Die deutschen Hypothekenbanken waren in ihrer langen Geschichte immer wieder mit tief greifenden Wechsel ihres geschäftlichen Umfeldes konfrontiert. Es handelte sich hierbei um wandelnde Rahmenbedingungen, die zum Teil politisch motiviert waren oder um Auswirkungen von Konjunkturphasen auf die Immobilienfinanzierung. Um die Leistungsfähigkeit des Wirtschafts- und Finanzstandortes Deutschland zu steigern, hat die Bundesregierung gesetzliche Regelungen verabschiedet. Ein Beispiel für diese Maßnahmen ist das 4. Finanzmarktförderungsgesetz (4.FinMFöG), dass am 14. November 2001 verabschiedet wurde und am 1.Juli 2002 in Kraft trat. Die Veröffentlichung der Rechtsverordnung zur barwertigen Deckungsrechnung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistung (BaFin) erfolgte Ende des Jahres 2003. Diese Rechtsverordnung regelt die Details der barwertigen Deckung. Die Globalisierung der Finanzmärkte, technischer Fortschritt, Wandel der Kundenbedürfnisse und fortschreitende Europäisierung des Pfandbrief- und Hypothekengedankens steigern den Wettbewerbsdruck. Zudem verkürzen sich die Halbwertzeiten bestehender Strukturen immer mehr. Vor diesem Hintergrund ist auch die anstehende Novellierung des Hypothekenbankgesetzes (HBG) zu sehen. Der Erfolg des Pfandbriefes am internationalen Kapitalmarkt hat bewirkt, dass mehr und mehr europäische Nachbarstaaten am deutschen Hypothekenbankgesetz angelehnte Gesetze verabschiedet und modernisiert haben bzw. solche Gesetze beraten. Die letzten Erneuerungen der Pfandbrief- und Hypothekenbankgesetze in Irland, Finnland, Frankreich und Luxemburg erlauben in mancher Hinsicht mehr Spielraum für dortige Institute als das deutsche HBG. Der Rechtsrahmen zur Emission von Pfandbriefen ist seit jeher konsequent auf das Sicherheitsbedürfnis der Anleger zugeschnitten. „Die Veränderung, die das schon vor über 100 Jahren erlassene Gesetz regelmäßig erfahren hat, sind Reaktionen auf das sich stetig weiter entwickelnde und differenzierte Anlegerbedürfnis.“
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vorgehen
2 Die Geschichte des Pfandbriefes
3 Der Pfandbrief 2003 – Daten und Fakten
3.1 Entwicklung des Marktes für Pfandbriefe
3.2 Transparenz der Hypothekenbanken
3.3 Entwicklung der Spreads zu Bunds und Swaps
4 Auswirkungen des 4.FinMFöG auf das HBG und ÖPG
4.1 Die Deckungsberechnung mit der Barwertmethode
4.2 Zinsänderungsrisiken für den Deckungsstock
4.3 Die Aufnahme von Derivate in die Deckungsmasse
4.4 Gegenüberstellung der Barwert- und der Nominalwertdeckung
4.5 Begründung der Novellierung
5 Die gesetzlichen Vorkehrungen zum Schutz der Investoren
5.1 Die gesetzliche Grundlage - das Hypothekenbankgesetz
5.2 Insolvenzvorrecht der Pfandbriefgläubiger
5.3 Novellierung des Hypothekenbankgesetz
5.4 Auswirkungen der Novellierung
6 Das Öffentliche Pfandbriefgesetz (ÖPG)
6.1 Regelungen des ÖPG
6.2 Die Gewährträgerhaftung und Anstaltslast
6.3 Auswirkungen bei den Ratings
6.4 Zukunft des ÖPG
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Studienarbeit analysiert die Auswirkungen gesetzlicher Neuregelungen, insbesondere des 4. Finanzmarktförderungsgesetzes, auf das Hypothekenbankgesetz (HBG) und das Öffentliche Pfandbriefgesetz (ÖPG). Das primäre Ziel ist es, den Pfandbrief als homogene Asset-Klasse zu stärken, indem die Barwertdeckung als modernes Steuerungskonzept implementiert und die regulatorischen Rahmenbedingungen zur Insolvenzsicherung in einem sich wandelnden Marktumfeld kritisch beleuchtet werden.
- Entwicklung des Pfandbriefmarktes und Transparenz der Hypothekenbanken.
- Finanzmathematische Aspekte der Deckungsberechnung mittels Barwertmethode.
- Umgang mit Zinsänderungsrisiken und Integration von Derivaten in die Deckungsmasse.
- Rechtliche Absicherung der Investoren durch Insolvenzvorrechte und institutionelle Regelungen.
- Auswirkungen der Aufhebung der staatlichen Gewährträgerhaftung und Anstaltslast auf Ratings.
