Datengewinnungsmethoden in der Linguistik der Umgang mit Grammatiken als Datenbasis für die wissenschaftliche Arbeit diskutiert werden. Neben den verschiedenen Methoden der Datengewinnung durch z.B. Introspektion, Fragebögen, psychologische Experimente, kognitive Spiele, Korpora oder Elizitierung (Listen, verschiedene Stimuli wie Bilder oder Spiele), werden immer wieder auch Grammatiken herangezogen, um neue wissenschaftliche Kenntnisse zu erlangen oder bestehende Theorien zu bestätigen oder zu falsifizieren.
Allerdings ist die ausschließliche Verwendung von Material aus Grammatiken keineswegs unproblematisch, da es sich bei den dort vorliegenden Daten um bereits bearbeitetes Material handelt, das dem "Endverbraucher" keinen Einblick mehr in die zugrundeliegenden Daten gewährt. Außerdem lassen sich meist die angewendeten Methoden oder die Theorien, in deren Rahmen die Daten analysiert wurden, nicht mehr genau identifizieren, da sie selten explizit genannt werden. Die Anwendung einer bestimmten Theorie ist jedoch bei der Erstellung einer Grammtik immer notwendig, wie auch die folgende Definition von Grammatik zeigt (SENFT 1986:3):
"Writing a grammar asks for describing the structure of a language without
contradiction in a simple though adequate way on the basis of a certain theory that
defines grammar itself and the grammatical categories used as the tools of this
description."
Es müssen also bei der Verwendung von Daten aus Grammtiken immer die Fragen berücksichtigt werden, (a) wie die Daten erhoben worden sind und (b) auf der Grundlage welcher Theorie bzw. welchen Modells und wie das Material dargestellt wird und mit welcher Zielsetzung. Für (a) ergeben sich natürlich dieselben Probleme, die jeweils den einzelnen Datengewinnungsmethoden innewohnen 1 . In Bezug auf Frage (b) wird in Abschnitt (1.2) dieser Arbeit eine Typologie von Grammatiken nach CHERUBIM (1980) vorgestellt werden und in Abschnitt (1.3) die Aufbereitung und Darstellung von Daten in Grammatiken diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Verschiedene Probleme der Grammatikschreibung
1.1 Die Verwendung des Terminus Grammatik
1.2 Eine Typologie von Grammatiken
1.3 Die Aufbereitung von Daten in Grammatiken
2. Zum Umgang mit Grammatiken
2.1 Die Bewertung von Grammatiken
2.2 Zur Vergleichbarkeit von Grammatiken
2.3 Wofür Grammatiken verwendet werden und was zu beachten ist
2.4 Die Verwendung von (zweisprachigen) Wörterbüchern
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Stellenwert und die Problematik von Grammatiken sowie Wörterbüchern als Datenbasis für linguistische Forschung. Das Ziel ist es, kritische Kriterien für den Umgang mit diesen Quellen herauszuarbeiten, um deren Verwendung in wissenschaftlichen Untersuchungen methodisch einzuordnen und zu bewerten.
- Typologie und Klassifizierung von Grammatiken
- Herausforderungen bei der Aufbereitung und Darstellung sprachlicher Daten
- Kriterien für die Bewertung und Vergleichbarkeit von Grammatiken
- Methodische Implikationen der Verwendung von Wörterbüchern
- Notwendigkeit der Kombination verschiedener Datengewinnungsmethoden
Auszug aus dem Buch
Die Aufbereitung von Daten in Grammatiken
Die Aufbereitung der Daten und ihre Darstellung in Grammatiken spielen eine wesentliche Rolle in Bezug auf ihre Bewertung und Vergleichbarkeit. Wenn der Linguist Daten aus einer Grammatik verwenden möchte, um daraus Aussagen abzuleiten, so sollte er unabhängig von den bereits genannten Kriterien auch in Betracht ziehen, ob eine Grammatik z.B. normativ oder deskriptiv ist. Eine normative Grammatik wird ihm sicherlich die für die linguistische Forschung interessante Variation nicht in dem Maße liefern, wie eine rein deskriptive Grammatik.
