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Geschlechterdifferenz im Romanwerk von Marlen Haushofer

Titel: Geschlechterdifferenz im Romanwerk von Marlen Haushofer

Magisterarbeit , 1999 , 105 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anette Göttlicher (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Teil I – Theorie der Geschlechterdifferenz

I.1. Thesen zur Geschlechterdifferenz

Das Thema Geschlechterdifferenz ist ein äußerst kompliziertes und komplexes Gebiet, da es einerseits die Grundlage der feministischen und überhaupt jeglicher philosophische n Diskussion ist, andererseits der Begriff jedoch nicht klar faßbar wird und
sich einer einheitlichen und universal einsetzbaren Definition entzieht. Wenn wir von Geschlechterdifferenz sprechen, ist von einem gegebenen und gleichzeitig erklärungsbedürftigen Phänomen die Rede. Und dieses geht weit über die einfache Tatsache, daß es zwei verschiedene Geschlechter gibt, hinaus: Eine Theorie der Geschlechterdifferenz muß sich damit beschäftigen, wie sich dieser (scheinbar naturgegebene) „kleine Unterschied“ auf die Position der Menschen – von feministischer Warte aus insbesondere der Frau – in der Welt und Gesellschaft auswirkt, muß die Gründe für die Andersartigkeit und Ungleichheit der Geschlechter untersuchen, und
sie muß nicht zuletzt Veränderungsmöglichkeiten und Lösungen entwerfen: Wie könnten die Menschen in Zukunft vernünftig mit der Geschlechterdifferenz umgehen, wie könnten Hierarchien abgebaut werden, wie können Mann und Frau zusammenleben, ohne daß eines der beiden Geschlechter unterdrückt wird?
Die hier angeführten Thesen erheben keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit – wollte man diesen erfüllen, hieße das, die gesamte Philosophie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart auf das Phänomen Geschlechterdifferenz hin zu untersuchen und auch sämtliche Vertreterinnen der feministischen (Literatur-)Theorie zu Wort kommen
zu lassen. Dies würde mehr als genug Stoff für eine eigene Arbeit liefern. Da ich mich in dieser Arbeit sehr nah an den Texten Marlen Haushofers entlangbewegen werde, habe ich im folgenden nur einige wenige Pionierinnen der feministischen Theoriebildung – Simone de Beauvoir, Luce Irigaray und Judith Butler – zur genaueren
Betrachtung herangezogen, um an ihnen exemplarisch darzustellen, in welche Richtung die Erforschung der Geschlechterdifferenz ging und geht und um wichtige Termini und Kategorien hervorzuheben, die später im Lektüreteil wieder auftauchen werden.
[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

TEIL I – THEORIE DER GESCHLECHTERDIFFERENZ

1. Feministische Thesen „vor“ und „nach“ Marlen Haushofer

1.1 1949: Simone de Beauvoirs „Das andere Geschlecht“

1.2 80er und 90er Jahre: Thesen zur Geschlechterdifferenz

2. Versuch einer Definition: Was heißt Geschlechterdifferenz?

TEIL II – GESCHLECHTERDIFFERENZ BEI MARLEN HAUSHOFER

1. Von äußere r Freiheit in Eine Handvoll Leben bis zur Befreiung nach innen in Die Mansarde: Der Zusammenhang der Romane

