Abhängigkeit und Missbrauch psychotroper Medikamente im Hinblick auf Sedativa/Hypnotika unter besonderer Berücksichtigung der Familie der Benzodiazepine


Hausarbeit, 2003
16 Seiten, Note: 1,9

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Definition
2.1 Das Abhängigkeits- und Entzugssyndrom

3. Vorstellen einiger Medikamentenfamilien mit Abhängigkeitspotenzial
3.1 Sedativa/Hypnotika
3.1.1 Barbiturate
3.1.2 Benzodiazepine (z.B. Valium)
3.1.2.1 Anwendungsbereiche
3.1.2.2 Toleranz und Abhängigkeit
3.1.2.3 Nichtmedizinischer Gebrauch/Missbrauch
3.2 Opioide
3.3 Stimulantien
3.4 Halluzinogene

4. Bedingungen und Erscheinungsbild der Medikamentenabhängigkeit
4.1 Entstehungsfaktoren einer Medikamentenabhängigkeit
4.1.1 psychosoziale und individuelle Faktoren
4.1.2 pharmakologische Faktoren und Bindekraft der Medikamenten
4.2 Erkennungsmerkmale einer Medikamentenabhängigkeit für Angehörige oder Betreuer

5. Absetzen und Entzug psychotroper Medikamente
5.1 Entzugssymptome von Benzodiazepinen

6. Epidemiologische Daten (Elsesser/Sartory 2001)

7. Schlusswort

1. Einführung

Medkikamentenabhängigkeit ist weiter verbreitet als angenommen wird. Es wurde geschätzt, dass in westeuropäischen Ländern 10-30 % der Bevölkerung bereits Tranquilizer genommen haben und 2 % davon abhängig sind (vgl. Elsesser/Sartory 2001). Medikamentenabhängigkeit als Begriff selber ist eher als Oberbegriff zu verstehen, welcher die Form der Abhängigkeit zu anderen Suchtstörungen wie Drogen oder Alkohol verdeutlichen soll. In der Mehrzahl handelt es sich hier um Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Familie der Benzodiazepine. Medikamentensucht wird häufig auch als Altersucht, heimliche Sucht, Frauensucht oder iatrogene Abhängigkeit bezeichnet. Damit werden bereits einige ätiologische Merkmale dieser Störung hervorgehoben. So sind zum einen Frauen häufiger betroffen als Männer und die Tendenz der Abhängigen mit dem zunehmenden Alter her steigend. Ebenso sind die Betroffenen im Vergleich zu Drogen- oder Alkoholabhängigen unauffälliger und in der Regel sozial integriert. Das Schlagwort der iatrogenen Abhängigkeit hingegen verdeutlicht, dass eine Abhängigkeit in hohem Maße durch die ärztliche Verordnungspraxis hervorgerufen wird(vgl. Elsesser/Sartory 2001).

2. Definition

2.1 Das Abhängigkeits- und Entzugssyndrom

Das Abhängigkeitssyndrom wird im ICD-10 definiert als eine Gruppe körperlicher, Verhaltens- und kognitiver Phänomene, bei denen der Konsum einer Substanz Vorrang hat vor, von ihr früher höher bewerteten, Verhaltensweisen. Als entscheidenstes Merkmal gilt der starke Drang, Medikamente zu konsumieren, das sog. “craving“. Nicht selten wird so ein zwanghafter Konsumwunsch erst dann wirklich bewusst wahrgenommen, wenn der Betroffene versucht den Konsum zu kontrollieren bzw. zu reduzieren und dann in der Regel daran scheitert.

Craving und Kontrollverlust kennzeichnen also die Abhängigkeit.

