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Charakteristik des Herrschers Karl in "offiziöser" Historiographie (Reichsannalen)

Title: Charakteristik des Herrschers Karl in "offiziöser" Historiographie (Reichsannalen)

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 14 Pages , Grade: befriedigend (3,0)

Autor:in: Markus Laag (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Die Reichsannalen sind ein Werk offizieller höfischer Geschichtsschreibung und hatten die Intention einer „Einwirkung auf die öffentliche Meinung der Mit- und Nachwelt“ 1 ; d. h. sie dienten der Verherrlichung der Taten Karls. Diese subjektive Berichterstattung ist insofern besonders problematisch, als keine Quellen erhalten sind, die die Ereignisse aus der Perspektive der inneren und äußeren Gegner Karls darstellen. 2 Zwischen 787 und 793 wurde am karolingischen Hof der älteste Teil der Annalen verfaßt, die dann jährlich fortgesetzt wurden. 3 Die Stilkritik kam zu dem Ergebnis, daß wahrscheinlich mit den Jahren 795 und 808 ein Verfasserwechsel stattfand. 4 Die ganzen Reichsannalen wurden um 830 einer Überarbeitung unterzogen: „Sie rührt von einem Autor her, der Einhards Buch über Karl den Großen kannte, benutzte und seinen Stil nach demselben bildete.“ 5 Der erste Verfasser der Reichsannalen legte den Schwerpunkt auf die Darstellung des Verhältnisses zwischen Karl und dem bayrischen Herzog Tassilo III.; „die Hinweisung auf Tassilos Lehnseid und die Folgen desselben hält gleichsam die ganze Erzählung zusammen, wie der Refrain die Strophen eines Liedes“ 6 . Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll dann auch die Frage stehen, wie die Reichsannalen die Annexion Bayerns nachträglich legitimieren, wie sie potentiellen Widersachern Karls die Entmachtung Tassilos als Präzedenzfall bei Untreue vor Augen führen und somit Karls Herrschaft stabilisieren. Abschließend soll kurz auf die Charakterisierung Karls als ruhmreicher Volkskönig bzw. christlicher Herrscher eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Karl als legitimer Herrscher

2. 1 Tassilos Eid 757 und die Heeresflucht 763

2. 2 Tassilos Eid 781 und der Konflikt 787

2. 3 Tassilos Absetzung 788

3. Karl als ruhmreicher Volkskönig

4. Karl als christlicher Herrscher

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung Karls des Großen in den Reichsannalen, mit einem besonderen Fokus auf die Konstruktion seiner Legitimität, seine Rolle als Volkskönig und die religiöse Überhöhung seiner Herrschaft. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese offizielle Geschichtsschreibung durch subjektive Berichterstattung und selektive Darstellung politisch motivierte Legitimationsstrategien verfolgte.

  • Analyse der Legitimationsstrategien gegenüber dem Bayernherzog Tassilo III.
  • Untersuchung der Darstellung des Verhältnisses zwischen König und Adel.
  • Darstellung von Karls Bild als ruhmreicher, jedoch nicht absolutistischer Volkskönig.
  • Deutung der religiösen Überhöhung realpolitischer Handlungen.
  • Kritische Würdigung der Tendenz offizieller höfischer Geschichtsschreibung.

Auszug aus dem Buch

2.1 Tassilos Eid 757 und die Heeresflucht 763

Im Bericht der Reichsannalen zu 757 heißt es, Tassilo habe dem Frankenkönig Pippin und dessen Söhnen Karl und Karlmann Treue versprochen, sicut vassus recta mente et firma devotione per iustitiam, sicut vassus dominos suos esse deberet. Dieser Eid Tassilos gilt als der älteste überlieferte Vasalleneid. Er läßt sich allerdings anhand von unabhängigen Quellen nicht verifizieren, so daß sich der Verdacht aufdrängt, daß der Verfasser beabsichtigte, „die Abhängigkeit Tassilos so weit wie möglich in die Vergangenheit zurückzudatieren“. Den angeblichen Treueid habe Tassilo 763 bei einem Feldzug in Aquitanien gebrochen: Ibique Tassilo dux Baioariorum postposuit sacramenta et omnia, quae promiserat, et per malum ingenium se inde seduxit, omnia benefacta, quae Pippinus rex avunculus eius ei fecit, postposuit.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Reichsannalen als Werk offizieller höfischer Geschichtsschreibung und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Legitimierung von Karls Herrschaft am Beispiel Tassilos III.

2. Karl als legitimer Herrscher: Dieses Kapitel analysiert anhand der Konflikte mit Tassilo III., wie die Annalen die Herrschaft Karls durch die Konstruktion von Eidesbrüchen und Treuepflichten legitimieren.

3. Karl als ruhmreicher Volkskönig: Hier wird untersucht, wie Karl als in den Adel eingebundener Anführer dargestellt wird, um ein Bild abseits des Absolutismus zu vermitteln.

4. Karl als christlicher Herrscher: Dieses Kapitel erläutert die Tendenz der Annalisten, politisch motivierte Handlungen durch religiöse Motive zu überhöhen und Karl als Heidenmissionar darzustellen.

Schlüsselwörter

Reichsannalen, Karl der Große, Tassilo III., Legitimität, Geschichtsschreibung, Vasalleneid, Frankenreich, Volkskönig, Christlicher Herrscher, Karolingische Annalistik, politische Propaganda, Bayern, Treuebruch, Herrschaftspraxis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Charakteristik Karls des Großen in den Reichsannalen, einer offiziellen höfischen Geschichtsschreibung der Karolingerzeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Konstruktion politischer Legitimität, die Darstellung des Verhältnisses zu bayerischen Herzögen sowie die Stilisierung Karls als idealer, gottgefälliger Herrscher.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzudecken, wie die Reichsannalen durch subjektive Berichterstattung und Fälschungen die Herrschaft Karls absicherten und politische Gegner diskreditierten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse, die den Text der Reichsannalen mit unabhängigen historischen Quellen und modernen Forschungsmeinungen vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Fall Tassilo III., dem Bild Karls als Volkskönig, der Einbindung der Großen des Reiches und der religiösen Überhöhung militärischer Handlungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Reichsannalen, Legitimität, Tassilo III., Geschichtsschreibung, Propaganda, Volkskönig, christliche Herrschaft.

Wie bewerten die Reichsannalen die Rolle von Tassilo III.?

Die Annalen stellen Tassilo als eidbrüchigen Vasallen dar, um dessen Absetzung und die Annexion Bayerns als rechtmäßigen Vorgang bei Untreue zu legitimieren.

Warum wird Karl in den Annalen als „christlicher Herrscher“ inszeniert?

Die Inszenierung dient dazu, reale Machtpolitik und militärische Expansionen mit religiösem Heilsgeschehen zu verknüpfen und Karls Handeln göttlich zu sanktionieren.

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Details

Title
Charakteristik des Herrschers Karl in "offiziöser" Historiographie (Reichsannalen)
College
University of Münster  (Historisches Seminar)
Grade
befriedigend (3,0)
Author
Markus Laag (Author)
Publication Year
1999
Pages
14
Catalog Number
V24231
ISBN (eBook)
9783638271486
Language
German
Tags
Charakteristik Herrschers Karl Historiographie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Laag (Author), 1999, Charakteristik des Herrschers Karl in "offiziöser" Historiographie (Reichsannalen), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24231
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