Das Thema Gentrification beschäftigt die Sozialwissenschaftler und Städteplaner schon seit über 40 Jahren und hat mit der Umwandlung als auch Aufwertung von Stadtteilen durch Zuzug einkommensstarker Bevölkerungsschichten zu tun (gentry: engl. für niedriger Adel). Dieses geschieht nach einem charakteristischen Muster, an welchem bestimmte Personengruppen als Akteure mitwirken. Das Phänomen ‚Gentrification’ konnte in letzter Zeit in immer mehr Städten beobachtet werden und findet zudem vermehrt Anwendung als Erklärungsansatz für vollzogene oder stattfindende Stadtteilentwicklung. Trotz der vermehrten Forschung in Hinblick auf Gentrification, findet man in der Fachliteratur nur spärlich Studien über Steuerungs- und Handlungsmöglichkeiten. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, dass die meisten Stadtentwickler und Sozialwissenschaftler in Gentrification nur ein urbanes Phänomen sehen, welches anhand der Folgen negativ oder positiv bewertet wird.
Ziel dieser Arbeit soll es nicht sein, Gentrification als ein gutes oder schlechtes Phänomen einzuordnen, sonder Steuerungs- und Handlungsmöglichkeiten für Städte und Gemeinden herauszuarbeiten, die die Vorteile eines Gentrificationprozesses nutzen und die gleichfalls entstehenden Nachteile minimieren wollen. Hierzu soll im Vorfeld das Phänomen ‚Gentrification’ und das typische Ablaufmuster - der Invasions- und Sukzessionszyklus - mit den dazugehörigen Akteuren beschreiben werden. Daraufhin wird zwischen Vor- und Nachteilen des Gentrificationprozesses unterschieden, welches eine Aufteilung bestimmter Gentrificationphasen in gute und weniger gute Phasen zur Folge hat. Aufbauend auf diese theoretische Basis und das Festlegen von den zu vermeidenden und den gewollten Ergebnissen einer Gentrification, wird auf die Motive der einzelnen Akteure und die weiteren auslösenden Faktoren von Gentrification eingegangen. Hierbei wird deutlich werden, dass die Herstellung einer finanziellen Chancengleichheit zwischen den Akteuren und die Reduzierung der Immobiliennachfrage auf ein bestimmtes Gebiet die zentralen Handlungs- und Steuerungsmöglichkeiten sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was eigentlich ist Gentrification?
2.1 Das 4-Phasenmodell (nach Jürgen Friedrichs)
2.2 Zusammenfassung des Prozesses
2.3 Die positiven und negativen Folgen
3. Gentrification unter stadtentwicklungsplanerischen Gesichtspunkten
3.1 Identifikation von Gentrificationgebieten
3.2 Handlungsmöglichkeiten
4. Zusammenfassung
5. Literaturliste
6. Anhang A
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, Steuerungsmöglichkeiten für Kommunen aufzuzeigen, um die negativen Folgen der Gentrification zu minimieren und gleichzeitig deren städtebauliche Vorteile zu nutzen, ohne den natürlichen Prozess gänzlich zu unterbinden.
- Analyse der theoretischen Grundlagen und Phasenmodelle der Gentrification.
- Unterscheidung zwischen den positiven Impulsen und negativen sozialen Auswirkungen für Stadtteile.
- Identifikation von Strategien zur frühzeitigen Erkennung von Gentrificationprozessen.
- Bewertung administrativer Handlungsspielräume und politischer Steuerungsansätze im stadtplanerischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
>Phase 1
Soziale Gruppen: In das Gebiet ziehen Haushalte ein, die einen höheren sozialen Status als die Mehrzahl der im Gebiet Wohnenden haben, zumindest der Bildung nach. Es sind Haushalte, die zumeist nur aus einer, höchstens zwei Personen bestehen; keine Kinder haben; über ein niedriges Einkommen verfügen; die Nähe zu öffentlichen und privaten Einrichtungen suchen, u.a. Gaststätten, kulturelle Einrichtungen, Hochschulen aber auch zu ihrem Arbeitsplatz.
Diese Gruppe wird als ‚Pioniere’ bezeichnet; es sind zumeist Studenten und Künstler. Es kennzeichnet sie eine Risikobereitschaft, da sie den Zustand der Wohnungen um der preiswerten Miete willen in Kauf nehmen und zudem die bunte Mischung im Gebiet nicht nur tolerieren, sondern auch suchen.