Wird nun der Versuch von dem Konsumenten unternommen, die medikamentöse Zufuhr zu reduzieren oder ganz einzustellen, kommt es oftmals zu einem körperlichen Entzugssyndrom, welches in aller Regel durch erneute Einnahme der Substanz oder ähnlicher unterbunden wird. Dieses Entzugssyndrom entwickelt sich nach einer deutlichen Herabsetzung der Dosis bis hin zur Beendigung der Einnnahme, sofern es in einem Zeitraum von einigen Wochen oder länger konsumiert wurde. Zeichen für ein solches Entzugssyndrom sind Hyperaktivität des zentralen Nervensystems, wie z.B. Anstieg der Herzfrequenz, Beschleunigung der Atmung oder auch des Blutdrucks, ferner ein unkontrollierbares Zittern in den Händen und den besagten Symptomen, gegen die das Medikament ursprünglich eingesetzt wurde, Schlaflosigkeit und Ängste. Wichtig ist im Falle eines Entzugs immer die qualifizierte ärztliche Begleitung, da bereits schwere Fälle von Delirien und Grand-Mal-Anfällen (ganzkörpererfassende, epileptische Anfälle) beobachtet wurden, welche jedoch in ihrer Intensität abhängig von den pharmakologischen Eigenschaften des jeweils konsumierten Medikamentes abhängig sind und variieren (Gastpar, Mann, Rommelspacher 1999).

Als weiteres Indiz einer körperlichen Abhängigkeit gilt neben dem Entzugssyndrom auch die Entwicklung einer Toleranz. Dies bedeutet, dass einzelne bis hin zu allen Wirkqualitäten des Stoffes abnehmen und schwächer werden. Hier wird, oftmals mit dem Mitspiel des jeweiligen behandelnden Arztes, eine Erhöhung der Indikation seitens des Abhängigen eingegangen, wobei es nicht selten zu einer Dosissteigerung weit über den therapeutischen Bereich hinaus kommt. Nicht selten wechseln die Medikamentenabhängigen jedoch auch einfach den Arzt, wenn dieser auf die vorhandene Abhängigkeit hinweist und die weitere Medikation verweigert.

Toleranz- und Entzugssymptome sind also die Zeichen einer körperlichen Abhängigkeit (Elsesser/Sartory 2001).

3. Vorstellung einiger Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial

3.1 Sedativa/Hypnotika

Die Bezeichnung Sedativum (Beruhigungsmittel), Tranquilizer (angstmildernde Stoffe) und Hypnotikum (Schlafmittel), lassen sich prinzipiell auf jede zentralnervös dämpfende Substanz anwenden. Sie alle setzen die Wahrnehmungsfähigkeit, die Spontaneität und körperliche Aktivität herab. Sie unterscheiden sich jedoch untereinander in ihrer jeweiligen Potenz, so dass man sagen kann, dass ihre Wirkungsweise im Körper jeweils anders verläuft.

In den vergangenen Jahren wurden niedrige Dosen zentral dämpfender Stoffe therapeutisch zur Beruhigung ängstlicher Patienten eingesetzt. Heute werden dazu hauptsächlich nur noch Benzodiazepine eingesetzt, da sie mit ihren pharmakologischen Eigenschaften im Vergleich eher akzeptabel erscheinen. Die Anwendung von Barbituraten und anderen Sedativa ist dagegen im therapeutischen sowie im narkotischen Bereich und dem Bereich der Antiepileptika stark zurückgegangen. Folgend werden somit die Barbiturate lediglich am Rande erwähnt (Julien 1997).

3.1.1 Barbiturate

Dies sind schwere Dämpfungsmittel. Sie haben eine generell hemmende Wirkung auf das Gehirn, indem sie den Neurotransmissionsprozess verlangsamen. Bei erhöhter Dosis, haben Barbiturate jedoch auch eine hemmende Funktion auf lebenswichtige Körperfunktionen wie die Atmung. Barbiturate sind heutzutage, wie bereits erwähnt, zum grössten Teil von den Benzodiazepinen verdrängt worden, aufgrund besserer Verträglichkeit dieser Stoffe (Elsesser/Sartory 2001).

