Friedrich Schiller: Sehnsucht - Wie sind primäre und sekundäre Bedeutungsebene miteinander verbunden?


Seminararbeit, 2004
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Textanalyse
2.1 Metrik
2.2 Sinnabschnitte
2.3 Die reale Welt
2.4 Die ideale Welt
2.5 Der Strom
2.6 Das lyrische Ich

3 Kontexte
3.1 Werkkontext
3.1.1 „Die Theosophie des Julius“
3.1.2 „Der Pilgrim“
3.2 Autorkontext
3.2.1 Zu Schillers Stil
3.2.2 Zu Schillers Philosophie und Kunstverständnis

4 Interpretation

5 Wie sind primäre und sekundäre Bedeutungsebene miteinander verbunden?

6 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird das Gedicht „Sehnsucht“ von Friedrich von Schiller analysiert, interpretiert und zum Schluss die zugrundeliegende Fragestellung „Wie sind primäre und sekundäre Bedeutungsebene miteinander verbunden“ beantwortet.

Dazu werden unter Punkt 2 sowohl die Signifikantebene als auch die Signifikatebene des Gedichts näher untersucht. Nach einem kurzen Blick auf die Metrik werden die Textelemente analysiert. Die hier gewählte inhaltlich-strukturierte Gliederung wurde der formal- strukturierten Gliederung vorgezogen, da die Elemente von Schillers Naturbeschreibung einem gemalten Bild gleichen und so erst mal problemlos isoliert für sich betrachtet werden können.

Unter Punkt 3 folgt die Untersuchung der Kontexte. Der Werkkontext beschäftigt sich kurz mit den inhaltlich in Bezug zum bearbeiteten Gedicht stehenden Werken „Die Theosophie des Julius“ und „Der Pilgrim“.

Der Autorkontext beschäftigt sich mit Schillers Schreibstil, unter besonderer Beachtung seiner bildlichen Mittel, und mit seinen philosophischen und kunsttheoretischen Ansichten.

Gerade Schillers philosophische Gedankengänge und sein sich daraus herleitendes Kunstverständnis sind zur Erfassung der zweiten Bedeutungsebene von besonderer Bedeutung, da Schiller in seinen Gedichten gerne eigene philosophische Gedankengänge verbildlicht.

Unter Punkt 4 Interpretation werden die Ergebnisse aus Textanalyse und Kontexterfahrungen zusammengebracht und der Versuch unternommen den Inhalt und die Bedeutung der Konnotationsebene des vorliegenden Gedichts zu erfassen.

Die zugrundeliegende Fragestellung wird dann unter Punkt fünf beantwortet. Es werden die verschiedenen Bezugspunkte von Denotations- und Konnotationsebene aufgezeigt, die nicht nur innerhalb des Gedichts, sondern auch mit Hilfe von Kontextwissen entstehen.

Die Texte Schillers die in dieser Arbeit benutzt werden, sind nach der Nationalausgabe zitiert (Siehe Literaturliste). Wenn Schiller aus diesen Texten zitiert wird, ist es daher nicht mehr im Text gekennzeichnet.

Ich hoffe, dass so eine umfangreiche und befriedigende Interpretation des Gedichts sowie mit ihrer Hilfe eine ausreichende Beantwortung der Fragestellung geleistet wird.

2. Textanalyse

2.1. Metrik

Das Gedicht „Sehnsucht“ von Friedrich Schiller ist in 4 Strophen a 8 Zeilen untergliedert. Als Versmaß dient der vierhebige Trochäus mit weiblich/männlich alternierenden Kadenzen im Kreuzreim. „Der trochäische Vierheber [...] gibt der Strophe einen festen, in Erzählung wie Gedanken- und Gefühlsausdruck stetig voranschreitenden Gang, den der regelmäßige Wechsel der Kadenzen jedoch vor Schwerfälligkeit bewahrt.“1 Abweichend von Trochäus ist, dass in jeder zweiten Zeile die unbetonte Silbe am Versende fehlt. Dieses Fehlen der unbetonten Silbe hat zur Folge, dass der Lesefluss bricht und die Verspaare näher zusammenrücken. Auch gibt es Unregelmäßigkeiten im Versmaß, beispielsweise zu Beginn der zweiten Strophe, wo nach zwei unbetonten und einer betonten Silbe drei unbetonte Silben folgen. Henning Falkenstein bezeichnet die Strophenform des Gedichts als „eine Abwandlung der Stanzenform“2, wobei weder Reimfolge noch Versform mit der der Stanzenform übereinstimmen. Lediglich die Versanzahl lässt eine Verbindung zur Stanzenform herstellen.

2.2 Sinnabschnitte

In den ersten vier Versen der ersten Strophe führt Schiller das lyrische Ich ein, welches sich in seiner aktuellen (besser: realen) Welt unwohl fühlt und bisher vergeblich den Ausgang aus dieser sucht. Im zweiten Teil der ersten Strophe wird demgegenüber eine Welt der Schönheit beschrieben, welche das lyrische Ich zwar sieht aber bisher nicht erreichen kann.

In der zweiten Strophe wird dann ausschließlich die greifbarnahe schöne Welt beschrieben, wie sie seine Reize aussendet und verschiedene Sinne des lyrischen Ichs stimuliert (hören, riechen, fühlen, sehen).

Die ersten vier Verse der dritten Strophe beschreiben dann wieder die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach eben dieser phantastischen Welt, die hier um das Attribut des „ewgen Sonnenschein“ ergänzt wird. Die restlichen Verse der dritten Strophe machen nun endlich deutlich, warum diese Welt so nah und doch so fern ist. Ein tobender Strom trennt das lyrische Ich und seine Welt von dem Wunderland.

