„Wer hat Angst vorm FOC?“ so lautet eine Überschrift in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 01.10.1998. Diese Überschrift ist bezeichnend für die Diskussion um das Pro und Contra von Factory Outlet Centern in den letzten Jahren. Besonders der Einzelhandel sträubt sich gegen die Ansiedlung dieser Vertriebsform in der deutschen Einzelhandelslandschaft. In dieser Arbeit wird zunächst definiert was ein Factory Outlet Center ist, welche Bedingungen dessen Entstehung begünstigen, um am Ende die Chancen und Risiken der wichtigsten Akteure bei der Verwirklichung von Factory Outlet Centern zu diskutieren. Dieses Kapitel stellt explizit dar, wie ein „Factory Outlet Center“ begrifflich eingeordnet wird, welche Merkmale ein Factory Outlet Center charakterisiert und welche architektonische Formen derartige Einkaufszentren annehmen können.
Danach wird kurz der Werdegang vom Fabrikverkauf zum Factory Outlet Center skizziert. Unter einem „Factory Outlet Center“, nachfolgend kurz FOC genannt, versteht man die räumliche Konzentration verschiedener Markenhersteller an einem Standort. Die Hersteller mieten einzelne Ladeneinheiten, sog. Outlet-Stores, um ihre Produkte mit erheblichen Preisnachlässen direkt an den Konsumenten zu verkaufen. Anders ausgedrückt handelt es sich um eine räumlich integrierte Zusammenfassung verschiedener Fabrikverkaufsläden innerhalb eines Gebäudekomplexes oder einer Anlage zu einem Einkaufszentrum.
Gemäß der Definition der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) spricht man von einem FOC bei einem großflächigen Zusammenschluss mehrerer Hersteller ab einer Gesamtverkaufsfläche von 3000 qm. Weiterhin wird ein FOC normalerweise von einer Management Gesellschaft geplant, realisiert und verwaltet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Factory Outlet Center als innovative Vertriebsform im Einzelhandel
2.1 Begriffsbestimmung „Factory Outlet Center“
2.2 Merkmale von Factory Outlet Centern
2.2.1 Standort und verkehrliche Situation
2.2.2 Sortiments- und Preisstruktur
2.2.3 Branchenmix und Servicepolitik
2.2.4 Kundenstruktur
2.2.5 Center Management und Marketing
2.3 Abgrenzung zu verwandten Betriebsformen
2.3.1 Fabrikverkauf
2.3.2 Off-price-Stores
2.3.3 Value Retail Center
2.3.4 Einkaufszentren bzw. Shopping Center
2.4 Architektonische Erscheinungsformen von Factory Outlet Centern
2.4.1 Strip Center
2.4.2 Village Center
2.4.3 Center Mall
2-5 Die Entwicklung vom Fabrikverkauf zum Factory Outlet Center
3 Entstehungsbedingungen und planungsrechtliche Realisierbarkeit von Factory Outlet Centern
4 Versorgungspolitische Befürchtungen
4.1 Handel
4.2 Raumordnung und Städtebau
4.3 Hersteller und Gemeinden
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vertriebsform der „Factory Outlet Center“ (FOC), definiert deren wesentliche Merkmale und analysiert die Hintergründe ihrer Entstehung sowie die damit verbundenen versorgungspolitischen Auswirkungen und Befürchtungen innerhalb der deutschen Handelslandschaft.
- Begriffliche Einordnung und Abgrenzung der FOCs zu anderen Vertriebsformen.
- Strukturelle und architektonische Charakteristika moderner Outlet-Center.
- Historische Entwicklung des Fabrikverkaufs zum FOC.
- Planungsrechtliche Rahmenbedingungen und Realisierbarkeit in Deutschland.
- Diskussion der ökonomischen und städtebaulichen Chancen und Risiken für den Einzelhandel.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Standort und verkehrliche Situation
Da FOCs besonders autokundenorientiert sind, ist es von Vorteil den Standort in der Nähe einer Autobahn, einer stark frequentierten Bundesstraße oder in der Nähe bzw. auf dem Weg zu einer beliebten Freizeit- oder Tourismusregion zu wählen. Das Einzugsgebiet wird hauptsächlich durch die verkehrliche Erreichbarkeit bestimmt. So zeigt die bisherige Erfahrung mit FOCs, dass das Einzugsgebiet innerhalb von 90 PKW-Fahrtminuten liegt, und dass innerhalb von 60 PKW-Fahrtminuten 3 Millionen Einwohner idealerweise leben sollten, damit das FOC durch das Kaufkraftpotenzial rentabel ist.
