Notwendige Bedingung jedweder Wissenschaft ist die physische Integrität im Sinne des gewährleisteten Funktionierens des Organismus. Die Existenz geht dem Wissen voraus und ihre Erhaltung schafft die Möglichkeit für Erkenntnis für alle Menschen der Gegenwart und Zukunft. Die globale Befriedigung existentieller materieller Bedürfnisse wie die Sicherung der natürlichen materiellen Existenzbedingungen ist Gegenstand verschiedener Einrichtungen der Vereinten Nationen, beispielsweise Weltklimagipfel, Welternährungskonferenz, Artenschutzkonferenzen, deren Ergebnisse häufig wenig befriedigend ausfallen, u.a. weil ökonomische Interessen eine höhere Bargaining Capacity und bessere Lobbies haben als Menschenrechts- oder Umweltschutzorganisationen aus der Zivilgesellschaft. Eine höhere Lebenserwartung, eine egalitäre Vermögensverteilung und eine intakte Umwelt wären zweifellos ein hoher sozialer Gewinn für die große Mehrheit der etwa 6 Milliarden Menschen, jedoch kein privatisierbarer Gewinn für eine kleine Minderheit der globalen Machteliten. Beabsichtigte Verbesserungen benötigen einen auf einschlägiges Bewußtsein gestützten Willen, was unter den Bedingungen einer kulturindustriellen Aufmerksamkeitslenkung und Formierung mit dem Korrelat einer postmodernen aufklärungsfeindlichen Indifferenz zynischer Egoisten und Konsumisten erstweltlicher Provenienz schlechte Verwirklichungschancen hat. Unter diesen Bedingungen werden Bürgergesellschaftsentwürfe publiziert, die ein ideologisches Bewußtsein schaffen wollen, indem sie nicht nur die falschen Probleme benennen, sondern auch falsche Lösungen vorschlagen. Sie geben die Wirklichkeit unter Auslassungen und Verfälschungen wieder und stellen auf dieser Basis an Gesellschaft und BürgerInnen Forderungen, deren Einlösung ökonomische und gesellschaftliche Spannungen verstärken würde. Der Zivilgesellschaftliche Republikanismus ist dagegen als linksliberaler republik- und demokratietheoretischer Ansatz nicht bevormundend angelegt, sondern überläßt die Bewußtseinsbildung und Aufklärung den BürgerInnen selbst und sieht dabei nationalstaatliche Grenzen nicht als verbindlich vor.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT
1. EINLEITUNG
1.1 Relevanz
1.2 Thema
1.3 Methoden
1.4 Literatur
2. (NEO)KONSERVATISMUS
2.1 Entwicklung
2.2 Definition
2.2.1 Begriff
2.2.2 Elemente
2.2.2.1 Epistemologie
2.2.2.2 Geschichtsphilosophie
2.2.2.3 Technokratie
2.2.2.4 Organologie
2.2.2.5 Pädagogik
3. BÜRGERGESELLSCHAFTSENTWÜRFE
3.1 Andreas Khol
3.2 Alois Glück
3.3 Lothar Späth
4. NEOKONSERVATIVER GEHALT DER BÜRGERGESELLSCHAFTSENTWÜRFE
4.1 Andreas Khol
4.1.1 Epistemologie
4.1.2 Geschichtsphilosophie
4.1.3 Technokratie
4.1.4 Organologie
4.1.5 Pädagogik
4.2 Alois Glück
4.2.1 Epistemologie
4.2.2 Geschichtsphilosophie
4.2.3 Technokratie
4.2.4 Organologie
4.2.5 Pädagogik
4.3 Lothar Späth
4.3.1 Epistemologie
4.3.2 Geschichtsphilosophie
4.3.3 Technokratie
4.3.4 Organologie
4.3.5 Pädagogik
5. ZIVILGESELLSCHAFTLICHER REPUBLIKANISMUS
5.1 Claude Leforts Politische Philosophie
5.1.1 Grundlagen und Entwicklung
5.1.1.1 Biographie und Kontext
5.1.1.2 Bürokratie
5.1.1.3 Ideologie
5.1.2 Zivilgesellschaftlicher Republikanismus bei Claude Lefort
5.1.2.1 Politisch-Philosophische und historische Grundlagen
5.1.2.2 Demokratietheorie
