'Factory Outlet Center": Begriff, Entstehungsbedingungen und versorgungspolitische Befürchtungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
17 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Factory Outlet Center als innovative Vertriebsform im Einzelhandel
2.1 Begriffsbestimmung „Factory Outlet Center“
2.2 Merkmale von Factory Outlet Centern
2.2.1 Standort und verkehrliche Situation
2.2.2 Sortiments- und Preisstruktur
2.2.3 Branchenmix und Servicepolitik
2.2.4 Kundenstruktur
2.2.5 Center Management und Marketing
2.3 Abgrenzung zu verwandten Betriebsformen
2.3.1 Fabrikverkauf
2.3.2 Off-price-Stores
2.3.3 Value Retail Center
2.3.4 Einkaufszentren bzw. Shopping Center
2.4 Architektonische Erscheinungsformen von Factory Outlet Centern
2.4.1 Strip Center
2.4.2 Village Center
2.4.3 Center Mall
2-5 Die Entwicklung vom Fabrikverkauf zum Factory Outlet Center

3 Entstehungsbedingungen und planungsrechtliche Realisierbarkeit von Factory Outlet Centern

4 Versorgungspolitische Befürchtungen
4.1 Handel
4.2 Raumordnung und Städtebau
4.3 Hersteller und Gemeinden

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einführung

„Wer hat Angst vorm FOC?“[1] so lautet eine Überschrift in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 01.10.1998. Diese Überschrift ist bezeichnend für die Diskussion um das Pro und Contra von Factory Outlet Centern in den letzten Jahren. Besonders der Einzelhandel sträubt sich gegen die Ansiedlung dieser Vertriebsform in der deutschen Einzelhandelslandschaft. In dieser Arbeit wird zunächst definiert was ein Factory Outlet Center ist, welche Bedingungen dessen Entstehung begünstigen, um am Ende die Chancen und Risiken der wichtigsten Akteure bei der Verwirklichung von Factory Outlet Centern zu diskutieren.

2 Factory Outlet Center als innovative Vertriebsform im Einzelhandel

Dieses Kapitel stellt explizit dar, wie ein „Factory Outlet Center“ begrifflich eingeordnet wird, welche Merkmale ein Factory Outlet Center charakterisiert und welche architektonische Formen derartige Einkaufszentren annehmen können. Danach wird kurz der Werdegang vom Fabrikverkauf zum Factory Outlet Center skizziert.

2.1 Begriffsbestimmung „Factory Outlet Center“

Unter einem „Factory Outlet Center“, nachfolgend kurz FOC genannt, versteht man die räumliche Konzentration verschiedener Markenhersteller an einem Standort. Die Hersteller mieten einzelne Ladeneinheiten, sog. Outlet-Stores, um ihre Produkte mit erheblichen Preisnachlässen direkt an den Konsumenten zu verkaufen. Anders ausgedrückt handelt es sich um eine räumlich integrierte Zusammenfassung verschiedener Fabrikverkaufsläden innerhalb eines Gebäudekomplexes oder einer Anlage zu einem Einkaufszentrum.[2]

Gemäß der Definition der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) spricht man von einem FOC bei einem großflächigen Zusammenschluss mehrerer Hersteller ab einer Gesamtverkaufsfläche von 3000 qm. Weiterhin wird ein FOC normalerweise von einer Management Gesellschaft geplant, realisiert und verwaltet.

2.2 Merkmale von Factory Outlet Centern

2.2.1 Standort und verkehrliche Situation

Da FOCs besonders autokundenorientiert sind, ist es von Vorteil den Standort in der Nähe einer Autobahn, einer stark frequentierten Bundesstraße oder in der Nähe bzw. auf dem Weg zu einer beliebten Freizeit- oder Tourismusregion zu wählen. Das Einzugsgebiet wird hauptsächlich durch die verkehrliche Erreichbarkeit bestimmt. So zeigt die bisherige Erfahrung mit FOCs, dass das Einzugsgebiet innerhalb von 90 PKW-Fahrtminuten liegt, und dass innerhalb von 60 PKW-Fahrtminuten 3 Millionen Einwohner idealerweise leben sollten, damit das FOC durch das Kaufkraftpotenzial rentabel ist. Bei der Wahl des Standorts innerhalb oder in der Nähe einer Touristenregion können Kopplungseffekte zwischen dem Tourismus und dem Einkauf entstehen. Für einen reibungslosen Betrieb muss ein ausreichendes Stellplatzangebot vorhanden sein, das meist kostenlos ist. Das Verkehrsaufkommen selbst wird durch die Verkaufsfläche, die Größe des Einzugsgebietes, die Aufenthaltsdauer der Kunden und der durchschnittlichen Zahl der Besucher pro PKW abgeschätzt. Dabei sollte jedoch nicht die Variation des Verkehrsaufkommens nach Wochentag vernachlässigt werden. Erfahrungsgemäß besuchen die meisten Kunden das FOC am Wochenende. Für diese Spitzenzeit müssen ausreichend Ausweichstellplätze zur Verfügung stehen.[3]

Ein weiteres Kriterium bei der Wahl des Standortes ist eine ausreichende Distanz zum etablierten, meist innerstädtischen Einzelhandel, um einen Kaufkraftabfluß aus der Innenstadt zu vermeiden. Deshalb findet man FOCs meist in ländlichen Räumen auf der „Grünen Wiese“, aber dennoch in einer Distanz von 60-PKW-Fahrtminuten und deshalb von den Ballungsräumen immer noch gut erreichbar. Die Vorteile ergeben sich durch die niedrigen Grundstücks- und Mietpreise, der Nachteil liegt allerdings in der geringen Genehmigungsfähigkeit für derartige Großprojekte in Deutschland. Darauf wird aber noch spezieller in einem späteren Abschnitt in dieser Arbeit eingegangen.[4]