Bei der Wahl des Standorts innerhalb oder in der Nähe einer Touristenregion können Kopplungseffekte zwischen dem Tourismus und dem Einkauf entstehen. Für einen reibungslosen Betrieb muss ein ausreichendes Stellplatzangebot vorhanden sein, das meist kostenlos ist. Das Verkehrsaufkommen selbst wird durch die Verkaufsfläche, die Größe des Einzugsgebietes, die Aufenthaltsdauer der Kunden und der durchschnittlichen Zahl der Besucher pro PKW abgeschätzt. Dabei sollte jedoch nicht die Variation des Verkehrsaufkommens nach Wochentag vernachlässigt werden. Erfahrungsgemäß besuchen die meisten Kunden das FOC am Wochenende. Für diese Spitzenzeit müssen ausreichend Ausweichstellplätze zur Verfügung stehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die kontroverse öffentliche Diskussion um Factory Outlet Center in Deutschland und formuliert die Zielsetzung der Arbeit.
2 Factory Outlet Center als innovative Vertriebsform im Einzelhandel: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des FOC, beschreibt seine zentralen Merkmale wie Sortiment und Preisstruktur und grenzt die Form von ähnlichen Konzepten ab.
3 Entstehungsbedingungen und planungsrechtliche Realisierbarkeit von Factory Outlet Centern: Hier werden die rechtlichen Grundlagen und die notwendigen planerischen Voraussetzungen für die Ansiedlung von FOCs in Deutschland dargelegt.
4 Versorgungspolitische Befürchtungen: Dieses Kapitel analysiert die Bedenken verschiedener Akteure, insbesondere des Einzelhandels sowie der Stadtplaner, gegenüber den Auswirkungen von FOCs auf Innenstädte und Raumordnung.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Einschätzung zur Zukunft von FOCs in Deutschland unter Berücksichtigung der bestehenden Akteursinteressen.
Schlüsselwörter
Factory Outlet Center, FOC, Einzelhandel, Markenhersteller, Standortwahl, Handelslandschaft, Raumordnung, Städtebau, Outlet-Stores, Markenartikel, Absatzwege, Sortimentspolitik, Planungsrecht, Innenstadtentwicklung, Konsumentenverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Factory Outlet Centern als spezifischer Vertriebsform im Einzelhandel, untersucht deren Struktur und beleuchtet die damit verbundenen gesellschaftlichen und ökonomischen Diskurse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Definition, den betriebswirtschaftlichen Merkmalen, den planungsrechtlichen Rahmenbedingungen sowie den Auswirkungen auf den stationären Handel und die Stadtentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Charakteristika von FOCs zu definieren, die Entstehungsbedingungen zu beleuchten und eine differenzierte Diskussion über Chancen und Risiken für beteiligte Akteure zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung geographischer sowie planerischer Konzepte zur Einzelhandelsforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den spezifischen Merkmalen (wie Standort, Kundenstruktur und Management) auch die rechtliche Einordnung sowie kritische Befürchtungen aus Sicht von Einzelhandel und Raumplanung thematisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Factory Outlet Center, Standortwahl, Markenartikel, planungsrechtliche Rahmenbedingungen, Innenstadt-Erosion und Handelslandschaft.
Wie unterscheidet sich ein FOC von einem herkömmlichen Fabrikverkauf?
Während ein Fabrikverkauf meist direkt am Produktionsstandort liegt, handelt es sich beim FOC um eine räumliche Konzentration zahlreicher Markenhersteller in einem professionell gemanagten Einkaufszentrum mit einem breiteren, jedoch spezifisch regulierten Warenangebot.
Welche architektonischen Typen von FOCs werden unterschieden?
Es werden drei Hauptformen differenziert: das Strip Center (gerade Ladenzeile), das Village Center (kleine dorfartige Struktur) und die Center Mall (überdachte Struktur nach amerikanischem Vorbild).
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- Annette Sirikwa (Author), 2003, 'Factory Outlet Center": Begriff, Entstehungsbedingungen und versorgungspolitische Befürchtungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24299