Dieses Buch behandelt die besondere Situation von Familien mit einem Kind mit Behinderung. Es zeigt die Veränderungen und Auswirkungen auf, die die Geburt eines behinderten Kindes für die Familie mit sich bringt und gibt einen Einblick in den Prozess der Auseinandersetzung mit dieser Situation. Dabei wird gesondert auf die verschiedenen Familienmitglieder eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Die Familie
1.1 Versuch einer Definition des Familienbegriffes
1.2 Geschichtliche Entwicklung der Familie
1.2.1. Familie des Mittelalters
1.2.2. Familie zur Zeit der Industrialisierung
1.2.3. Die moderne Familie
1.3. Die verschiedenen Phasen in einer Familie
2. Die Geburt eines behinderten Kindes
2.1. Was bedeutet das Kind für die Eltern?
2.2. Die Schwangerschaft
2.3. Pränataldiagnostik
2.4. Gesellschaft und Behinderung
2.5. Die Geburt eines behinderten Kindes
2.6. Abschied vom Wunschkind
3. Diagnosemitteilung an die Eltern
3.1. Trennung von Mutter und Kind
3.2. Diagnosezeitpunkt
3.3. Diagnoseeröffnug
3.4. Menschliche Probleme bei der Diagnosemitteilung
3.5. Verspätete Feststellung der Behinderung
4. Die Auswirkungen der Geburt eines behinderten Kindes auf die Familie
4.1. Verarbeitungsprozesse innerhalb der Familie
4.2. Die Rolle des behinderten Kindes in der Familie
4.2.1. Der Sündenbock
4.2.2. „mein Kleiner“
4.2.3. Der Auserwählte
4.3. Chancen für die Familie
5. Situation der Mütter
5.1. Bedeutung des Kindes für die Mutter
5.2. Mutterschaft in unserer Gesellschaft
5.3. Verlusterleben von Müttern behinderter Kinder nach Jonas
5.3.1. Kindzentriertes Verlusterleben
5.3.2. Identitätszentriertes Verlusterleben
5.3.3. Sozialzentriertes Verlusterleben
5.4. Auswirkungen des behinderten Kindes auf die Frau
5.5. Verlust von Möglichkeiten zu einer individuell gestalteten Alltagswelt
5.6. Belastungen von Müttern
5.6.1. Pflege des Kindes
5.6.2. Gesundheitliche Probleme des Kindes
5.6.3. Haushalt
5.6.4. Die Gesellschaft
5.7. Zukunftsangst
6. Situation der Väter
6.1. Die männliche Geschlechterrolle
6.2. Die Bedeutung des „Vaterseins“
6.3. Die Bedeutung des Vaters für die kindliche Entwicklung
6.4. Belastungen für Väter behinderter Kinder
6.5. Die Vater – Kind Beziehung
6.6. Chancen für Väter behinderter Kinder
7. Situation der Geschwister
7.1. Allgemeine Geschwisterbeziehungen
7.2. Belastungen von Geschwisterkindern
7.3. Ich bin doch auch noch da
7.4. Chancen für Geschwister behinderter Kinder
Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen
Diese wissenschaftliche Hausarbeit beleuchtet die tiefgreifenden Veränderungen und Herausforderungen, die die Geburt eines Kindes mit Behinderung für die gesamte Familie mit sich bringt. Ziel ist es, den Prozess der Auseinandersetzung mit dieser neuen Lebenssituation sowie die spezifischen Belastungen und Bewältigungsstrategien der einzelnen Familienmitglieder – Mütter, Väter und Geschwister – detailliert aufzuzeigen.
- Historischer Kontext und Definition des modernen Familienbegriffs
- Psychologische und soziale Auswirkungen der Diagnosemitteilung
- Spezifische Verlusterfahrungen und Belastungssituationen der Mütter
- Die Rolle der Väter und deren Bewältigung von Männlichkeitsbildern
- Die Situation der Geschwister und deren Umgang mit der familiären Situation
Auszug aus dem Buch
2.4. Gesellschaft und Behinderung:
„Es ist wirklich schwierig, ein behindertes Kind zu haben, weil es so schwer ist, der Umwelt gegenüberzutreten, ohne Schaden zu nehmen. Man wird abfällig betrachtet, hinter dem Rücken wird getuschelt. Es ist sehr schwer, sich normal zu verhalten. Es gehören Selbstbewußtsein und Aufgeklärtheit dazu. Ich konnte es nicht von Anfang an und habe es erst lernen müssen.“ (BEUYS 1984, 87)
Menschen mit Behinderung nehmen im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben nur einen geringen Platz ein. Sie werden in den Hintergrund gedrängt, „abgeschoben“ in Sondereinrichtungen (Sonderschulen, Heime, betreute Werkstätten, usw.). Wie andere Randgruppen sind auch Behinderte Außenseiter in unserer Gesellschaft.
Es gibt heute zwar vielfältige Bemühungen, Menschen mit Behinderung in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken und sie in der Gesellschaft zu integrieren, doch in den Köpfen vieler Menschen herrschen immer noch Vorurteile gegenüber diesen Menschen und ihren Familien. In unserer Gesellschaft sind Gesundheit, Schönheit, Leistung und Erfolg von großer Wichtigkeit. Wer diesen Anforderungen nicht gerecht werden kann entspricht nicht der Norm. Dazu gehören in großem Maße auch Menschen mit Behinderung. Sie werden als „Mängelwesen“ gesehen, da sie den gesellschaftlichen Anforderungen nicht entsprechen können. Menschen mit Behinderung und deren Familien können den gesellschaftlichen Normvorstellungen nicht gerecht werden. In unserer Gesellschaft hat wohl nur der „Perfekte“ einen Platz. Wer nicht leistungsfähig ist, der gilt nicht viel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Familie: Dieses Kapitel erläutert den Familienbegriff und beleuchtet die historische Entwicklung der Familie vom Mittelalter bis zur Moderne.
2. Die Geburt eines behinderten Kindes: Hier werden die emotionale Bedeutung des Kindes, die Erfahrungen während der Schwangerschaft und die psychische Belastung durch die Diagnoseeröffnung sowie das gesellschaftliche Bild von Behinderung thematisiert.
3. Diagnosemitteilung an die Eltern: Der Fokus liegt auf der Bedeutung einer einfühlsamen Kommunikation durch Mediziner und den Problemen bei der Diagnoseübermittlung an die Eltern.
4. Die Auswirkungen der Geburt eines behinderten Kindes auf die Familie: Dieses Kapitel analysiert die strukturellen Veränderungen im Familienalltag, Rollenbilder des Kindes und allgemeine Verarbeitungsprozesse.
5. Situation der Mütter: Hier werden die spezifischen Belastungen, das Verlusterleben nach Jonas und die gesellschaftliche Rolle der Mutter eines behinderten Kindes detailliert untersucht.
6. Situation der Väter: Es werden die männliche Geschlechterrolle, die Bedeutung des Vaters in der kindlichen Entwicklung und die besonderen Herausforderungen für Väter betrachtet.
7. Situation der Geschwister: Dieses Kapitel widmet sich den Belastungen und Chancen von Geschwisterkindern in Familien mit einem behinderten Bruder oder einer behinderten Schwester.
Schlüsselwörter
Familie, behindertes Kind, Behinderung, Elternschaft, Mutterrolle, Väterrolle, Geschwisterkinder, Diagnosemitteilung, Alltagsbelastung, gesellschaftliche Vorurteile, Krankheitsverarbeitung, Erziehung, Inklusion, psychische Belastung, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Lebenssituation von Familien, in denen ein Kind mit Behinderung aufwächst, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Rollen von Müttern, Vätern und Geschwistern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Familiendynamik, den psychischen Folgen der Diagnosemitteilung, den geschlechtsspezifischen Belastungen bei Elternteilen sowie der Situation von Geschwistern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die oft als schwierig wahrgenommenen Lebensrealitäten dieser Familien aufzuzeigen und einen tieferen Einblick in die emotionalen Prozesse der Krankheits- und Krisenbewältigung zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene theoretische Ansätze und empirische Studien zur Situation von Familien mit behinderten Kindern zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der Familie, die Auswirkungen der Diagnose auf Eltern und Geschwister sowie die spezifischen Rollenkonflikte und Belastungsmomente in verschiedenen Lebensphasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Familienleben, behindertes Kind, Rollenbilder, Belastungsbewältigung und gesellschaftliche Integration.
Wie gehen Mütter laut der Arbeit mit der Diagnose um?
Mütter fühlen sich meist tiefer betroffen, durchleben intensive Trauerprozesse und fühlen sich oft in ihrer Identität als "gute Mutter" in Frage gestellt, suchen jedoch häufiger als Väter den Austausch mit anderen Betroffenen.
Welche Rolle spielen Väter bei der Verarbeitung?
Väter neigen oft dazu, Belastungen durch Distanzierung oder verstärkten Aktionismus zu bewältigen und tun sich schwerer damit, ihre Emotionen nach außen zu zeigen, obwohl sie die Krise oft in ähnlicher Tiefe wie die Mütter erleben.
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- Daniel Reichelt (Author), 2003, Familien mit einem Kind mit Behinderung. Zur Situation der Mütter, Väter und Geschwister, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24072