Primitive Gesellschaften: Die Ureinwohner Australiens


Seminararbeit, 2000

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Geschichte der Aborigines
1. Begriffserklärung: Aborigines
2. Die Geschichte

III. Parsons über primitive Gesellschaften
1. Der Unterschied zwischen Menschen und anderen Lebewesen
2. Die Komponenten einer primitiven Gesellschaft
3. Die primitive Gesellschaft der Ureinwohner Australiens

IV. Die Aborigines
1. Die Gesellschaftsstrukturen
1.1 Die Beziehung zwischen Mann und Frau
1.2 Die Ältesten bzw. wer hat die Macht ?
1.3 Hochzeit und Ehe
2. Familie, Lebensweise und Bräuche
2.1 Totem/Totemismus
2.2 Familie und Verwandtschaft
2.3 Die Vorstellung der Aborigines von Familie
2.4 Sitten, Riten, Bräuche, Mythen und Legenden
2.4.1 Woher wußten die Aborigines wann der richtige Zeitpunkt
2.4.2 Die Wondjina der Nordwest-Australier
2.4.3 Das Finden von Geistkindern
2.4.4 Warum springt ein Kängeru und läuft nicht wie alle

V. Resümee

VI. Literaturverzeichnis

I.) Einleitung:

In dem folgenden Text möchte ich Parsons Theorie über die primitiven Gesellschaften der

Naturvölker, insbesondere der Aboriginies entweder bestätigen oder widerlegen. Anfangs

werde ich Parsons Theorien in eigene Worte fassen und sie für jedermann verständlich

wiedergeben. Ich habe in einem Lexikon nachgeschlagen was dort unter dem Wort

„primitiv“ zu finden war. Primitiv heisst soviel wie „noch nicht weit entwickelt“ und „von

geringem gesellschaftlichen Stand bzw. Niveau“. Bei „Gesellschaft“ heisst es unter anderem

„in einem Staat, einem Kulturraum zusammenlebende Menschen“ oder auch die „politisch,

wirtschaftlich und kulturell dominierende Schicht in einem Staat“. Ist jetzt die Gesellschaft

der Aboriginies wirklich so unterentwickelt, wie Parsons der Meinung ist, oder gibt es nur

einige Bereiche die nicht der üblichen Gesellschaftnorm entsprechen? Oder ist es vielleicht

sogar so, dass man die Gesellschaft der Aboriginies wirklich als primitiv bezeichnen kann ?

Im folgenden möchte ich diese Punkte mit Hilfe ausgewählter Fachliteratur ( siehe Literatur-

verzeichnis) bearbeiten, so dass meine Ausführungen der Thematik gerecht werden und meine

gestellten Fragen im Resümee beantwortet werden können.

II.) Die Geschichte der Aborigines

1. Begriffserklärung: Aborigines

Der Begriff „Aborigines“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „die, die von Anfang an da waren“. Dieser Begriff wird für die ca. 500 verschiedenen Völker, welche vor Ankunft der Briten in Australien ansässig waren, benutzt. Recht häufig werden auch die Torres Strait Islanders in diesem Sammelbegriff mit eingeschlossen, obwohl sie ein sich von den Aboriginal-Völkern unterscheidendes indigenes Volk darstellen. Auf den nächsten Seiten werden die Begriffe additiv genannt, es kommen aber zusammenfassend auch die Begriffe „Erste Australier“ und „Schwarzaustralier“ zur Anwendung.

2. Die Geschichte

Angenommen wird, dass die Ureinwohner vor ca. 40000 Jahren Australien über den Seeweg erreichten. Sie kamen aus Südostasien und siedelten anfangs nur in küstennahen Gebieten an. Vor der Ankunft der ersten Briten wurde aber ganz Australien von den ersten Bewohnern, welche als Jäger und Sammler lebten, genutzt. Man schätzt, dass zur damaligen Zeit in etwa 750000 Menschen dort lebten.

1788 enteckte Cook die Ostküste Australiens. Er hatte den Auftrag bereits bewohnte Länder „nur mit Zustimmung der einheimischen Bevölkerung für die britische Krone in Besitz zu nehmen und sich ihnen gegenüber freundlich zu verhalten...“(1). Diese Zustimmung war aber dann nicht notwendig, wenn die ansässige Bevölkerung das Land „nicht im europäischen Sinne“(2) nutzte. Deswegen galt Australien als „terra nullius“ (= niemandes Land, leeres Land) und konnte von der britischen Krone in Besitz genommen werden.

