Hyperkinetisches Syndrom - Hyperaktivität

Zu Ursachen, Verlauf und möglichen Behandlungsmethoden


Hausarbeit, 2003
22 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Hyperkinetisches Syndrom
2.1. Geschichte
2.2. Einführung
2.3. Definition

3. Ursachen
3.1. Genetische Faktoren
3.2. Organische Faktoren
3.2.1. Neurotransmittermangel
3.2.2. Hirn- Verhaltensverschränkungen
3.2.3. Hirndurchblutungsstörungen
3.2.4. prä-, peri- oder postnatale Komplikationen
3.3. Ökologische Faktoren
3.3.1. Blei-Hypothese
3.3.2. Farbstoff-Hypothese
3.3.3. Phosphat-Hypothese
3.4. Psycho-soziale Faktoren
3.4.1. ökonomisch-kulturellen
3.4.2. Bedingungen des sozialen Umfeldes
3.4.3. Psycho-emotionale Bedingungen

4. Verlauf des Hyperkinetischen Syndroms
4.1. Säuglingsalter
4.2. Kleinkindalter
4.3. Schulalter
4.4. Adoleszentenalter
4.5. Erwachsenenalter
4.6. Krankheitsbild des Hyperkinetischen Syndroms

5. Folgen

6. Behandlungsmethoden
6.1. Spezialkliniken, Spezialeinrichtungen und Spezialisten
6.2. Behandlung in der Klinik
6.3. Medikamentöse Behandlungen
6.4. Verhaltensmodifikation
6.5. Behandlung durch Verständnis (Psychotherapie)
6.6. Diätbehandlung
6.7. Bsp.: Ergotherapie

7. Fallbeispiel

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Jedem von uns ist wahrscheinlich schon einmal ein Kind begegnet, welches nicht still sitzen kann und in einer Tour durch die Gegend läuft. Aber nicht immer hat dieses Verhalten etwas mit schlechter Erziehung zu tun. Meistens liegt diesem “Phänomen“ eine psychische Störung zu Grunde, die oft auch Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder Hyperaktivität genannt wird. Um einmal näher zu erläutern und deutlich zu machen, was es mit diesem Syndrom auf sich hat, haben wir uns in den folgenden Seiten mit den Ursachen, den Folgen und der Behandlung der Hyperaktivität bei Kindern beschäftigt. Mit diesen Ausführungen wollten wir zeigen, was es heißt an dem sogenannten HKS zu leiden.

2. Hyperkinetisches Syndrom:

2.1. Geschichte:

Das Störungsbild der Hyperaktivität wurde schon 1845 in dem literarischen Werk „Struwwelpeter“ erwähnt und erzählt die Geschichte vom Zappelphilipp.

Um 1900 wurde das Störungsbild „Hyperaktivität“ mit folgenden Begriffen beschrieben: zappelig, impulsiv, ablenkbar, streitsüchtig, ungehorsam, rebellisch, antisozial. Zusammenfassende Formulierungen für mehrere Symptome waren Kinderfehler und Defekte der moralischen Kontrolle.

Um 1920 wurde insbesondere motorische Unruhe als Ausdruck einer Hirnschädigung gesehen. Die amerikanische Forschung fasste sich zwischen 1920 und 1950 intensiv mit dem Problem der Hirnschädigung, jedoch eindeutige Beweise für den Zusammenhang von kindlichem „Fehlverhalten“ und Hirnschädigung konnten nicht erbracht werden.

Um 1935 tauchte erstmals der Begriff „hyperactivity“ in der Literatur auf. Nach wie vor wird bei dem so bezeichneten Störungsbild von einer Hirnschädigung als Hauptursache ausgegangen.

Strauss und Lethinen sahen 1947 Hyperaktivität nicht als umfassende Diagnose, sondern als Hauptsymptom bei Kindern mit Hirnverletzungen an. Einzig das Vorhandensein von verstärkter motorischer Unruhe wurde als Indiz für eine Hirnschädigung angenommen.

Noch in den 50er Jahren wurde Hyperaktivität und Hirnschädigung beinahe gleichgesetzt, in den 60 er Jahren zogen sich dann die Fachleute mehr und mehr von dieser Position zurück.

Statt von Hirnverletzung oder Hirnschädigung zu sprechen, erschien es angemessener, den Begriff „Dysfunktion“ zu verwenden. Die Prognose im Hinblick auf Heilung bzw. Reduzierung der Beeinträchtigung ist bei einer Funktionsstörung sehr viel günstiger, als bei einer Verletzung, die in der Regel eine bleibende Schädigung darstellt. Mitte der 60er Jahre einigte man sich daher auf die Termini „minimal brain dysfunction“ (MBD) und „minimale celebrale dysfunction“ (MCD).

Obwohl von motorischer Unruhe nicht mehr so häufig auf MCD rückgeschlossen wurde, blieb eine Gleichsetzung von Hyperaktivität und MCD in Deutschland noch bis in die 70er Jahre erhalten. Zwar galt MCD nicht mehr allein mögliche Ursache motorischer Unruhe, letztere wurde jedoch weiterhin als Hauptsymptom von MCD angesehen.

Seit in den 60er Jahren in den USA eine verstärkte Forschung zum Problem Hyperaktivität einsetzte, wurde die Vielschichtigkeit des Phänomens immer deutlicher. Auffälligkeiten verschiedenster Art wurden nun mit dem Begriff „Syndrom“ zusammengehalten.

Ab 1968 finden sich in Fachzeitschriften erste Beiträge zum „Hyperkinetischen Syndrom“, welches heute wohl das am häufigsten diagnostizierte Störungsbild in der Kinderpsychiatrie in Amerika darstellt.

Betrachtet man die zum „Hyperkinetischen Syndrom“ (HKS) gehörenden Einzelsymptome, so beschreibt man die Bezeichnung HKS als eine Umschreibung für das verhaltensauffällige Kind schlechthin. Damit hat eine Ausweitung des ursprünglichen Begriffs Hyperaktivität auf der Symptomebene stattgefunden. Das Symptomspektrum, welches zu Beginn nur motorische Unruhe und Aufmerksamkeitsstörungen umfasste, wurde erheblich erweitert. Diese Ausweitung trug jedoch zu keiner Klärung, sondern zu einer verstärkten Unschärfe des allgemeinen Störungsbildes bei.

Die Begriffe Hyperkinese bzw. Hyperkinetisches Syndrom unterstreichen die Mehrdimensionalität des Phänomens. Sie bezeichnen ein Bündel von Einzelmerkmalen, die in der Regel in Wechselwirkung zueinander stehen. Jedoch gestatten sie im pädagogischen Feld keine Einordnung von Kindern mit abweichenden Verhalten unter einem Begriff. Pädagogik bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten oder Verhaltensstörungen ist und bleibt eine Einzelfall-Pädagogik.

Im deutschsprachigen Raum fand die Hyperkinese erst seit Beginn der 80er Jahre vermehrte Aufmerksamkeit, sowohl in Forschung als auch in der Praxis. Nach wie vor werden aber in der Literatur Hyperaktivität, Hyperkinese, Hyperkinetisches Syndrom als gleichwertige Begriffe nebeneinander benutzt, häufig sogar als Synonym.

Zum Störungsbild Hyperaktivität, Hyperkinese, Hyperkinetisches Syndrom, findet sich in der Literatur weder eine einheitliche, allgemeine Definition, noch gibt es eine einheitliche Terminologie. Die historische Entwicklung der Begrifflichkeit zeigt zum einen die Unsicherheit klinischer Zuordnung und zum anderen wird ein kontinuierlich steigendes Forschungsinteresse an diesem Störungsbild sichtbar.

2.2. Einführung:

Hyperkinetisches Syndrom, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, ADD, ADHD, MCD, ADHS viele Begriffe hört man zu ein und demselben Thema: Die Kinder sind unaufmerksam, zappeln viel herum oder auch nicht, auf jeden Fall sind es die Kinder, die in einer Klasse für eine Lehrkraft oder im Kindergarten am unangenehmsten sind. Schnell werden die Kinder als krank bezeichnet und als hyperaktiv, es werden immer mehr und sie werden immer schlimmer. Unterstützung bekommen diese Überlegungen zum Teil durch die Medizin, die in jedem Kind einen potentiell kranken Kunden sieht, zum Teil durch die Medien, die Kinder als kleine Monster beschreiben. Erklärt wird das Verhalten mit abweichenden Hirnfunktionen, was die Umgebung entlastet und ihr die Schuld nimmt. Gleichzeitig gibt es den Hang alles mit der Umwelt zu beschreiben, Fernsehen und Videos oder auch die heutigen Formen des Unterrichts werden für Verhaltensauffälligkeiten verantwortlich gemacht.

Wenn Lehrende oder Erzieher von hyperkinetischen Kindern berichten, erzählen sie u.a. ungenügenden oder stark schwankenden Leistungen, von störendem Verhalten gegenüber Mitschülern, wiederholten Verspätungen, Vergessen von wichtigen Unterlagen oder Aufgaben, von häufigem Schuleschwänzen, drohenden Versetzungsproblemen, Träumereien und ständigem "zum Fenster hinaus gucken", ungenügender Schönschrift, angeblichen Seh- oder Hörstörungen), fehlende Konzentration. Oft wird übersehen, dass Kinder dieses Verhalten vielleicht nicht mit einer bösen Absicht an den Tag legen, sondern dass es ihre Veranlagung ist, die sie zu dem macht was sie sind. Viele der oben beschriebenen Symptome sind Folgesymptome der eigentlichen Probleme. Kinder und Jugendliche mit dem HKS sind eine sehr heterogene Gruppe, die nicht leicht zu definieren ist, wie sich im folgenden noch zeigen wird, im allgemeinen zeigt sich aber ein hohes Maß an Impulsivität, Aktivitätsdrang, Unaufmerksamkeit, die Unfähigkeit sich situationsangemessen zu verhalten und manchmal auch eine überangepasste Bravheit, Schüchternheit und Ängstlichkeit. Teils haben die Kinder und Jugendlichen Probleme mit der Motorik, wenden beim Schreiben einen starken Druck an und können sich nicht an Linien halten. Teils rennen sie andere Kinder um, können weder motorische Kräfte, die Stimme, die Argumente, die Empfindungen noch die Mitarbeit richtig dosieren. Und teils haben diese Kinder größere Probleme beim Abschreiben als beim Diktat, bei Nebengeräuschen können sie die Stimme der Lehrer oder Erzieher nicht erkennen. Bei jedem Kind finden sich typische Symptome in unterschiedlicher Ausprägung, manche sind kaum ersichtlich, manche nehmen eine gewaltige Rolle im Umgang mit anderen ein. Manche Symptome sind im Rahmen der Familie kaum auffällig, in der Schule und Kindergarten kommen sie dafür umso stärker zum tragen.

Für alle diese Kinder mit ausgeprägten Symptomen, hat die Medizin einen pathologischen Fachausdruck gefunden. Doch jedes Kind, auch wenn es die Störung HKS attestiert bekommt, braucht eine ganz spezielle, auf sich passende Behandlung durch das Umfeld.

2.3. Definition:

Nach den ICD-10 Skalen werden die Hyperkinetischen Syndrome als in den ersten fünf Lebensjahren beginnende situationsübergreifende und zeitstabile Kombination von überaktivem, wenig moduliertem Verhalten und Unaufmerksamkeit bzw. mangelnder Ausdauer bei kognitiven Aufgaben definiert. Die Definition ist untrennbar mit der Hyperaktivität verbunden, damit wird eine deutliche und hohe Ausprägung grobmotorischer Tätigkeiten, z. B. häufiges Aufstehen bezeichnet.

Das gebräuchlichste Klassifikationsschemata in den USA DSM III-R definiert das Störungsbild als Aufmerksamkeitsdefizit (ADS). Es wird unterschieden zwischen ADS mit Hyperaktivität und ADS ohne Hyperaktivität, wobei dem ADS und der Hyperaktivität gleich viel Bedeutung zugesprochen wird. Bei der Definition wird unterschieden zwischen Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/ Impulsivität. Auch hier gilt, dass eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein müssen, bis die Bedingungen erfüllt sind, die ähnlich denen von ICD-10 sind. Hier kann jedoch ein Vorherrschen von Hyperaktivität oder Aufmerksamkeitsdefizit festgestellt werden. Weiter ist zu beachten: einige Symptome müssen bereits vor dem siebten Lebensjahr aufgetreten sein, die Symptome müssen sich in zwei oder mehr Bereichen zeigen (z. B. Schule und zu Hause), es müssen deutliche Hinweise auf die starke Beeinträchtigung gegeben sein, die Symptome treten nicht ausschließlich im Verlauf einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung, Schizophrenie oder einer anderen psychotischen Störung auf und werden auch nicht besser als solche beschrieben (z.B. Affektive Störung, Angststörung, Dissoziative Störung). Die Gruppen der Kinder und Jugendlichen auf die die Definitionen zutreffen, überschneiden sich sehr stark, so dass es keine Probleme macht im weiteren Verlauf der Arbeit nur noch vom HKS zu sprechen. Allgemein wird heute aber empfohlen, auch im deutschen Sprachraum den Begriff des ADHD zu verwenden. Das Vollbild der Symptome zeigen nur ca. 4 % der Kinder, in manchen Studien wird jedoch von bis zu 10% eines Jahrgangs gesprochen. Im Alter gehen die Symptome in der Regel zurück, in der Adoleszenz findet man nur noch 2% Betroffene. Die Anzahl der Jungen mit den Symptomen ist deutlich höher einzuschätzen als die der Mädchen, das Verhältnis wird zwischen 2:1 und 10:1 angegeben, der wahre Wert dürfte wohl bei 3:1 liegen, wofür mehrere Gründe eine Rolle spielen. Einerseits besteht eine genetische Disposition bei Jungen, andererseits gibt es auch eine höhere Toleranz bei Mädchen und eine stärkere Beachtung von Jungen in der Forschung. Während Jungen öfter hyperaktiv veranlagt sind, neigen Mädchen eher dazu, hyperaktiv zu sein, dies wird oft erst entdeckt, wenn sie schon unter den Folgeschäden leiden, oft erst im Erwachsenenalter, wie bei viele Jungen auch. Eine große Gefahr ist für die Kinder und Jugendlichen bei Nichtbehandlung der Symptome gegeben, auf Grund ihrer Sozialisation werden viele kriminell oder drogenabhängig. Man geht davon aus, dass zumindest 30 bis 40 Prozent der jungen Häftlinge am HKS leiden.

3. Ursachen:

Die Hyperaktivität liegt meistens einer Störung des Gehirns zu Grunde und ist das Ergebnis einer angeborenen Veranlagung des Kindes. Umgang und Erziehung können zwar den Schweregrad der Störung beeinflussen, können sie aber nicht herbeiführen.

Die minimale cerebrale Dysfunktion ist nie die Folge von nur einem oder mehreren Schadensereignissen, sondern manifestiert und bildet sich erst im Verlauf der Entwicklung, durch das Zusammentreffen verschiedener potentieller Verursachungs- Auslöse- oder Verstärkungsbedingungen innerhalb der Dimensionen Organismus, Persönlichkeit und Umwelt heraus. (Bauer, 1986, S.20f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Organismus Persönlichkeit

Das Hyperkinetische Syndrom ist multifaktoriell, das heißt unterschiedliche Faktoren aus verschiedenen Bereichen wirken zusammen. Es lassen sich 4 Faktorenbereiche unterscheiden.

Der erste Bereich ist der Genetische Faktor, danach folgt der Organische Faktor, anschließend der Ökologische Faktor und abschließend der Psycho-Soziale Faktor.

3.1.Genetische Faktoren:

Vom Hyperkinetischen Syndrom sind mehr Jungen als Mädchen betroffen, warum das so ist, ist bis heute noch nicht genau geklärt. Es könnte aber auch daran liegen, dass bei Mädchen die Symptomatik stark abgeschwächt ist und dadurch meistens nicht erkannt wird.

Unter Verwandten ersten Grades gibt es mehr Fälle von Hyperaktivität, als in Familien ohne hyperaktive Mitglieder.

Aus Zwillingsforschungen, durchgeführt von Lopez (1965), hat man festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit gleichzeitiger Erkrankungen bei eineiigen Zwillingen größer ist, als bei zweieiigen.

Auch wenn dies nicht die Hauptursachen vom Hyperkinetischen Syndrom darstellen, kann der genetische Einfluss bei der Entstehung der Verhaltensauffälligkeit eine Rolle spielen.

3.2.Organische Faktoren:

Die hier aufgeführten Hypothesen zur organischen Bedingtheit des Hyperkinetischen Syndroms, sind nicht so überprüft, dass sie als ausreichende Erklärung für die Entstehung von der Hyperaktivitätsstörung angesehen werden kann.

Es gibt mehrere Verursachungsfaktoren, die zu Störungen der Gehirnfunktion führen können.

Die wichtigsten hierbei wären der Neurotransmittermangel, die Hirn-Verhaltensverschränkung, Hirndurchblutungsstörungen und die prä-, peri- oder postnatalen Komplikationen.

3.2.1. Neurotransmittermangel:

Neurotransmittermangel bedeutet, das bestimmte chemische Substanzen zur Steuerung kontinuierlicher Hirntätigkeiten fehlen. Dies stellt auch eine minimale cerebrale Dysfunktion dar, die verursacht wird durch pränatale Enwicklungsanomalien, oder durch die Unterschiede in der genetischen Substanz.

Das Fehlen von bestimmten Neurotransmitter bei hyperaktiven Kindern und die Wirkung dieser Stoffe auf das kindliche Verhalten sind jedoch nicht nachgewiesen.

3.2.2. Hirn-Verhaltensverschränkungen:

Hirn-Verhaltensverschränkungen entstehen durch bestimmte Stoffwechselprozesse im Gehirn und führen zu einer Fehlerregung des Zentralnevensystems. Es kommt dadurch entweder zu einer Übererregung, oder zu einer Untererregung im ZNS. Dies hat wiederum Auswirkungen auf das kindliche Verhalten. Die Fehlerregung im Zentralnervensystem ist die Hauptursache des Hyperkinetischen Störungsbildes. Eine systematische Überprüfung dieser Hypothese wurde bisher noch nicht durchgeführt.

3.2.3 Hirndurchblutungsstörungen:

Hirndurchblutungsstörungen sind geringere Stoffwechselaktivitäten des Frontalhirns. Diese führen zu Störungen in der Großhirnrinde. Es bestehen zwar Zusammenhänge zwischen der Hirndurchblutung und dem Hyperkinetischen Syndrom, doch in welchem Ausmaß muss noch geklärt werden.

3.2.4. prä-, peri- oder postnatale Komplikationen:

Die minimale cerebrale Dysfunktion hat prä-, peri- oder postnatale Komplikationen zur Ursache. Das bedeutet, dass die Ursachen vor (pränatal), während der Geburt und des Geburtsvorganges (perinatal) und nach der Geburt (postnatal) liegen. Somit wird die Hyperaktivitätsstörung auf eine rein organische Störung reduziert.

„Bisher wird die Verursachung überwiegend in einer leichten organischen Irritation des Gehirns gesehen, die während der Schwangerschaft und des ersten Lebensjahres abgelaufen ist.“ (Bauer 1986, S.22)

2 Faktoren für das Hyperkinetische Syndrom sind entscheidend.

Zum einen „der Zeitpunkt der Schädigung“ und zum anderen „die Wahrscheinlichkeit des Sauerstoffmangels.“ (Bauer 1986, S.23)

3.3.Ökologische Faktoren:

Ökologische Faktoren sind Umwelteinflüsse, die Auslöser für die Aufmerksamkeitsdefizitstörung sein können. Sie ist jedoch unzureichend belegt und findet keine Anerkennung als feststehende, alleinige Ursache.

3.3.1. Blei-Hypothese:

Die Blei-Hypothese besagt, dass bei allen Kindern mit extremer motorischer Unruhe ein erhöhter Bleigehalt im Blut nachweisbar ist. Es entsteht eine Beeinträchtigung des Gehirnstoffwechsels durch eine Bleivergiftung, beziehungsweise durch einen extrem erhöhten Bleigehalt. In mehreren Untersuchungen wurde bisher nachgewiesen, dass Kinder sogar bei einer Bleibelastung unterhalb des Grenzwertes (40mg/100ml Blut) Konzentrationsstörungen aufweisen.

Auch wenn man davon ausgeht, dass zwischen Hyperaktivität und Bleikonzentration im Blut ein Zusammenhang besteht, lässt sich keine gesicherte Kausalverbindung herstellen.

3.3.2. Farbstoff-Hypothese:

Die Farbstoff-Hypothese geht davon aus, dass eine allergische Reaktion auf Salicylate (Stoff in vielen Früchten) und Nahrungsmittelzusätzen Grund für die Verhaltensauffälligkeit der Kinder ist.

Nur eine geringe Anzahl der Hyperkinetischen Kinder war nach der Einhaltung der KP-Diät (Kaiser-Permanente-Diät) symptomfrei. Die KP-Diät, welche von Feingold 1973 entwickelt wurde, bezog sich auf den Verzicht von künstlichen Farb- und Geschmacksstoffen. Sie zeigte jedoch nicht den erhofften Erfolg. Die Farbstoff-Hypothese ist für den Großteil der Betroffenen keine Ursache.

