Pippi Langstrumpf. Eine didaktische Analyse


Seminararbeit, 2004
17 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Inhaltliche Vorstellung
2.1. Zur Autorin
2.2. Inhalt des Buches
2.3. Charakteristik der Hauptpersonen

3. Welche Rolle spielt das Phantastische bei Pippi Langstrumpf?

4. Didaktische Analyse
4.1. Textanalyse
4.2. Lebensbezogenheit und pädagogischer Wert

5. Didaktik

6. Stundenvorschläge
6.1. Unterrichtsentwurf für 2 Stunden (an verschiedenen Tagen)zur Unterrichtseinheit Pippi Langstrumpf
6.2. Kleine Unterrichtsvorschläge
6.2.1.Stundenvorschlag 1
6.2.2.Stundenvorschlag 2
6.2.3.Stundenvorschlag 3
6.2.4.Stundenvorschlag 4
6.2.5.Stundenvorschlag 5

7. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Pippi Langstrumpf – ein Name den wir alle kennen. Hören wir diesen Namen, taucht gleich die dazugehörige Figur vor unseren Augen auf: Ein kleines Mädchen mit Sommersprossen, orangen Zöpfen und eine außergewöhnlichen Kleidung, das uns aus dem Handstand heraus anstrahlt. Aber dennoch hat jeder von uns, je nach Alter und Geschlechtszugehörigkeit, unterschiedliches Wissen über die Geschichten der Pippi Langstrumpf sowie unterschiedliche Rezeptionserfahrungen. Einige kennen vielleicht nur die Pippi- Figur und ihre Autorin Astrid Lindgren vom Hörensagen, andere wiederum haben Erinnerungen an eigene rezeptive Verarbeitungen der Pippi- Geschichten durch die unterschiedlichen Medien. Nun sind jedoch positive Erinnerungen an eine Romanfigur noch kein ausreichender Grund, sich mit dieser im Unterricht auseinanderzusetzen. Ich habe mich für das Buch „Pippi Langstrumpf“ entschieden, da es für den Unterricht optimal geeignet ist. Astrid Lindgren konfrontiert ihre LeserInnen mit einer Romanfigur, die den Mut hat, ihr Leben und damit ihre Zukunft eigenständig und verantwortungsvoll zu steuern. Sie fördert die Entfaltung kindlicher Fantasien für eine gesellschaftliche Entwicklung, die sich nicht an den von der Erwachsenenwelt vorgegebenen Zielperspektiven orientiert, sondern offen und frei für rahmensprengende Optionen ist. Das Lesen ist dabei eine wesentliche Voraussetzung, um Fantasien aus dem Verborgenen heraustreten zu lassen.

Die Strukturierung meiner Arbeit habe ich folgendermaßen vorgenommen:

Zunächst werde ich die Autorin des Buches „Astrid Lindgren“ sowie den Inhalt zusammengefasst vorstellen. Die wichtigsten Charaktere werden in diesem ersten Kapitel ebenfalls vorgestellt und erläutert. In Kapitel 2 beschäftige ich mit der Frage, welche Rolle das Phantastische in diesem Buch spielt. Anschließend führe ich eine didaktische Analyse durch, wobei ich den Schwerpunkt auf die Textanalyse und Lebensbezogenheit sowie auf den pädagogischen Wert des Buches lege. In Kapitel 5 beschäftige ich mich mit der Didaktik und erkläre, wie man in der Schule die Möglichkeit hat, das Buch „Pippi Langstrumpf“ einzuführen.

Im letzten Kapitel stelle ich verschiedene Stundenvorschläge zu diesem Buch vor.

2. Inhaltliche Vorstellung

2.1. Zur Autorin

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ich denke, dass Astrid Lindgren eine der berühmtesten und bedeutendsten Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts ist. Sie hat viele interessante, lehrreiche, lustige und traurige Bücher geschrieben. In einem Buch las ich folgenden Satz: „Kinder, die mit Astrid Lindgrens Mythologie aufwachsen, dürfen erwartungsgemäß fröhlicher und stärker werden als frühere Generationen.“

Aber wer ist nun Astrid Lindgren?