Überhaupt ist der Umgang mit Variation ein wichtiger Punkt. So kann man als Benutzer von Grammatiken einer einem selbst nicht geläufigen Sprache nicht entscheiden, ob das, was z.B. als "falsch" oder marginal dargestellt wird, nicht vielleicht doch eine reguläre Variante ist und nur zugunsten der Argumentation als "falsch" oder marginal deklariert wurde. Eine deskriptive Grammatik wird zumindest darauf hinweisen, dass es neben der Norm auch Variation gibt, auch wenn diese von einer normativen Grammatik als Fehler angesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, Grammatiken als linguistische Datenbasis zu nutzen, und skizziert die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit den zugrundeliegenden Theorien und Methoden.
1. Verschiedene Probleme der Grammatikschreibung: Das Kapitel erläutert den Begriff der Grammatik, stellt eine Typologie von Grammatiken nach Cherubim vor und diskutiert die Herausforderungen bei der Aufbereitung sprachlicher Daten.
2. Zum Umgang mit Grammatiken: Hier werden Bewertungskriterien für Grammatiken erörtert, Fragen zur Vergleichbarkeit verschiedener Werke geklärt sowie der praktische Einsatz von Grammatiken und Wörterbüchern in der Forschung kritisch beleuchtet.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die ausschließliche Nutzung von Grammatiken oder Wörterbüchern problematisch ist und nur in Kombination mit anderen Datengewinnungsmethoden zu fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen führt.
Schlüsselwörter
Grammatik, Grammatikographie, Datengewinnung, Linguistik, Sprachbeschreibung, Adäquatheit, Typologie, Sprachvariation, Wörterbücher, Lexikographie, wissenschaftliche Methode, Datenauswertung, Deskription, Normativität, Forschungspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit diskutiert den wissenschaftlichen Umgang mit Grammatiken und Wörterbüchern als Datenquellen für linguistische Analysen und zeigt deren methodische Grenzen auf.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Einordnung von Grammatiktypen, der Bewertung ihrer Datenqualität sowie der Problematik von terminologischer Vielfalt und subjektiven Darstellungsweisen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Forscher für die Problematik der Datenbasis "Grammatik" zu sensibilisieren und Kriterien für eine kritische sowie reflektierte Nutzung in der linguistischen Arbeit zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Diskussion und kritischen Analyse bestehender fachwissenschaftlicher Literatur und Modelle zur Grammatikographie und Lexikographie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Es werden verschiedene Grammatiktypen klassifiziert, die Bedingungen für ihre Vergleichbarkeit analysiert und die Rolle der Autoren sowie politischer oder didaktischer Einflussfaktoren beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Grammatikographie, methodische Adäquatheit, Sprachbeschreibung, Variation und die interdisziplinäre Einordnung von linguistischen Nachschlagewerken.
Wie gehen Grammatiken mit dem Problem der Sprachvariation um?
Die Arbeit verdeutlicht, dass normative Grammatiken Variation oft als fehlerhaft ausblenden, während deskriptive Ansätze diese als reguläre Varianten anerkennen, was für die linguistische Forschung entscheidend ist.
Welche spezifische Kritik wird an den "Descriptive Grammars" (LDS) geübt?
Kritisiert wird insbesondere die erzwungene Anwendung standardisierter Fragebögen, die zu einer künstlichen Zerstückelung sprachlicher Phänomene führen kann und die Handhabbarkeit für Lernende und Forscher erschwert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen wissenschaftlichen und pädagogischen Grammatiken wichtig?
Die Arbeit zeigt, dass unterschiedliche Zielsetzungen – etwa die rein wissenschaftliche Analyse versus bildungspolitische oder didaktische Intentionen – zwangsläufig zu verschiedenen Methoden der Datenaufbereitung führen.
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- Claudia Leto (Author), 2003, Zum Umgang mit Daten aus Grammatiken (und Wörterbüchern), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24095