Ein erster Schiffskonvoi mit 778 Sträflingen und 352 Wachsoldaten erreichte am 24.01.1788 Australien im Gebiet des heutigen Sydneys, weitere Schiffe folgten in den nächsten Jahren, meist Sträflinge aus Großbritannien. Anfangs waren die Begegnungen der ersten Australier mit den Eroberern friedlich, aber bald wurden die Einwohner von den Weißen vertrieben und ihr religiöses und soziales Leben wurde immer mehr zerstört. Die Aborigines nahmen dies nicht widerstandslos hin, was dazu führte, dass zwischen 1790-1802 Guerilla-Kriege stattfanden, wie zum Beispiel das Massaker von Pemulwuy. In dieser Zeit reduzierte sich die Zahl der schwarzaustralischen Bevölkerung ( bis 1920/30 ) auf ca. 60000-30000 Personen.

Ab 1823 begann sich die britische Regierung mit den Problemen in Australien zu befassen. Man begann offiziell damit, die Ureinwohner zum Christentum zu bekehren, aber es war auch eine Zeit der Rassentrennung und Protektion. Durch die Rassentrennung wollte man die Aborigines zum Aussterben verurteilen („breeding out“). Die Regierung merkte erst, dass diese Art von Politik nicht fruchtete, nach dem 2.Weltkrieg. Ausserdem änderte man seine Einstellung zu der schwarzaustralischen Bevölkerung auch deswegen, weil die Aborigines im 2.Weltkrieg als Soldaten in der Armee gedient hatten. Dies brachte ihnen eine respektiertere Stellung ein.

1951 wurde von Paul Hasluck die Assimilationspolitik verkündet, welche ( in seinen Worten ) besagt:

„ The recent Native Welfare Conference agreed that assimilation is the objective of native

welfare measures. Assimilation means, in practical terms hat, in the course of time, it is expected that all persons of Aboriginal birth or mixed blood in Australia will live like white Australians do."(3)

Aber im Endeffekt änderte sich kaum etwas für die schwarzaustralische Bevölkerung.

1970/80 wurde dann die Integrationspolitik verfolgt, welche zum Ziel hatte, die Art und Weise der Lebensweisen der Ureinwohner zu respektieren, wie auch die eigenständige Kultur und Identität.

Im Jahre 1967 sprach sich die australische Regierung für eine Änderung des Artikels 51 der australischen Verfassung aus. Der Zusatzartikel, welcher dem australischen Bundesparlament erlaubte, „Gesetze für alle ethnischen Gruppen und Gemeinschaften zu erlassen, nicht aber für Aborigines und Torres Strait Islanders“(4) wurde ersatzlos gestrichen. In dem gleichen Referendum wurde auch festgelegt, dass die Aborigines an Wahlen teilnehmen durften und auch bei den Volkszählungen registriert wurden.

Am 03.06.1992 wurde das Mabo-Urteil verkündet. Fünf Ureinwohner verklagten damals den Staat auf ihre Eigentumsrechte auf den Murray-Inseln. Der Prozess dauerte insgesamt zehn Jahre. In dem Urteil wurden die Rechte der Ureinwohner bestätigt ( „native title“-Rechte) und ausserdem wurde die juristische Fiktion Australien sei „terra nullius“ revidiert.

Geändert hat sich trotzdem nicht viel. In der Realität gibt es keine Chancengleichheit innerhalb der australischen Mehrheitsgesellschaft für die Ureinwohner. Bis heute ist es den meisten Schwarzaustraliern nicht möglich ihre Lebensweise frei zu wählen. „Die Mehrheit der Ersten Australier lebt auch heute noch sozial benachteiligt am Rande einer von europäisch geprägten Normen und Werten bestimmten Gesellschaft.“ (5)

III.) Parsons über primitive Gesellschaften

1. Der Unterschied zwischen Menschen und anderen Lebewesen

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen einer primitiven und einer intermediären Gesellschaft besteht darin, dass der geschriebenen Sprache im gesellschaftlichen System eine grundlegende Bedeutung zukommt. „ Der Mensch ist das einzige kulturelle Tier “(6), d.h. dass der Mensch die Fähigkeit des Lernens besitzt. Desweiteren kann er auch die gelernten Materialien und Strukturen für sich nutzbar machen.

