Aristoteles - Glückseligkeit als Lebensform


Seminararbeit, 2003

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Die Glückseligkeit als Lebensform

2. Glückskonzeption
2.1 Ziele menschlicher Handlungen
2.1 Autarkie des vollkommenen Guten
2.3 Lebensformen des Menschen
2.4 Eigentümliche Leistungen des Menschen

3. Seelen und Tugendlehre des Menschen
3.1 Tugend der Seele
3.2 Ethische Tugenden
3.3 Dianoetische Tugenden

4. Leben in Glückseligkeit
4.1 Zusammenfassung nach Aristoteles
4.2 Persönliche Stellungnahme und Fazit

LITERATURVERZEICHNIS

1. Die Glückseligkeit als Lebensform

Alle Menschen streben nach Glück. Deshalb kann das Glück als oberstes Ziel des Menschen angenommen werden. Was bedeutet jedoch eigentlich Glück? Das Glück ist eine Lebensweise, die im Besten Fall einen dauerhaften Zustand darstellt.

In diesem Sinn ist Glück bestimmt als ein Leben in körperlicher Lust. Diese Art Lust gehört gewiss zum Menschen, zu seinen Begierden und seinen Gelüsten, sie allein kann jedoch den menschlichen Möglichkeiten nicht gerecht werden. Der Mensch hat höhere Bedürfnisse, als nur allein seinen Körper zu befriedigen.

Ein solches höheres Bedürfnis wäre beispielsweise das Leben nach moralischen Grundsätzen oder anderen geistigen Prinzipien wie es der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.) in der Nikomachischen Ethik ausführt.

Auf welche Art und Weise Aristoteles das Streben des Menschen nach einem glückseligem Leben als das oberste Ziel allen menschlichen Handelns definiert und welche Charaktereigenschaften und Lebensformen er dem Menschen dabei zuordnet, werde ich in meiner folgenden Arbeit im Bezug auf seine Ausführungen in der Nikomachischen Ethik erörtern und genauer beschreiben.

2. Glückskonzeption

2.1 Ziele menschlicher Handlungen

Jede Erkenntnis und jeder Entschluss eines Menschen scheint nach irgendeinem Gut zu streben. Demnach wird verständlicherweise das Gute als dasjenige bezeichnet, nach dem alles strebt.

„Jede Kunst und jede Lehre, ebenso jede Handlung und jeder Entschluß scheint irgendein Gut zu erstreben.“[1]

Das Ziel einer jeden Handlung ist also ein vermeintliches Gut. Die Güter müssen allerdings in zwei Klassen unterteilt werden.

Auf der einen Seite gibt es Güter, welche um ihrer selbst willen erstrebt werden, das heißt Güter, die mit Abschluss der jeweiligen Handlung erreicht werden und auf der anderen Seite gibt es Güter, die selbst nur angestrebt werden, weil sie Mittel zum Zweck sind oder sein können um ein anderes, höheres Gut zu erreichen.

„Wenn es aber ein Ziel des Handelns gibt, das wir um seiner selbst willen wollen und das andere um seinetwillen; wenn wir also nicht alles um eines anderen willen erstreben, dann ist es klar, daß jenes das Gute und das Beste ist.“[2]

Diese Theorie wiederum legt nahe, dass es ein menschlich erreichbares Gut geben muss, nach dem kein weiteres, höheres Gut folgen kann, sozusagen ein Endziel aller menschlicher Handlungen. Dieses höchste Gut bezeichnet Aristoteles mit dem Begriff der Eudaimonia oder auch Glückseligkeit.

Da der Mensch ja von Natur aus ein zu gleichen Teilen vernunftbegabtes und politisches Lebewesen ist, beschäftigt sich vor allem die Politische Wissenschaft mit der Grundfrage, woraus das vollendete Ziel allen menschlichen Handelns, beziehungsweise die vollkommene Glückseligkeit besteht.

„Die Grundfrage der Politikwissenschaft ist also die Frage, worin die Glückseligkeit für den Menschen als zugleich politisches und vernunftbegabtes Lebewesen besteht.“[3]

Die Meinungen darüber sind vielfältig, kommen jedoch in der Hinsicht, dass die Glückseligkeit eine „Einheit von gutem Leben und gutem Handeln“ sein muss, zum selben Konsens.[4]

2.1 Autarkie des vollkommenen Guten

Das vollkommene Gute scheint wie oben ausgeführt in sich selbstgenügsam zu sein. Diese Selbstgenügsamkeit geschieht allerdings nicht einfach für den Einzelnen, der für sich alleine lebt, sondern auch für seine Eltern, Kinder, Frau, seine Freunde und Mitbürger, da jeder Mensch in der Gemeinschaft, der Polis lebt.