3.3.3. Phosphat-Hypothese:

Die Phosphat-Hypothese besagt, dass eine allergische Reaktion gegenüber Nahrungsphosphaten vorliegt. Wie bei den vorangegangenen Hypothesen auch, liegt kein statistisch gültiger Zusammenhang zwischen den kindlichen Verhaltensstörungen und der Phosphatverabreichung, oder -eliminierung vor.

3.4.Psycho-soziale Faktoren:

Die Psycho-sozialen Faktoren beschreiben die Lebensverhältnisse und Beziehungen eines Menschen zu anderen und seinem Umfeld. Es gibt verschiedene Faktorengruppen, die zusammenwirken und sich gegenseitig beeinflussen. Zu diesen Faktorengruppen gehören die ökonomisch-kulturellen Bedingungen, die Bedingungen des sozialen Umfeldes und die psycho-emotionalen Bedingungen.

Um einen kleinen Überblick über die Einzelfaktoren innerhalb der Gruppe zu bekommen, vorerst eine kleine graphische Darstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vernooij 1992, S.39

3.4.1. ökonomisch-kulturellen Bedingungen:

Die ökonomisch-kulturellen Bedingungen haben die geringste Einwirkungsmöglichkeit auf das kindliche Verhalten, da es diese noch nicht so problematisch ansieht, wie zum Beispiel ein Erwachsener.

Steinhausen erkannte, dass das Hyperkinetische Verhalten bei Kindern aus der Unterschicht häufiger auftritt, als bei Kindern aus anderen Sozialschichten. Er führte dies auf eine ungenügende psychiatrische und pädagogische Betreuung zurück. (Vernooij 1992, S.40)

Auch entsteht durch die Arbeitslosigkeit der Eltern und die damit zusammenhängende materielle Armut eine starke psycho-emotionale Wirkung auf das Kind. Diese wird ausgelöst durch psychische Probleme der Eltern und die dadurch entstandene gespannte Atmosphäre in der Familie.

3.4.2. Bedingungen des sozialen Umfeldes:

Das soziale Umfeld des Kindes spielt eine sehr große Rolle in seiner Entwicklung. Es setzt sich aus seiner Familie, dem Elternhaus und der Schule zusammen. Das Kind wird oft Psycho-sozialen Situationen ausgesetzt, wobei es zu einer psychischen Überforderung kommt.

Beeinträchtigungen auf das kindliche Verhalten lassen sich vor allem durch Bevorzugung oder Benachteiligung eines der Kinder, Gleichgültigkeit, Desinteresse und/oder Unverständnis der Eltern zurückführen.

Das “kindliche Fehlverhalten“ ist meist ein Signal oder Schutzcharakter. So kann es zum Beispiel ein Signal des Überfordertseins, oder auch der Selbstschutz vor einer krankhaften Entwicklung sein, wie Drogen- oder Alkoholmißbrauch, extreme Stimmungsschwankungen, Ängste der Eltern. Denn die Kinder sind mit den Problemen ihrer Eltern überfordert, denn diese wirken auf Kinder verunsichernd oder sogar bedrohlich.

Ein anderer Faktor, im sozialen Umfeld, ist die Schule. Das Kind gerät schnell unter Leistungs- und Konkurrenzdruck, muss sich einschränken und Regeln befolgen.

„Das Beziehungsgefüge in der Klasse, der Kontakt zwischen Schüler und Lehrer und zwischen Schüler und Mitschüler stellt, wie bereits im Hinblick auf die Familiensituation ausgeführt, einen wichtigen Beeinflussungsfaktor für kindliches Verhalten dar.“

(Vernooij 1992, S.42)

Es ist nochmals darauf hinzuweisen, dass alle genannten Faktoren das Hyperkinetische Syndrom auslösen können. Jedoch niemals ein einzelner Faktor alleine, sondern alle Faktoren zusammen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Hyperkinetisches Syndrom - Hyperaktivität
Untertitel
Zu Ursachen, Verlauf und möglichen Behandlungsmethoden
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Note
1,2
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V24390
ISBN (eBook)
9783638272773
ISBN (Buch)
9783638906791
Dateigröße
975 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hyperkinetisches, Syndrom, Hyperaktivität
Arbeit zitieren
Nicole Budzinski (Autor), 2003, Hyperkinetisches Syndrom - Hyperaktivität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24390

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