China ist das Land des Wassers.
Zuerst, weil das wichtigste und symbolische Nährungsmittel Chinas, der Reis am Besten in
Bewässerungsfeldern angebaut wird, und also eine Menge Wasser braucht. Deshalb haben die
Chinesen komplexe Bewässerungssysteme entwickelt und die humiden Reisfelder herrschen
in unserer Vorstellung Chinas.
Zweitens, weil China einigen von den größten Flüssen der Welt besitzt (In Länge sowie in
Größe), insbesondere der Jangtse (6300 Km) und der Gelbe Fluss. Wir werden sehen, dass der
Raum des bewohnten Landes häufig um die Becken der großen Flüsse herumorganisiert und
das Alltagsleben nach dem Rhythmus der Hoch- und Niedrigwasser gerichtet wird. China
profitiert nämlich von den saisonalen Monsunregen, die das Süd und Südostland im Sommer
bewässern. Wasser wird dann nach Osten geführt, wobei es die oft 5000 Meter hohen Gebirge
herabkommt.
Diese Gefälle (5000m) geben China eine gigantische potenzielle Wasserkraft, einfach die
stärkste der Welt, vielleicht 660 000 MW. Davon wären 380 000 ökonomisch benutzbar.
China besitzt mehr als 22 000 große Dämme (Höher als 15 M oder breiter als 500 m). Die
Meisten wurden in den 50er und 60er aufgebaut aber heute hat China einen enormen Drang
nach Energie. Deshalb werden neue Wasserkraftprojekte durchgeführt. Diese haben aber
beträchtliche Auswirkungen auf die Flüsse, auf die Umwelt und auf die Raumordnung im
Allgemeinen.
Unter diesen Projekten zieht eines die ganze Aufmerksamkeit auf sich: Das Drei-Schluchten-
Projekt. Alle Frage, die ein riesiger Staudamm in China aufwerfen kann, sind nämlich da
konzentriert: Energiegewinnung, Disparitäten des chinesischen Raumes (insbesondere
zwischen der südöstlichen Küste und dem übrigen), Schutz gegen Überschwemmungen und
die Organisation der Umsiedlung von mindestens 1.2 Mio. Personen!
Am Beispiel des Drei-Schluchten-Projektes wird man die Implikationen für die Raumordnung
der großen Dämme in China untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Der Jangste im chinesischen Raum: die Ost-West Achse Chinas
1) Der Fluss
2) Das Becken
III Das Drei-Schluchten-Projekt
1) Vorgeschichte
2) Das Für- und Wider
3) Die Entscheidung
4) Daten (Veranschaulischungen)
IV Hochwasserschutz
1) Die regelmäigen Überschwemmungen
2) Prinzip des Hochwasserschutzes
3) Bestrittene Wirksamkeit
4) Die Raumordnun in betroffenen Räumen
V Energiegewinnung
1) Wachstum und Energie in China: ein „Engpass“ der Witschaft
2) Ungenügende Stromerzeugung Chinas
3) Erwartete Stromerzeugung des Drei-Schluchten-Dammes
VI Die Umsiedlung in der Planung
1) Vergangene Erfahrung
2) Die „entwicklungsorientierte Politik“
3) Die Tragweite der Aufgabe
4) Strategien der Umsiedlung
5) Rechtliche und finanzielle Hintergründe
VII Tatsächliche Umsiedlungen und Umwälzung des Raumes
1) Die Korruption
2) Der Wiederaufbau der Städte
3) Die Bauer und die Land-für-Land Politik
4) Die städtische Umsiedlung für die ländliche Bevölkerung
5) Fernumsiedlung
6) Falluntersuchung: Der Kaixian Distrikte
Abschluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die räumlichen, energetischen und sozialen Auswirkungen des Drei-Schluchten-Projekts in China. Im Zentrum steht die kritische Auseinandersetzung mit der Raumplanung, der staatlichen Strategie zur Hochwasserprävention und der massiven, herausfordernden Umsiedlung von über einer Million Menschen.
- Regionale Entwicklung und Raumplanung im Einzugsgebiet des Jangtse.
- Die Wirksamkeit von Hochwasserschutzmaßnahmen durch Großstaudämme.
- Wirtschaftswachstum und der immense Energiebedarf Chinas.
- Soziale und ökonomische Folgen der Zwangsumsiedlungen für die ländliche und städtische Bevölkerung.
