In vielen Versuchen und Vergleichen zwischen menschlichen und nicht menschlichen Primaten kamen verschiedene Wissenschaftler immer wieder zu dem Ergebnis, dass Affen sich durch Emulationslernen (sie schauen nicht wie etwas gemacht wird, sondern nur nach dem Ergebnis) weiterentwickeln, wogegen beim Menschen das Imitationslernen vorherrscht. Zudem ist es eine spezifische menschliche kognitive Fähigkeit, die Artgenossen als intentionale Wesen zu sehen. Diese kognitive Kompetenz besitzt der Mensch jedoch nicht von Geburt an, sondern entwickelt sich erst und tritt im Alter von etwa neun Monaten erstmals auf. Richtig zum Ausdruck bringen können sie dies jedoch erst, wenn sie vor allem die Sprache aktiv gebrauchen können. Beginnen wir jedoch von vorn: Da Säuglinge nahezu hilflose Wesen sind, ging bereits William James 1890 davon aus, „dass die Erfahrungswelt des Säuglings ein Wirbelndes brausendes Durcheinander sei.“1 In den letzten drei Jahrzehnten wurden an Säuglingen jedoch kognitive Kompetenzen festgestellt, die sehr wohl vorhanden sind, wenn sie auch noch nicht zum Ausdruck gebracht werden können: · Das Verstehen des Säuglings seiner selbst · Das Verstehen des Säuglings anderer Personen · Das Verstehen des Säuglings von Dingen 1 Tomasello S.72
Inhaltsverzeichnis
1. Vorraussetzungen für die Theory of mind
1.1 Das Verstehen des Säuglings seiner Selbst
1.2 Das Verstehen des Säuglings anderer Personen
a) Protokonversation
b) Nachahmung von Gestik und Mimik
1.3 Das Verstehen des Säuglings von Dingen
1.4 Das Selbst wird intentional
1.5 Das Lernen selbstbezogener Dinge
1.5.1 Experiment
2. Bildung der Theory of mind
2.1 Definition
2.2 Der „False-Beliefe-Test“
2.3 Entwicklungsbefunde der Theory of mind
3. Exkurs
3.1 Hat ein Schimpanse eine Theory of mind?
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der theoretischen Grundlegung und der Entwicklung der „Theory of Mind“ bei Kindern vom Säuglingsalter bis ins frühe Schulalter sowie der Frage, ob nichtmenschliche Primaten über vergleichbare kognitive Fähigkeiten verfügen.
- Kognitive und soziale Voraussetzungen im Säuglingsalter
- Die Entwicklung des intentionalen Selbstverständnisses
- Methoden zur Erfassung der Theory of Mind, insbesondere der False-Belief-Test
- Entwicklungsschritte der Theory of Mind im Kindesalter
- Vergleichende Untersuchung bei Schimpansen (Exkurs)
Auszug aus dem Buch
1. Vorraussetzungen für die Entwicklung der Theory of mind
In vielen Versuchen und Vergleichen zwischen menschlichen und nicht menschlichen Primaten kamen verschiedene Wissenschaftler immer wieder zu dem Ergebnis, dass Affen sich durch Emulationslernen (sie schauen nicht wie etwas gemacht wird, sondern nur nach dem Ergebnis) weiterentwickeln, wogegen beim Menschen das Imitationslernen vorherrscht. Zudem ist es eine spezifische menschliche kognitive Fähigkeit, die Artgenossen als intentionale Wesen zu sehen. Diese kognitive Kompetenz besitzt der Mensch jedoch nicht von Geburt an, sondern entwickelt sich erst und tritt im Alter von etwa neun Monaten erstmals auf. Richtig zum Ausdruck bringen können sie dies jedoch erst, wenn sie vor allem die Sprache aktiv gebrauchen können.
Beginnen wir jedoch von vorn:
Da Säuglinge nahezu hilflose Wesen sind, ging bereits William James 1890 davon aus, „dass die Erfahrungswelt des Säuglings ein Wirbelndes brausendes Durcheinander sei.“1
In den letzten drei Jahrzehnten wurden an Säuglingen jedoch kognitive Kompetenzen festgestellt, die sehr wohl vorhanden sind, wenn sie auch noch nicht zum Ausdruck gebracht werden können:
- Das Verstehen des Säuglings seiner selbst
- Das Verstehen des Säuglings anderer Personen
- Das Verstehen des Säuglings von Dingen
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorraussetzungen für die Theory of mind: Dieses Kapitel erläutert die frühen kognitiven Kompetenzen von Säuglingen, wie das Selbstverständnis und das Verstehen von Personen und Objekten.
2. Bildung der Theory of mind: Hier werden die Definition, der zentrale „False-Beliefe-Test“ und die verschiedenen Entwicklungsstufen der Theory of Mind im Kindesalter dargelegt.
3. Exkurs: Dieser Abschnitt widmet sich der wissenschaftlichen Untersuchung, ob Schimpansen ebenfalls über eine Theory of Mind verfügen.
Schlüsselwörter
Theory of Mind, Entwicklungspsychologie, Säuglingsforschung, Imitationslernen, Intention, False-Belief-Test, Kognition, Selbstkonzept, Primatenforschung, soziale Interaktion, mentale Stellungen, Perspektivenübernahme, Kleinkindentwicklung, Täuschungsprinzip, Intentionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den theoretischen Hintergrund und den Entwicklungsprozess der Theory of Mind, also der Fähigkeit, sich selbst und anderen mentale Zustände wie Wissen, Absichten oder Überzeugungen zuzuschreiben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit umfasst die kognitiven Vorraussetzungen im Säuglingsalter, die Entwicklung der Intentionalität, die methodische Erfassung durch den False-Belief-Test und einen Vergleich der Fähigkeiten bei Menschen und Schimpansen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Aufbau der Theory of Mind von den ersten Lebensmonaten bis in das Kindesalter nachzuvollziehen und wissenschaftlich einzuordnen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Erörterung genutzt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse entwicklungspsychologischer Theorien, experimentelle Befunde (wie jene von Piaget, Tomasello oder Premack und Woodruff) sowie die Diskussion von Beobachtungsstudien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der frühkindlichen Grundlagen, die spezifische Entwicklung und Definition der Theory of Mind sowie einen Exkurs zur kognitiven Kapazität von Schimpansen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Theory of Mind, Intentionalität, False-Belief-Test, Imitationslernen, Mentale Stellungen und Entwicklungspsychologie.
Warum ist der „False-Belief-Test“ für die Forschung so wichtig?
Er dient dazu, experimentell zu überprüfen, ab welchem Alter Kinder verstehen, dass andere Personen von einer Realität ausgehen können, die nicht dem eigenen Wissen oder den Tatsachen entspricht (falscher Glaube).
Welche Schlussfolgerung ziehen die Autoren bezüglich der Theory of Mind bei Schimpansen?
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass bisherige Experimente zwar zeigen, dass Schimpansen Intentionen und Wissen zuschreiben können, es jedoch noch nicht zweifelsfrei bewiesen ist, dass sie über eine menschenähnliche Theory of Mind verfügen.
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- Heike Doll (Author), 2004, Theory of mind, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24024