3.1.2 Benzodiazepine (z.B. Valium)

Sie sind heutzutage der Problemstoff Nr. 1 in der Medikamentenabhängigkeit, deren Betroffenen auf ca. 1,5 Mio geschätzt wird, von denen 1,1 Mio in den Bereich der Benzodiazepinabhängigkeit fällt. Daher sollen diese, im Gegensatz zu den anderen hier nur kurz angesprochenen Mitteln, eingängiger vorgestellt werden. Benzodiazepine galten noch bis Anfang der 80 ziger als nicht abhängig machend und waren als eine sehr gute Alternative zu den, bis zu den 60 zigern genutzten Barbituraten, welche als nicht sicher galten und auch tödliche Wirkungen besassen, bei einer übermässigen Indikation, angesehen. Heute sind sie die häufigste Ursache der Medikamentenabhängigkeit mit 75% aller Konsumenten von psychotropen Medikamenten. Hauptkonsumentengruppe dieser Medikamente sind Frauen mittleren und höheren Alters (Angaben Deutsche Gesellschaft für Drogen- und Suchtmedizin eV).

3.1.2.1 Anwendungsbereiche

Die Hauptursache für eine Behandlung mit Benzodiazepinen sind Angstzustände, die so behindernd sind, dass sie das Leben, die Arbeit und das zwischenmenschlichen Beziehungen des Betroffenen gravierend beeinträchtigen. Ebenso werden sie auch im Bereich der Epilepsie angewandt und da Benzodiazepine auch als Ersatz für Alkohol dienen können, werden sie auch, vorwiegen in den USA, für den Alkoholentzug und der langfristigen Therapie in der Alkohoabhängigkeit benutzt. (Julien 1997).

3.1.2.2 Toleranz und Abhängigkeit

Unterschiede in der Wirkungsweise der verschiedenen Benzodiazepine liegen zum Hauptteil in der Dauer der Wirkung, wobei hier wieder beachtet werden muss, dass kurzfristig wirksame Benzodiazepine ein höheres Abhängigkeitspotenzial in sich besitzen als langfristig wirksame (Gastpar/Mann/Rommelspacher, Hg 1999) .

Benzodiazepinen mit einer raschen Anflutung und einer hohen Potenz wird ein relativ höheres Abhängigkeitspotenzial zugeschrieben. Zusätzliche Risikofaktoren wie hohe Dosis, längerer Einnahmezeitraum und auch bereits vorstehende affektive Störungen wie Angst, Depression, ebenso wie chronisch körperliche Krankheiten.

Niedrigdosisabhängigkeit findet sich häufig bei Insomniepatienten (Schlafstörungen). Sie ist Folge der z. T. relativ langen Halbwertszeiten der meisten Benzodiazepine wie beispielsweise: Diazepam (Valium) mit 20-50 Stunden oder Librium mit 20-24 Stunden. Lexotanil 18-19 Stunden (Mutschler, 2001) .

Hochdosisabhängigkeit wird dagegen häufig als sekundäres Phänomen bei Alkohol- und Drogenabhängigkeit beschrieben (Gastpar/Mann/Rommelspacher, Hg 1999).

Selbst in einer therapeutischen Dosierung, dann die tägliche Einnahme von Benzodiazepinen, über einen längeren Zeitraum zu einer Abstinenz oder einem Entzugssyndrom führen, sobald die Substanz wieder abgesetzt wird. Meist treten in diesem Fall die Symptome wieder auf, gegen die das Medikament ursprünglich eingesetzt wurde, mitunter in einer noch intensiveren Ausprägung. Dies können beispielsweise sein, Schlaflosigkeit, Unruhe, Erregung, Reizbarkeit, Muskelspannung etc.. In seltenen Fällen kann es zu Halluzinationen, Psychosen und Krampfanfällen kommen. Je nach Halbwertzeit bilden sich die meisten der Symptome nach 1-4 Wochen zurück (Julien 1997).