1.1 Eine Handvoll Leben: Der Lebensentwurf Freiheit

1.2 Die Taptetentür: Der Entwurf „normales Leben“

1.3 Wir töten Stella: „Exkurs“ – Wissen und Verrat

1.4 Die Wand: Ein neuer Ansatz – weibliche Autonomie als Lebensform

1.5 Himmel, der nirgendwo endet: Reprojektion – der Lebens-Raum Kindheit

1.6 Die Mansarde: Die Befreiung nach innen

2. Positionen der Geschlechterdifferenz

2.1 Die Kindheit

2.1.1 Sozialisation

2.1.2 Die Tochter-Vater-Beziehung

2.1.3 Keine Rückkehr möglich

2.2 Liebe

2.2.1 Die zwei Seiten des Mannes

2.2.2 Das Scheitern der Liebe

2.3 Funktionalisierung der Frau durch die Männer

2.3.1 Geliebte

2.3.2 Hausfrau

2.3.3 Mutter

2.4 Der Ausschluß der Frau

2.4.1 Heimatlosigkeit

2.4.2 Die Welt des Mannes

2.5 Das Körper-Geist-Problem

2.6 Wissen und Verrat

2.6.1 Handlungsunfähigkeit

2.6.1.1 Denken heißt Nicht-Handeln

2.6.1.2 Einsicht in die innere Notwendigkeit

2.6.1.3 Nichtstun als Beihilfe

2.6.2 Das Zusammenwirken der Geschlechter

2.6.2.1 Die fehlende Kommunikation

2.6.2.2 Die Stabilisierung der patriarchalen Ordnung

2.6.2.3 Wände und Schutz-Räume

2.7 Strategien des Überlebens

2.7.1 Substitution

2.7.2 Erinnern und Vergessen

2.7.3 Erstarrung und „Scheintod“

2.8 Auswege ohne Veränderungspotential

2.8.1 Die Unmöglichkeit einer Veränderung

2.8.1.1 Mutter und Sohn

2.8.1.2 Die Macht des Patriarchats

2.8.2 Mögliche Auswege

2.8.2.1 Die weibliche Autonomie

2.8.2.2 Die Befreiung nach innen

5. Zusammenfassung

Schluß

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht das Romanwerk von Marlen Haushofer unter der zentralen Forschungsfrage, wie die Autorin das Phänomen der Geschlechterdifferenz und dessen Auswirkungen auf die weibliche Existenz literarisch darstellt und verarbeitet. Dabei wird analysiert, inwieweit Haushofers Protagonistinnen an den patriarchalen Strukturen scheitern oder alternative Lebensformen finden können.

  • Analyse des Zusammenhangs zwischen Geschlechterdifferenz, weiblicher Identität und patriarchaler Unterdrückung.
  • Untersuchung der Bedeutung von Kindheit und Sozialisation für die spätere Handlungsunfähigkeit der Frauen.
  • Erforschung der psychologischen Mechanismen von „Scheintod“, Erstarrung und Substitution als Überlebensstrategien.
  • Literarische Umsetzung des Konzepts der „Wände“ als Metapher für Ausgeschlossensein und weibliche Selbstbehauptung.
  • Kritische Reflexion der Möglichkeiten und Grenzen einer Befreiung nach innen im Kontrast zu gescheiterten Ausbruchsversuchen.

Auszug aus dem Buch

I.1.1. 1949: Simone de Beauvoirs „Das andere Geschlecht“

Das erste Buch, das sich ausführlich und erklärend mit der Geschlechterdifferenz und der Situation der Frau beschäftigt, ist die Abhandlung Le Deuxième Sexe¹ von Simone de Beauvoir, die in der Originalausgabe 1949 in Paris erschien. Bereits 1951 kam die deutsche Ausgabe auf den Markt. Man kann davon ausgehen, daß auch Marlen Haushofer das umfangreiche Werk (über 900 Seiten in der Taschenbuchausgabe) gelesen hat, denn in ihrer persönlichen Bibliothek wurde ein Exemplar von Das andere Geschlecht gefunden.

Beauvoirs Werk ist in zwei große Abschnitte unterteilt: Das erste Buch, „Fakten und Mythen“, untersucht im Kapitel „Schicksal“ die biologischen Gegebenheiten, den psychoanalytischen Standpunkt sowie den des historischen Materialismus; dem Kapitel „Geschichte“ folgt als dritter Teil die Untersuchung des „Mythos“ Frau mit Untersuchungen literarischer Werke. Im zweiten Buch, „Gelebte Erfahrung“, geht es um den Werdegang und die Situation der Frauen, ihre Rechtfertigungen und schließlich um den Weg zu einer Befreiung.