Bodenpreise und Mieten: Die Bodenpreise im Gebiet steigen noch nicht, aber es werden vereinzelt Modernisierungen vorgenommen, die dann zu Mietsteigerungen führen.
Das Image des Gebietes ändert sich noch nicht, weil die Veränderungen im Gebiet nicht sichtbar genug sind, um Medien oder die Stadtbevölkerung aufmerksam werden zu lassen.
Eine Verdrängung von alten oder sozialschwachen Bewohnern findet nicht statt, da die Pioniere in frei werdende (oder freie) Wohnungen einziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen der Gentrification ein und stellt die Forschungsfrage nach effektiven Steuerungsmöglichkeiten für Stadtentwickler und Sozialwissenschaftler.
2. Was eigentlich ist Gentrification?: Dieses Kapitel definiert den Begriff, erläutert das 4-Phasenmodell von Friedrichs und beleuchtet die ökologischen sowie sozialen Vor- und Nachteile.
3. Gentrification unter stadtentwicklungsplanerischen Gesichtspunkten: Der Hauptteil konzentriert sich auf die Identifikation betroffener Gebiete und die Möglichkeiten für die öffentliche Hand, durch gesetzliche Regelungen und Marktsteuerung intervenierend einzugreifen.
4. Zusammenfassung: Das Fazit stellt fest, dass Gentrification ein natürlicher Prozess ist, der zwar nicht aufgehalten werden kann, dessen soziale Folgen jedoch durch gezielte Wohnungspolitik abgefedert werden sollten.
5. Literaturliste: Auflistung der verwendeten Quellen, Fachstudien und theoretischen Grundlagen zur Gentrification.
6. Anhang A: Grafische Darstellung des doppelten Invasions-Sukzessions-Zyklus der Gentrification.
Schlüsselwörter
Gentrification, Stadtentwicklung, Pioniere, Gentrifier, Verdrängung, Mieten, Bodenpreise, städtische Planung, Sozialstruktur, Wohnungspolitik, Bevölkerungsaustausch, Modernisierung, Immobilienmarkt, Chancengleichheit, Stadtviertel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das urbane Phänomen der Gentrification und analysiert Möglichkeiten für die öffentliche Hand, den Prozess durch politisches und administratives Handeln zu steuern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Phasen der Gentrification, die Rolle der Akteure (Pioniere und Gentrifier) sowie die stadtplanerischen Instrumente zur Vermeidung von Verdrängungseffekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Strategien herauszuarbeiten, mit denen Kommunen die positiven Effekte der Aufwertung nutzen können, während gleichzeitig die soziale Abwärtsspirale und Verdrängung einkommensschwacher Bewohner minimiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse bestehender soziologischer Phasenmodelle und der Auswertung von Fallbeispielen zur Stadtteilentwicklung, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Identifikation von gefährdeten Wohngebieten und bewertet konkrete Handlungsmöglichkeiten wie Erhaltungssatzungen, gezielte Sanierungsförderungen und die Schaffung von Alternativangeboten durch die öffentliche Hand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gentrification, Pioniere, Gentrifier, Verdrängung, Bodenpreise und stadtplanerische Steuerung geprägt.
Warum ist laut Autor ein völliges Aufhalten der Gentrification nicht sinnvoll?
Der Autor argumentiert, dass Gentrification oft mit einer notwendigen Sanierung verfallender Bausubstanz einhergeht und ein natürlicher Strukturwandel ist, der nicht vollständig unterbunden werden sollte, da dies die positive städtische Entwicklung gefährden würde.
Welcher Unterschied besteht laut Autor zwischen dem deutschen und dem nordamerikanischen Ansatz?
Während in Deutschland der Fokus bei der Steuerung oft auf Gesetzen, Erhaltungssatzungen und bürokratischen Vorschriften liegt, erfolgt die Steuerung in nordamerikanischen Ländern häufig stärker über marktorientierte Mechanismen wie Angebot und Nachfrage.
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- Dipl.Verw.Wiss. Tim Ellmers (Autor), 2003, Mögliche Steuerungsansätze von Gentrification für politisches und administratives Handeln, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24060