Astrid Lindgren wurde am 14. November 1907 auf Näs bei Vimmerby als Tochter einer südschwedischen Bauernfamilie geboren. Sie war das zweite Kind von Samuel August Ericsson und Hanna Ericsson. Mit ihren drei Geschwistern erlebte sie eine Kindheit, die von Spiel, Freizeit und familiärer Geborgenheit geprägt war. Schon während ihrer Schulzeit, von 1914 bis 1924, war sie wegen ihrer auffallend guten Aufsätze bekannt.1926 wurde ihr erster Sohn Lars geboren, der 1986 starb. Ihre Tochter Karin wurde drei Jahre nach der Hochzeit mit Sture Lindgren, 1934 geboren. Sture Lindgren starb 1952.

Als 1941 die Tochter von Astrid Lindgren krank im Bett lag, bat sie ihre Mutter darum, ihr eine Geschichte von Pippi Langstrumpf zu erzählen. Obwohl Astrid Lindgren noch nie diesen Namen gehört hat, wusste sie, dass er eine besondere Bedeutung hat und sie erzählte ihrer Tochter Karin die Geschichte eines kleinen Mädchens, das unheimlich stark war und alleine in einer Villa lebt. Wenn sich Astrid Lindgren im März 1944 den Fuß nicht verstaucht hätte, dann hätte sie die Geschichte von Pippi Langstrumpf wohl nie aufgeschrieben und später als Geburtstagsgeschenk für Karin in den Druck gegeben. Am 01. September 1945 erschien Pippi Langstrumpf erstmalig als Buch und nun begann die Lawine unaufhörlich zu rollen. Pippi wurde zu einem außergewöhnlichen Erfolg! Doch in Deutschland wollte zunächst niemand etwas von dem Buch wissen. Fünf deutsche Verleger haben das Manuskript in den Händen gehabt und es wieder an Astrid Lindgren zurückgeschickt. Doch im September 1949 kam dann das erste übersetzte Band, dank dem Verleger Friedrich Oettinger, von Pippi Langstrumpf in Deutschland in die Buchhandlungen. 1950 folgte „Pippi Langstrumpf geht an Bord“ und 1951 erschien „Pippi in Taka-Tuka-Land“. Die Schriftstellerin hat über 35 Kinder- und Jugendbücher geschrieben- die bekanntesten sind sicher „Pipi Langstrumpf“, „Die Brüder Löwenherz“, „Ronja Räubertochter“, „Mio, mein Mio“, „Madita“, „Kinder aus Bullerbü“ etc.. Sie gewann zahlreiche Preise mit ihren Büchern und erhielt den Schwedischen Staatspreis für Literatur, Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, Alternativen Nobelpreis, Internationalen Jugendbuchpreis etc. Als sie 1986 mit dem Selma-Lagerlöf-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, gründete sie mit dem Preisgeld die Stiftung „Solkatten“ (Sonnenkatzen) für behinderte Kinder. Astrid Lindgren setzte sich auch für ein verbessertes Tierschutzgesetz ein.

Zu ihrem 85. Geburtstag im Jahr 1992 veröffentlichte die Schriftstellerin die Neuauflage des Buches „Die Kinder aus der Krachmachstrasse“, mit neuen, farbigen Bildern.

Am 28. Januar 2002 starb Astrid Lindgren, nach langer Krankheit, in Stockholm im Alter von 94 Jahren.

2.2.Inhalt des Buches

Pippi Langstrumpf genießt ein glückliches Seemannsleben mit ihrem Vater, dem berühmten Kapitän Ephraim Langstrumpf. Doch eines Tages erschüttert ein schweres Unwetter das Schiff und ihr Vater geht über Bord. Mutig versucht die kleine Pippi den Vater zu retten, doch die Wellen sind so hoch, dass sie ihn nicht mehr sehen kann. Aber zum Glück weiß sie, dass er im Notfall niemals untergehen könnte, da er viel zu dick ist um unterzugehen. So geht Pippi von Bord und kehrt in ihre verlassene Villa Kunterbunt zurück. Dort lernt sie sehr schnell die beiden Nachbarskinder Tommy und Annika kennen, die von dem rothaarigen Mädchen vollauf begeistert sind. Nicht nur, dass zu Pippis besten Freunden ein Pferd namens Onkel und ein Affe namens Herr Nilsson zählen, auch ist sie erstaunlich stark und verteidigt so eine große Schatztruhe gefüllt mit Gold. Außerdem ist sie in der glücklichen Lage, nur das tun zu können, was sie will: zum Frühstück gibt es bei ihr jede Menge Pfannkuchen und in die Schule geht Pippi sowieso nur um Ferien zu bekommen. Ständig fragt sich Pippi, warum die Lehrerin so seltsame Fragen stellt, auf die sie selbst schon die Antwort weiß? Natürlich kann man von einem Mädchen, dessen Vater ein Seefahrer und dessen Mutter ein Engel im Himmel ist, nicht erwarten, sich wie ein normales Kind zu verhalten. Folglich verursacht das Mädchen sofort viel Unruhe und Aufsehen in dem schwedischen Dörfchen. Kaum erfährt die wichtige Frau Prysselius von dem Mädchen, das ganz allein in einer einsamen Villa mit einer Truhe voll Gold wohnt, versucht sie Pippi in ein Kinderheim stecken zu lassen. Doch Pippi setzt entgegen, dass sie bereits in einem Kinderheim wohne, da sie erstens ein Kind sei und zweitens die Villa Kunterbunt ihr Heim ist. Selbst mit Hilfe der beiden Dorfpolizisten Kling und Klang gelingt es Frau Prysselius nicht, Pippi zu überlisten und sie mitzunehmen. Die beiden Stadtstreicher, Donner- Karlsson und Bloom, versuchen an das Gold in Pippis Schatztruhe heranzukommen- womit sie allerdings nicht rechnen, ist Pippis Einfallsreichtum und Ausdauer.

Die Nachbarsfreunde Tommy und Annika laden Pippi eines Tages zu einem Zirkusbesuch ein. Selbst dort sorgt sie für Aufregung, da sie als einzige die Herausforderung des stärksten Mannes der Welt annimmt und mehr Gewichte stemmen kann als er. Eines Tages taucht Kapitän Langstrumpf wieder in der Villa Kunterbunt auf und möchte mit seiner Tochter zurück auf See. Aber der Abschied fällt Pippi alles andere als leicht. So beschließt sie im allerletzten Augenblick, als das Schiff gerade ablegt, doch an Land zu springen, natürlich mit dem Einverständnis ihres Vaters. Überglücklich kehrt sie zur Villa Kunterbunt zurück. Tommy und Annika wissen, dass es von nun an nie wieder langweilig in ihrem Leben werden kann, denn zusammen mit Pippi machen sie aufregende und spannende Entdeckungen.

2.3. Charakteristik der Hauptpersonen

Pippi (schwed. für verrückt) ist neun Jahre alt und stellt eine Figur mit ungewöhnlichen Eigenschaften dar. Ihr ungewöhnlichste Eigenschaft ist ihre übermenschliche physische Stärke: Sie kann Ringkämpfer besiegen, Polizisten entwischen und ohne Probleme ihr Pferd auf Händen tragen. „Das Allermerkwürdigste an ihr war, dass sie so stark war. Sie war so furchtbar stark, dass es auf der ganzen Welt keinen Polizisten gab, der so stark war wie sie. Sie konnte ein ganzes Pferd hoch heben, wenn sie wollte. Und das wollte sie.“[1] Doch sie setzt ihre Stärke immer für das Recht der Kinder ein und missbraucht nie ihre Macht.

Doch das ist längst noch nicht alles. Sie hat auch einen außergewöhnlichen Namen, nämlich: Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf. Auf dem Buchdeckel ist Pippi bereits in der Kleidung abgebildet, in der die Autorin sie im ersten Kapitel vorstellt und die sicherlich als die typische Pippi- Kleidung gelten kann: Die Farbe ihrer Haare gleicht einer Mohrrübe und ist in zwei feste Zöpfe geflochten, die vom Kopf abstehen. Ihre Nase hat dieselbe Form wie eine kleine Kartoffel und ist vollkommen mit Sommersprossen übersät. Unter der Nase befindet sich ein wirklich riesig breiter Mund mit weißen Zähnen. Ihre bunten außergewöhnlichen Kleider näht das Mädchen selbst. Da der Stoff jedoch oft nicht reicht, sind sie zu kurz, und so schaut meist eine farbige Hose mit Punkten darunter hervor. An ihren dünnen Beinen trägt sie ein Paar lange Strümpfe, einen geringelten und einen einfarbigen.