Bereits in der Einleitung umreißt Beauvoir das Verhältnis der Geschlechter: In Amtsregistern und auf Personalbögen sind die Rubriken »männlich« und »weiblich« nur der Form halber symmetrisch. Das Verhältnis der beiden Geschlechter ist nicht das zweier elektrischer Ströme, zweier Pole: der Mann vertritt so sehr zugleich das Positive und das Neutrale, daß im Französischen les hommes (die Männer) die Menschen schlechthin bezeichnen, da die spezielle Bedeutung des Wortes vir in der allgemeinen von homo aufgegangen ist. Die Frau dagegen erscheint als das Negative, so daß jede Bestimmung ihr zur Einschränkung gereicht, ohne daß die Sache umkehrbar wäre. (G 11)

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Hinführung zum Thema und Begründung der Relevanz von Marlen Haushofers Werk in Bezug auf die Geschlechterdifferenz.

TEIL I – THEORIE DER GESCHLECHTERDIFFERENZ: Aufarbeitung feministischer Theorien von Simone de Beauvoir über Luce Irigaray bis Judith Butler als theoretischer Rahmen.

TEIL II – GESCHLECHTERDIFFERENZ BEI MARLEN HAUSHOFER: Detaillierte Analyse der Romane unter Aspekten wie Kindheit, Liebe, Ausschluss der Frau und Überlebensstrategien.

5. Zusammenfassung: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und Reflexion der literarischen Darstellung von weiblicher Autonomie.

Schlüsselwörter

Geschlechterdifferenz, Marlen Haushofer, Patriarchat, Simone de Beauvoir, Sozialisation, Identität, Immanenz, Transzendenz, Erstarrung, Scheintod, Weiblichkeit, Handlungsunfähigkeit, Feministische Theorie, Romananalyse, Autonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit befasst sich mit der literarischen Auseinandersetzung der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer mit der Geschlechterdifferenz und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Bedingungen für Frauen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die patriarchale Struktur der Gesellschaft, die Einengung weiblicher Existenz durch Sozialisation, das Konzept der „männlichen“ und „weiblichen“ Rollen sowie der Kampf um Identität und Freiheit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, wie Haushofer das Scheitern von Fluchtversuchen ihrer Protagonistinnen thematisiert und ob eine Form von weiblicher Autonomie innerhalb oder außerhalb dieser patriarchalen Ordnung überhaupt denkbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung feministischer Theorieansätze, um Haushofers Romane strukturell und inhaltlich zu deuten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Gesamtwerk Haushofers chronologisch – von „Eine Handvoll Leben“ bis „Die Mansarde“ – und untersucht spezifische Positionen wie Kindheit, Liebe, Ausschluss und Überlebensstrategien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Geschlechterdifferenz, Patriarchat, Immanenz, Transzendenz, Handlungsunfähigkeit und weibliche Autonomie.

Wie bewertet die Arbeit Haushofers Konzept der „Wand“?

Die „Wand“ wird als vielschichtige Metapher für das Ausgeschlossensein der Frau interpretiert, die gleichzeitig als Schutzraum vor der feindlichen Außenwelt dient, aber auch die Isolation stabilisiert.

Was sagt die Arbeit über das Ende von „Die Mansarde“ aus?

Das Ende wird als „Befreiung nach innen“ gewertet; das Bild des Drachen symbolisiert eine neue Art der Selbstakzeptanz, die eine weniger destruktive und realistischere Utopie darstellt als die katastrophale Wandlung in „Die Wand“.

Ende der Leseprobe aus 105 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Geschlechterdifferenz im Romanwerk von Marlen Haushofer
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Anette Göttlicher (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1999
Seiten
105
Katalognummer
V243
ISBN (eBook)
9783638101851
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marlen Haushofer Geschlechterdifferenz feministische Literaturwissenschaft Österreich Frau
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anette Göttlicher (Autor:in), 1999, Geschlechterdifferenz im Romanwerk von Marlen Haushofer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/243
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Leseprobe aus  105  Seiten
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