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Die politische Ökonomie der Staatsverschuldung

Title: Die politische Ökonomie der Staatsverschuldung

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anselm Mattes (Author)

Economics - Finance
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Das Phänomen der Staatsverschuldung ist seit langem beobachtbar. Schon Cicero berichtet in „de re publica libri“ 1 davon als Problem. Viele Ökonomen kamen genauso zu einer negativen Bewertung. David Ricardo 2 sah die Staatsverschuldung als „schrecklichste Geisel“ der Nationen, wohingegen andere Ökonomen wie John Maynard Keynes oder die deutsche Finanzklassik 3 zu einem gänzlich anderen Urteil kamen. So lange schon von der Staatverschuldung die Rede ist, so aktuell ist aber auch das Thema, wie aktuelle Schlagze ilen in Bezug auf den europäischen Stabilitätspakt belegen. 4

Im internationalen Vergleich der westlichen Industrieländer weisen die Budgetdefizite und die Schuldenstände der einzelnen Staaten beträchtliche Unterschiede auf. 5 Im Jahr 2002 hatten einige Länder wie Irland niedrige Schuldenquoten von unter 40 % des BIP, Luxembur g hat sogar nur eine Schuldenquote von etwa 5 % des BIP. Andere Staaten wie Japan, Italien oder Belgien sind mit über 100 % des BIP verschuldet 6 . Auch die Budgetdefizite nehmen international unterschiedliche Werte an: Während im Jahr 2002 einige Länder wie z.B. Dänemark Haushaltsüberschüsse produzierten und somit ihre Schuldenlast verringerten standen andere Länder tief in den roten Zahlen. So betrug das Budgetdefizit in Japan im Jahr 2002 6,7 % des BIP. 7

Ebenso änderten sich im zeitlichen Verlauf der Schuldenstand und die Budgetdefizite der betrachteten Staaten in beträchtlichem Umfang. So lässt sich allgemein beobachten, dass die meisten Staaten ihren relativ hohen Schuldenstand nach dem zweiten Weltkrieg in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts verringern konnten. Diese Phase der Konsolidierung fand jedoch mit dem ersten Ölpreisschock 1973 ein abruptes Ende. In der Folge des Ölpreisschocks stiegen die Schuldenstände der meisten OECD-Staaten stark an. Einige Länder konnten sich dieser Entwicklung jedoch entziehen. Diesem ersten Schuldenschub schloss sich eine Phase der Konsolidierung in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts an.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. ökonomische Erklärungsansätze

2.1. Die Steuerglättungshypothese

2.2. Deficit spending

2.3. Bewertung

3. Polit-ökonomische Erklärungsansätze

3.1. Institutionenunabhängige polit-ökonomische Erklärungsansätze

3.1.1. Der Keynesianismus als ideologischer Wegbereiter der Staatsverschuldung

3.1.2. Die Schuldenillusion

3.1.3. Die Gegenwartspräferenz

3.1.4. Die Common-Pool Problematik

3.1.5. Der Einfluss von Bürokraten

3.2. Polit-ökonomisch-institutionelle Erklärungsansätze

3.2.1. Wahlebene

3.2.1.1. Pork-Barrel Politics

3.2.1.2. Politische Konjunkturzyklen

3.2.2. Der Einfluss von Parteien auf die Staatsverschuldung

3.2.2.1. Ideologische Ausrichtung von linken Parteien

3.2.2.2. Die modifizierte Steuerglättungshypothese

3.2.3. Der Einfluss des Regierungssystems auf die Staatsverschuldung

3.2.3.1. Verschuldung als strategische Variable einer Regierung

3.2.3.2. Der Einfluss der Stärke der Regierung auf die staatliche Verschuldung

3.2.4. Der Einfluss weiterer institutioneller Konstellationen

3.2.4.1. Der Einfluss von unabhängigen Notenbanken auf die Staatsverschuldung

3.2.4.2. Einfluss von Budgetfindungsregeln auf die Staatsverschuldung

3.2.4.3. Der Einfluss einer föderativen Staatsorganisation auf die Staatsverschuldung

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Ursachen der Staatsverschuldung in westlichen Industrienationen unter besonderer Berücksichtigung polit-ökonomischer Faktoren. Dabei wird untersucht, warum ökonomische Modelle allein das Ausmaß und die zeitliche Entwicklung der Schuldenstände nicht hinreichend erklären können und inwiefern institutionelle Arrangements wie Wahlsysteme, Parteistrukturen und Regierungsformen die Verschuldungsneigung beeinflussen.