Zu Beginn der vierten Strophe wird ein führerloser Nachen, der mit beseelten Segeln auf dem Strom treibt, beschrieben. Hiernach spricht das lyrische Ich den Leser/die Leserin direkt an und gibt Auskunft, wie die wunderschöne Welt zu erreichen ist.

2.3 Die reale Welt

Die Beschreibung der realen Welt fällt wesentlich knapper aus als die der idealen. Lediglich die ersten drei Verse zeichnen ein knappes Bild. Es ist zu erfahren, dass sie in „Tales Gründen“ gedrückt von „kaltem Nebel“ liegt. Verstärkt durch das anfängliche, herbwürdigend-sehnsüchtige „Ach“ des lyrischen Ichs, ist diese kurze Beschreibung aber dennoch prägnant. Der Ausgang, den das lyrische Ich sucht, wirkt in dieser Naturbeschreibung etwas fremd. Sowohl im Tale als auch auf dem Hügel befindet sich in der Regel kein richtiger Ausgang, höchstens mögliche Auswege aus dem Tal. Möglich, dass Schiller durch Benutzung dieses naturfremden Begriffes inmitten der Naturbeschreibung schon auf eine andere Verstehensebene deutet, aber das soll unter Punkt 5 vertieft werden. Eindeutig lässt der Ausgang, von dem noch gar nicht klar ist ob es ihn überhaupt gibt, diese Welt wie ein Käfig wirken, in dem das lyrische Ich gefangen ist. Außerdem impliziert die Suche nach dem Ausgang, dass es eine andere Welt gibt, denn jeder Ausgang ist gleichzeitig ein Eingang.

Dem Nebel, der in der Regel ohnehin schon mit Kälte assoziiert wird, ist hier noch das Attribut „kalt“ vorangestellt. Nicht ganz so offensichtlich, aber ähnlich beispielsweise dem `nassen Wasser`, wird in diesem Fall die Kälte, die hier also semantisch doppelt vorkommt, betont. Zusätzlich die Tatsache, dass der Nebel „dieses Tales Gründen“ auch noch „drückt“, gibt ihm einen weniger geheimnisvollen als doch eher ungemütlichen und beengenden Charakter.

Diese Welt ist nicht sonderlich lebenswert, und das wird schon vor Beginn der Beschreibung der schönen Welt deutlich.

2.4 Die ideale Welt

Syntaktisch einwandfrei, erhebt Schiller diese Welt unter anderem durch semantische Ungereimtheiten ins Phantastische. Sowohl „die Blumen“ die „keines Winters Raub“ werden, als auch die ewig scheinende Sonne oder die „ewig jungen“ Hügel sind in unserer realen Welt unvorstellbar. Auch nahezu jedes weitere Attribut dieser Welt, für sich allesamt schon Positiv besetzt, wird von einem positivierenden, erhebenden Adjektiv begleitet. Etwas deplaziert wirkt da lediglich das dunkle Laub, welches aber in dieser makellosen Welt nur deshalb dunkel zu sein scheint, um die „goldnen Früchte“ noch zu betonen. Doch wird diese Welt nicht nur im übertragenen Sinn erhoben, sondern auch ganz direkt durch die schönen Hügel, die das lyrische Ich als erstes erblickt, und zu denen es, hätt es Flügel, hinfliegen würde. In der dritten Strophe setzt Schiller das landschaftliche hoch-tief Gefälle abermals ein. Diesmal malt sich das lyrische Ich aus, wie labend doch die Luft auf jenen Höhen sein muss. Dieses bildlich eingesetzte Oben, entsprechend der idealen, und Unten, entsprechend der realen Welt, weist durch seine gesellschaftlich gefestigte Bedeutung, schon über die rein bildliche Ebene hinaus (Punkt 5).

Auffällig ist auch, dass die ideale Welt verschieden Sinne des lyrischen Ichs reizt. Rein optisch kann es sie war nehmen, zusätzlich spürt es noch die „leichten Winde“, riecht deren „Düfte“ und hört die himmlischen Harmonien klingen. Lediglich der Geschmackssinn wird nicht bedient, was aber allein technische Ursachen hat, da das lyrische Ich die Früchte dieser Welt halt nicht erreichen kann. Eine Welt die also noch so fern ist, das lyrische Ich aber dennoch schon so vereinnahmt, dass es nur noch Sinne für eben diese Welt hat.

Bedeutend ist auch, dass das Wunderland nicht durch prunkvolle Bauten, heldenhafte Menschen oder hübsche Damen begehrenswert dargestellt wird, sondern durch die Beschreibung einer makellosen nahezu perfekt wirkenden Natur. Jede Begierde nach Besitz scheint in dieser Welt nicht möglich, da alles was beschrieben wird der besitzlosen Natur angehört.

[...]


1 Frank, Horst J.: Handbuch der deutschen Strophenformen. Tübingen, Basel: Francke 1993.

2 Falkenstein, Henning: Das Problem der Gedankenlyrik und Schillers lyrische Dichtung. Marburg: Görich 1963, S. 89.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Friedrich Schiller: Sehnsucht - Wie sind primäre und sekundäre Bedeutungsebene miteinander verbunden?
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V23765
ISBN (eBook)
9783638268172
ISBN (Buch)
9783638774918
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Text- und Kontextanalyse, Interpretation und schlussendlich die Beantwortung der zugrundeliegenden Fragestellung "Wie sind primäre und sekundäre Bedeutungsebene miteinander verbunden?". Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Friedrich, Schiller, Sehnsucht, Bedeutungsebene, Thema Friedrich von Schiller
Arbeit zitieren
Johannes Gramlich (Autor), 2004, Friedrich Schiller: Sehnsucht - Wie sind primäre und sekundäre Bedeutungsebene miteinander verbunden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23765

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