Einzugs-, Umzugsgründe und Erwartungen an betreute Wohnanlagen als Wohnalternative im Alter


Hausarbeit, 2004

31 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Definition und theoretische Fundierung
2.1 Altern – Eine Frage der Definition
2.2 Das Kongruenzmodell von Kahana

3 Wohnen im Alter
3.1 Wohnbedürfnisse im Alter
3.2 Wohnformen für ältere Menschen
3.3 Umzugsbereitschaft und –gründe
3.4 Einzugsgründe und Erwartungen vom Betreuten Wohnen

4 Projekt Servicewohnen in Marktoberdorf
4.1 Untersuchungsmethode und Vorgehensweise
4.2 Beschreibung der Wohnanlage
4.3 Ergebnisse der Befragung
4.4 Erwartungen der Bewohner – Erfüllt oder enttäuscht?

5. Resümee und Ausblick

Lieraturverzeichnis

1 Einleitung

Wer älter wird, weiß Hilfe oft sehr zu schätzen. Viele ältere Menschen glauben aber, ihre Freiheit aufgeben zu müssen, um in sicherer Umgebung wohnen zu können. Dabei existieren seit einigen Jahren auch Möglichkeiten des Altenwohnens, bei denen ältere Menschen ihr Leben in Sicherheit und Selbstbestimmung genießen können. Der Grundgedanke dieses Betreuten Wohnens bzw. Servicewohnen ist, dass jeder in seinen "eigenen vier Wänden" lebt (unabhängig davon, ob als Wohneigentümer oder Mieter) und den Alltag mehr oder weniger alleine organisiert. Durch die Gestaltung bzw. Ausstattung der Wohnung, die den möglichen Bewegungseinschränkungen älterer Menschen Rechnung trägt, wird das eigenständige Wohnen gefördert. Als Ergänzung werden professionelle Serviceleistungen (bis hin zur Pflege) angeboten, die man nach Bedarf abrufen kann.

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit diesen Wohnformen im Alter. Zunächst wird auf das Kongruenzmodell von Eva Kahana eingegangen und es wird der Begriff des Alterns definiert. Bevor dann auf das konkrete Projekt „Servicewohnen Marktoberdorf“ eingegangen wird, dass sich auf eine Befragung mehrerer Bewohner stützt, wird zuerst auf allgemeine Dinge des Wohnens im Alter eingegangen. Die Arbeit soll Schwerpunktmäßig darstellen, warum ältere Menschen in Betreute Wohnanlagen umziehen, wo ihre Bedürfnisse und ihre Wünsche liegen. Am Beispiel des Servicewohnens Marktoberdorf soll aufgezeigt werden, ob diese Erwartungen erfüllt werden, oder ob es auch Enttäuschungen gibt. Die Arbeit schließt mit einem Resümee und Ausblick.

2 Definition und theoretische Fundierung

2.1 Altern - Eine Frage der Definition

Jeder, der sich mit dem Thema des Alterns befasst, wird bald auf terminologische Unklarheiten stoßen. Der Begriff "Altern" ist unscharf und – in der Alltagssprache gebraucht – negativ belastet: Ein Kind entwickelt sich, es wird älter, aber es altert nicht. Ab wann "altert" ein Organismus überhaupt? Betrachtet man „Altern“ unter vergleichend biologischen Gesichtspunkten, ist es zweckmäßig, die umfassendste Definition für diesen innerhalb der Organismen sehr heterogenen Prozess zu wählen, auf die sich auch die meisten Lexika beschränken: Altern ist eine irreversible zeitabhängige Veränderung von Struktur und Funktion lebender Systeme.

Doch sollte man den Begriff des Alterns nicht aufs biologische reduzieren. Altern kann auch mit einer Reduktion von sozialen Rollen, mit einer Verminderung von Leistungen oder mit einer Einschränkung von individuellen Kompetenzen einhergehen. Altern hat aber nicht zwangsläufig mit körperlichem und geistigem Abbau, sowie mit sozialem Rückzug zu tun. Saup (1991a) formuliert ein Modell des „konstruktiven Alterns“, dass zeigt, dass die persönliche Entwicklung einer Person nicht notwendig im Alter endet. Entwicklungsbedeutsame Persönlichkeitsveränderungen im Sinne der Erweiterung des Verhaltensrepertoires oder der Ausweitung von Kontakten zu Mitmenschen müssen auch im Alter nicht ausbleiben (vgl. Faltermaier, Mayring, Saup, Strehmel, 2002, S. 175 – 178).

2.2 Das Kongruenzmodell von Kahana

Da Altern ein sehr komplexer Vorgang ist, auf den biologische, psychologische und soziale Faktoren einwirken und sich wechselseitig beeinflussen, wurden je nach wissenschaftlicher Disziplin unterschiedliche Akzentuierungen in der Betrachtung des Alterns gesetzt. Es können dabei entweder primär physiologisch-biologische, psychologische oder soziologische Gesichtspunkte in den Vordergrund treten.

