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Neurolinguistisches Programmieren (NLP) als Pseudowissenschaft und Blendwerk

Title: Neurolinguistisches Programmieren (NLP) als Pseudowissenschaft und Blendwerk

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 41 Pages , Grade: 1

Autor:in: Miriam Helisch (Author)

Psychology - Social Psychology
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Seit seiner Entwicklung hielt das sagenumwobene Neurolinguistische Programmieren (NLP) in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen westlicher Industrieländer Einzug. Mein Erkenntnisinteresse war ursprünglich von der allgemeinen Frage geleitet, was hinter der als geradezu omnipotent beworbenen Methode steckt.
Dem aktuellen Forschungstand zufolge handelt es beim NLP nicht wie von den Begründern und Befürwortern behauptet um eine effiziente moderne Psychotherapiemethode, sondern vielmehr um eine Psychotechnische Schule. Intention der vorliegenden Seminararbeit ist es, anhand der Ursprünge und grundlegenden Theorien des NLP aufzuzeigen, wie die erste Generation, auf die ich mich in meiner Arbeit fokussiere, ein Blendwerk geschaffen hat, das von Beginn an als Verkaufsschlager intendiert zu sein scheint.
Ich stelle die Hypothese auf, dass ein Gründungsmythos und darauf aufbauende Legendenbildung entscheidend zum Erfolg des NLP beitragen, denn sie begründen das gesellschaftliche Image dieses – hier soziologisch betrachteten – Phänomens. Die abenteuerliche Pionierzeit, in denen das NLP als ‚pseudo-wissenschafltliches Blumenkind’ auf dem akademisches Forschungsfeld der progressiven Gemeinde von Santa Cruz gedieh, wird in den zahllosen unkritischen NLP-Büchern attraktiv und verkaufsfördernd, aber wohl kaum wahrheitsgemäß geschildert. Die selbst-immunisierende Wirkung dieses schönen Märchens, aus dem sich schließlich alle NLP-Heilsversprechen ableiten, wird bei den unzählbaren Anbietern von NLP-Seminaren, -Anwendungen, -Workshops, -Literatur und sonstigen Produkten offenkundig.
Die folgende Untersuchung soll Licht ins Dunkel der mystifizierten Anfänge des NLP bringen und an diesem Exempel erklärbar machen, warum psychotechnische Ansätze bzw. deren Kommerzialisierung in der sozialen Realität der Postmoderne so gut funktionieren.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. NLP: „Software for the brain“

3. Ursprung und Entwicklung des NLP

3.1. Der Prozess des Modellierens

3.2. Interdisziplinäre Einflüsse

3.3. Gregory Bateson und das MRI

4. Die elementaren Modelle und Techniken des NLP

4.1. Das Meta-Modell I

4.1.1. Konstruktivistische Grundannahmen

4.1.2. Informationsverarbeitung und Filtersysteme

4.1.3. Metasprache: Die Struktur der Magie

4.2. Das Milton-Modell

4.2.1. Das Milton-Modells als Inversion des Meta-Modells

4.2.2. Muster des Erickson’schen Ansatzes

4.2.3. Erickson und das NLP

4.3. Das Meta-Modell II und weitere grundlegende Konzepte

4.3.1. Repräsentationssysteme und Zugangshinweise

4.3.2. Vom Frosch zum Prinzen - Neue Wege in der Kurzzeittherapie

4.3.3. Psychotherapie oder Verkaufsschlager?

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch das Neurolinguistische Programmieren (NLP), insbesondere die erste Generation um Richard Bandler und John Grinder, mit dem Ziel, den psychotechnischen Charakter und die Kommerzialisierung dieser Lehre zu analysieren und dem oft propagierten Nimbus der wissenschaftlichen Fundierung gegenüberzustellen.

  • Analyse des Gründungsmythos und der Entwicklung des NLP als Forschungsfeld.
  • Untersuchung der theoretischen Wurzeln (Konstruktivismus, Kybernetik, Linguistik) und ihrer Adaption durch die NLP-Gründer.
  • Kritische Auseinandersetzung mit den elementaren Modellen, insbesondere dem Meta-Modell und dem Milton-Modell.
  • Evaluation der wissenschaftlichen Validität und der psychotherapeutischen Implikationen des NLP-Ansatzes.
  • Reflexion über die kommerzielle Vereinnahmung und den Einsatz im Bereich der Gefühlsarbeit.

Auszug aus dem Buch

4.1.1. Konstruktivistische Grundannahmen

Vor dem soziologischen Hintergrund der vorliegenden Arbeit erscheint es mir sinnvoll, die besondere Bedeutung des Konstruktivismus, dessen Welt- und Menschenbild nicht nur bestimmte Psychotherapiemethoden inspirierte, sondern die Sozialwissenschaften allgemein prägte, herauszuarbeiten.

Der Konstruktivismus stellt die grundlegende Frage nach dem Anteil des Menschen an der Konstruktion seiner Erfahrungswelt und versucht zu erforschen, wie wirklich die Wirklichkeit ist.

Gefühle sind aus Sicht des sozialen Konstruktivismus die Folgen von kognitiven Selektions-, Ordnungs- und Interpretationsprozessen und finden ihren Ausdruck in physiologischen Aspekten. Sie sind durch kultur- und soziospezifische Normen charakterisiert und determiniert, da ihre Ausdifferenzierung über Lernprozesse im Rahmen der menschlichen Entwicklung und Sozialisation erfolgt.

