Menschliches Bewußtsein


Referat (Handout), 2002

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Menschliches Bewußtsein

Bei den griechischen Philosophen Platon (ca.428/27-348/47 v. Chr.) und Aristoteles (384-322 v. Chr.) war die Seele eine mit dem Körper interagierende nichtmaterielle Entität. Für Hippokrates (um 470-370 v. Chr.), den ersten bedeutenden Arzt, war das Gehirn der Interpret des und gleichzeitig der Bote zum Bewußtsein. Die Auffassung eines Leib-Seele-Dualismus gab es also schon seit der griechischen Antike, die Interaktion von Seele und Leib stellte damals jedoch noch kein Problem dar. Eine Diskussion um den Bewußtseinsbegriff entstand erst in der neuzeitlichen Philosophie (also ab Mitte des 15.Jh.). René Descartes (1596-1650) stellte als erster eine These darüber auf, wie ein nichtmaterieller Geist (res cogitans) mit dem materiellen Körper (res extensa) interagieren könnte. Er siedelte den Ort der Vermittlung im Gehirn an. In der heutigen Philosphie und Psychologie wird überwiegend die Gegenposition zum Dualismus, der Monismus, akzeptiert. Er besagt, dass der Geist und geistige Zustände sich im Prinzip immer auf Hirnzustände zurückführen lassen, also dass alles Denken und Handeln eine physisch-materielle Basis habe.[1]

Der Philosoph und Mathematiker Christian Wolff (1679-1754), der maßgeblich zur Bildung einer deutschen philosophischen Fachsprache beitrug, übersetzte zu Beginn des 18. Jahrhunderts den Descartesschen conscentia -Begriff mit dem Wort ‚Bewußtsein‘. Heute werden mit diesem Begriff drei Hauptbedeutungen benannt:

1. dient das Wort ‚Bewußtsein‘ als Sammelbezeichnung für die verschiedenen Formen von Erlebnis, Aufmerksamkeit oder Auffassung, d.h. für das, was Bewußtseinszustände genannt wird (Sinnesempfindungen, Perzeptionen, Erinnerungs-, Erwartungs- und Phantasievorstellungen, Gefühle, Stimmungen und das Denken);
2. steht es als Bezeichnung für die Meinungen, Theorien oder Gesichtspunkte eines bewußten Wesens (ich habe ein „Bewußtsein“ von etwas);
3. wird es im Sinne von ‚Selbstbewußtsein‘ verwendet.

Das Selbstbewußtsein ist wohl die höchste mentale Erfahrung. Es ist das Wissen um die eigenen mentalen Zustände. Ich denke nicht nur, ich weiß auch, dass ich denke. Die Aussagen Armstrongs: „Unser Bewußtsein läßt sich als ‚Wahrnehmung oder Bewußtheit des Zustandes unseres eigenen Geistes‘ auffassen.“[2] und Rosenthals: „Der Sachverhalt, dass ein mentaler Zustand bewußt ist, besteht darin, dass man den Gedanken hat, dass man in eben diesem mentalen Zustand ist.“ (ebenda) beziehen sich also eher auf das Selbstbewußtsein. Bezögen sie sich auf das Bewußtsein, könnten Tiere und Kleinkinder, die nicht zu Gedanken höherer Ordnung, die sich auf mentale Zustände beziehen, fähig sind, kein Bewußtsein haben. Aber empfinden Kinder, die zu auf sich selbst bezogenen Gedanken noch nicht in der Lage sind, etwa keine Schmerzen? Bewußte Empfindungen sind eine, Gedanken über solche Empfindungen eine ganz andere Sache. Letztere erfordern viel höhere und komplexere kognitive Fähigkeiten als erstere. Wofür aber ist Selbstreflexion, ist Selbstbewußtsein gut? Welche Aufgabe hat das Selbstbewußtsein in der Evolution? Ist es physikalistisch erklärbar?

Die aktuelle Diskussion um das Bewußtsein dreht sich meist um Bewußtsein im Sinne der erstgenannten Bedeutung, ist also beim Selbstbewußtsein noch nicht angelangt. Doch auch hier lassen sich dieselben Fragen stellen.

[...]


[1] Philip G. Zimbardo und Richard J. Gerrig, Psychologie (Berlin: Springer, 7.Auflage 1999) 173

[2] Jaegwon Kim, Philosophie des Geistes (Wien; New York: Springer, 1998) 186

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Menschliches Bewußtsein
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich Philosophie)
Veranstaltung
Proseminar zur Jaegwon Kims ´Neuere Philosophie des Geistes´
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
10
Katalognummer
V2389
ISBN (eBook)
9783638114608
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schriftlich ausformuliertes Referat mit Literaturliste.
Schlagworte
Bewußtsein, Gehirn
Arbeit zitieren
Imke Kannenberg (Autor), 2002, Menschliches Bewußtsein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2389

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