5.1.2.3 Menschenrechte
5.1.2.4 Totalitarismus
5.2 Zivilgesellschaftlicher Republikanismus bei Helmut Dubiel, Günter Frankenberg und Ulrich Rödel
5.2.1 Historische Grundlagen
5.2.2 Zivilgesellschaft
5.2.3 Konflikt
5.2.4 Republik
5.2.5 Ziviler Ungehorsam
5.2.6 Begründung des sozialen Sicherungssystems
Exkurs
6. ZIVILGESELLSCHAFTLICH-REPUBLIKANISCHE IMPLIKATIONEN NEOKONSERVATIVER GESELLSCHAFTSENTWÜRFE
6.1 Gesellschaft
6.2 Öffentlich-Politische Sphäre
6.3 Konflikt
6.3.1 Menschenrechte
6.4 Macht – Recht – Wissen
6.4.1 Ideologie
6.4.1.1 Bürgerliche Ideologie
6.4.1.2 Totalitäre Ideologie
6.4.2 Zivilreligion
7. ZUSAMMENFASSUNG
8. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung und Themen
Die Diplomarbeit untersucht die neokonservativen Bürgergesellschaftsentwürfe von Andreas Khol, Alois Glück und Lothar Späth im Hinblick auf ihre politische Theorie und Anwendung. Das Ziel ist es, diese Entwürfe anhand der Theorie des "Zivilgesellschaftlichen Republikanismus" (insbesondere nach Claude Lefort und dem deutschen Autorenkollektiv Dubiel/Frankenberg/Rödel) kritisch zu analysieren, um ihren gesellschaftspolitischen Gehalt sowie deren Auswirkungen auf demokratische Grundprinzipien und soziale Sicherungssysteme offenzulegen.
- Analyse und Dekonstruktion neokonservativer Gesellschaftsentwürfe.
- Theoretische Einordnung im Kontext von Konservatismus und Neokonservatismus.
- Anwendung der Theorie des Zivilgesellschaftlichen Republikanismus als analytisches Korrektiv.
- Kritische Diskussion von Themen wie Macht, Recht, Wissen, Individuum und Staat.
- Untersuchung der Rolle von Bürgerengagement, Leistungsgesellschaft und gesellschaftlicher Kohäsion.
Auszug aus dem Buch
Die neokonservative Intellektuellenkritik
Die neokonservative Intellektuellenkritik ist ein relativ junges Phänomen, das sich seit etwa den 1960er Jahren nachweisen läßt. Den intellektuellen Menschen charakterisiert aus neokonservativer Sicht ein hoher formaler Bildungsgrad, gesellschaftliches Engagement, ein Berufstypus im Dienstleistungsbereich, vorzugsweise freiberuflich, im öffentlichen Dienst oder bei Massenmedien und er steht politisch links. Den Intellektuellen, synonym der „Intelligenz“, wird eine Funktions- und Zwecklosigkeit ihrer Tätigkeit verglichen mit den Experten aus Wirtschaft, Technik und Staat unterstellt, sie hätten keinen direkten Erfahrungszugang und seien nicht verantwortlich für praktische Dinge, statt dessen würden sie zunehmend nach sozialem Status und politischem Einfluß streben. Die Erosion traditionaler Sinnstifter und religiöser Weltdeutungssysteme benutzten die Intellektuellen, um ihre Fähigkeit zur Reduktion von Ungewißheit und sinnhaften Orientierung in einer nicht theoriefähigen weil zu komplexen Gesellschaft für ihre egoistischen Herrschaftsinteressen zu mißbrauchen, was die Neokonservativen bis zu der Einschätzung bringt „die sozialwissenschaftliche Intelligenz sei ein neuer Klerus“ (Dubiel 1985, S. 112).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Relevanz und Fragestellung der Arbeit sowie Erläuterung der angewandten Methoden und der Literaturwahl.
2. (NEO)KONSERVATISMUS: Systematische Aufarbeitung des Konservatismus, seiner Definition und seiner zentralen Elemente wie Epistemologie, Technokratie und Organologie.
3. BÜRGERGESELLSCHAFTSENTWÜRFE: Kurzdarstellung und Analyse der Konzepte von Andreas Khol, Alois Glück und Lothar Späth.
4. NEOKONSERVATIVER GEHALT DER BÜRGERGESELLSCHAFTSENTWÜRFE: Detaillierte analytische Zusammenführung der (neo)konservativen Merkmale mit den Inhalten der untersuchten Bürgergesellschaftsentwürfe.
5. ZIVILGESELLSCHAFTLICHER REPUBLIKANISMUS: Theoretische Darstellung des Analyseinstruments basierend auf den Arbeiten von Claude Lefort sowie Dubiel, Frankenberg und Rödel.
6. ZIVILGESELLSCHAFTLICH-REPUBLIKANISCHE IMPLIKATIONEN NEOKONSERVATIVER GESELLSCHAFTSENTWÜRFE: Kritische Anwendung der Theorie des Zivilgesellschaftlichen Republikanismus auf die neokonservativen Entwürfe zur Identifikation von Problemfeldern und demokratischen Defiziten.
7. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der wichtigsten Ergebnisse und abschließende Bewertung des neokonservativen Charakters der untersuchten Konzepte.
Schlüsselwörter
Neokonservatismus, Bürgergesellschaft, Zivilgesellschaftlicher Republikanismus, Sozialstaat, Demokratie, Claude Lefort, politischer Pluralismus, Subsidiarität, Leistungsgesellschaft, Konservatismus, politische Theorie, Macht-Recht-Wissen, Systemkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit aktuelle "Bürgergesellschaftsentwürfe" führender konservativer Politiker den Idealen des neokonservativen Denkens entsprechen und wie diese Konzepte kritisch aus der Perspektive des Zivilgesellschaftlichen Republikanismus bewertet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen die ideengeschichtliche Entwicklung des Neokonservatismus, die Analyse spezifischer Bürgergesellschaftsmodelle (Khol, Glück, Späth) sowie die Erörterung demokratietheoretischer Grundlagen, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis von Staat, Gesellschaft, Macht und Recht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Fragestellung lautet, welche Ergebnisse die Anwendung der „Theorie des Zivilgesellschaftlichen Republikanismus“ auf die neokonservativen Gesellschaftsentwürfe bringt, insbesondere um deren Konformität mit neokonservativen Prämissen und deren Auswirkungen auf die demokratische Republik zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine theoretische Forschung, die mittels eines normativen Analyseinstruments (Zivilgesellschaftlicher Republikanismus) die Untersuchungsobjekte (Bürgergesellschaftsentwürfe) transzendent kritisiert, wobei auch implizite Annahmen und absente Elemente hermeneutisch erschlossen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Konservatismus, die induktive Aufarbeitung der Bürgergesellschaftsentwürfe, die analytische Zusammenführung dieser beiden Bereiche sowie die abschließende kritische Anwendung der Theorie auf die Entwürfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Neokonservatismus, Bürgergesellschaft, Zivilgesellschaftlicher Republikanismus, Sozialstaat, Demokratiekritik sowie Macht-Recht-Wissen definieren.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des Staates in diesen Entwürfen?
Der Autor kritisiert, dass unter dem Vorwand der Privatisierung und des Abbaus staatlicher Leistungen die Freiheit der Bürger faktisch beschnitten wird, während gleichzeitig ein starker "Ordnungsstaat" zur Disziplinierung und zur Durchsetzung spezifischer gesellschaftlicher Werte installiert werden soll.
Welche Rolle spielt die Familie in den analysierten Modellen?
Die Arbeit zeigt auf, dass alle drei Politiker die Familie stark überhöhen, sie als "Keimzelle" stilisieren und sie als zentrale moralische Instanz zur Vermittlung konservativer Tugenden instrumentalisieren, wobei individuelle Lebensentwürfe, die nicht diesem Bild entsprechen, marginalisiert werden.
- Quote paper
- Erich Gamsjäger (Author), 2003, Neokonservative Bürgergesellschaft und Zivilgesellschaftlicher Republikanismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23888