Die Auffassung, dass wir unsere Realität durch die Bewertungen, also die kognitive Bedeutungskonstruktion, die wir Situationen und Systemen geben, selbst konstruieren, geht auf moderne Erkenntnisse unterschiedlicher wissenschaftlicher Forschungsdisziplinen zurück. Als ihre geistigen Väter gelten angesehene Wissenschaftler wie die Neuro-Biologen Humberto Maturana und Francisco Varela, der Kommunikationsforscher und Psychotherapeut Paul Watzlawick sowie der Biophysiker und Kybernetiker Heinz von Foerster, der in folgendem Zitat das wahrnehmungstheoretische Weltbild des Konstruktivismus auf den Punkt bringt: „Die Umwelt, die wir wahrnehmen, ist unsere Erfindung.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Interesse an der Untersuchung des NLP als vermeintliche Psychotherapiemethode, hinter der sich eine kommerzialisierte Psychotechnik verbirgt, und stellt die Arbeitshypothese des Gründungsmythos auf.

2. NLP: „Software for the brain“: Dieses Kapitel erläutert die von Bandler geprägte Computer-Metapher des Geistes und diskutiert die damit verbundene Gefahr einer simplizistisch mechanistischen Sichtweise.

3. Ursprung und Entwicklung des NLP: Der Ursprung als Forschungsfeld in den 70er Jahren und die Rolle des Modellierens sowie interdisziplinärer Einflüsse (Bateson, MRI) werden hier rekonstruiert.

4. Die elementaren Modelle und Techniken des NLP: Der Hauptteil analysiert kritisch das Meta-Modell (Sprachanalyse), das Milton-Modell (hypnotische Kommunikation) und weitere Konzepte wie Ankern und Reframing auf ihre wissenschaftliche Validität.

5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Tendenz des NLP, sich primär auf dem Psycho- und Selbsthilfemarkt als Emotionsmanagement zu etablieren.

Schlüsselwörter

Neurolinguistisches Programmieren, NLP, Konstruktivismus, Modellieren, Meta-Modell, Milton-Modell, Psychotechnik, Emotionsarbeit, Erickson, Bandler, Grinder, Systemische Therapie, Hypnotherapie, Wissenschaftlichkeit, Kommerzialisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen soziologischen Untersuchung des Neurolinguistischen Programmierens (NLP), wobei der Fokus insbesondere auf der Entstehungsgeschichte und den theoretischen Modellen der ersten Generation liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Rekonstruktion der NLP-Ursprünge, die Analyse der Adaption interdisziplinärer wissenschaftlicher Ansätze sowie die kritische Prüfung der NLP-Modelle hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Fundierung und praktischen Anwendung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, den Anspruch des NLP als effiziente Psychotherapiemethode zu hinterfragen und die Hypothese zu belegen, dass es sich primär um eine Psychotechnik handelt, deren Erfolg maßgeblich auf Gründungsmythen und einer zielorientierten Vermarktung beruht.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor wählt einen wissenschaftstheoretischen und soziologischen Zugang, indem er die NLP-Lehre anhand ihrer eigenen Quellen und der entsprechenden Fachliteratur auf ihre theoretische Stichhaltigkeit und ihren akademischen Anspruch hin prüft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die elementaren Modelle wie das Meta-Modell und das Milton-Modell, untersucht deren theoretische Fundierung in der Linguistik und Kybernetik und bewertet sie im Vergleich zu den therapeutischen Originalen ihrer Vorbilder.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie NLP, Konstruktivismus, Psychotechnik, Modellieren, Meta-Modell, Milton-Modell, Emotionsarbeit und Wissenschaftlichkeit charakterisiert.

Warum wird die Computer-Metapher in Kapitel 2 kritisch betrachtet?

Sie wird kritisiert, weil die Umkehrung der metaphorischen Beziehung – das Gehirn als Maschine zu betrachten – zu einer Blindheit gegenüber der Komplexität und dem Wunder des menschlichen Geistes führt.

Welche Rolle spielen die Gründungsmythen für den Erfolg des NLP?

Die Gründungsmythen tragen entscheidend zum gesellschaftlichen Image bei; sie erzeugen eine selbst-immunisierende Wirkung, die den Erfolg der Methode auf dem Psychomarkt unterstützt und den Mangel an wissenschaftlicher Standardisierung kaschiert.

Wie bewertet der Autor den Umgang des NLP mit den Erkenntnissen von Milton H. Erickson?

Der Autor bewertet den Umgang als selektiv und pragmatisch; er kritisiert, dass Bandler und Grinder durch die Vereinfachung von Ericksons Ansätzen eine eigene "NLP-Version" schufen, die den hohen Standards des Originals fachlich und ethisch nicht gerecht wird.

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Details

Title
Neurolinguistisches Programmieren (NLP) als Pseudowissenschaft und Blendwerk
College
LMU Munich  (Institut für Soziologie)
Course
„Powered by emotion“- Gesellschaftliche Funktion, Entwicklung und Sozialisation von Emotionen
Grade
1
Author
Miriam Helisch (Author)
Publication Year
2004
Pages
41
Catalog Number
V24398
ISBN (eBook)
9783638272841
ISBN (Book)
9783638648349
Language
German
Tags
Neurolinguistisches Programmieren Pseudowissenschaft Blendwerk Gesellschaftliche Funktion Entwicklung Sozialisation Emotionen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Miriam Helisch (Author), 2004, Neurolinguistisches Programmieren (NLP) als Pseudowissenschaft und Blendwerk , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24398
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