Auszug aus dem Buch
3) Die Entscheidung
Wie die Entscheidung getroffen wird, ist aufschlussreich für die Verwaltung der Raumplanung in China in den 80er und 90er Jahren, als die Reformzeit mit Deng Xiaoping beginnt (1978). Der Entscheidungsprozeß bleibt ein Vorrecht des zentralen Staates, der noch immer große Projekte braucht, um die Bevölkerung zu mobilisieren und um zu beweisen, dass der chinesische Kommunismus und deren Führungskraft noch ehrgeizig und fähig sind, sich Denkmale zu errichten. So ist der Damm für viele Leute mehr ein „Prestigeobjekt“ als ein wirksames Instrument der Raumordnung. Ein Argument, das heutzutage gegen das Projekt verwandt wird, ist, dass die Durchführung des Projektes in einer Demokratie nicht möglich gewesen wäre. In der Volksrepublik Chinas werden die Bürger den hohen Interessen des Staates unterworfen. Es lässt also keinen Platz für Diskussionen in der Öffentlichkeit. Die Bevölkerung wurde niemals unmittelbar befragt. Um Demokratie handelt es sich fraglos nicht. Es ist jedoch falsch zu sagen, dass es keine Debatte im Staat selber gab. Zahlreichen, Techniker, Gouverneure der betroffenen Provinzen (Sichuan, Hubei,…) und Ministerien wurden gehört. Ein Ausdruck der Skepsis war 1992 der Nationalen Volkskongress, wo von 2633 Delegierten 177 gegen das Projekt stimmten und sich 664 der Stimme enthielten (etwas kaum vorgesehen). So eine Entscheidung ist sowieso nach der Abwiegung des Für und Wider vor allem politisch.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Wassers für China und die grundlegende Problematik des Drei-Schluchten-Projekts hinsichtlich Energie, Raumdisparitäten und Umsiedlungen ein.
II Der Jangste im chinesischen Raum: die Ost-West Achse Chinas: Dieses Kapitel beschreibt die geographischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten des Jangtse-Beckens als Lebensader und strukturierendes Element des chinesischen Raumes.
III Das Drei-Schluchten-Projekt: Hier werden die Vorgeschichte, das Für und Wider sowie der politische Entscheidungsprozess und die technischen Daten des Großprojekts analysiert.
IV Hochwasserschutz: Dieses Kapitel bewertet die Wirksamkeit des Damms als Schutzmaßnahme gegen die regelmäßig auftretenden, verheerenden Flutkatastrophen des Jangtse.
V Energiegewinnung: Die Analyse konzentriert sich auf das chinesische Wirtschaftswachstum, den enormen Energiehunger und die Rolle des Damms als alternative, erneuerbare Energiequelle.
VI Die Umsiedlung in der Planung: Dieses Kapitel befasst sich mit den historischen Erfahrungen Chinas bei Vertreibungen und den theoretischen Konzepten der „entwicklungsorientierten Umsiedlungspolitik“.
VII Tatsächliche Umsiedlungen und Umwälzung des Raumes: Hier werden die realen Probleme bei der Umsetzung, wie Korruption, städtischer Wiederaufbau, Schwierigkeiten der Land-für-Land Politik und Fernumsiedlungen, anhand von Beispielen dargelegt.
Abschluss: Der Abschluss zieht Bilanz über den Erfolg des Umsiedlungsprozesses und die langfristigen Herausforderungen für die chinesische Raumordnung.
Schlüsselwörter
Drei-Schluchten-Projekt, Jangtse, China, Raumplanung, Hochwasserschutz, Energiegewinnung, Umsiedlung, wirtschaftliche Entwicklung, Staudamm, Land-für-Land Politik, Korruption, Infrastruktur, Disparitäten, Wasserkraft, Umsiedler.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Drei-Schluchten-Projekts auf die Raumplanung und die Gesellschaft in der Volksrepublik China.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Hochwasserschutz, der Energiegewinnung durch Wasserkraft und den komplexen, oft problematischen Umsiedlungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Implikationen des Staudammbaus für die chinesische Raumordnung zu untersuchen, insbesondere im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen technischer Großplanung und den sozialen Kosten für die Betroffenen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, die Auswertung von Statistiken, Zeitungsberichten und NGO-Berichten, um ein vielschichtiges Bild des Projekts zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung geographischer Grundlagen, technischer Projektaspekte, der Energiepolitik sowie eine detaillierte Analyse der Umsiedlungspolitik und ihrer praktischen Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Drei-Schluchten-Projekt, Raumplanung, Umsiedlung, Hochwasserschutz, China und Wasserkraft.
Warum ist die Umsiedlungspraxis in diesem Projekt so umstritten?
Die Umsiedlung ist aufgrund von Korruption, unzureichenden Entschädigungszahlungen, dem Verlust von sozialem und landwirtschaftlichem Lebensraum sowie der erzwungenen Migration in fremde Regionen hochgradig kritisch.
Welche Rolle spielt die Korruption bei der Umsetzung der Umsiedlung?
Korruption in der Verwaltungskette führt laut der Arbeit dazu, dass Gelder, die für die Umsiedler vorgesehen sind, auf verschiedenen Ebenen abfließen, was das Vertrauen der Betroffenen untergräbt und den Erfolg der Maßnahmen gefährdet.
- Citar trabajo
- MA Johan Thienard (Autor), 2004, Regionalentwicklung um den Drei-Schluchten-Damm (Three Gorges Project) in der V.R. China, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23784