3.1.2.3 Nichtmedizinischer Gebrauch/Missbrauch

Die Übergänge zwischen angemessenem Gebrauch einerseits und Missbrauch wie Abhängigkeit sind oftmals fliessend. Allerdings werden Benzodiazepine nur selten primär missbraucht. Dass sie also ausschliesslich wegen ihrer berauschenden Wirkung konsumiert werden, ist eher der Ausnahmefall, da die meisten Menschen, ohne entsprechende Angst- oder Panikstörung, die Wirkungen der Benzodiazepine nicht mögen. Menschen, die andere sedierende Stoffe missbrauchen, wie Alkoholiker, empfinden die Wirkung der Benzodiazepine mitunter als erstrebenswert, benutzen sie jedoch nur in seltenen Fällen als primäres Rauschmittel (Julien 1997).Der eindeutige Missbrauch eines Benzodiazepins als einzige Substanz ist also eher selten. Typischer ist der Missbrauch in Verbindung mit einer oder mehreren anderen Abhängigkeiten. Eher verhält es sich so, dass Menschen, die viele Substanz missbrauchen, auch häufig Benzodiazepine konsumieren um erstrebenswerte Wirkungen zu erhalten oder den euphorisierenden Effekt anderer Rauschmittel zu verstärken. (Havemann, Weyerer, Fleischmann 1998).

3.2 Opioide.

Opioide sind Stoffe mit morphinähnlicher Wirkung (Methadon, Fentanyl).

Sie verfügen über ein hohes Suchtpotenzial und führen über ausgeprägte euphorisierende Effekte zu starker psych. Abhängigkeit gefolgt von einer körperlichen Abhängigkeitsentwicklung. Opiodhaltige Medikamente finden sich insbesondere unter den Schmerzmitteln und unter den Hustenmitteln (vgl. Elsesser/Sartory 2001). Die relevantesten Opioidsubstanzen sind Morphin, Heroin, Methadon, Codein, Fortral, Dolantin, Fentanyl etc..

3.3 Stimulantien

Hierzu zählen die Amphetamin- und Ephedrinderivate sowie Koffein.

Diese Psychostimulanzien vermitteln euphorische Effekte, wirken antriebssteigernd, sexuell stimulierend, verringern das Schlafbedürfnis und hemmen Hungergefühle sowie Appetit. Lässt die Wirkung nach, können konträre Effekte wie Heisshunger, Müdigkeit und depressive Stimmungen auftreten. Diese Nachwirkungen sowie die Entwicklung von Toleranz bezüglich der euphorisierenden und appetitzügelnden Wirkung tragen zum Abhängigkeitspontenzial von diesen Stoffen mit bei.

3.4 Halluzinogene

In diese Gruppe werden vor allem LSD (Lysergsäurediäthalamid), Meskalin, Psilocybin, Bufotonin, Inhaltsstoffe der Nachtschattengewächse sowie das Nervengift Atropin, diverse Atropinderivate und synthetische Anticholinergika. Synthetische Halluzinogene sind: DMT, DET, DOM und TMA. Aufgrund der euphorisierenden und antriebssteigernden Wirkung werden diese Substanzen gelegentlich missbräuchlich konsumiert, mit dem eigentlichen Hintergrundgedanken einer halluzinogen induzierten Wirklichkeitsflucht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Abhängigkeit und Missbrauch psychotroper Medikamente im Hinblick auf Sedativa/Hypnotika unter besonderer Berücksichtigung der Familie der Benzodiazepine
Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau  (Institut für christliches Sozialwesen)
Veranstaltung
Spezielle Sozialmedizin
Note
1,9
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V24539
ISBN (eBook)
9783638273909
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Abhängigkeit, Missbrauch, Medikamente, Hinblick, Sedativa/Hypnotika, Berücksichtigung, Familie, Benzodiazepine, Spezielle, Sozialmedizin
Arbeit zitieren
Christian Riemarzik (Autor), 2003, Abhängigkeit und Missbrauch psychotroper Medikamente im Hinblick auf Sedativa/Hypnotika unter besonderer Berücksichtigung der Familie der Benzodiazepine, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24539

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Abhängigkeit und Missbrauch psychotroper Medikamente im Hinblick auf Sedativa/Hypnotika unter besonderer Berücksichtigung der Familie der Benzodiazepine


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden