Was waren die Hauptmerkmale der römischen Religion?
Die Religion war neben der alltäglichen Ausübung vor allem präsent im politischen Bereich.
Der Senat z. B. tagte in einem sakral definierten Raum, einem templum. Senatssitzungen
wurden durch Weihrauchopfer der eintretenden Senatoren eröffnet. Diese Rituale wurden erst
nach einem langen Christianisierungsprozess der Oberschicht durch Bischof Ambrosius von
Mailand im Streit um den Viktoriaaltar beendet.1 Die römische Religion war eine
Opferreligion: So führten die hohen Magistrate in Rom, die Verwaltungsspitzen in den
Provinzen und die Feldherrn im Krieg ständig Opfer durch. Größere Aktivitäten wurden
durch Opfer sowie Anfragen an die Götter (Auspizien in Form der Vogelschau) eingeleitet
und durch diesen Rat abgesichert. „Vor wichtigeren Angelegenheiten, Auszug in einen Krieg,
Beginn einer Schlacht, wurde selbstverständlich geopfert und der Wille der Götter erfragt.“2
Daneben waren die verschiedenen Vereinigungen einer Stadt als Kultvereine organisiert. „So
konstituierte sich etwa ein Verein aller Bäcker oder Lederarbeiter, um den Kult einer
bestimmten Gottheit - im ersten Fall etwa Vesta - zu pflegen, deren Festtag dann gemeinsam
begangen wurde.“3 Religion bestimmte damit weite gesellschaftliche Bereiche mit.
Welche Bereiche umfasste der römische Kultus?
Die Religion der Römer umfasste die sacra publica, die öffentlichen Kulte, sowie den bereich
der sacra privata, der wiederum aufgeteilt war in Kulte für einzelne Haushalte (familiae), und
der Gentes. Als Sacra bezeichnete man die den Göttern geschuldeten Rituale. Für die privaten
Kulthandlungen handelte der pater familias als Priester.4 Die sacra publica unterschieden sich
von den anderen Kultakten vor allem durch ihre Finanzierung. Die Kosten für die
„öffentlichen Kulte“ nämlich trug die politische Gemeinschaft. Die Einkünfte stammten aus
Steuern und Abgaben sowie aus Kriegsbeute. Heiligtümer und Tempelanlagen für sacra
publica wurden auf öffentlichem Grund errichtet und dann durch einen Akt der Konsekration
in einen locus sacer überführt, in ein Grundstück, das einer Gottheit als Eigentum gehörte.
Außerdem wurde jedem Kult ein Stück Land zur Unterhaltung zugewiesen. 5 [...]
1 Vgl.: Rüpke: Die Religion der Römer, S. 13.
2 Rüpke: S. 13.
3 ebd.
4 Vgl.: Muth: Einführung in die griechische und römische Religion, S. 289.
5 Vgl. zu diesem Abschnitt: Rüpke: S. 27f..
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Häuslicher Kult und Priestertum in Rom
1.1. Der häusliche Kult in der römischen Religion
1.2. Das Priestertum in Rom
1.3. Die Veränderungen nach dem Sturz des Königtums
1.4. Die Kompetenzen und Pflichten des Oberpontifex
2. Caesar und die Wahl zum Oberpontifex 63. v. Chr.
2.1. Caesars Motive für die Kandidatur
2.2. Caesar und seine Wahlkonkurrenten
2.3. Die Wahl Caesars und deren Vorbedingungen
2.4. Die politischen Folgen der Wahl
2.5. Persönliche Folgen der Wahl für Caesar
3. Die julianische Kalenderreform
3.1. Caesar als Astronom
3.2. Die Kalenderreform Caesars
3.3. Die Durchführung der Kalenderreform und deren Folgen
3.4. Die Einordnung der Kalenderreform des Julius Caesar
4. Vom altrömischen Pontifex maximus zum Ehrenprädikat der Päpste
4.1. Das Amt des Pontifex maximus als Bestandteil des Kaisertitels
4.2. Gratian und die Trennung von Heidentum und Staat
4.3. Theodosius und die Unterdrückung des Heidentums
4.4. Die Päpste und der Titel des Pontifex
5. Schlussfolgerungen und abschließende Bemerkungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Bedeutung und Funktion des Amtes des Pontifex maximus in der römischen Antike unter besonderer Berücksichtigung der Person Julius Caesars sowie die historische Transformation dieses Titels bis in die christliche Spätantike.
- Religiöse Strukturen und das Priestertum im republikanischen Rom
- Politische und persönliche Hintergründe der Wahl Caesars zum Oberpontifex im Jahr 63 v. Chr.
