Organisation als System


Hausarbeit, 2003

21 Seiten, Note: 3.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Organisation als System

3. Das soziale System: Organisation

4. Die Organisation als autopoietisches System

5. Systemdifferenzierung

6. Die Bestandteile der Organisation
6.1. Mitgliedschaft und Mitgliedschaftsmotivation
6.2. Entscheidung
6.3. Kommunikation von Entscheidung
6.4. Kommunikation
6.5. Strukturen

7. Kommentar

1. Einleitung

Organisationen sind für die moderne Gesellschaft unentbehrlich geworden, da sie vielen Menschen Existenzen sichern, Halt und Zugehörigkeitsgefühl vermitteln können. Die folgende Arbeit mit dem Titel „Organisation als autopoietisches System“ soll aufzeigen, was nach Niklas Luhmann eine Organisation zu einem solchen System macht und welcher Operationen und Elemente es dazu bedarf.

Organisationen werden in der Systemtheorie als Systeme verstanden, die sich von ihrer Umwelt differenzieren und die erst durch diese Differenz beobachtbar werden.

Die Grundannahme der Luhmannschen Systemtheorie ist, dass die Autopoiesis eines Systems nur auf der Basis operativer Geschlossenheit bestehen kann. Operative Geschlossenheit macht soziale Systeme, wie die Gesellschaft oder Organisationssysteme zu autopoietischen Einheiten, die sich selber durch eigene Operationen produzieren und reproduzieren. Die Prämisse der operativen Geschlossenheit für autopoietische Systeme ist notwendig um Organisationen als das verstehen zu können, was sie aus systemtheoretischer Perspektive sind: Systeme die sich durch die kontinuierliche (Re)-produktion von Entscheidungen und somit Kommunikationen (re)-produzieren und aufrecht erhalten. Eine Organisation wird für einen Beobachter durch einen Prozess der Ausdifferenzierung erkennbar. Dabei kommt es zu einer System-Umwelt-Differenzierung, die alles, was nicht Teil einer Organisation ist, wie Mitglied/Nicht-Mitglied als Umwelt ausdifferenziert.

Da autopoietische Systeme, wie die Organisation, operativ geschlossen sind, ist das System aber dennoch abhängig von seiner Umwelt, die ja aus vielen anderen Teilsystemen besteht, eben alles, was nicht die Organisation darstellt. Die einzelnen Teilsysteme führen miteinander eine spezielle Beziehung über strukturelle Kopplungen. So kann der Informationsaustausch zwischen den einzelnen Teilsystemen gewährleistet werden. Letztendlich kann aber nur das System selbst mit seinen eigenen Strukturen operieren.

Jedes Individuum kann in der heutigen Gesellschaft selbst bestimmen, ob es den Wünschen und Erwartungen der Gesellschaft entsprechen will oder nicht - aber das gilt nicht für die Mitglieder einer Organisation. Dort hat man sich durch Eintritt gebunden und akzeptiert so die Regeln der Organisation-. Erworben wird eine Mitgliedschaft, durch die Entscheidung einer solchen beizutreten. Der Entschluss zur Mitgliedschaft kann vielerlei Motive haben (Karriereinteresse, Gruppenzugehörigkeitsgefühl etc.).

Durch den Vollzug von Kommunikation reproduziert sich jede Organisation selbst, um genau zu sein entstehen und reproduzieren sich Organisationen, wenn es zur Kommunikation von

Entscheidungen kommt. Für eine Organisation folgt daraus, dass sie ihre eigene Entscheidungsfähigkeit immer und immer wieder neu erzeugen muss, um die Autopoiesis aufrechtzuerhalten.

Luhmann bezeichnet Strukturen als notwendige Komplexitätsreduktionen. Und zwar deshalb, weil über Strukturen der Spielraum, der einem System zur Verfügung steht, um weitere Anschlussoperationen vollziehen zu können, eingeengt wird. Strukturen sind Bedingungen der Autopoiesis eines Systems. Man könnte sie als Einschränkungsbedingungen bezeichnen, weil sie dem System vorgeben, was als Operation möglich ist und was nicht. Für eine Organisation könnte das bedeuten, dass über Strukturen evtl. Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, durch bessere Entscheidungen vermieden werden können.