Die Schuhe hatte ihr Vater in Südamerika gekauft, „damit sie etwas besäße, in das sie hineinwachsen könnte“[2] (Lindgren, Pippi Langstrumpf, 1987, S. 13). Doch Pippi ist mit ihrer ungewöhnlichen Erscheinung alles andere als unglücklich. Im Verlauf der Geschichte erfährt man statt dessen, dass Pippi mit ihrem Aussehen sehr zufrieden ist, sich selbst wunderbar geraten findet und gar nicht anders aussehen möchte.

Sie lebt in ihrer Villa, zusammen mit Herrn Nilsson, ihrem Affen, und ihrem Pferd, hat einen Sack voller Gold und kann tun und wonach ihr der Sinn steht. Sie ist sehr großzügig, freundlich zu Mensch und Tier, phantasievoll, erfinderisch, selbstbewußt, furchtlos und läßt sich selten provozieren. Ihre Mutter ist früh gestorben und der Vater, Kapitän von Beruf, wurde bei einem Sturm von Bord geweht. Damit ist von vornherein die Familie als Institution der Wertevermittlung ausgeschaltet. Pippi hat die Kraft, sie selbst zu sein, und in dieser ungewöhnlichen physischen Kraft Pippis spiegelt sich ihre Durchsetzungsfähigkeit wider. Besonders erwähnenswert ist ihr Verhalten in der Schule. Durch Fragen und unkonventionellem Verhalten wird das Künstliche und Einfallslose an der Institution Schule entlarvt. Pippi hat die tollsten Ideen und das beeindruckt Annika und Thomas, die wohlerzogenen Kinder aus der Nachbarschaft, mit denen sie die verschiedensten Abenteuer erlebt.

Astrid Lindgren wollte mit der Gestalt Pippi Kritik an dem genormten weiblichen Aussehen und dem häufig damit verbundenen Minderwertigkeitsgefühl bei Nichtentsprechung der Norm üben. Auch die Wahl der Kleidung des Mädchens spiegelt den Gegensatz zu jeglicher Kleidernorm wider. Pippi liebt es ebenfalls, sich zu verkleiden. Sie möchte zumindest ab und zu wie eine feine Dame aussehen, wenn sie zum Jahrmarkt oder Kaffeekränzchen geht. „Sie hatte die Augenbrauen mit Kohle schwarz gefärbt und Mund und Finger mit roter Farbe bemalt. Und dann hatte sie ein feines, langes Ballkleid angezogen. Unter dem Rocksaum sah man ihre großen schwarzen Schuhe, und die waren noch hübscher als sonst, denn sie hatte die grünen Schleifen drangebunden, die sie nur zu feierlichen Gelegenheiten benutzte.“[3]

Doch wäre Pippi nicht Pippi, würde ihr facettenreiches Wesen auf die weiblichen Anteile beschränkt. Obwohl das Mädchen den Wunsch ein Seeräuber zu werden hat, besteht für sie kein Widerspruch darin, manchmal die feine Dame zu spielen. Sie wechselt souverän und selbstverständlich die Geschlechterrolle.

Während Pippi ein Mädchen neuen Typs repräsentiert, ist das Nachbarskind Annika Trägerin der traditionellen Mädchenrolle. Sie fürchtet sich, wo immer sich eine Gelegenheit bietet, und es ist wohl nicht übertrieben, wenn man feststellt, dass Annika überdurchschnittlich viel weint. Obwohl sie im Verlauf der Geschichte eine Wandlung erfährt und mehr Selbstverantwortung einfordert, bleibt sie der Rolle des ängstlichen Mädchens treu und verteidigt auch weiterhin die traditionellen Erziehungsnormen. Ihre Abhängigkeit von einer übergeordneten Autorität wird nicht aufgehoben, sondern an die Stelle der Elternautorität tritt lediglich eine neue Autorität, nämlich Pippi Langstrumpf. All diese Verhaltensweisen sind natürlich nicht typisch für ein mädchenhaftes Verhalten, dennoch entsprechen sie dem Mädchen- Klischee im traditionellen Kinderbuch dieser Zeit.

[...]


[1] Lindgren, S. 11

[2] Lindgren, S. 13

[3] Lindgren, S. 200

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Pippi Langstrumpf. Eine didaktische Analyse
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Fachbereich Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Kinder- und Jugendliteratur im Deutschunterricht
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V24328
ISBN (eBook)
9783638272254
ISBN (Buch)
9783638747837
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pippi, Langstrumpf, Analyse, Kinder-, Jugendliteratur, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Wiebke Boden (Autor), 2004, Pippi Langstrumpf. Eine didaktische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24328

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