2.2.2 Sortiments- und Preisstruktur

In den FOCs wird räumlich konzentriert ein umfassendes Sortiment an hochwertigen Markenartikeln, sog. brands, angeboten. Es gibt keine klassischen Magnetbetriebe, die die Kunden anlocken sollen. Die Attraktivität des Outlets wird allein durch den Bekanntheitsgrad der Markenartikelhersteller und der Mischung der verschiedenen Outlets erreicht. Zur Vermeidung von Konflikten mit dem Facheinzelhandel dürfen im FOC ausschließlich folgende Kategorien angeboten werden:

- Waren aus Produktionsüberschüssen,
- zweite Wahl,
- Vorjahresmodelle,
- Sonderkollektionen und
- Waren zum Test von Musterkollektionen.

Dennoch besteht die Gefahr, dass sich nach einiger Zeit das Sortiment an das Sortiment des Facheinzelhandels annähert. Dies kann nur durch eine vertragliche Regelung zwischen dem Outlet Betreiber und der Kommune geregelt werden.

Die Preise in einem FOC liegen deutlich unter denen des regulären Einzelhandels. Markenartikel sind um mindestens 30% günstiger, Discounts bis zu 75% sind keine Seltenheit. Des weiteren gibt es verschiedene Preisaktionen, wie z.B. Saisonverkäufe („back to school sale“), Mengennachlässe für bestimmte Markenartikel („buy three get one free“), Bonushefte mit Gutscheinen und evtl. kostenlose Zugaben ab einer bestimmten Kaufsumme. Diese Preisnachlässe sind dadurch möglich, dass die Handelsspanne zwischen dem Hersteller und dem Einzelhandel durch den Direktverkauf entfällt und weil die Mietkosten für die einzelnen Ladeneinheiten relativ gering sind.[5]

2.2.3 Branchenmix und Servicepolitik

Die wohl am häufigsten vertretene Branche in einem FOC ist die Bekleidungsbranche. Sie nimmt meist 70% des gesamten Outlets ein. Danach folgen Schuhe, Haushaltswaren, Glas/Porzellan, Lederwaren, Sportartikel, technische Geräte, Uhren/Schmuck und Geschenkartikel.[6] Ergänzt wird dieses Angebot in neuerer Zeit durch Restaurants und Food Courts, sowie durch Entertainment und Freizeiteinrichtungen, um die Aufenthaltsqualität im Center zu steigern.

Waren die FOCs am Anfang allein auf Selbstbedienung ausgelegt, so hat sich das in den letzten Jahren geändert. Zwar ist immer noch Selbstbedienung vorherrschend, doch es steht auch Personal zur Beratung zur Verfügung. Des weiteren wurden Informations-Schalter eingerichtet, an denen man sich nicht nur über die Outlets im Center erkundigen kann, sondern auch Informationen über Ausflugmöglichkeiten in der Region erfragen kann. Außerdem wurde die Annahme von Kreditkarten eingeführt. Es wird sehr auf Sauberkeit, Sicherheit und die Freundlichkeit der Bedienung geachtet. Ferner hat sich auch das im regulären Einzelhandel übliche Umtauschrecht bewährt. Im Großen und Ganzen befindet sich der Verbraucher in einem kundenfreundlichen Ambiente wieder.[7]

2.2.4 Kundenstruktur

Zu den typischen Kunden in FOCs zählen verheiratete, berufstätige Frauen im Alter zwischen 25 und 50 Jahre, sowie junge Familien. Z.B. geht ein Trend dahin, dass der Einkauf im FOC als Familienerlebnis gesehen wird und so besonders gern junge Familien in den Outlets einkaufen. Ein weiterer Kundenkreis sind die sog. „Smart Shopper“. Diese Verbraucher sind Menschen mit gestiegenem Preis- und Qualitätsbewusstsein und sie zeichnen sich durch die starke Nachfrage nach Markenprodukten aus. Gemeinsame Merkmale des typischen FOC-Kunden sind hohes Markenbewusstsein und ein gehobenes Einkommens- und Bildungsniveau. Die durchschnittliche Verweildauer der Kunden wird auf 2 ½ - 3 ½ Stunden beziffert und die jährliche Besuchshäufigkeit beträgt 3 bis 4 Mal.[8]

[...]


[1] FUHRMANN, S. 51

[2] vgl. SCHMUDE, S. 2

[3] vgl. SCHMUDE, S. 7

[4] vgl. SCHMUDE, S. 8

[5] vgl. FALK, S. 345 und SCHMUDE, S. 8

[6] vgl. FALK, S. 346

[7] vgl. FALK, S. 346

[8] vgl. SCHMUDE, S. 10

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
'Factory Outlet Center": Begriff, Entstehungsbedingungen und versorgungspolitische Befürchtungen
Hochschule
Universität Bayreuth  (Lehrstuhl für Stadtgeographie und)
Veranstaltung
HS: Geographische Einzelhandelsforschung
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V24299
ISBN (eBook)
9783638272056
ISBN (Buch)
9783656519270
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit gibt einen allgemeinen Überblick und einen Einstieg zur Problematik der Factory Outlet Center.
Schlagworte
Factory, Outlet, Center, Begriff, Entstehungsbedingungen, Befürchtungen, Geographische, Einzelhandelsforschung
Arbeit zitieren
Annette Sirikwa (Autor), 2003, 'Factory Outlet Center": Begriff, Entstehungsbedingungen und versorgungspolitische Befürchtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24299

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