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Fortunatus Reisen als Medium zur gesellschaftlichen Integration?

Titel: Fortunatus Reisen als Medium zur gesellschaftlichen Integration?

Hausarbeit , 1999 , 17 Seiten , Note: 2

Autor:in: Sibylle Grundmann (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Prosaroman Fortunatus, der in dieser Hausarbeit untersucht werden soll, wurde 1509 in Augsburg herausgegeben.
Der Text aus dem Spätmittelalter nimmt Bezug auf den beginnenden strukturellen sozialen Wandel, auf die „frühkapitalistische Wirtschaftsentwicklung“ und den diesbezüglichen Umgang mit Geld und Reichtum. Die Glücksallegorie Fortuna, sowie die Zaubergegenstände Geldsäckel und Wünschelhütlein sind als Märchenmotive in die Handlung eingepflochten . Im Mittelpunkt des Romans stehen die Reisen des Protagonisten. Der Hintergrund dieser Thematik ist der Beginn der Entdeckungsfahrten, die zunehmende intensive Reisetätigkeit und ihre neue Aufbruchsmotivationen, die als Streben nach Erfahrungen, nach ‘experienz’ als Lern- und Erkenntnismodus , und unter dem Begriff der ‘curiositas’ , der „verwerflichen menschlichen Wißbegier“, der Neugier, zu verstehen sind. Das Reisen an sich ist keine zu der Zeit neue Tätigkeit, sondern ihre Motive haben sich verändert. Das Wort Reisen hat seinen Ursprung in dem althochdeutschen rîsan, das soviel bedeutet wie „aufstehen, sich erheben, aufbrechen zu kriegerischer Unternehmung“.
Impliziert wird die Nicht-Freiwilligkeit. Üblich waren Pilger-, Kaufmanns- und Botenreisen.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob Reisen Mangel an Integration beheben kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fortunatus’ Auszug

2.1 Ausgangssituation und Beweggründe

2.2 Das Scheitern der Integration

3 Fortunatus’ erste Reise

3.1 Voraussetzungen

3.2 Reise als ‘Mittel zum Zweck’ ?

3.3 Verwirklichung der Integration

4 Fortunatus’ zweite Reise

4.1 Motivation

4.2 Fortunatus’ Rückkehr

5 Andolosias Reisen

6 Abschlußbemerkung

7 Bibliographie

7.1 Textausgabe

7.2 Forschungsliteratur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion des Reisens im Prosaroman „Fortunatus“ und geht der zentralen Forschungsfrage nach, inwiefern Reisen als ein Medium zur gesellschaftlichen Integration des Protagonisten dienen kann oder ob es vielmehr der Legitimation seines Reichtums und der persönlichen Selbstfindung dient.

  • Die Analyse der sozioökonomischen Ausgangssituation von Fortunatus
  • Die Untersuchung der Reisen als Instrument zur sozialen Identitätskonstruktion
  • Der Vergleich der Reisemotivationen von Fortunatus und seinem Sohn Andolosia
  • Die Rolle des Reichtums (Geldsäckel) in Verbindung mit den gesellschaftlichen Privilegien

Auszug aus dem Buch

2.1 Ausgangssituation und Beweggründe

Fortunatus’ Situation zu dem Zeitpunkt seines Auszuges ist durch soziale Unsicherheit und finanzielle Mittellosigkeit gekennzeichnet, die aus dem verschwenderischen Lebensstil des Vaters resultiert. Dem feudalen Konventionen angepaßte Lebensführung wird folgendermaßen beschrieben:

Doch fieng er [Theodorus] an widerumb sein alt wesen zu haben mit stechen turnieren /vil knecht / costliche roß / rait dem künig zu hoff / ließ weib und kind und fragt nit wie es gieng / hewt verkaufft er ainen zinß /den andren tag versatzt er ain gelegen gutt. das traib er so lang und vil biß das er nicht mer zu verkauffen noch zu versetzen hett /und kam also zu armut/ (S.6f.)

