Die Übertragung in der Psychoanalyse


Hausarbeit, 2002
13 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Entwicklung der Patientin- Arzt- Beziehung im Hinblick auf die Übertragung in der Psychoanalyse am Beispiel der positiven Übertragung
1.1 Beobachtungen
1.2 Erklärung
1.3 Grundsätze zum Phänomen der Übertragung

2 Hintergründe über die Entstehung der Übertragung
2.1 Die Libido mit bewussten und unbewussten Anteilen
2.2 Die Introversion im Zusammenhang mit der Entstehung der Psychoneurose
2.3 Die Entstehung von Widerständen

3 Auswirkungen der Widerstände, Widerstand durch Übertragung

4 Verschiedene Formen der Übertragung und ihre Bedeutung in der Psychoanalyse

5 Bemerkungen über die Übertragungsliebe

6 Mögliche Verhaltensweisen im Zusammenhang mit der Übertragungsliebe, die nicht im Sinne der Psychoanalyse sind
6.1 Lösungsmöglichkeiten aus der Sicht von Laien mit kritischer Bewertung im Sinne der Psychoanalyse
6.2 Mögliche Verhaltensweisen des Arztes, die nicht im Sinne der Psychoanalyse sind

7 Der Umgang mit der Übertragungsliebe im Sinne der Psychoanalyse

8 Die Therapie der Neurose im Hinblick auf die Libido

9 Kritische Betrachtung der Übertragungsliebe im Vergleich zur „echten“ Liebe

10 Die Übertragung innerhalb und außerhalb der Psychoanalyse

11 Beispiele für Grenzen der Psychoanalyse im Hinblick auf die Übertragung

12 Literaturverzeichnis

1 Die Entwicklung der Patientin- Arzt- Beziehung im Hinblick auf die Übertragung in der Psychoanalyse am Beispiel der positiven Übertragung

1.1 Beobachtungen

Eine neurotische[1] Patientin sucht einen Arzt, genauer einen Psychoanalytiker, auf, um ihr persönliches Leiden zu bearbeiten bzw. um von einer Störung zu genesen. In der Therapie wird schnell deutlich, dass die Patientin ihr Interesse viel mehr auf den Arzt, als auf ihr Problem bzw. ihre Krankheit, wegen der sie den Arzt aufgesucht hat, lenkt. Dieses gesteigerte Interesse für den Arzt hat zur Folge, dass die Patientin in der Zusammenarbeit zunächst sehr kooperativ ist und der Arzt sowohl von der Patientin als auch von ihren Angehörigen häufig positive Rückmeldungen bekommt. Unter diesen Umständen gestaltet sich die Zusammenarbeit für den Arzt sehr angenehm, die Behandlung nimmt einen positiven Verlauf. Die Patientin beteiligt sich aktiv an der Analyse, ist z.B. Neuem aufgeschlossen und gibt ihre Einfälle/ Erinnerungen preis. Damit befolgt sie auch die Grundregel der Psychoanalyse: Alles, was dem Patienten in den Sinn kommt, soll gesagt werden.

In dieser Phase kommt es oftmals zu einer objektiven Besserung des Krankheitszustandes der Patientin.

Diese positive Entwicklung in der Analyse ist allerdings nicht von Dauer. Nach einer gewissen Zeit kommt es zu Schwierigkeiten in der Behandlung. Die Patientin beteiligt sich nicht mehr wie zuvor aktiv an der Analyse. Ein deutliches Merkmal dafür ist, dass die Patientin nicht mehr alles sagt, was ihr in den Sinn kommt. Die Therapie erfährt einen Widerstand, wodurch der positive Behandlungsverlauf in Gefahr gerät.

1.2 Erklärung

Im Sinne von Freud ist die Ursache für diese Störung, dass die Patientin zärtliche Gefühle für den Arzt entwickelt (à auf den Arzt übertragen) hat, welche weder durch das Verhalten des Arztes noch durch die während der Therapie entstandene Arzt- Patientin- Beziehung zu erklären sind. Je nach persönlichen Verhältnissen ist es unterschiedlich, wie sich diese zärtlichen Gefühle bzw. Verliebtheit äußern und welche Ziele verfolgt werden. Das Ganze erscheint bei nahezu Gleichaltrigen für Außenstehende noch nachvollziehbar und lässt an eine normale Verliebtheit denken. Bei dem Beispiel, dass sich eine neurotische junge Frau in ihren jungen Arzt verliebt, könnte somit übersehen werden, dass es sich bei der jungen Frau um eine Störung der Liebesfähigkeit handeln könnte.

Die Gefühlsentwicklung zwischen Patientin und Arzt wird immer auffälliger bzw. befremdlicher, desto mehr sich die persönlichen Verhältnisse zwischen Patientin und Arzt unterscheiden (z.B. junge Patientin, wesentlich älterer Arzt). Natürlich ist dabei zu beachten, dass es derartige Fälle auch außerhalb der Psychoanalyse gibt.

Freud beschreibt, dass die Entstehung dieser Gefühle für den Arzt nicht in Ausnahmefällen, sondern regelmäßig vorkommt, auch bei „geradezu grotesken Missverhältnissen“. (Sigmund Freund, Studienausgabe, Band I: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse und Neue Folge, 1969, S. 425)

So spricht er dabei nicht mehr von einem Zufall, sondern benennt dies als Phänomen, welches mit der Krankheit zusammenhängt.

Dieses Phänomen nennt Freud Übertragung.

- Bei der Übertragung werden Gefühle und Eigenschaften, die im Zusammenhang mit bedeutsamen Personen aus der Kindheit entstanden sind, auf den Psychoanalytiker verschoben. Diese Verschiebungen bzw. Projektionen führen zu einer Verzerrung der Realität, insbesondere einer realistischen Sicht des Analytikers.

Die Übertragung kann sich in diesem Zusammenhang auf vielfache Weise äußern, z.B. als stürmische Liebesforderung, aber auch in Form des Wunsches, bevorzugte Tochter zu werden, als Freundschaftswunsch, etc.

1.3 Grundsätze zum Phänomen der Übertragung

Die Übertragung entsteht bereits zu Beginn der Behandlung und beeinflusst die Therapie zunächst positiv. So kommt es z.B. bei Patientinnen durch das gesteigerte Interesse für den Arzt zu einer guten Mitarbeit in der Analyse.

Wenn die Übertragung zum Widerstand wird, kann dies zwei Ursachen haben:

1. Die zärtlichen Gefühle sind so stark geworden, dass deutlich wird, dass sie sexuellen Hintergrund haben und sich ein Widerstand in der Person gegen dieses starke Bedürfnis entwickelt
2. Es handelt sich um eine negative Übertragung, d.h. um die Übertragung feindseliger Gefühle auf den Arzt, die wiederum die Mitarbeit des Patienten und damit die Therapie beeinträchtigen.

2 Hintergründe über die Entstehung der Übertragung

2.1 Die Libido mit bewussten und unbewussten Anteilen

Jeder Mensch hat seine individuelle Art, wie er seine Liebe auslebt, welche Bedingungen er an die Liebe stellt, welche Triebe er befriedigen möchte und welche Ziele damit verbunden sind. Diese individuelle Art entwickelt sich durch die Kombination von mitgebrachter Anlage und äußeren Einflüssen in der Kindheit. Die Entwicklung ist prägend und begleitet den Menschen durch das Leben, wobei es natürlich, je nach dem, wen der Mensch liebt, in einem gewissen Rahmen zu Veränderungen und Neugestaltungen kommen kann.

Von dieser Art, die das Liebesleben bestimmt, von seiner Libido[2], ist dem Menschen allerdings nur ein Teil bewusst. Dieser Teil hat die volle psychische Entwicklung durchgemacht, steht dem Menschen bewusst zur Verfügung und ist auch Teil seiner Persönlichkeit.

Der andere Teil ist dem Menschen nicht bewusst. Er hat nicht die volle Entwicklung bis zum Bewusstsein durchgemacht, war entweder nur in der Phantasie oder ist völlig im Unbewussten geblieben.

Wenn nun die Liebesbedürftigkeit eines Menschen nicht befriedigt wird, entstehen bei neuen Kontakten zu anderen Menschen libidinöse[3] Erwartungsvorstellungen. Dabei spielt mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl die bewusste als auch die unbewusste Libido eine Rolle.

So kann es z.B. dazu kommen, dass eine unbefriedigte Patientin ihre Libido auf den Arzt richtet.

Durch die Übertragung, in diesem Falle auf den Arzt, werden Situationen bzw. Gefühle hervorgebracht, die, objektiv betrachtet, nicht angemessen oder nachvollziehbar sind.

2.2 Die Introversion im Zusammenhang mit der Entstehung der Psychoneurose

Nach Freud geht jeder Psychoneurose die Introversion der Libido voraus. Das heißt, der Anteil der bewusstseinsfähigen Libido wird verringert, der Anteil der unbewussten Libido dementsprechend vermehrt. „Die Libido hat sich (ganz oder teilweise) in die Regression begeben und die infantilen Images wieder belebt.“ (Sigmund Freud: Studienausgabe- Schriften zur Behandlungstechnik, 1975, S.162)

Hier knüpft die Analyse an, indem durch sie die unbewusste Libido aufgespürt und bewusst gemacht werden soll.

2.3 Die Entstehung von Widerständen

Die Introversion entsteht durch Lebensumstände, nicht erfüllte Befriedigung und ist für den Betroffenen zumindest für eine gewisse Zeit zweckmäßig. Es gibt Kräfte, die diese Entwicklung verursacht haben. Diese Kräfte versuchen, den Zustand der Introversion aufrecht zu erhalten, da er, wie gesagt, seinen Sinn hatte. So wehren sie sich gegen die Psychoanalyse, die an der Introversion arbeitet und werden damit als Widerstand gegen die Therapie spürbar.

Freud beschreibt noch eine weitere Ursache für die Entstehung von Widerständen: Die bewusste Libido steht unter der Anziehung der Realität auf der einen Seite und der Anziehung unbewusster Komplexe auf der anderen Seite. Lässt nun die Anziehung der Realität nach, so kommt es wiederum zur Regression. Es wird also die Aufgabe in der Therapie sein, die unbewussten Komplexe zu bearbeiten und damit die bewusste Libido frei von ihrer Anziehung zu machen.

[...]


[1] neurotisch: An einer Neurose leidend; Neurose: Seit Freud Bezeichnung für psychisch bedingte Gesundheitsstörung und im Sinne der Psychoanalyse durch unbewusste, ungelöste Kindheitskonflikte bedingt. Alle lebensgeschichtlich bedingten seelischen Störungen.

[2] Libido: Kraft, mit welcher sich der Sexualtrieb äußert

[3] Libidinös. Auf die Libido bezogen, die sexuelle Lust betreffend

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Details

Titel
Die Übertragung in der Psychoanalyse
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich Sozialwesen)
Veranstaltung
Psychoanalyse als Therapie und von ihr abgeleitete Verfahren
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V23870
ISBN (eBook)
9783638268943
ISBN (Buch)
9783638935203
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Psychoanalyse, Therapie, Verfahren
Arbeit zitieren
Iris Busch (Autor), 2002, Die Übertragung in der Psychoanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23870

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