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Deckungsberechnung mit der Barwertmethode
Die Barwertmethode ist ein finanzmathematischer Ansatz, bei dem zukünftige Zahlungen auf den aktuellen Zeitpunkt diskontiert werden. Der Barwert gibt den heutigen Wert zukünftiger Cashflows an, bei dem als erstes die Zahlungsreihe zu ermitteln ist. Die zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallenden Zahlungen sind über die Diskontierung mit aktuellen, faktisch realisierbaren Marktzinsen auf den Gegenwartswert zu transformieren. Mit der Barwertmethode wird also der Wert ermittelt, der heute zu investieren bzw. aufzunehmen wäre, um einen bestimmten, zukünftigen Betrag unter einem gegebenen Zinsszenario zu erhalten bzw. zurückzuzahlen.
Mit Hilfe des Barwertes wird aufgezeigt, ob der heutige Wert des Pfandbriefes durch den heutigen Wert der Darlehen gedeckt ist. Täglich müssen der Wert von Deckungsforderungen und Pfandbriefen auf der Grundlage aktueller Marktsätze, lt. § 6 Abs. 1 HBG, ermittelt und abgestimmt werden. Dabei werden zunächst die den Deckungswert betreffenden Zahlungsströme der Hypothekenbank unsaldiert erfasst. Es können problemlos alle Zahlungen miteinander addiert werden, die zum gleichen Zeitpunkt anfallen. Hierzu werden alle Aktiv- und Passivpositionen in ihren Zahlungsströmen saldiert, so dass nur die Überhänge beziehungsweise Defizite zwischen Aktiv- und Passivgeschäften übrigbleiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Erläutert den Wandel im Umfeld der Hypothekenbanken und den Anlass für die gesetzlichen Novellierungen.
2 Die Geschichte des Pfandbriefes: Skizziert die historische Entstehung der Pfandbriefe als Finanzinnovation zur Refinanzierung von Bodenkrediten.
3 Der Pfandbrief 2003 – Daten und Fakten: Analysiert den Markt für Pfandbriefe, die Publizitätspolitik der Banken sowie die Spread-Entwicklungen.
4 Auswirkungen des 4.FinMFöG auf das HBG und ÖPG: Detaillierte Darstellung der Barwertdeckung und der Integration von Derivaten zur Risikosteuerung.
5 Die gesetzlichen Vorkehrungen zum Schutz der Investoren: Beleuchtet das Hypothekenbankgesetz als Sicherheitsrahmen und das Insolvenzvorrecht der Gläubiger.
6 Das Öffentliche Pfandbriefgesetz (ÖPG): Untersucht die Besonderheiten für öffentlich-rechtliche Anstalten, insbesondere hinsichtlich der Anstaltslast und Gewährträgerhaftung.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Resümiert die Stärken des Pfandbriefs und bewertet die künftige Entwicklung unter geänderten Haftungsbedingungen.
Schlüsselwörter
Pfandbrief, Hypothekenbankgesetz, Barwertdeckung, Insolvenzvorrecht, 4. Finanzmarktförderungsgesetz, Derivate, Deckungsstock, Anstaltslast, Gewährträgerhaftung, Zinsänderungsrisiko, Kapitalmarkt, Rating, Risikomanagement, Immobilienfinanzierung, Deckungsmasse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Pfandbriefemissionen in Deutschland und analysiert die Auswirkungen von Novellierungen auf die Sicherheit und Qualität dieser Anlageklasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Schwerpunkte sind die gesetzliche Neuregelung der Deckungsberechnung (Barwertmethode), die Integration von Derivaten und die Auswirkungen der bevorstehenden Abschaffung der staatlichen Gewährträgerhaftung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Beitrag der Novellierungen zur Stärkung des Pfandbriefs als homogene, risikoarme Asset-Klasse aufzuzeigen und die Auswirkungen für Investoren und Emittenten zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung bankenaufsichtlicher und gesetzlicher Rahmenbedingungen unter Berücksichtigung aktueller ökonomischer Entwicklungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Barwertberechnung, die Risikoprävention durch gesetzliche Deckungsgrenzen sowie die Analyse der spezifischen Situation öffentlich-rechtlicher Institute.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Pfandbrief, Barwertdeckung, Insolvenzvorrecht, Deckungsmasse und Risikomanagement.
Wie verändert die Barwertmethode die Risikoeinschätzung bei Pfandbriefen?
Die Barwertmethode ermöglicht eine permanent marktgerechte Bewertung der Deckungsmassen, wodurch Zinsänderungsrisiken transparenter erfasst und steuerbar werden.
Welche Bedeutung hat die Abschaffung der Gewährträgerhaftung für das ÖPG?
Obwohl die staatliche Haftung entfällt, bleibt die Bonität der öffentlichen Pfandbriefe durch die strengen Vorschriften über die Deckungsmassen und die spezialisierte Rechtsform der Institute gewahrt.
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- Jens Herpfer (Author), 2004, Der Pfandbrief - Pfandbriefgesetz vs. Novellierung des HBG, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24417