Wer älter wird, weiß Hilfe oft sehr zu schätzen. Viele ältere Menschen glauben aber, ihre Freiheit aufgeben zu müssen, um in sicherer Umgebung wohnen zu können. Dabei existieren seit einigen Jahren auch Möglichkeiten des Altenwohnens, bei denen ältere Menschen ihr Leben in Sicherheit und Selbstbestimmung genießen können. Der Grundgedanke dieses Betreuten Wohnens bzw. Servicewohnen ist, dass jeder in seinen "eigenen vier Wänden" lebt (unabhängig davon, ob als Wohneigentümer oder Mieter) und den Alltag mehr oder weniger alleine organisiert. Durch die Gestaltung bzw. Ausstattung der Wohnung, die den möglichen Bewegungseinschränkungen älterer Menschen Rechnung trägt, wird das eigenständige Wohnen gefördert. Als Ergänzung werden professionelle Serviceleistungen (bis hin zur Pflege) angeboten, die man nach Bedarf abrufen kann. Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit diesen Wohnformen im Alter. Zunächst wird auf das Kongruenzmodell von Eva Kahana eingegangen und es wird der Begriff des Alterns definiert. Bevor dann auf das konkrete Projekt „Servicewohnen Marktoberdorf“ eingegangen wird, dass sich auf eine Befragung mehrerer Bewohner stützt, wird zuerst auf allgemeine Dinge des Wohnens im Alter eingegangen. Die Arbeit soll Schwerpunktmäßig darstellen, warum ältere Menschen in Betreute Wohnanlagen umziehen, wo ihre Bedürfnisse und ihre Wünsche liegen. Am Beispiel des Servicewohnens Marktoberdorf soll aufgezeigt werden, ob diese Erwartungen erfüllt werden, oder ob es auch Enttäuschungen gibt. Die Arbeit schließt mit einem Resümee und Ausblick. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition und theoretische Fundierung
2.1 Altern – Eine Frage der Definition
2.2 Das Kongruenzmodell von Kahana
3 Wohnen im Alter
3.1 Wohnbedürfnisse im Alter
3.2 Wohnformen für ältere Menschen
3.3 Umzugsbereitschaft und –gründe
3.4 Einzugsgründe und Erwartungen vom Betreuten Wohnen
4 Projekt Servicewohnen in Marktoberdorf
4.1 Untersuchungsmethode und Vorgehensweise
4.2 Beschreibung der Wohnanlage
4.3 Ergebnisse der Befragung
4.4 Erwartungen der Bewohner – Erfüllt oder enttäuscht?
5. Resümee und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beweggründe älterer Menschen für einen Umzug in eine betreute Wohnanlage sowie deren Erwartungen an eine solche Wohnform, wobei das "Servicewohnen Marktoberdorf" als praktisches Fallbeispiel dient. Ziel ist es, durch eine Befragung der Bewohner herauszufinden, inwieweit ihre individuellen Bedürfnisse durch die realen Gegebenheiten vor Ort abgedeckt werden.
- Grundlagen des Alterns und das theoretische Kongruenzmodell von Kahana.
- Analyse allgemeiner Wohnbedürfnisse und Wohnformen im Alter.
- Untersuchung von Push- und Pull-Effekten als Auslöser für Wohnungswechsel.
- Evaluation des konkreten Projekts "Servicewohnen Marktoberdorf" mittels Experteninterviews.
- Gegenüberstellung von Bewohnererwartungen und tatsächlicher Wohnqualität.
Auszug aus dem Buch
3.1 Wohnbedürfnisse im Alter
Persönliche Vorlieben, Wohnwünsche, Anforderungen an das Wohnen. Dies alles fällt unter den Begriff „Wohnbedürfnis“. Verschiedene theoretische Modelle haben dies näher thematisiert, wie bspw. Carp und Carp (1984), die Bedürfnisse in Grundbedürfnisse und Wachstumsbedürfnisse eingeteilt. Sogenannte „basic needs“ dienen dem Aufrechterhalten der Selbständigkeit und „higher-order-needs“ der Wohnwunschverwirklichung und der Umsetzung von Vorlieben. Wohnbedürfnisse können auch wie bei Eva Kahana in Umweltvorlieben klassifiziert werden, die je nach Passung oder Fehlpassung von Umweltbedingungen zu Wohnzufriedenheit führen können (Saup, 1993, S.38/39).
Madörin (1985, zitiert nach Saup, 1993, S.104) stellte bei einer Wohnwunschbefragung fest, dass der „Wunsch nach Unabhängigkeit und einer selbständigen Lebensführung“ bei älteren Menschen sehr dominant sei. Befragungen älterer Menschen nach ihren Wohnbedürfnisse haben gezeigt, dass als wichtigste Bedürfnisse meist Sicherheit (materiell und medizinisch, Ruhe), Unabhängigkeit und Selbständigkeit genannt werden. Ein weiterer Wunsch sind kontaktfreudige Maßnahmen wie Altenclubs, Altentagesstätten und Altenzentren. Den Kindern gegenüber gilt der Wunsch durchaus in der Nähe zu wohnen, jedoch nicht unmittelbar in einem Haus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Wohnalternativen im Alter ein und stellt das untersuchte Projekt sowie die Forschungsfrage der Arbeit vor.
2 Definition und theoretische Fundierung: Das Kapitel erläutert den Begriff des Alterns und stellt das Kongruenzmodell von Kahana als theoretischen Rahmen für die Analyse der Passung zwischen Person und Umwelt vor.
3 Wohnen im Alter: Hier werden die spezifischen Wohnbedürfnisse, die Vielfalt der Wohnformen sowie die psychologischen Gründe für die Umzugsbereitschaft bei Senioren ausführlich diskutiert.
4 Projekt Servicewohnen in Marktoberdorf: Dieser Hauptteil beschreibt die methodische Vorgehensweise der durchgeführten Befragung und präsentiert detaillierte Ergebnisse zur Ausstattung, den sozialen Kontakten sowie den erfüllten oder enttäuschten Erwartungen der Bewohner.
5. Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einheitlicher Gütekriterien für ein gelungenes Betreutes Wohnen.
Schlüsselwörter
Altern, Betreutes Wohnen, Servicewohnen, Wohnbedürfnisse, Kongruenzmodell, Wohnqualität, Altenhilfe, Wohnumfeld, Selbständigkeit, Lebensqualität, Marktoberdorf, soziale Kontakte, Barrierefreiheit, Pflegebedürftigkeit, Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit den Gründen, warum Senioren in Betreute Wohnanlagen umziehen, und untersucht die Erwartungen an diese Wohnform.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die theoretischen Grundlagen des Wohnens im Alter, die Beschreibung von Wohnbedürfnissen sowie die praktische Evaluation einer spezifischen Anlage.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob das Modell "Servicewohnen" die Erwartungen der Bewohner hinsichtlich Sicherheit, Selbständigkeit und Komfort tatsächlich erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Studie verwendet?
Die Autorin führte 12 persönliche Interviews mit Bewohnern des Servicewohnens Marktoberdorf durch, basierend auf einem strukturierten Fragebogen des Lehrgebiets Ökologische Psychologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, eine allgemeine Darstellung des Wohnens im Alter sowie den empirischen Teil, der das Projekt in Marktoberdorf detailliert beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Altern, Betreutes Wohnen, Wohnbedürfnisse, Lebensqualität, Barrierefreiheit und soziale Netzwerke.
Wie bewerten die Bewohner die Ausstattung ihrer Wohnanlage?
Die Bewertung fällt gemischt aus: Während die Einkaufsmöglichkeiten gelobt werden, gibt es deutliche Kritik an der Barrierefreiheit, den schweren Eingangstüren und dem fehlenden Komfort im Gemeinschaftsraum.
Warum fühlen sich Bewohner durch die "Grundpauschale" oft getäuscht?
Viele Bewohner kritisieren, dass sie für die Grundpauschale kaum Gegenleistungen erhalten und bei Inanspruchnahme von Hilfsdiensten zusätzlich hohe Gebühren anfallen, die den Nutzen des Konzepts für sie in Frage stellen.
- Arbeit zitieren
- Christiane Juraske (Autor:in), 2004, Einzugs-, Umzugsgründe und Erwartungen an betreute Wohnanlagen als Wohnalternative im Alter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23811