Massenmedien - Medienwirkung - Medienrezeption - Kritische Erfolgsanalyse des TV-Formats "Deutschland sucht den Superstar"


Hausarbeit, 2003

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Castingshows in Deutschland
2.1 Big Brother
2.2 Popstars
2.3 Weitere Sendungen

3. Das Konzept zu „Deutschland sucht den Superstar“
3.1 Casting
3.2 Jury
3.3 Finalrunde
3.4 Vermarktung
3.4.1 Medien und PR
3.5 Bertelsmann
3.6 Zielgruppe

4. Schlußbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Was macht den medialen und kommerziellen Erfolg des TV-Formats „Deutschland sucht den Superstar“ aus? Dieser Frage werde ich im Folgenden aus kommunikationswissenschaftlicher Sichtweise nachgehen.

„Kommunikationswissenschaft, die sich mit Fernsehunterhaltung beschäftigt, [...] informiert über psychische, soziologische und sozialpsychische Aspekte von Unterhaltung (vgl. Dehm 1984a: 32-34) und zugrundeliegende Bedürfnisse; sie ermittelt Daten zur qualitativen und quantitativen Nutzung intendierter und nicht-intendierter Fernsehunterhaltung (Wirkungsforschung, Uses-and-Gratification-Approach) etc. Folglich kann sie Anlaß geben zu organisatorischen Veränderungen, sie kann die theoretische Basis von Konzepten bieten, die neue Zielgruppen ansprechen, sie kann Wissen bereitstellen, aus dem jeder Unterhaltungsjournalist Ideen und Anregungen schöpfen kann, sie kann Alternativen zu herkömmlichen Programminhalten anbieten.“ (Dröge 2001: 101-102)

Der wohl wichtigste Punkt für die Entwicklung neuer Fernsehkonzepte ist der Faktor Wirtschaftlichkeit, der mit dem Faktor Einschaltquote gleichzusetzen ist, denn die Quote bestimmt den Preis für Werbezeiten.

Die Weltwirtschaft befindet sich zur Zeit jedoch in einer konjunkturellen Krise. Drohende Kriege, Terrorismus, Steuererhöhungen, Einführung der neuen Währung „Euro“ verunsichern und lähmen die Konsumenten zunehmend. Hinzu kommt, daß es die Bundesrepublik Deutschland bis heute nicht geschafft hat, die Kosten des Aufbaus Ostdeutschlands nach dem Fall der Mauer 1989 zu kompensieren. Unternehmen, die in den letzten Jahren noch in Werbung investiert haben, befinden sich nun selber in der Krise. In der Regel werden in solchen Fällen zuerst die Werbeetats gekürzt.

Besonders betroffen von dieser Situation sind die Wirtschaftszweige, die sich durch Werbung finanzieren, was sich an der stark angestiegenen Zahl von Entlassungen in diesem Sektor erkennen läßt. Das ist u.a. das private Fernsehen.

Da, bezogen auf Deutschland, weder Wirtschaftsexperten noch die Bundesregierung für die nächsten Jahre einen wesentlichen Aufschwung prognostizieren, müssen von werbeeinnahmenabhängigen Unternehmen neue Wege zur Finanzierung gefunden werden. Dabei kommt dem System Fernsehunterhaltung als Subsystem des Rundfunks in Verbindung mit der Theorie des Uses-and-Gratification-Approach eine wichtige Rolle zu (vgl. Dröge 2001: 97, 98).

Das Konzept der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ des britischen Musikmanagers Simon Fuller, das in England unter dem Namen „Pop Idol“ erfolgreich lief, ist ein Beispiel dafür. Es ist mittlerweile ein weltweiter Erfolg. In Deutschland ist der Multimedienkonzern Bertelsmann für den Vertrieb des Produktes verantwortlich. Die TV-Produktionsfirma FremantleMedia - ein Bertelsmanntochterunternehmen - bereitete das Konzept für das Fernsehen auf, welches die TV-Sender RTL und Vox senden - auch diese beiden gehören zum Medienkonzern. Für RTL zählt die Show mit zuletzt fast 13 Millionen Zuschauern zu den größten Erfolgen des Senders. So wurden die Kosten für Werbespots auf bis zu 64.500 Euro für 30 Sekunden angehoben. Pro Sendung gingen zuletzt zudem weit mehr als eine Million Anrufe zu jeweils 49 Cent ein. Hinzu kommt der Internetauftritt und eine Fanzeitschrift.

Ein wichtiger Punkt für den Erfolg deutet sich hier schon an, die Hybridisierung von Medien.

Der Zuständige für den europäischen Raum der Bertelsmann Music Group (BMG), Thomas Stein, sitzt in der Jury und kann auf diesem Weg entscheidenden Einfluß auf den Ausgang des Wettbewerbs nehmen. Die CD "We have a dream" der "Superstars United" stieg auf Platz eins der deutschen Singlecharts und erschien ebenso bei der BMG wie die CDs der Favoriten und des künftigen Siegers. (vgl: links)

Ein weiterer wichtiger Punkt für Erfolg ist die Monopolisierung von Mediengewalt auf multimedialer Ebene. Verlage kaufen Verlage, Fernsehsender kaufen Fernsehsender, Fernsehsender kaufen Verlage und umgekehrt. Gleichzeitig ist dies ein Widerspruch zur idealtypisch demokratisierenden Kontrollfunktion von Medienvielfalt. Eine derartige sowohl ökonomische als auch publizistische Konzentration stellt eine Gefährdung der Pressefreiheit dar (vgl. Röper 1994: 537). Medien müssen sich reflexiv beobachten und kritisieren können, was bei einer zunehmenden Monopolisierung nicht mehr gegeben ist.