- Wissenschaftliche Analyse der julianischen Kalenderreform und deren historische Tragweite
- Die Ablösung des heidnischen Pontifextitels durch christliche Kaiser und dessen spätere Rezeption durch die Päpste
Auszug aus dem Buch
Caesars Motive für die Kandidatur
Wenn man seinen Drang verstehen will, dieses höchste sakrale Amt des Staates zu erreichen, muss man die innere Struktur der römischen Republik berücksichtigen. In der damaligen Politik strebte jeder danach, seine dignitas zu vermehren oder zu bewahren. Für Caesar konnte ein möglicher Sieg bei der Pontifexwahl einen großen politischen Gewinn bedeuten. Vermutlich hat seine Wahl im Jahr 63 v. Chr. ganz erheblich zum Erreichen des Triumvirats 60 v. Chr. beigetragen. Weiter muss man berücksichtigen, dass Caesar sich zugleich für das Amt des Oberpontifex und jenes der Praetur bewarb. Caesar aber hielt die Bewerbung für das Oberpontifikat für weitaus wichtiger für seine Karriere als das Amt der Praetur. Die Bewerbung für das Oberpontifikat zog den Quellen nach die breite Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. Im Gegensatz dazu gibt es von einer Auseinandersetzung um die Bewerbung Caesars für die Praetur keine Hinweise. „Wenn er es wagen konnte, seine für ihn lebenswichtige Wahl zum Prätor dadurch zu gefährden, dass er sie zu einem Anhängsel der Oberpriesterwahl machte, in der er zwei der angesehensten Männer im Staat besiegen musste, so muss seine politische Bedeutung im Jahre 63 doch schon größer gewesen sein als eine Theorie zulässt, die das Außergewöhnliche seiner Laufbahn erst mit seinem ersten Konsulat beginnen lässt.“ Zu dem vorher erwähnten Nutzen, der sich aus dem Oberpontifikat für Caesar ergeben konnte, trat ein weiteres Motiv für die Wahl: Wie Sueton berichtet, sei Caesar nach seiner Wahl zum Pontifex maximus aus seinem bescheidenen Haus in der so genannten Subura in eine domus publica an der sacra Via umgezogen. Diese domus publica aber war ein Nebengebäude der Regia, der ehemaligen Residenz der römischen Könige. Der Umzug könnte nach Meinung einiger Autoren ein Symbol für den monarchischen Anspruch Caesars gewesen sein.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Der Abschnitt erläutert die zentrale Rolle der Religion in der römischen Politik und Gesellschaft sowie die grundlegenden Aufgaben des Pontifex maximus.
1. Häuslicher Kult und Priestertum in Rom: Hier werden die Struktur des privaten Kults, die Entwicklung der Priesterkollegien und die Befugnisse des Oberpontifex in der frühen Republik dargelegt.
2. Caesar und die Wahl zum Oberpontifex 63. v. Chr.: Dieses Kapitel analysiert die strategischen Motive Caesars, seine Mitbewerber und die politischen sowie persönlichen Auswirkungen seines Wahlsiegs.
3. Die julianische Kalenderreform: Der Fokus liegt auf der wissenschaftlichen Leistung Caesars bei der Korrektur des römischen Kalenders und den Folgen dieser Reform.
4. Vom altrömischen Pontifex maximus zum Ehrenprädikat der Päpste: Dieses Kapitel behandelt die Entchristlichung des Staates durch Kaiser Gratian und Theodosius sowie die spätere Adaption des Titels durch die römischen Päpste.
5. Schlussfolgerungen und abschließende Bemerkungen: Die Ergebnisse der Arbeit werden zusammengefasst und die historische Kontinuität sowie der Wandel sakraler Ämter reflektiert.
Schlüsselwörter
Pontifex maximus, Julius Caesar, römische Religion, Priestertum, Staatskult, julianische Kalenderreform, Kaiser Gratian, Spätantike, Christentum, Romidee, sakrale Ämter, politische Macht, Res publica, Pontifikalkollegium
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung des römischen Amtes des Pontifex maximus und beleuchtet dessen Wandel von der Römischen Republik bis zur christlichen Spätantike.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der römischen Sakralverfassung, der Karriere Julius Caesars im Kontext religiöser Ämter sowie der Transformation heidnischer Traditionen durch den Aufstieg des Christentums.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den politischen und religiösen Nutzen aufzuzeigen, den Caesar aus seiner Wahl zum Pontifex maximus zog, und zu klären, warum der Titel nach der Christianisierung des Reiches von den Päpsten übernommen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse, wobei moderne Forschungsmeinungen (wie etwa von Jochen Bleicken oder Jörg Rüpke) kritisch mit antiken Quellen (z.B. Sueton, Sallust) in Bezug gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des römischen Kultwesens, die Analyse der spezifischen Situation bei Caesars Wahl 63 v. Chr., die astronomische Kalenderreform und die rechtliche sowie symbolische Entwicklung des Pontifikaltitels unter den christlichen Kaisern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Pontifex maximus, Caesar, römische Religion, Kalenderreform, Christentum und spätantike Transformation.
Welche Rolle spielte der Umzug in die Regia für Caesar?
Der Umzug in die domus publica an der Via sacra wird als symbolischer Akt interpretiert, der Caesars Streben nach Macht und seine Ambitionen auf das Königtum unterstreichen konnte.
Warum gab Kaiser Gratian den Titel des Pontifex maximus auf?
Gratian legte den Titel ab, um die endgültige Trennung von Staat und heidnischer Religion zu vollziehen, da der Titel ihn zu Verpflichtungen gegenüber den alten Kulten zwang, die mit seinem christlichen Selbstverständnis nicht mehr vereinbar waren.
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- Markus Schubert (Autor), 2004, Caesar und das Amt des Pontifex maximus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24151