Während der eine ein bestimmtes Kunstwerk, ein Haus, ein Lied, eine Blume schön findet, findet der andere es hässlich. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Doch was ist eigentlich „Geschmack“? Und was ist überhaupt „schön“?
Bereits seit der Antike stellen sich Kunstkritiker und Philosophen immer wieder dieselbe Frage: „Was ist schön?“ So hat das Schöne für Platon seinen Ursprung im Reich der Ideen und offenbart sich zwar in den schönen Erscheinungen, bleibt selbst aber übersinnlich. Im Mittelalter wird das Schöne von Gott abgeleitet, denn Gott als Schöpfer der Welt ist gut und schön und alle Schönheit dieser Welt ist nur ein Abglanz seiner wahren und vollkommenen Schönheit. Auch in der Renaissance glaubte man, Schönheit käme durch Gott in die von ihm geschaffene Welt, wobei dem Auge und dem Sehen eine besondere Rolle zukommt, denn mit dem Auge kann man die Schönheit sehen, wahrnehmen und genießen und es wird bei Leonardo sogar zum „Fenster der Seele“. Mit der kopernikanischen Wende und dem Beginn der modernen Ästhetik ändert sich dann die Schönheitsauffassung. Das Schöne ist nun die Erfahrung der Übereinstimmung mit sich und der Welt - das Gefühl der Lust. Die kopernikanische Wende ist nichts anderes als ein Perspektivwechsel hin zum Subjekt und hin zu den Erkenntniskräften, die eingeleitet wurde durch Immanuel Kant. Denn auch Kant beschäftigte die Frage nach dem Schönen und er widmet ihr in seinem Werk „Die Kritik der Urteilskraft“ ein eigenes Kapitel unter der Überschrift „Analytik des Schönen“. In diesem Abschnitt entwickelt er stufenweise den Begriff des Schönen, indem er das Geschmacksurteil nach vier Kriterien analysiert.
Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, sich mit Kants Analyse des Geschmacksurteils auseinanderzusetzen und seinen Begriff des Schönen herauszuarbeiten, wobei ich mich eng an die Gliederung des Textes und den Text selbst halten werde, um Kants Sichtweise so unverfälscht wie möglich wiederzugeben.
Ich werde zunächst kurz auf die Biographie Kants eingehen, um dann anschließend zu seiner „Analytik des Schönen“ zu kommen, die ich schrittweise analysieren und erläutern werde, um Kants Begriff des Schönen zu erarbeiten und in einer Zusammenfassung auf den Punkt zu bringen, die gleichzeitig der Abschluss meiner Arbeit sein wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie
3. Die Analytik des Schönen in Kants "Kritik der Urteilskraft"
3.1 Die Qualität des Geschmacksurteils
3.2 Die Quantität des Geschmacksurteils
3.3 Untersuchung nach der Relation der Zwecke
3.4 Zur Modalität des Wohlgefallens an dem Gegenstand
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist es, Immanuel Kants Analyse des Geschmacksurteils innerhalb der „Kritik der Urteilskraft“ zu untersuchen, um sein Verständnis des Schönen durch eine schrittweise Analyse der vier Kriterien Qualität, Quantität, Relation und Modalität systematisch herauszuarbeiten.
- Kants kopernikanische Wende und ihre Bedeutung für die Ästhetik
- Differenzierung zwischen dem Schönen, dem Angenehmen und dem Guten
- Analyse des Geschmacksurteils als interesseloses Wohlgefallen
- Untersuchung der subjektiven Allgemeinheit und Zweckmäßigkeit
- Die Rolle des Gemeinsinns bei der ästhetischen Urteilsbildung
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Qualität des Geschmacksurteils
Um zu beurteilen, ob etwas schön sei oder nicht, muss zunächst herausgefunden werden, welcher Art das Wohlgefallen am Objekt ist, das heißt, es muss die Qualität des Geschmacksurteils analysiert werden. Dieser Aufgabe widmet sich Kant in den Paragraphen 1 bis 5 in seiner „Analytik des Schönen“.
Vorab stellt er die These auf „das Geschmacksurteil ist ästhetisch“ (Kant: Kritik der Urteilskraft, S.67). Was aber heißt das? So wie man umgangssprachlich das Wort „ästhetisch“ mit „schön“ gleichsetzt, ergibt die Aussage „das Geschmacksurteil „x ist schön“ ist ästhetisch“ keinen Sinn. Kant aber versteht ästhetisch nicht als gleichbedeutend mit schön und er beschreibt auch, wie man die Frage, ob etwas schön sei oder nicht, überprüfen kann: „Um zu unterscheiden, ob etwas schön sei oder nicht, beziehen wir die Vorstellung nicht durch den Verstand auf das Objekt zum Erkenntnisse, sondern durch die Einbildungskraft (vielleicht mit dem Verstande verbunden) auf das Subjekt und das Gefühl der Lust und Unlust desselben.“ (Kant: Kritik der Urteilskraft, S.67). Um also Schönheit beurteilen zu können, soll man nicht vom Objekt bzw. Gegenstand ausgehen und es in seiner Form oder seiner Beschaffenheit beschreiben, sondern ganz allein von seinen Empfindungen, von seinem Gefühl der Lust oder Unlust, die man in Bezug auf das Objekt empfindet. Ersteres wäre nach Kant ein „logisches Urteil“ - ein Erkenntnisurteil. Für die Beurteilung der Schönheit kommt demnach nur noch das „ästhetische Urteil“ in Frage, weshalb man auch sagen kann: „x ist schön“ ist ästhetisch. Weiterhin bedeutet dies, dass das Urteil „schön“ keine Beschreibung der Eigenschaften eines Gegenstandes ist, sondern sich auf den Gefühlszustand des Subjekts in Bezug auf das Objekt bezieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die philosophische Fragestellung nach dem Wesen des Schönen ein und skizziert das Ziel der Arbeit, Kants Analytik des Geschmacksurteils zu erläutern.
2. Biographie: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Lebensweg Immanuel Kants und seinen Werdegang als bedeutender Philosoph des kritischen Idealismus.
3. Die Analytik des Schönen in Kants "Kritik der Urteilskraft": Dieser Hauptteil analysiert die vier Kriterien des Geschmacksurteils (Qualität, Quantität, Relation und Modalität) detailliert.
3.1 Die Qualität des Geschmacksurteils: Untersuchung der Art des Wohlgefallens, wobei das Schöne als interesseloses Wohlgefallen von Angenehmem und Gutem abgegrenzt wird.
3.2 Die Quantität des Geschmacksurteils: Analyse der subjektiven Allgemeinheit, nach der ein schönes Objekt ohne Begriffsbindung allgemeines Wohlgefallen hervorruft.
3.3 Untersuchung nach der Relation der Zwecke: Erörterung der formalen Zweckmäßigkeit, wobei Kants Unterscheidung von freier und anhängender Schönheit im Fokus steht.
3.4 Zur Modalität des Wohlgefallens an dem Gegenstand: Betrachtung der notwendigen Gültigkeit des Geschmacksurteils unter der Annahme eines Gemeinsinns.
4. Zusammenfassung: Abschließende Synthese der vier Momente des Schönheitsbegriffs und deren Bedeutung für die heutige Ästhetik.
Schlüsselwörter
Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, Analytik des Schönen, Geschmacksurteil, Ästhetik, interesseloses Wohlgefallen, subjektive Allgemeinheit, Zweckmäßigkeit, Gemeinsinn, Gefühlszustand, Lust und Unlust, freie Schönheit, anhängende Schönheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der ästhetischen Philosophie Immanuel Kants, insbesondere mit seinem Werk „Kritik der Urteilskraft“, und erläutert sein Verständnis von Schönheit.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentrale Themen sind die Natur des Geschmacksurteils, die Unterscheidung zwischen Schönem, Angenehmem und Gutem sowie die Frage nach der Allgemeingültigkeit ästhetischer Urteile.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Begriff des Schönen bei Kant durch eine schrittweise Untersuchung seiner vier formalen Kriterien (Qualität, Quantität, Relation, Modalität) präzise herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Verfasserin?
Die Arbeit folgt einer strukturierten Textanalyse und Exegese, indem sie sich eng an der Gliederung und den zentralen Begriffsbestimmungen von Kants „Analytik des Schönen“ orientiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die vier Momente des Geschmacksurteils nacheinander analysiert: das interesselose Wohlgefallen, die subjektive Allgemeinheit, die Zweckmäßigkeit ohne Zweck und die notwendige Gültigkeit des Geschmacksurteils.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem das Geschmacksurteil, die Analytik des Schönen, das interesselose Wohlgefallen, der Gemeinsinn sowie die subjektive Allgemeinheit.
Wie unterscheidet Kant zwischen dem Schönen und dem Angenehmen?
Für Kant ist das Wohlgefallen am Schönen interesselos, während das Wohlgefallen am Angenehmen mit einem Interesse der Sinne und der Begierde am Objekt verbunden ist.
Warum spielt der „Gemeinsinn“ eine wichtige Rolle in Kants Argumentation?
Der Gemeinsinn dient bei Kant als subjektives Prinzip, das erklärt, warum wir bei einem Geschmacksurteil davon ausgehen können, dass unser ästhetisches Empfinden für alle Menschen allgemeingültig sein sollte.
- Quote paper
- Maja Roseck (Author), 2004, Immanuel Kants Analytik des Schönen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24577