„Die Wissenschaft davon aber, was menschliche Glückseligkeit ist, kann nur die Politikwissenschaft sein, weil die Ordnung der Polis die umfassendste menschliche Gemeinschaft ist, die den Einzelmenschen ebenso umspannt wie die kleineren Gemeinschaften, aus denen sie sich zusammensetzt. Ob das Gute für den Menschen nun das gleiche ist wie das Gute für die Polis oder nicht, es erscheint besser und vollkommener, es für die Polis zu erreichen und zu erhalten; denn erfreulich ist es schon, dies für einen einzelnen zu tun, edler und göttlicher aber für ein Volk oder eine Polis“.[5]

Lebt ein Lebewesen nicht in der Polis, so ist es laut Aristoteles entweder ein Tier oder ein Gott. Somit hat bei Aristoteles jeder Mensch eine Mitverantwortung für die Gemeinschaft und kann nicht nur für sich als Einzelner entscheiden und handeln. Was ferner bedeutet, dass das Individuum auf seinem Weg zur vollendeten Glückseligkeit auch auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft eingehen und diese in seine Handlungen miteinbeziehen muss.

Zur Glückseligkeit an sich kann kein weiteres Gut addiert werden, aus welchem sich ein noch höheres, erstrebenswerteres Gut ergeben würde. Demnach wird die Glückseligkeit als dasjenige bezeichnet, was für sich allein das Leben begehrenswert und vollständig bedürfnislos macht.

Somit ist die Glückseligkeit das vollkommendste und selbstgenügsamste Gut und das Endziel aller menschlichen Handlungen.

2.3 Lebensformen des Menschen

Nicht grundlos scheint demnach das vollkommene Gute bei Aristoteles von den verschiedenen Lebensformen des Menschen abzuhängen. Er unterscheidet beim Menschen vor allem vier Lebensformen, die der Lust, die Politische, die Betrachtende und die Ökonomische.

Die Mehrheit der Bevölkerung wählt aus diesen Lebensformen die der Lust aus, da sie ein Leben in vollstem Genuss als ein solches ansehen, das ihnen Glückseligkeit und Vollkommenheit beschert.

„Die Mehrzahl der Leute vor allem die rohesten wählen die Lust. Darum schätzen sie auch das Leben des Genusses“.[6]

Die gebildeten Menschen wählen meisten die Ehre als ihre Lebensform aus, da diese als das Ziel des politischen Lebens bezeichnet werden kann. Man scheint nach Ehre zu suchen, um sich selbst davon zu überzeugen, dass man in seinen Handlungen gut ist. Der Wunsch von Verständigen für seine Handlungen geehrt oder auch verehrt zu werden spiegelt die eigene Tüchtigkeit wider.

Die eigene Tüchtigkeit könnte demnach als das letzte Ziel der politischen Lebensform angesehen werden.

„Die gebildeten und energischen Menschen wählen die Ehre. Denn dies kann man als Ziel des politischen Lebens bezeichnen. Ferner scheint man die Ehre zu suchen, um sich selbst zu überzeugen, daß man gut sei. Man wünscht ja geehrt zu werden durch die Verständigen und durch jene, die einen kennen, und dies wegen der eigenen Tüchtigkeit. So ist eigentlich für diese die Tüchtigkeit das höhere Ziel“.

Die ökonomische Lebensform ist eine sehr zweigespaltene Lebensform. Sie beinhaltet den Reichtum, der jedoch nicht das gesuchte Gute sein kann, da er nur ein Mittel zum Zweck ist andere Dinge zu erreichen und somit keinen selbstgenügsamen Charakter aufzeigen kann.

[...]


[1] NE, I. Buch, 1094a1, S. 105

[2] ebenda

[3] Weber-Schäfer, Aristoteles, S. 35

[4] ebenda, S.36

[5] ebenda

[6] NE, I. Buch, 1095b6, S. 109

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Aristoteles - Glückseligkeit als Lebensform
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Politische Wissenschaft)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V24414
ISBN (eBook)
9783638272964
ISBN (Buch)
9783656519188
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Glückseligkeit, Lebensform
Arbeit zitieren
M.A. Claudia Haslauer (Autor), 2003, Aristoteles - Glückseligkeit als Lebensform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24414

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