Toni Morrison - Analyse einer Frauenbiographie


Seminararbeit, 2001
10 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Afroamerikanische Frauen – Familie und Erwerbstätigkeit

2. Die Biographie von Toni Morrison

3. Biographieanalyse unter Berücksichtigung soziologischer Befunde und Konstrukte

Literaturverzeichnis

1. Afroamerikanische Frauen – Familie und Erwerbstätigkeit

Seit 1960 ist die Zahl der berufstätigen Mütter in den USA kontinuierlich angestiegen. In den fünfziger Jahren gingen lediglich 12% der Mütter mit Kindern unter sechs Jahren einer Erwerbstätigkeit nach; 1980 lag der Anteil bei 45% und 1987 bereits bei 57%. Trotz verstärkter Präsenz auf dem Arbeitsmarkt sind Frauen primär für die Haushalts- und Familienarbeit verantwortlich. Die Hausarbeitsbeteiligung von Männern liegt in Familien mit berufstätigen Frauen nur geringfügig höher als die in Familien mit Hausfrau. Die Erwerbstätigkeit afroamerikanischer Mütter liegt deutlich höher als die Beschäftigung weißer und hispanischer Mütter. In mehr als der Hälfte aller schwarzen Familien ist die Mutter Alleinversorgerin und –erzieherin.

Die Doppelbelastung von Familien- und Erwerbsarbeit ist für Afroamerikanerinnen kein neues Problem. Bereits zur Zeit der Jahrhundertwende arbeiteten zahlreiche schwarze Frauen als Hausangestellte weißer Mittelklassefamilien und während des ersten Weltkriegs erhielten viele Afroamerikanerinnen durch den Bedarf an Arbeitskräften eine industrielle Beschäftigung als Fabrikarbeiterin. Weibliche Zuarbeit war eine Selbstverständlichkeit, um die Familienexistenz zu sichern, da der Verdienst des Mannes meist unzureichend war. Viele schwarze Frauen sehen die Parallelität von Erwerbs- und Familienarbeit auch heutzutage nicht als Konflikt. In einem Interview äußerte sich die Schriftstellerin Toni Morrison zu dieser Problematik folgendermaßen:

“Most black women (...) had to work in two places – on the marketplace and at home so that they didn’t feel that the feminist’s conflict between homemaker and career was always a conflict. It was never a conflict for me, personally, since I always knew I had to work and always assumed I would be married and have children, but I thought that’s the way it was. I mean it wasn’t a conflict – we worked both of those things together, since that is traditionally what black women have always done.”[1]

Der Kampf um eine rechtliche Gleichstellung und Emanzipation der Frau hat für Afroamerikanerinnen eine andere Bedeutung, da die Gründe für deren Ungleichbehandlung nicht nur in ihrem Geschlecht, sondern auch in ihrer Rasse liegen. Es besteht eine Doppeldiskriminierung von Rassismus und Sexismus, wobei die Bekämpfung der Rassenfeindlichkeit an erste Stelle gesetzt wird.

2. Die Biographie von Toni Morrison

Toni Morrison wird als Chloe Wofford am 18.2.1931 in Lorain, Ohio geboren. Sie ist das zweite von vier Kindern des Ehepaares George und Ramah Wofford. Ihr Vater und die Familie ihrer Mutter sind, wie viele andere Afroamerikaner, zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach einem besseren Leben und besseren Arbeitsplätzen aus den Südstaaten in den industriellen Norden gezogen. Der Süden bedeutet für die schwarzen Amerikaner damals Rassenhass und -trennung, Lynchjustiz und harte Landarbeit. In den dreißiger Jahre, während der Grossen Depression ist die Arbeitslosigkeit in den USA extrem hoch. George Wofford arbeitet als Bauarbeiter, Autowäscher und Schweißer in der Stahlindustrie. Oft ist er in allen drei Berufen gleichzeitig beschäftigt um seine Familie versorgen zu können. Trotzdem gibt es auch Phasen der Arbeitslosigkeit. Als Chloe zwei Jahre alt ist, können die Eltern für die Miete ihres Hauses, die bei 4$ liegt, nicht aufkommen und werden vom Vermieter aufgefordert auszuziehen. Nachdem sie sich weigern, läßt er das Haus nachts anzünden, während die Familie anwesend ist; verletzt wird jedoch niemand.

Trotz der schwierigen Umstände verlebt Chloe eine fröhliche Kindheit. Die Familie ist sehr musikalisch; ihre Mutter singt im Kirchenchor und ihr Großvater ist Geiger und unterstützt die Familie sogar zeitweilig mit seiner Musik. Lesen und das Erzählen alter Geschichten und Mythen sowie Traumdeutung sind innerhalb der Wofford Familie beliebte Freizeitbeschäftigungen. Chloe wird sehr früh mit Büchern konfrontiert und ist in der ersten Klasse das einzige Kind, welches bereits lesen kann.

Die Familie lebt in einer integrierten Nachbarschaft; die meisten Nachbarn sind europäische Immigrantenfamilien. Chloe geht nicht nur mit schwarzen, sondern auch mit deutschen, irischen, italienischen und griechischen Kindern zur Schule. Es existieren dennoch ethnische Barrieren. Einige Orte der Stadt, wie z.B. der See im Stadtpark, sind Afroamerikanern nicht zugänglich. Chloe wächst in einem eher rassistischen Haushalt auf. Vor allem die männlichen Familienmitglieder, ihr Großvater mütterlicherseits und ihr Vater, sind vom Hass und Misstrauen gegenüber Weißen geprägt. Die Frauen, Großmutter und Mutter haben dagegen noch nicht resigniert und glauben an einen Fortschritt der Schwarzen und eine moralische Verbesserung der Weißen. Sie besitzen eine starke Willenskraft und äußern sich offen über Ungleichheit.

„Oft erzählt Toni Morrison die Geschichte, wie ihre Mutter, als das Essen von der Sozialfürsorge voller Würmer war, sofort einen Beschwerdebrief an Präsident Roosevelt schrieb: das Essen wurde tatsächlich besser . . . So bestand Toni Morrisons frühe Erziehung aus einer Mischung von Hoffnung und Verzweiflung, was ihre Situation als Schwarze betraf . . . “[2]

[...]


[1] Blunck, Malwine: Toni Morrison – Eine Studie über die afroamerikanische Autorin und ihr Werk. S.9.

[2] Blunck, Malwine: Toni Morrison – Eine Studie über die afroamerikanische Autorin und ihr Werk. S.6.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Toni Morrison - Analyse einer Frauenbiographie
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Soziologie)
Veranstaltung
Biographie und Geschlecht
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
10
Katalognummer
V23877
ISBN (eBook)
9783638268998
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Erwerbstätigkeit und familiale Arbeit afroamerikanischer Frauen, Biographie von Toni Morrison, Biographieanalyse unter Berücksichtigung soziologischer Befunde und Konstrukte
Schlagworte
Toni, Morrison, Analyse, Frauenbiographie, Biographie, Geschlecht
Arbeit zitieren
Natalie Lewis (Autor), 2001, Toni Morrison - Analyse einer Frauenbiographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23877

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