2. Die Organisation als System

Der Begriff der Organisation gewinnt erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. In der Zeit davor benötigte man auch keine Organisation, da die soziale Ordnung durch segmentäre und stratifikatorische Differenzierung geregelt wurde, d.h. gesellschaftliche Teilsysteme wurden aufgrund ihrer Abstammung oder Wohngemeinschaften unterschieden und bildeten so ihre eigene Organisation, was für die spätere stratifikatorische Differenzierung nicht mehr galt, denn dort wurde die Gesellschaft dann rangmäßig differenziert.[1] (Mittelalterliche Ständeordnung, Indisches Kastensystem)

Mit dem Begriff der Organisation ist es möglich, einen Gegenstand besonderer Art zu bezeichnen, z.B. kann dadurch eine Gemeinschaft von einer sozialen Klasse unterschieden werden.[2] Organisationen enstehen durch einen Prozess der Ausdifferenzierung, das bedeutet, dass sich Personen aus einer Gruppe ausdifferenzieren und eine neue Gruppe bilden. (Als Beispiel: Die Bürgerinitiative: Personen bilden ein neues System, indem sie sich aus einem anderen System ausdifferenzieren und ein Neues formieren).

Eine Organisation ist kein Universalphänomen der Gesellschaft, sondern sie ist eine evolutionäre Errungenschaft, die ein hohes Entwicklungsniveau voraussetzt.[3]

Während in den ältesten Gesellschaften Arbeit weitgehend auf das Überlebensinteresse des Einzelnen ausgelegt war, hat im Laufe der gesellschaftlichen Evolution die Determination der Arbeit und Ertragsverteilung zugenommen. Funktionsysteme wie das Wirtschaft-, Rechts- und Erziehungssystem stellen wichtige Voraussetzungen für die Entstehung und Ausbreitung der Systemform der Organisation bereit. Z.B. trägt das in der Form von Schulen und Universitäten organisierte Erziehungssystem dazu bei, dass fachliche Kompetenz individuell und ohne weitere Sozialmerkmale rekrutiert werden kann.

3. Das soziale System: Organisation

Soziale Systeme bestehen aus Kommunikationen. Eine Kommunikation ist eine autopoietische Operation, die rekursiv auf sich selbst zurückgreift oder vorgreift und dadurch soziale Systeme erzeugt. Kommunikation gibt es nur in sozialen Systemen.[4] Durch Kommunikation reproduziert sich jedes soziale System, d.h. auch die Organisation selbst. Hinzukommt, dass durch Kommunikation auch immer Gesellschaft entsteht.[5] Denn die Gesellschaft bedarf keiner Räume und Gebäude, sie ist das, was entsteht, wenn man kommuniziert. Gesellschaft besitzt nur eine temporäre Existenz. Denn wenn alle zur gleichen Zeit schlafen, existiert sie ganz einfach nicht.

In sozialen Systemen, die Informationen in Form von Kommunikationen erzeugen und weiterbehandeln, muss man Themen und Funktionen der Kommunikation unterscheiden.[6]

Über die Themen der Kommunikation wird die Kommunikation sachlich differenziert, so wird festgelegt, was überhaupt zu einem bestimmten Thema gehören kann, damit sich die Kommunikation nicht vom eigentlichen Thema entfernt. Das bedeutet, dass es für ein Seminar einen bestimmten Themenbereich gibt, indem die Kommunikation stattfindet, damit das Seminar auch als solches bestehen bleiben kann. Eine Themenstruktur legt bestimmte Beiträge fest, die zu einem Thema möglich sind. Themen bilden eine Art Gedächnis des Systems. Das System regelt mit dieser Gedächnisfunktion, an was es sich erinnern muss und was es vergessen kann. Es kann sich aber nur an systeminterne Themen erinnern, nie an Tatsachen aus der Außenwelt. Dieser Prozess zeigt, dass soziale Systeme autopoietisch sind, da sie sich nur auf Dinge beziehen, die für die Fortführung der Autopoiesis von Bedeutung sind.[7]

Die Funktionen der Kommunikation beziehen sich dagegen auf die Autopoiesis des Systems, d.h. auf die Ermöglichung weiterer Kommunikation. Jede Verständigung hat ein Thema und liefert zugleich einen Anknüpfungspunkt für neue Kommunikationen. Es können auch Widersprüche oder Entscheidungen auftreten, denn auch sie lieferen Bedeutungen für weitere Kommunikation. Entscheidungen können gewürdigt werden, wenn sie zu einer Erweiterung des Systems führen würden, wäre das nicht der Fall, dann werden sie vom System ignoriert.[8]

4. Die Organisation als autopoietisches System

Eine Organisation ist ein System, das sich selbst als Organisation erzeugt.[9] Darum ist eine Organisation ein autopoietisches System, das heißt, es ist operativ geschlossen.[10] Die operative Geschlossenheit bedeutet, dass dem System nur eigene Elemente zur Verfügung stehen, um sich selbst zu produzieren und zu reproduzieren. Es gibt im System nichts anderes als eigene Operationen, und zwar für zwei verschiedene Dinge, nämlich zum einen für die Bildung eigener Strukturen, das bedeutet: Die Strukturen eines operativ geschlossenen Systems müssen durch eigene Operationen aufgebaut werden. Es kommt also zu keinerlei Strukturimport durch die Umwelt in das System. Trotz der operativen Geschlossenheit ist das System abhängig von seiner Umwelt, denn operativ geschlossen bedeutet: Geschlossenheit nur, während das System operiert. Z.B. können politische Systeme nicht ohne finanzielle Mittel bestehen, sie erhalten Geld aus ihrer Umwelt (Wirtschaftssystem), operieren aber innerhalb des Systems weiterhin nur politisch orientiert. Auf der Ebene der eigenen Operationen gibt es keinen Durchgriff in die Umwelt, und ebensowenig können Umweltsysteme an den Prozessen eines autopoietischen Systems mitwirken. Das System vollzieht also eine „Selbstorganisation“.[11] Und zum anderen: Das System hat nur eigene Operationen zur Verfügung, um den vergangenen Zustand zu bestimmen. Es ist also die Gegenwart, von der alles weitere ausgehen muss, denn an dem Punkt, an dem das System eine Operation beendet hat, muss auch wieder angeknüpft werden.

Luhmann spricht von zwei Sachverhalten: Erstens von „Selbstorganisation“ wodurch Strukturen über eigene Operationen erzeugt werden, denn ein System kann nur durch selbst aufgebaute Strukturen operieren. Die Strukturen sind in der Systemtheorie von Luhmann nur im Moment des Operierens wirksam, das bedeutet, nur wenn das System operiert kann es die Strukturen benutzen.[12] Und zweitens von „Autopoiesis“ im Sinne eigener Determinationen des Zustandes, von dem aus weitere Operationen möglich sind, durch die Operationen desselben Systems.[13]

[...]


[1] Vgl. Luhmann, N.: Die Gesellschaft der Gesellschaft. Bd.2, Frankfurt/M. 1998. S.613.

[2] Vgl. Luhmann, N.: Organisation und Entscheidung. Opladen/Wiesbaden 2000. S.11.

[3] Vgl. Luhmann, N.: Die Gesellschaft der Gesellschaft. Bd.2., Frankfurt/M. 1998. S.827.

[4] Vgl. Luhmann, N.: Organisation und Entscheidung. Opladen/Wiesbaden 2000. S.59.

[5] Vgl. Ebenda, S.59.

[6] Vgl. Ebenda, S.59.

[7] Vgl. Organisation und Entscheidung, 2000, S.60.

[8] Vgl. Luhmann, N., Organisation und Entscheidung, 2000, S.60.

[9] Vgl. Ebenda, S.45.

[10] Vgl. Ebenda, S.10.

[11] Vgl. Luhmann, N.: Einführung in die Systemtheorie. Hrsg. Baecker, D., Heidelberg 2002. S.101.

[12] Vgl. Luhmann, N.: Einführung in die Systemtheorie. Hrsg. Baecker, D., Heidelberg 2002. S.101.

[13] Vgl. Luhmann, N.: Ebenda. S.101.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Organisation als System
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Soziologie)
Veranstaltung
Seminar
Note
3.0
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V23934
ISBN (eBook)
9783638269360
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Organisation, System, Seminar
Arbeit zitieren
Dipl.-Soz.-Wiss. Nicole König (Autor), 2003, Organisation als System, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23934

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