der Machtergreifung im römischen Imperium.

Später wurden blumig ausgeschmückte Geschichten über die Herkunft des Augustus von den Göt­tern erzählt, so z.B. von Iulius Marathus, einem Sekretär und Freigelassenen des Augustus, auch Ci­cero will eine Vision vom Gottesgnadentum des Augustus gehabt haben.[5] Die Verleihung des Cognomen Augustus deutete eine gewisse sakrale Erhöhung an, daneben stand der Titel pater patriae wohl eher für seine politische Stellung im Staat. Eine öffentliche Vergöttlichung wurde noch vermieden. Vor allem in den Ostprovinzen ging man in dieser Hinsicht aber offenbar eigene Wege. So erfährt man von Altären und Tempeln für Augustus in Thera, Pergamon, Nikomedia, Athen, Halikarnassos und anderorts.[6] Meist waren diese Augustus und Roma gemeinsam geweiht, was nahelegt, daß eine Identifikation von beiden nicht unbeabsichtigt war. Solches findet man in der Inschrift von Halikarnassos.[7] Noch weiter ging der Kult des Augustus in Narbo um das Jahr 11 n. Chr., denn in der hier gefundenen Inschrift ist von der „göttlichen Macht des Augustus“[8] (nicht von einem Gott) die Rede, sowie von darzubringenden Opfern. Auch Eigeninitiative des Augustus zur Förderung seines Kultes sind bekannt. So bestimmte er die Einführung desselben in Gallien von Staats wegen und ließ durch seinen Stiefsohn Drusus einen Altar der Roma und des Augustus weihen[9] An der Einführung des Augustuskultes in so verschiedenen Provinzen des Imperiums erkennt man dessen hohe Bedeutung für den Zusammenhalt des Reiches. Zudem wirkte dieser sicherlich entscheidend bei der Stiftung einer gemeinsamen Identität als Teil des römischen Staates mit. Bei diesen Verehrungsformen bleibt meist offen, ob sie nun der göttlichen Kraft des Augustus galten oder ob er selbst als Gott verehrt wurde, die Bezeichnung numen Augusti läßt beide Interpretationen zu. Wahrscheinlich ist dies auch beabsichtigt, aber zumindest nicht unwillkommen gewesen, da dadurch eine spätere Vergöttlichung bereits vorbereitet wurde. Diese Bezeichnung und der recht unterschiedliche Umgang mit ihr ermöglichten so auch eine Einbindung von Skeptikern.

Beim Tod des Augustus im Jahre 14 n. Chr. war dessen Erhebung unter die Götter schon beinahe selbstverständlich. Diese erfolgte auf Senatsbeschluß und bildete das Vorbild für die Apotheose der späteren Kaiser. Mit den vorgenannten Kulten wurde das Amt des princeps institutionalisiert. Der Kaiserkult bildete ein wichtiges und zudem ausbaufähiges Legitimations- und Machtmittel. Mit der Vorstellung, daß der Kaiser zumindest gottgewollt sei, erhielt dieser einen Grad von Heiligkeit, die er durch die Identifikation von imperator und imperium (wie bei Augustus und Roma) an dieses weitergab. Somit erhielt der Staat selbst eine Art von Heiligkeit. Es ist meiner Ansicht nach nicht zu leugnen, daß das römische Imperium nicht zuletzt dadurch seine moralische Stärke erhielt, die es über mehrere Jahrhunderte überdauern ließ.

II. Der Kult des Diocletian

Diocletian wurde am 20. November 284 in Nikomedien zum Kaiser erhoben. Er änderte daraufhin seinen Namen von Diocles in Gaius Aurelius Valerius Diocletianus.[10] Bereits am 13. Dezember 285 ernannte er seinen Waffenbruder und illyrischen Landsmann Maximianus zum Cäsar, am 1. April 286 zum gleichberechtigten Augustus.[11] Nachfolgend wurden am 1. März 293 Galerius und Constantius Chlorus zu Cäsaren ernannt und adoptiert.[12] Damit wurde das System der Tetrarchie[13] im römischen Reich eingeführt. Die vier Kaiser waren nicht miteinander verwandt, stammten aber alle aus Illyrien.