Wie in dem Zitat (s.o.) erwähnt, kann Wissenschaft die theoretische Basis für Fernseh-Konzepte bieten. Welchen Mitteln sich in diesem Fall bedient wird, soll die Kernfrage dieser Arbeit sein.

2. Geschichte von Castingshows in Deutschland

Cas|ting [engl.] n. Gen.–s Pl. –s Auswahl der Schauspieler für ein Filmprojekt bzw. eine einzelne Rolle, Rollenbesetzung). (vgl: Links).

Mit dem Wegfallen von Werbeeinnahmen der privaten Fernsehsender wird nun versucht, den Zuschauer in Sendungen einzubinden. Ihm wird die Möglichkeit gegeben, das Geschehen auf dem Bildschirm aktiv zu beeinflussen. Der buchstäbliche Preis der aktiven Teilnahme bei den meisten Sendungen dieses Formats ist, daß der Zuschauer dies über gebührenpflichtige Telefonhotlines machen kann, was zusätzliche Einnahmen für die Sender bedeutet. Auf dieser Grundlage haben sich diverse TV-Formate entwickelt.

2.1 Big Brother

Das erste Format dieser Art, in der sich der Fernsehzuschauer aktiv an der Selektion der Protagonisten beteiligen konnte, hieß „Big Brother“. Das umstrittene Konzept des Holländers John de Mol wurde auf dem privaten Fernsehsender RTL II ab dem 28.02.2000 ausgestrahlt. Es sorgte für großes mediales und sogar politisches Interesse. Nach einem internen Auswahlverfahren wurden zehn Teilnehmer gemischten Geschlechts in einem 153 Quadratmeter großen Wohncontainer für 100 Tage eingeschlossen, wobei sie 24 Stunden von 25 Kameras sowohl im Fernsehen als auch im Internet beobachtet werden konnten. Die Zuschauer konnten wöchentlich per gebührenpflichtiger Telefonwahl entscheiden, wer im Haus bleiben durfte. Jeder Abschied eines Containermitglieds ist zumeist mit starken Emotionen der Gruppe verbunden. Anfang Juni stand der Sieger der ersten Staffel fest. Er erhielt 250.000 DM. Es folgten zwei weitere Staffeln nach dem selben Prinzip. (vgl: links)

2.2 Popstars

Im Frühsommer 2000 rief ebenfalls RTL II junge Frauen zum Casting auf, um eine Mädchenband, oder neudeutsch eine Girl-Group, zu produzieren. Es sangen und tanzten knapp 5.000 junge Frauen über 18 Jahren vor einer dreiköpfigen Jury. Ab November 2000 strahlte der Sender einmal pro Woche in der ersten Staffel seiner Sendung "Popstars" einen Überblick über den Verlauf des Castings aus. Millionen Fernsehzuschauer verfolgten interessiert, wie die Mädchenband "No Angels", zusammengestellt wurde. An der Namensfindung für die Band wurden die Zuschauer zur aktiven Teilnahme per gebührenpflichtiger Telefonwahl aufgerufen.

Die zweite Staffel des Formats „Popstars“ startet Mitte 2001, mit dem Unterschied, daß der Fernsehzuschauer von Beginn an in ausgewählten Ausschnitten die Auslese der 11.000 weiblichen und männlichen Protagonisten verfolgen konnte. Die engere Auswahl fand in einer Art Trainingscamp auf Ibiza statt. Auch hier war jeder Abschied mit starken Emotionen verbunden, der vom Sender bewußt in Szene gesetzt wurde. Im November 2001 waren, ausgewählt von der Jury, vier junge Männer und zwei junge Frauen übriggeblieben, die sich unter dem Namen „Bro´sis (Brothers and Sisters) zusammenfanden. Der Name wurde diesmal nicht von den Zuschauern entschieden. Er wurde bewußt gewählt, um sich von der reinen Mädchenband "No Angels" abzusetzen. (vgl: links)

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Massenmedien - Medienwirkung - Medienrezeption - Kritische Erfolgsanalyse des TV-Formats "Deutschland sucht den Superstar"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V24568
ISBN (eBook)
9783638274142
ISBN (Buch)
9783638788953
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text.
Schlagworte
Massenmedien, Medienwirkung, Medienrezeption, Kritische, Erfolgsanalyse, TV-Formats, Deutschland, Superstar
Arbeit zitieren
Jens Hedenkamp (Autor), 2003, Massenmedien - Medienwirkung - Medienrezeption - Kritische Erfolgsanalyse des TV-Formats "Deutschland sucht den Superstar", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24568

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