Im folgenden Abschnitt soll das Kongruenzmodell von Eva Kahana näher beleuchtet werden, das als allgemeines Rahmenmodell zur Belastungsbewältigung dient. Verantwortlich für ein glückliches Leben ist demnach nicht die Person allein und deren Merkmale, auch nicht nur die Umwelt, sondern beides muss zusammen passen. Wenn die Wünsche, Ziele und Bedürfnisse einer Person mit den Gegebenheiten der Umwelt übereinstimmen, kann eine hohe Lebensqualität erreicht werden, ist keine angemessene Befriedigung möglich, kann es zu Unbehagen, Unwohlsein, Unzufriedensein führen, was zu einer massiven Einschränkung der Lebensqualität führen kann. Die Kongruenz von Umwelt und Person erweist sich als entscheidend für das subjektive Lebensgefühl (vgl. Lazarus, 1999).

Kahana beschreibt den älteren Menschen und dessen Umwelt über 7 Dimensionen, „die einerseits von Umweltmerkmalen und andererseits von Personenmerkmalen abgeleitet sind“ (Saup, 1993, S.39):

Die Segregate Dimension bezieht sich auf die Homogenität bzw. Heterogenität der sozialen Umgebung. Sie beschreibt, wie man sich bspw. bezüglich des Geschlechts, des Gesundheitszustands oder des Alters von den Mitmenschen abhebt. Die Congregate Dimension beschreibt die Distanz, mit der die Person mit ihrer sozialen Umwelt in Verbindung steht bzw. wie viel Privatheit die Person sich wünscht und auch braucht. Um das Ausmaß an Kontrolle, das seitens einer Institution auf die Person ausgeübt wird bzw. von der Person erwünscht ist, geht es in der Institutional-Control Dimension.

Bisherige Dimensionen haben Umweltmerkmale charakterisiert. In den folgenden vier Dimensionen wird von den Charakteristika der älteren Person ausgegangen: Die Struktur-Dimension bezieht sich auf das Ausmaß des Bedürfnisses nach Eindeutigkeit bzw. Mehrdeutigkeit von Strukturen der sozialen und physikalischen Umwelt. Die Stimulations-Dimension steht in Verbindung mit der Toleranz der Person gegenüber einer stimulierenden -reizreichen - Umwelt, aber auch mit dem Grad des Verlangens nach eigener Aktivität. Die Affekt-Dimension umfasst das Bedürfnis einer Person nach emotionalem Ausdruck und die Intensität mit der sie dieses tut. Auf Seiten der Umwelt ist es wichtig, ob es Gelegenheiten zur emotionalen Expression gibt und in wieweit die soziale und physikalische Umwelt Affekte stimuliert. Beim Betrachten der Impuls-Kontroll-Dimension fällt der bei alten Menschen oft festzustellende Verfall der Fähigkeit, augenblickliche Impulse, wie z.B. ein bestimmtes Verlangen oder motorische Vorgänge zu kontrollieren, ins Gewicht (Saup, 1993, S.38 f).

Das optimale individuelle Wohlbefinden tritt nach Eva Kahana (Saup, 1993, S.40) dann ein, wenn die Ansprüche einer Person mit den Gegebenheiten der Umwelt in absolutem Einklang stehen, also kongruent sind.

Diese Erkenntnis kann vor allem bei der Auswahl der Versorgungsform für ältere Menschen behilflich sein. Sowohl Umweltmerkmale, als auch Bewohnerpräferenzen sollten aufeinander abgestimmt sein (Saup, 1993, S.41).

3 Wohnen im Alter

Eine zentrale Bedeutung für ein selbständiges Leben im Alter kommt der Wohnung und der unmittelbaren Wohnumgebung zu. Bei zunehmender Immobilität und Hilfebedürftigkeit wird der räumliche Aktionsradius immer mehr eingeschränkt und die Wohnung zum Mittelpunkt des täglichen Lebens. Eine schlecht erreichbare oder ungenügend ausgestattete Wohnung ist häufig ein zwingendes Motiv für einen Wohnungswechsel in eine barrierefreie Wohnung oder in eine stationäre Einrichtung. Im Folgenden soll auf die Wohnbedürfnisse, Wohnformen und Umzugsgründe älterer Menschen eingegangen werden.

3.1 Wohnbedürfnisse im Alter

Persönliche Vorlieben, Wohnwünsche, Anforderungen an das Wohnen. Dies alles fällt unter den Begriff „Wohnbedürfnis“. Verschiedene theoretische Modelle haben dies näher thematisiert, wie bspw. Carp und Carp (1984), die Bedürfnisse in Grundbedürfnisse und Wachstumsbedürfnisse eingeteilt. Sogenannte „basic needs“ dienen dem Aufrechterhalten der Selbständigkeit und „higher-order-needs“ der Wohnwunschverwirklichung und der Umsetzung von Vorlieben. Wohnbedürfnisse können auch wie bei Eva Kahana in Umweltvorlieben klassifiziert werden, die je nach Passung oder Fehlpassung von Umweltbedingungen zu Wohnzufriedenheit führen können (Saup, 1993, S.38/39).

Madörin (1985, zitiert nach Saup, 1993, S.104) stellte bei einer Wohnwunschbefragung fest, dass der „Wunsch nach Unabhängigkeit und einer selbständigen Lebensführung“ bei älteren Menschen sehr dominant sei. Befragungen älterer Menschen nach ihren Wohnbedürfnisse haben gezeigt, dass als wichtigste Bedürfnisse meist Sicherheit (materiell und medizinisch, Ruhe), Unabhängigkeit und Selbständigkeit genannt werden. Ein weiterer Wunsch sind kontaktfreudige Maßnahmen wie Altenclubs, Altentagesstätten und Altenzentren. Den Kindern gegenüber gilt der Wunsch durchaus in der Nähe zu wohnen, jedoch nicht unmittelbar in einem Haus.

An der Spitze der Wohnwünsche steht das Wohnenbleiben in der bisherigen Wohnung. Hierfür ist der alles dominierende Wunsch nach Vertrautheit ausschlaggebend. Heimaufenthalte werden vor allem deshalb abgelehnt, weil Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit aufgegeben werden müssen und zu wenig Anregung für die Lebensgestaltung geboten wird. Der dritte Altenbericht der Bundesregierung nennt rund 90% der 70- bis 85-Jährigen, die so lange wie möglich in ihrer vorhandenen Wohnung bleiben möchten (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ): Dritter Bericht zur Lage der älteren Generation, Bonn 2001, S. 254).

Gewünscht wird meist eine zentrale Lage, so dass wichtige Versorgungseinrichtungen des täglichen Bedarfs erreicht werden können. Aber auch die Versorgungssicherheit bei auftretenden gesundheitlichen Beschwerden, wie Ärzte, Ambulante Pflegedienste oder Begleit- und Fahrdienste sind wichtige Bedürfnisse älterer Menschen. Auch sollten Wahlmöglichkeiten zwischen lebhaften und ruhigen Aufenthaltsbereichen im Wohnumfeld und innerhalb der Wohnung bestehen, damit man sich bei Bedarf in einen ruhigen Bereich zurückziehen oder aber am umgebenden Leben teilhaben kann. Auch Treffpunkte im Wohnumfeld, die sich an alltäglich frequentierten Orten befinden, damit nachbarschaftliche Kontakte geknüpft und gepflegt werden können und dadurch die soziale Sicherheit im Wohngebiet erhöht wird (vgl. Heinze, Eichener, Naegele, Bucksteeg und Schauerte, 1997, S. 64-66).

Bevorzugt werden Wohnungen im 1. OG, Wohnungen im EG werden aus Sicherheitsgründen abgelehnt (dies trifft in Großstädten eher zu als in ländlichen Regionen). 1-Zimmer-Wohnungen werden abgelehnt, weil man nicht im gleichen Raum schlafen und wohnen möchte.

Viele ältere Menschen möchten lieber eine Wanne als eine Dusche im Bad. Es gibt Behinderungen und Krankheiten, bei denen eine Wanne erforderlich ist und einen guten Dienst leistet. Aus diesem Grund ist es wünschenswert, wenn Badezimmer sowohl Wanne als auch Dusche enthalten oder ein Badezimmer so installiert wird, dass auf einen bodengleichen Duschplatz problemlos eine Wanne aufgesetzt und wieder entfernt werden kann. (vgl. Narten, 1999, S. 84-89).

Ältere Menschen sollten so lange wie möglich alle erforderlichen Hausarbeiten selbst erledigen können. Dadurch können sie vorhandene Fähigkeiten trainieren und ihre Unabhängigkeit von Hilfspersonen erhalten. Aus diesem Grund ist es wichtig, auch bei eintretender Gebrechlichkeit die Wäsche noch selbst waschen und das Essen noch selbst zubereiten zu können. Die Badezimmer älterer Menschen sollten deshalb Platz zum Aufstellen einer Waschmaschine bieten, damit unnötige und beschwerliche Wege vermieden werden und auf diese Weise die Selbständigkeit lange erhalten bleibt (vgl. Narten, 1999, S.90).

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Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Einzugs-, Umzugsgründe und Erwartungen an betreute Wohnanlagen als Wohnalternative im Alter
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Psychologisches Institut)
Note
bestanden
Autor
Jahr
2004
Seiten
31
Katalognummer
V23811
ISBN (eBook)
9783638268509
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einzugs-, Umzugsgründe, Erwartungen, Wohnanlagen, Wohnalternative, Alter
Arbeit zitieren
Christiane Juraske (Autor), 2004, Einzugs-, Umzugsgründe und Erwartungen an betreute Wohnanlagen als Wohnalternative im Alter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23811

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