[...] Dieser kurze Aufriss skizziert den Rahmen, auf den die Fragestellung der
vorliegenden Arbeit aufbaut. Ausgehend von der aktuellen Entwicklung von Quantität und Qualität der (Erwerbs-)
Arbeit, soll nach Ursachen der anhaltende Massenarbeitslosigkeit in Deutschland
gefragt werden. Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der globalen
Transformation der Wirtschaft und dem nationalen Arbeitsmarkt? Welche Konzepte
werden gegenwärtig zur Lösung der Beschäftigungskrise verfolgt und wie sind diese
Konzepte vor dem Hintergrund der Globalisierung zu bewerten? Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit werden auf der Folie der fordistischen
Normalität der westlichen Industrienationen aus dem „Goldenen Zeitalter“ des
Kapitalismus (Eric Hobsbawm) die globalen Transformationsprozesse des Handels,
der Arbeits- und Finanzwelt sowie der Politik im Überblick dargestellt. Diese
Prozesse können im Rahmen dieser Arbeit in ihrer Komplexität nur skizziert werden.
Dennoch wird der Versuch unternommen, die Perspektive von den nationalen
Gegebenheiten des Arbeitsmarktes auf die globalen Transformationen zu erweitern.
Hier sind in Teilen die Ursachen des Problems wie auch mögliche Ansätze für
Lösungsstrategien zu suchen. Die rein nationale Betrachtung des Arbeitsmarktes
liefe nicht nur im Sinn des Seminarthemas in die falsche Richtung. Angesichts
wachsender weltwirtschaftlicher Verflechtungen und einer zunehmenden
Internationalisierung der Politik soll eine globale Perspektive im Hinblick auf nationale
Arbeitsmarktprobleme eröffnet werden. Dennoch soll nicht nach den Entwicklungen eines möglichen „globalen
Arbeitsmarktes“ gefragt werden. Im zweiten Teil der Arbeit verengt sich der Blick auf
den deutschen Arbeitsmarkt. Vor dem Hintergrund der globalen wirtschaftlichen
Entwicklung werden die aktuellen Reformansätze, insbesondere das „Hartz-
Konzept“, hinsichtlich ihrer Chancen und Risiken kritisch untersucht.
Da sich die Zukunft nicht empirisch messen lässt, kann in diesem Anschnitt der
Arbeit kaum auf analytische Daten zurückgegriffen werden. Vielmehr sollen die
Reformansätze deskriptiv reflektiert und unter normativen Gesichtspunkten bewertet
werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Globale Transformation der Wirtschaft und strukturelle Transformation der Arbeitswelt
2.1 Das fordistische Normalarbeitsverhältnis
2.2 Strukturwandel der fordistischen Industriegesellschaft
2.3 Wandel der Weltwirtschaft
2.4 Technischer Wandel
2.5 Beschäftigungswirkungen der Globalisierung
3. Arbeitsmarkt in Deutschland: Situation und Reformansätze
3.1 Aktuelle Reformentwürfe: Das Hartz-Konzept
3.1.1 Job-Center
3.1.2 Zeit- und Leiharbeit: Personal Service Agenturen
3.1.3 Arbeitslosengeld II
3.1.4 Mini-Jobs und Ich-AGs
3.1.5 Die Neue Zumutbarkeit
3.2 Alternativen der Beschäftigungspolitik
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen den globalen Transformationsprozessen der Wirtschaft und der anhaltenden Massenarbeitslosigkeit in Deutschland. Das primäre Ziel besteht darin, die aktuellen arbeitsmarktpolitischen Reformansätze, insbesondere das Hartz-Konzept, vor dem Hintergrund der zunehmenden internationalen Verflechtungen kritisch zu bewerten.
- Struktureller Wandel von der fordistischen Industriegesellschaft zur globalisierten Wirtschaft.
- Auswirkungen von technologischem Wandel und internationaler Kapitalmobilität auf den Arbeitsmarkt.
- Analyse des Hartz-Konzepts als staatliche Antwort auf die Beschäftigungskrise.
- Kritische Reflexion von Chancen und Risiken der neuen Arbeitsmarktinstrumente.
- Suche nach alternativen Ansätzen zur Beschäftigungspolitik.
Auszug aus dem Buch
2.1 Das fordistische Normalarbeitsverhältnis
Um den Wandel der Arbeit zu erfassen soll zunächst die historische Normalität beschrieben werden. Im 20. Jahrhundert hat sich ein Arbeitsmodell entwickelt, dass als fordistisches Normalarbeitsverhältnis prägend geworden ist. Zwei Momente industriellen der Produktion haben dieser Phase ihren Namen gegeben: Der Begriff „Fordismus“ geht zurück auf Henry Ford (1863-1947), den Pionier der Fließbandproduktion und steht für Massenproduktion und Massenkonsum. Der amerikanische Ingenieur E.W. Taylor (1856-1915) steht für die Entwicklung des „wissenschaftlichen Managements“, „Taylorismus“ bezeichnet die Erhöhung der Arbeitsproduktivität durch rationelle Nutzung der Arbeitskraft.
Produktivitätssteigerungen führten zu wachsendem Wohlstand und Massenabsatz, „eine Folge der bereits in den vergangenen Jahren erfolgten Produktivitätssteigerungen, die ein Ausmaß erreichten, das nunmehr auch vom Standpunkt der Kapitalverwertung gewisse Reallohnerhöhungen zuließ oder gar nahe legte.“ (Conert 2002, 254) Flankiert durch eine dynamische Sozialpolitik, die nicht zuletzt durch die Konkurrenz mit dem sozialistischen Block als „unbestrittenes Kernmerkmal ‚freiheitlicher Demokratie“ (ebd.) aufgefasst wurde, entstand das „fordistische System“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die globalen Trends, die den Arbeitsmarkt beeinflussen, und leitet die Forschungsfrage bezüglich der Ursachen der Massenarbeitslosigkeit in Deutschland ab.
2. Globale Transformation der Wirtschaft und strukturelle Transformation der Arbeitswelt: Dieses Kapitel analysiert den historischen Übergang vom fordistischen Arbeitsmodell zu einer durch Globalisierung und technologischen Fortschritt geprägten Ökonomie.
3. Arbeitsmarkt in Deutschland: Situation und Reformansätze: Hier werden die spezifische Lage in Deutschland und die verschiedenen Instrumente des Hartz-Konzepts sowie alternative Reformmodelle kritisch betrachtet.
4. Fazit: Das Fazit bewertet die Auswirkungen der globalen Integration auf den nationalen Arbeitsmarkt und hinterfragt, ob die Reformen den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht werden.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Arbeitsmarkt, Deutschland, Hartz-Konzept, Massenarbeitslosigkeit, Strukturwandel, Fordismus, Reformansätze, Sozialpolitik, Flexibilisierung, Direktinvestitionen, Beschäftigung, Beschäftigungspolitik, Arbeitslosengeld II, Technologischer Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den globalen Einflüssen auf den deutschen Arbeitsmarkt und untersucht, wie nationale Reformkonzepte auf diese Veränderungen reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Transformation der fordistischen Industriegesellschaft, der Rolle von transnationalen Unternehmen, dem technischen Wandel und der Bewertung arbeitsmarktpolitischer Instrumente.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist eine kritische Analyse der aktuellen Beschäftigungspolitik, insbesondere des Hartz-Konzepts, im Hinblick auf deren Wirksamkeit bei der Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit unter globalisierten Bedingungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen deskriptiven und reflektierenden Ansatz, der wirtschaftstheoretische Konzepte mit politischen Reformmaßnahmen vergleicht und normativ bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung globaler Transformationsprozesse, wie die Erosion des fordistischen Modells, und eine detaillierte Untersuchung der verschiedenen Komponenten des Hartz-Konzepts sowie alternativer Politikansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Globalisierung, Hartz-Konzept, Strukturwandel, Normalarbeitsverhältnis, Beschäftigungspolitik und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Wie bewertet der Autor den Begriff "Job-Center"?
Der Autor sieht die Umbenennung der Arbeitsämter zu Job-Centern primär als kosmetische Maßnahme des Marketings, die an sich noch keinem Erwerbslosen zu bezahlter Arbeit verhilft.
Welche Gefahr sieht der Autor bei den Personal Service Agenturen (PSA)?
Der Autor warnt vor einem sogenannten „Drehtüreneffekt“, bei dem reguläre Stellen vernichtet und durch günstigere Zeitarbeitskräfte ersetzt werden, anstatt neue Arbeitsplätze zu schaffen.
- Quote paper
- Jan Tilman Günther (Author), 2004, Arbeitsmarkt Deutschland: Globale Einflüsse und nationale Reformkonzepte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24225