Er verliert nicht nur sein geerbtes, materielles Gut, sondern auch sein Ansehen und seinen sozialen Halt und klagt „auch das mich alle die verlassen haben/ mit den ich mein gut so miltigklich getailt hab/ den selben byn ich yetz ain unwerder gast.“ (S.7f.) Die Familie ist isoliert, der Verlust an Integration scheint für Fortunatus in Famagusta nicht revidierbar zu sein , so daß der Auszug eine notwendige Konsequenz und auch zugleich, eine Möglichkeit zur aktiven, selbständigen Konstruktion seines Lebensraumes und seiner sozialen Identität darstellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehung des Romans ein und definiert die zentrale Fragestellung der Untersuchung zum Thema Reisen und gesellschaftliche Integration.

2 Fortunatus’ Auszug: Der Abschnitt beleuchtet die prekäre soziale Lage des Protagonisten und analysiert, warum die familiäre Isolation seinen Aufbruch in die Fremde notwendig machte.

3 Fortunatus’ erste Reise: Hier wird untersucht, wie Fortunatus durch den Einsatz seines Geldes und das Sammeln von Welterfahrung versucht, eine standesgemäße Identität zu formen.

4 Fortunatus’ zweite Reise: Dieser Teil betrachtet die Gründe für den zweiten Aufbruch des Protagonisten, der primär aus innerer Unruhe und Wißbegier resultiert, trotz eines erreichten gesicherten Status.

5 Andolosias Reisen: Das Kapitel stellt Andolosia als antithetischen Gegentyp zu seinem Vater dar, dessen falscher Umgang mit Macht und Reichtum schließlich in sein Scheitern und seinen Tod mündet.

6 Abschlußbemerkung: Die Zusammenfassung unterstreicht die gegenseitige Abhängigkeit von Geld, Erfahrung und Reisen für den Erfolg der sozialen Integration des Fortunatus.

7 Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Textausgaben und der wissenschaftlichen Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Fortunatus, Reisen, Integration, soziale Identität, frühkapitalistische Wirtschaftsentwicklung, Geldsäckel, curiostias, Andolosia, Ständeordnung, Welterfahrung, feudale Gesellschaft, Selbsterkenntnis, Wissbegier, Macht, bürgerlicher Roman

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit analysiert den Prosaroman „Fortunatus“ aus dem Jahr 1509 hinsichtlich der Funktion des Reisens als Mittel zur sozialen Integration und Identitätsstiftung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf den soziologischen Aspekten des Reisens, der Rolle von Geld und Reichtum sowie dem Kontrast zwischen feudalen Strukturen und bürgerlichem Aufstieg.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Es wird untersucht, ob das Reisen lediglich ein „Mittel zum Zweck“ ist, um gesellschaftliche Integration zu erreichen, oder ob es eine eigenständige Bedeutung als Lebensinhalt für die Protagonisten besitzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit folgt einer chronologischen Analyse des literarischen Textes, gestützt durch die Einbeziehung zeitgenössischer literaturwissenschaftlicher und soziologischer Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der verschiedenen Reiseetappen von Fortunatus und stellt diesen den Erfahrungen seines Sohnes Andolosia gegenüber, um unterschiedliche Erfolgsmodelle der Integration aufzuzeigen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere die „curiositas“ (Wissbegier), die soziale Identität, der strukturelle soziale Wandel im Spätmittelalter und die Bedeutung des Reisens für den sozialen Aufstieg.

Warum scheitert Andolosia trotz seiner vergleichbaren Ausgangslage?

Andolosia scheitert, da er im Gegensatz zu seinem Vater die hierarchischen Strukturen der Gesellschaft nicht respektiert und dem „Allmachtswahn“ durch seinen unerschöpflichen Reichtum unterliegt.

Welche Bedeutung hat das „Geldsäckel“ für die Integration des Fortunatus?

Das Geldsäckel ermöglicht Fortunatus erst die Mobilität, die für das Sammeln von Erfahrungen notwendig ist, fungiert jedoch auch als Instrument zur Legitimierung seiner sozialen Stellung in Famagusta.

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Details

Titel
Fortunatus Reisen als Medium zur gesellschaftlichen Integration?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Germanistik)
Note
2
Autor
Sibylle Grundmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1999
Seiten
17
Katalognummer
V24386
ISBN (eBook)
9783638272742
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fortunatus Reisen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sibylle Grundmann (Autor:in), 1999, Fortunatus Reisen als Medium zur gesellschaftlichen Integration?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24386
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Leseprobe aus  17  Seiten
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