Höflichkeit ist in den letzten dreißig Jahren nicht nur aus soziologischer, pädagogischer oder historischer Sicht zu einem Boomthema wissenschaftlicher Forschung geworden, sondern hat sich auch in der Sprachwissenschaft, insbesondere in der feministischen Sprachwissenschaft zu einem wichtigen Untersuchungsgegenstand entwickelt.
Primär wird der Begriff Höflichkeit in zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten generell als eine gesellschaftliche Lebensform, als sittlich-moralische Norm und als raum-zeitgebundenes Zeichen von Status und Gruppenzugehörigkeit aufgefasst.
Einen der weitreichendsten Ansätze in der feministischen Linguistik machten Penelope Brown und Stephen Levinson 1987, indem sie Höflichkeit in die Aspekte des positive face und des negative face untergliederten.
Die oben genannte Aufteilung wurde für alle nachfolgenden Beiträge zum Thema Höflichkeit in der Linguistik im Allgemeinen als wesentlicher Ausgangspunkt angesehen.
Inwieweit Höflichkeitsaspekte mit sprachlicher Kommunikation verbunden sind und was ihre Bedeutung aus linguistischer Hinsicht ist, werde ich in meiner folgenden Arbeit beschreiben und erörtern.
Mein Schwerpunkt wird dabei sein, auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Sprachverhalten einzugehen, und deren Einfluss, beziehungsweise deren Wirkung im Bezug auf die Höflichkeit zu diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
1. WAS IST SPRACHLICHE HÖFLICHKEIT?
2. ALLGEMEINE ASPEKTE DER HÖFLICHKEIT
2.1 Definition des Begriffes Höflichkeit
2.2 Imageverhalten im sprachlichem Gebrauch
2.3. Höflichkeitsstrategien
3. GESCHLECHTSSPEZIFISCHES SPRECHVERHALTEN
3.1 Sprachentwicklung in einem historischen Rückblick
3.2. Frauensprache
3.3. Männersprache
4. DATENERHEBUNG IM BEZUG AUF HÖFLICHES VERHALTEN
4.1 Fragebogen
4.2. Ergebnisse des Fragebogens und persönliche Stellungnahme
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der sprachlichen Höflichkeit unter besonderer Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Differenzen. Das Ziel ist es, den Einfluss von Geschlechterrollen auf das Sprechverhalten sowie die Anwendung verschiedener Höflichkeitsstrategien in der zwischenmenschlichen Kommunikation zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen und Definitionen sprachlicher Höflichkeit
- Positive und negative Höflichkeitsstrategien nach Brown und Levinson
- Historische Entwicklung und soziokulturelle Prägung der Frauensprache und Männersprache
- Empirische Untersuchung des Sprachverhaltens mittels Fragebögen
Auszug aus dem Buch
3.3. Männersprache
Männer machen im wesentlichen Gebrauch von direktem Sprachverhalten. Sie sind darauf bedacht, auf die informativ-sachliche, die Handlung betreffende Ebene eines Gespräches einzugehen.
Die emotional-subjektive Ebene wird von ihnen dabei oft außer Acht gelassen, so dass sie für zwischenmenschliche Bedürfnisse meist verschlossen bleiben.
Männer bedienen sich im Allgemeinen eher einem sehr nüchternen und auf das Höflichkeitsverhalten sehr ausgewogenem, monotonem Sprachstil, der sich weder der positiven, noch der negativen Höflichkeit genau zuordnen lässt.
Die Sprache der Männer ist sehr statusorientiert. Sie versuchen sich in Gesprächen sehr oft zu profilieren und ihre Machtpositionen zu festigen beziehungsweise auszubauen.
Es ist ihnen wichtig, persönliche Fähigkeiten und Talente hervorzuheben und diese sogar häufig in den Vordergrund eines Gespräches zu stellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. WAS IST SPRACHLICHE HÖFLICHKEIT?: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftliche Bedeutung von Höflichkeit ein und stellt die grundlegenden Konzepte von Brown und Levinson vor.
2. ALLGEMEINE ASPEKTE DER HÖFLICHKEIT: Hier werden der etymologische Ursprung sowie die theoretischen Ansätze zur Definition von Höflichkeit und Imagewahrung detailliert dargelegt.
3. GESCHLECHTSSPEZIFISCHES SPRECHVERHALTEN: Das Kapitel beleuchtet den historischen Kontext der Sprachentwicklung und analysiert die spezifischen Merkmale sowie Unterschiede zwischen Frauen- und Männersprache.
4. DATENERHEBUNG IM BEZUG AUF HÖFLICHES VERHALTEN: Dieser Teil dokumentiert eine empirische Untersuchung mittels Fragebögen, um die theoretischen Thesen in der Praxis zu prüfen und persönlich einzuordnen.
Schlüsselwörter
Feministische Linguistik, Höflichkeit, Sprachverhalten, Positive Höflichkeit, Negative Höflichkeit, Frauensprache, Männersprache, Imagewahrung, Kommunikationsstrategien, Geschlechterrollen, Sprachsoziologie, Modalpartikel, Face-Verhalten, Zwischenmenschliche Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung sprachlicher Höflichkeit unter dem Aspekt der feministischen Linguistik und analysiert, wie Geschlecht das Sprachverhalten beeinflusst.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentrale Themen sind die Höflichkeitstheorien nach Brown und Levinson, die soziokulturellen Hintergründe geschlechtsspezifischer Sprache sowie die praktischen Unterschiede im Ausdruck von Höflichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit männliches und weibliches Sprachverhalten durch gesellschaftliche Rollenbilder geprägt ist und wie dies die Anwendung von Höflichkeitsstrategien beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Neben einer theoretischen Fundierung der linguistischen Literatur wurde eine empirische Datenerhebung mittels Fragebögen unter zehn Probanden durchgeführt.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung allgemeiner Höflichkeitskonzepte und eine differenzierte Betrachtung von Frauen- und Männersprache im historischen und sozialen Kontext.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie feministische Linguistik, Höflichkeitsstrategien, geschlechtsspezifisches Sprachverhalten und Imagewahrung gekennzeichnet.
Welches Ergebnis liefern die befragten Männer zur Geschlechterdifferenz?
Die männlichen Probanden sahen generell keine wesentlichen, geschlechtsspezifisch zu erklärenden Unterschiede im Sprachverhalten, sondern betonten die Abhängigkeit von der jeweiligen Gesprächssituation.
Wie bewertet die Autorin die Thesen am Ende ihrer Arbeit?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass viele Unterschiede auf Klischees basieren und dass ein Individuum nicht rein schematisch aufgrund seines Geschlechts definiert werden kann.
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- M.A. Claudia Haslauer (Author), 2003, Höflichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24413