Was den Menschen vom Tier unterscheidet ist ausserdem die Fähigkeit des zentralen Nervensystems, insbesondere des Gehirns. Das Gehirn eines Menschen ist allen Gehirnen anderer Spezien überlegen. Am leichtesten lässt sich diese Theorie damit beweisen, meint Parsons, dass durch die Entstehung einer Sprache und der Möglichkeit der Kommunikation wir uns entschieden von den anderen Lebewesen abgrenzen.

Ein weiteres Hauptmerkmal zu anderen, höher entwickelten, Arten ist die extrem lange Abhängigkeit des Kindes von seinen Eltern. Die Menschen sind nicht nur Säugetiere, in dem Sinne, dass sie während und nach der Schwangerschaft von ihrer Mutter abhängig sind, sondern sie sind darüber hinaus noch für viele weitere Jahre von einem älteren, fürsorgenden Organismus abhängig. Diese dauernde Fürsorge ist beim Menschen stark ausgebildet und einmalig in der Natur. Während dieser langen Abhängigkeitsphase werden von dem Nachwuchs im Laufe der Jahre genetisch vorhandene Fähigkeiten entdeckt und ihr Gebrauch erlernt.

2. Die Komponenten einer primitiven Gesellschaft

Ein System kann als primitiv bezeichnet werden, wenn sein gesellschaftliches System sehr einfach strukturiert ist. Oft besteht aber schon die Schwierigkeit darin, die Gesellschaften voneinander zu unterscheiden. Primitive Gesellschaften sind manchmal weder auf ein bestimmtes Territorium begrenzt, noch haben sie sich eindeutig hinsichtlich der Anzahl ihrer Mitglieder festgelegt.

Gewöhnlich gibt es zwei Formeln, welche als Kriterium für die gesellschaftliche Primitivität genannt werden:

1. In allen Bereichen des Alltags besteht eine überragende Bedeutung der „ religiösen ( und magischen ) Weltorientierung “ .(7)
2. Alle Verwandtschaftsbeziehungen sind vorrangig.

Bei primitiven Gesellschaften wurde häufig festgestellt, dass die gesamte soziale Organisation von den Verwandtschaftsstrukturen geprägt wird.

Desweiteren sollten aber auch zwei weitere wichtige Komplexe beachtet werden, „ nämlich die Technologie und der symbolische Charakter der sozialen Kommunikation“.(8)

Anfänglich besteht ein System des konstitutiven Symbolismus, welches immer eng mit dem Verwandtschaftssystem verbunden ist. Bei dieser Verbindung handelt es sich meist um die eigene Herkunft und die frühesten menschlichen Vorfahren, bishin zum Übernatürlichen, den Gründern und den Mythen.

Die Basis des Verwandtschaftssystems ist für gewöhnlich durch die Gründungsmythen ( bzw. Ursprungsmythen ) gegeben. Oft werden diese Gründer als übernatürliche Wesen gesehen, oder aber als Tiere, Pflanzen oder andere physische Gegenstände ( Totemismus). „ Der konstitutive Symbolismus verleiht also den Hauptkomponenten der conditio humana in ihrer Bedeutung für die betreffende Gruppe Sinn und integriert deren Sinnbedeutung. Er beinhaltet die Symbolisierung des organischen Lebens in seiner Einschränkung durch Geburt und Tod; des physischen Milieus und der Erfordernisse des Lebens, einschliesslich des Territoriums; des sozialen Status des Menschen und ihrer Beschäftigung mit der Reproduktion und der biologischen Herkunft; sowie der Modi der sozialen Kommunikation- besonders durch die Sprache. Er ist die ursprüngliche Grenzstruktur zwischen den kulturellen und sozialen Systemen primitiver Gesellschaften.“(9)

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Primitive Gesellschaften: Die Ureinwohner Australiens
Hochschule
Universität Augsburg  (FB Soziologie)
Veranstaltung
Seminar: Sozialstruktur Deutschlands im Vergleich
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V2401
ISBN (eBook)
9783638114639
ISBN (Buch)
9783640462896
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Primitive, Gesellschaften, Ureinwohner, Australiens, Seminar, Sozialstruktur, Deutschlands, Vergleich
Arbeit zitieren
Jane Schönfeld (Autor), 2000, Primitive Gesellschaften: Die Ureinwohner Australiens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2401

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Primitive Gesellschaften: Die Ureinwohner Australiens



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden