Au Pair als informelle Unterstützungsstruktur für Familien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Fragestellung

2 Einleitung

3 Definition von Hausarbeit

4 Die Rückkehr der Dienstmädchen

5 Jungen Migrantinnen als Haushaltsarbeiterinnen

6 Das Beispiel osteuropäischer Au Pairs

7 Die „Gastfamilie“

8 Au Pair, ein postmodernes Sklavenverhältnis?

9 Die Intrageschlechtliche Arbeitsteilung

10 Die professionelle Frau und ihre 'Magd'

11 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Fragestellung

Becker –Schmidt (1987) wies schon Anfang der 80er Jahre darauf hin, daß ein Leben in der Familie zu wenig, Beruf und Familie für die Frauen jedoch bei der derzeitigen arbeitsteiligen Struktur der Gesellschaft zu viel sind. Einen Ausweg aus dem Dilemma der sogenannten Doppel- und Dreifachbelastung bietet der teilweise Zukauf von Dienstleistungen, z.B. die Beschäftigung einer bezahlten Haushaltshilfe. So ist das Thema meiner Hausarbeit, welche Chancen und Risiken die Beschäftigung einer Haushaltshilfe für das Geschlechterverhältnis in der Familie birgt. In einem ersten Schritt möchte ich hierbei zunächst kurz auf den Begriff der Hausarbeit eingehen. Um dann anhand des Beispiels von osteuropäischen Au Pairs darzustellen wie Haushaltshilfen mittlerweile zum festen Bestandteil der überwiegend informellen Unterstützungsstruktur für Doppelverdiener-Familien geworden sind. Abschließen gehe ich dann auf die intrageschlechtliche Arbeitsteilung und die wesentliche Konfliktlinien zwischen Arbeitgeberin und Arbeitsnehmerin im privaten Haushalt ein.

2 Einleitung

Seit nunmehr dreißig Jahren engagieren sich Frauen für die Aufhebung der geschlechtshierarchischen Arbeitsteilung in Familie und Beruf als Vorraussetzung für die Gleichstellung der Geschlechter. Sie tragen dieses Anliegen immer wieder in die Öffentlichkeit und in die Politik. Dabei klagen sie die Schaffung der gesellschaftlichen Vorraussetzung für die Aufhebung dieser Arbeitsteilung ein, welche von dem Angebot qualifizierter Teilzeitarbeitsplätze für beide Geschlechter bis zur Einrichtung von Ganztagesschulen als Standard reichen. Zwar hat dieses Engagement die Gestaltung von Hausarbeit in vielen Partnerschaften und Ehen nicht unberührt gelassen. Kaum jemand bestreitet mehr das Recht von Frauen auf öffentliche Teilhabe und beruflichen Erfolg und selbst eine steigende Beteiligung der Männer im Privaten wird prinzipiell gutheißen. Dennoch ist die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern in den Partnerschaften und insbesondere in den Familienhaushalten mit Kindern, größtenteils ungebrochen traditionell. Einschlägige Untersuchungen über die Verteilung von Hausarbeit verweisen darauf, dass die Beteiligung von Männern am Kernbereich familialer Arbeit kaum angestiegen ist (vgl. Lenz 2001). Viel auffallender ist jedoch die Entwicklung, dass zahlreicher Haushalte auf die Arbeitskraft von meist schwarzarbeitenden und oft illegal migrierten Frauen zurückgreifen.

3 Definition von Hausarbeit

Der Begriff Hausarbeit wird auch synonym als Reproduktion- oder Versorgungsarbeit bezeichnet. Diezinger definiert: “Hausarbeit ist die Gesamtheit der Arbeitsleistungen die in der Familie und in Privathaushalt aufgewendet werden, um die langfristige physische und psychischer Reproduktion der Menschen zu gewährleisten. Sie hat die Funktion materielle, soziale und emotionelle Bedürfnisse zu befriedigen und dadurch Menschen lebens- und arbeitsfähig zu erhalten, sowie durch Geburt, Pflege und Erziehung das Heranwachsen der nächsten Generation zu sichern“(Diezinger 1991, S. 34f). Theoretisch lässt sich demnach Hausarbeit im engeren Sinne, also Putzen, Waschen, Kochen, Einkaufen etc., nicht von der Hausarbeit im weiteren Sinne, etwa Kinderbetreuung trennen. Es handelt sich um ein „Kuppelproduktion“, die Hausarbeit wird dabei neben der Kinderbetreuung erledigt. In dieser Hausarbeit soll der Begriff Hausarbeit im weiteren Sinne gefasst werden.

4 Die Rückkehr der Dienstmädchen

Die Beschäftigung von Haushaltshilfen ist durchaus kein neues Vorkommnis des 21. Jahrhunderts. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert zählten die Dienstmädchen in vielen europäischen Ländern zur größten Gruppe weiblicher Beschäftigter. Diese Dienstmädchen kamen teilweise vom Land in den Dienst der städtischen Oberschicht. Sie waren Töchter von Kleinbauern, Tagelöhnern und ländlichen Kleingewerbetreibern. Der größte Teil jedoch kam aus dem Ausland. In jener Zeit begaben sich weltweit Frauen im Ausland in ‚fremde Dienste’ als Dienstmägde, Haus- oder Kindermädchen (vgl. Young 1999). Die städtischen Dienstmädchen im 19.Jahrhundert lebten gar in unmittelbarster Nähe zur Herrschaft und waren einerseits zwangsläufig Zeuginnen der Intimitäten des Familienlebens. Andererseits demonstrierte jedoch eine Vielzahl von Praktiken ihres Alltags (wie das Essen der Reste von der Familientafel oder der separate Dienstboteneingang) wie sehr man sich von ihnen abgrenzte. Sie wohnten folglich im Haus ihrer Dienstherren, verrichtete n dort häusliche Dienstleistungen und unterstanden der häuslichen Befehlsgewalt. Je nach Größe und Wohlstand des Haushalts waren die Dienstmädchen ihrer Herrschaft in der Küche, im Kinderzimmer oder in den Gesellschaftsräumen “stets zu Diensten“. Wobei einzelne Arbeiten und Funktionen räumlich und zeitlich nicht klar zu unterscheiden waren und hernach einer Einheit von Arbeiten und Wohnen entsprach. Global gehört auch heute noch die mit einem Dienstmädchen verbundene Tätigkeit zum wichtigsten Arbeitsmarkt für Frauen. Überdies ist er mittlerweile bezüglich seiner Anstellungs- und Rekrutierungspraktiken besser organisiert den je zuvor (vgl. Henshall-Momsen 1999) . Auch in deutschen Haushalten wird mit der Beschäftigung osteuropäische Frauen als Kindermädchen und Haushaltshilfen die Geschichte von der "Herrin und der Magd" neu aufgelegt.

Der aktuelle Bedarf an Haushaltshilfen ist auf vielfältige, gesellschaftliche Entwicklungen zurückzuführen: Zum einen fragen aufgrund der demographischen Entwicklung immer mehr ältere Menschen Haushaltshilfen und Pflege in den eigenen vier Wänden nach. Zudem führt die Auflösung traditioneller Familienstrukturen zu einer Zunahme von Einpersonenhaushalten und alleinerziehenden Elternteilen. Eine generell verstärkte Nachfrage nach privaten Dienstleistungen kann aber auch mit der allgemeinen Steigerung der Kaufkraft und des (ökonomischen) Lebensstandards zusammenhängen. Der wesentlichste Einflussfaktor ist jedoch die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen.

Dem steigender Rückgriff auf diese jungen Migrantinnen als Haushaltsarbeiterinnen auf der Nachfrageseite steht auf der Angebotsseite ein steigende Anzahl von jungen und oftmals hochqualifizierten Migrantinnen gegenüber.

5 Jungen Migrantinnen als Haushaltsarbeiterinnen

In den letzten Jahren lässt sich eine starke und teilweise unerwartete Veränderung, sowohl der internationalen Migrationmuster, als auch der die "europäische Migrationsordnung“ beobachten (Thiessen 2000, S.98). Nicht zuletzt sind deren Ursachen in den, zwecks wirtschaftlicher Eingliederung in den Weltmarkt, unternommenen Anstrengungen zu suchen, welche die zusammengebrochenen, sozialistischen Systeme politisch und soziökonomisch umstrukturieren sollten (Thiessen 2000, S.102). Die ehemaligen Ostblockländer wurden zwar auch Ziel- und Durchgangsländern, angesichts der sich verschlechternden Lebensumstände in den post-sozialistischen Ländern jedoch vor allem zu Sendeländern. Laut Migrationsbericht der Bundesregierung von 2001 machen Nicht-EU-Europäer mittlerweile zwei Drittel der Neuankommenden in Deutschland aus. Somit fällt die Migration aus Osteuropa im Westen Europas stärker ins Gewicht. Wobei allerdings zu bedenken ist, dass der weitaus größere Teil der Aufenthalts- und Arbeitsverhältnisse, nämlich jener illegale und irreguläre Teil, nicht erfasst ist. Dennoch kann von einer Massenmigration aus dem Osten wie im öffentlichen politischen Diskurs in Deutschland oftmals der Anschein erweckt wird, nicht die rede sein. Ethnographische Migrationstudien verwiesen darauf, dass nicht die dauerhafte Auswanderung zunimmt, sondern die "ungeordnete Mobilität" über die Grenzen hinweg, also die Pendel- und Zirkelmigration ansteigt (vgl. Cyrus 1997). Zum einen wird dies begünstigt durch die Nähe zwischen Herkunfts- und Zielland welche das Hin- und Herpendeln möglich macht. Zum anderen wird es forciert durch eine deutsche und europäische Migrationspoltik, welche nur wenige und temporäre Einreise- und Arbeitsmodi gestattet(Cyrus 1997, S.44 – 48). Solche Steuerungsversuche erschweren mit Sicherheit die Migration, können diese jedoch nicht ganz unterbinden. Vielmehr bringen sie mobile Migrationstrategien und zeitlich befristete Aufenthaltsmuster hervor und/oder drängen Migranten und Migrantinnen auf verborgene Pfade, die sich den offiziellen Statistiken entziehen (vgl. Cyrus 1997).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Au Pair als informelle Unterstützungsstruktur für Familien
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Soziologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V24227
ISBN (eBook)
9783638271448
ISBN (Buch)
9783656881919
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Thema der Hausarbeit ist, welche Chancen und Risiken die Beschäftigung einer Haushaltshilfe für das (intra)geschlechtliche Arbeitsteilung in der Familie birgt.
Schlagworte
Pair, Unterstützungsstruktur, Familien
Arbeit zitieren
Bisrat Wolday (Autor:in), 2003, Au Pair als informelle Unterstützungsstruktur für Familien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24227

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