  • Wirtschaftstheoretische Erklärungsansätze (Steuerglättung, Deficit Spending)
  • Polit-ökonomische Theorieansätze (Schuldenillusion, Common-Pool, Bürokraten-Einfluss)
  • Der Einfluss politischer Institutionen und Wahlsysteme (Pork-Barrel, Konjunkturzyklen)
  • Die Rolle von Parteiensystemen und Regierungskonstellationen (Stärke von Regierungen, Konsolidierungsverzögerungen)

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Schuldenillusion

Die Grundidee des Konzepts der Schuldenillusion ist, dass die Wähler in einer repräsentativen Demokratie die Schuldenlast systematisch zu niedrig bewerten. Buchanan und Wagner argumentieren folgendermaßen: Wähler haben nur unvollkommene Informationen über das staatliche Budget. Dadurch ergeben sich Fehler in der Bewertung der Kosten, die für die Bereitstellung öffentlicher Güter entstehen. Diese Fehler sind jedoch noch nicht per se systematisch, d.h. es gibt keine systematische Verzerrung der Wahrnehmung der Kosten für öffentliche Güter nach unten. Doch durch den Einsatz der staatlichen Verschuldung können Politiker, die nicht an einer effizienten Bereitstellung öffentlicher Güter, sondern an ihrer Wiederwahl interessiert sind, die Wähler systematisch täuschen: Die Wähler nehmen zukünftige Schuldenlasten weniger stark wahr als aktuelle Steuerlasten. Sie halten die angebotenen öffentlichen Güter für billiger als es der Realität entspricht. So werden größere, über staatliche Budgetdefizite finanzierte Mengen öffentlicher Güter nachgefragt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Phänomen der Staatsverschuldung und Darstellung der unterschiedlichen theoretischen Perspektiven sowie der historischen Entwicklung.

2. ökonomische Erklärungsansätze: Diskussion der klassischen Theorien zur Rechtfertigung der Staatsverschuldung, insbesondere der Steuerglättungshypothese und des keynesianischen Deficit Spendings.

3. Polit-ökonomische Erklärungsansätze: Untersuchung von Theorien, die den Staat nicht als wohlmeinenden Akteur betrachten, sondern den Einfluss von politischen Akteuren, Institutionen und Anreizstrukturen fokussieren.

4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Feststellung, dass polit-institutionelle Faktoren maßgeblich zur Erklärung der Staatsverschuldung beitragen, jedoch noch kein allumfassender theoretischer Ansatz existiert.

Schlüsselwörter

Staatsverschuldung, Politische Ökonomie, Budgetdefizit, Institutionenökonomik, Steuerglättungshypothese, Deficit spending, Schuldenillusion, Gegenwartspräferenz, Common-Pool Problematik, Politische Konjunkturzyklen, Partisan-Theorie, Regierungssystem, Konsolidierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Ursachen und Hintergründe der Staatsverschuldung in westlichen Industrieländern aus einer polit-ökonomischen Perspektive, da rein ökonomische Ansätze die beobachteten Unterschiede nicht vollständig erklären können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit behandelt ökonomische Rechtfertigungsstrategien, institutionelle Einflüsse auf Budgetentscheidungen, den Einfluss von Wahlsystemen und Parteiensystemen sowie die Rolle von Notenbanken und föderalen Strukturen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, einen Überblick über Theorien zu geben, die erklären, warum Staaten sich verschulden und warum hierbei polit-ökonomische Faktoren (wie Wiederwahlorientierung oder institutionelle Schwäche) eine entscheidende Rolle spielen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der bestehende Ansätze der Neuen Politischen Ökonomie und empirische Befunde aus der ökonomischen Literatur verglichen und kritisch bewertet werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in institutionenunabhängige Ansätze (wie Schuldenillusion) und institutionelle Ansätze, welche die Wirkung von Wahlsystemen, Parteien und der Regierungsstärke auf die Verschuldung analysieren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Common-Pool Problematik", "Steuerglättungshypothese", "Pork-Barrel Politics" und "institutionelle Fragmentierung".

Was besagt die Theorie der "Schuldenillusion" im Kontext der Arbeit?

Sie besagt, dass Wähler durch die Aufnahme von Schulden systematisch über die tatsächlichen Kosten öffentlicher Güter getäuscht werden, da sie zukünftige Lasten weniger stark wahrnehmen als aktuelle Steuern.

Warum ist laut der Arbeit ein "War of Attrition" (Zermürbungskrieg) bei Staatsausgaben relevant?

Dieses Modell erklärt verzögerte Konsolidierungen damit, dass beteiligte politische Gruppen versuchen, die Lasten der notwendigen Haushaltsanpassung auf andere abzuwälzen, anstatt eine schnelle, kollektive Lösung zu finden.

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Details

Title
Die politische Ökonomie der Staatsverschuldung
College
University of Hohenheim  (Institut für VWL)
Course
Finanzwissenschaftliches Seminar
Grade
1,3
Author
Anselm Mattes (Author)
Publication Year
2003
Pages
29
Catalog Number
V24376
ISBN (eBook)
9783638272650
Language
German
Tags
Staatsverschuldung Finanzwissenschaftliches Seminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anselm Mattes (Author), 2003, Die politische Ökonomie der Staatsverschuldung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24376
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