Zu den üblichen Beinamen legte sich Diocletian den Beinamen Jovius (und den Schutzgott Jupiter) bei, Maximianus wählte den Hercules und nannte sich nun Herculius. Die beiden Cäsaren wurden den Schutzgöttern ihrer entsprechenden Augusti unterstellt.[14] Es existiert eine Darstellung von Diocletian und Maximian wie sie von Jupiter und Hercules bekränzt werden.[15] Hervorzuheben dabei ist, daß beide Kaiser dabei sitzen! Ähnlich verhält es sich mit der Darstellung auf dem Galeriusbogen in Saloniki.[16] Die sitzende Position der Kaiser muß zumindest als eine starke Rangerhöhung derselben angesehen werden , wenn nicht gar als eine Erhöhung unter die Götter.

[...]


[1] Vgl. Demandt, Alexander: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diokletian bis Justinian (284-565 n.Chr.) (Handbuch der Altertumswissenschaften Bd. 3.6), 2. Aufl. München 1992, S. 46-61

[2] Vgl. Enßlin, W.: Gottkaiser und Kaiser von Gottes Gnaden. München 1943, S. 20 f.

[3] Leipolt, Johannes; Grundmann Walter (Hrsg.): Umwelt des Urchristentums. Bd.1: Darstellung des neutestament lichen Zeitalters. Berlin 1965, S. 139

[4] Vgl. Enßlin, W.: Gottkaiser und Kaiser von Gottes Gnaden. München 1943, S.22

[5] Vgl. Leipolt, Johannes; Grundmann Walter (Hrsg.): Umwelt des Urchristentums. Bd. 2: Texte zum neutestament- lichen Zeitalter. Berlin1966, S. 111-112

[6] Vgl. Enßlin, S. 22 ff. bzw. Leipolt/Grundmann, S. 140-141

[7] Freis, Helmut (Hrsg.): Historische Inschriften zur römischen Kaiserzeit. Von Augustus bis Konstantin. Darmstadt 1984, S. 17

[8] ebenda, S. 18

[9] Enßlin, S. 23

[10] Demandt, Alexander: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diokletian bis Justinian (284-565 n.Chr.) (Hand- buch der Altertumswissenschaften Bd. 3.6), 2. Aufl. München 1992, S. 46 f.

[11] Demandt, A.,S. 47

[12] Demandt, A., S.48

[13] Die Zeit seit der Gründung der Tetrarchie trägt auch in Abgrenzung zum augusteischen Prinzipat die Bezeichnung Dominat. Siehe Lehnen, Joachim: Adventus Principis.Untersuchungen zu Sinngehalt und Zeremoniell der Kaiserankunft in den Städten des Imperium Romanum. Frankfurt/Main 1997, S. 207-208

[14] Siehe Anm. 11

[15] Alföldi, A.: Die monarchische Repräsentation im römischen Kaiserreiche. Darmstadt 1980, S. 44

[16] Vgl. Alföldi, A., S. 44 und Enßlin, W., S. 39

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Kaiserzeremoniell des Diokletian
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
PS Konstantin der Große und die Schlacht an der Milvischen Brücke - derBeginn eines christlichen Kaisertums
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
11
Katalognummer
V23748
ISBN (eBook)
9783638268073
ISBN (Buch)
9783656556206
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit versucht die Frage zu lösen ob der Kaiser Diokletian sich tatsächlich als Gott verehren lassen hat, wie ihm von verschiedenen Autoren angelastet wird.
Schlagworte
Kaiserzeremoniell, Diokletian, Konstantin, Große, Schlacht, Milvischen, Brücke, Kaisertums
Arbeit zitieren
Gunter Janoschke (Autor), 1999, Das Kaiserzeremoniell des Diokletian, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23748

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