Einleitung
Johannes Mario Simmel, erfolgreicher Bestsellerautor, schrieb den Roman „Es muß nicht immer Kaviar sein” nach einem Tatsachenbericht des Mannes, der in dem Werk später die Figur des Helden verkörpern sollte und dem Leser als Thomas Lieven vorgestellt wird.
Thomas Lieven hat ein große Leidenschaft - das Kochen und damit zusammenhängend natürlich auch das Essen. Trotzdem er zu den großen Feinschmeckern zählt, die einen Truthahn mit Trüffeln zubereiten, ist er auch in der Lage aus einfachen Zutaten ein deliziöses Mahl zuzubereiten.
Von der deutschen Reichsabwehr gezwungen in ebenjenen Geheimdienst einzutreten, beginnt das Abenteuer, das Thomas Lieven zu einem Dreifachagenten werden läßt, der notgedrungen auch noch für den englischen Secret Service und das französische Deuxièm Bureau arbeiten muß ohne, daß der jeweils andere Geheimdienst davon erfährt.
Als strenger Pazifist wird er nun in viele grotesk anmutende Abenteuer verwickelt, bei denen er sich bemüht, seinen pazifistischen Grundsätzen treu zu bleiben, und weder zum Tod seiner eigenen Landsleute noch eines Engländers oder Franzosen durch eine der anderen Geheimorganisationen beizutragen. Im Grunde wird Thomas Lieven zu einem gerissenen Einzelgänger, der mit allen gegen alle arbeitet.
Nie ist eine noch so aussichtslose und unangenehme Lage so aussichtslos und unangenehm, daß der Held nicht souverän über den Dingen stehen würde. Immer wieder und von Mal zu Mal zynischer stellt sich der Held die zum zynischen Running Gag werdende Frage, was die Freunde in seinem Club wohl dazu sagen würden, wenn er ihnen das erzählte.
Wir haben es hier also keinesfalls mit einem von Rousseau verächtlich als „in seiner beschränkten Unfähigkeit nur an einem Tisch Platz findenden Gourmet zu tun, dessen Urteil über die Schüsseln nicht hinaus geht”.
Zum Abenteuer in diesem Roman gehören aber noch andere Elemente wie ein ausgedehntes Panorama, das durch ganz Europa bis hin nach Amerika führt und die Liebe. Doch in dieser Hausarbeit soll dem Essen und Kochen im Roman das Hauptaugenmerk gelten.
Inhaltsverzeichnis
II. Einleitung
III. Abenteuer und Authentizität
IV. Kochen und Essen
1. Das Kochen
2. Die Rezepte
3. Eßkultur
4. Das Essen
V. Conclusion
VI. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Kochens und Essens im Roman „Es muß nicht immer Kaviar sein“ von Johannes Mario Simmel und analysiert, wie diese Tätigkeiten als Instrumente der Lebensbewältigung, Identitätsstiftung und zwischenmenschlichen Manipulation in das gefährliche Agentenleben des Protagonisten eingebettet sind.
- Die literarische Konstruktion von Abenteuer und Authentizität im Werk.
- Kochen als psychologischer Ausgleich und Mittel zur Wutbewältigung.
- Die soziologische Dimension der Eßkultur als ästhetische Inszenierung.
- Essen als strategisches Instrument in der Geheimdienstarbeit und Informationsbeschaffung.
- Die Bedeutung von Kochrezepten als realistische Verankerung der Romanhandlung.
Auszug aus dem Buch
Die strategische Funktion der Kulinarik
Im Folgenden soll nun eine Szene des Buches analysiert werden, in der Thomas Lieven während eines Mahls den ehemaligen Buchhalter Neuner ausfragt, und mit Hilfe dieser Informationen die Schiebergeschäfte des Oskar Lakuleit aufdeckt. Sofort zu Beginn des Essens, nach dem Dank des Buchhalters, leitet Lieven auf das Essen über. Der Leser erfährt die Vorgeschichte dieses Dinés: Thomas Lieven hat von dem Rauswurf des Buchhalters erfahren und ihm eine neue Arbeitsstelle besorgt.
Ein eingeflochtenes Kompliment („tüchtiger Mann”) enthält zwar keine Frage, dennoch bekommt Lieven die Antwort, auf die er hinaus will, mit der Andeutung von Geheimniskrämerei. Diese Antwort ist voll und ganz Wichtigtuerei eines Geschmeichelten zu nennen. Trotzdem hält sich Neuner für Loyal und will nichts verplaudern. Also muß Thomas Lieven ihn austricksen. Das ist auf Grund der losen Zunge des Buchhalters auch möglich.
Seine Magengeschwüre erfordern leichtes Diätessen. Lieven ist natürlich gut vorbereitet und hat sich darauf eingestellt. Deswegen ist ihm auch die Dankbarkeit Neuners gewiß. Unauffällig leitet der „Geheimagent wider Willen” vom Essen zu den Geschäften Lakuleits durch die metaphorische Nutzung des Wortes „überfressen” über. Neuner geht sofort darauf ein, verplappert sich mit den „Autos” und hält, da er es bemerkt, erschrocken mit dem Sprechen inne.
Zusammenfassung der Kapitel
II. Einleitung: Einführung in den Roman und die Figur Thomas Lieven, der als attraktiver Bankier und ungewollter Geheimagent ein Leben zwischen Abenteuer und pazifistischen Grundsätzen führt.
III. Abenteuer und Authentizität: Untersuchung der Mittel, mit denen Simmel durch pseudodokumentarische Quellen und Zeitbezüge die Glaubwürdigkeit der Romanhandlung erhöht.
IV. Kochen und Essen: Analyse des Kochens als Hobby, Mittel zur Aggressionsbewältigung, soziologischem Ausdruck von Eßkultur sowie als strategisches Werkzeug zur Manipulation während Mahlzeiten.
V. Conclusion: Zusammenfassende Betrachtung der kulinarischen Rituale als Quelle für Stabilität, Lebensfreude und als Mittel zum Überleben in einer gefährlichen Welt.
VI. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Analyse des Romans.
Schlüsselwörter
Johannes Mario Simmel, Es muß nicht immer Kaviar sein, Thomas Lieven, Kulinarik, Eßkultur, Agentenroman, Authentizität, Manipulation, Lebensbewältigung, Kochen, Literaturanalyse, Geheimdienst, Tischsitten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der Themen Kochen und Essen im Bestseller „Es muß nicht immer Kaviar sein“ von Johannes Mario Simmel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die literarische Gestaltung von Abenteuern, die soziologische Rolle des Essens, sowie die Nutzung kulinarischer Handlungen als Mittel der Manipulation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Thomas Lieven durch seine Kochkünste und Tischmanieren sowohl persönliche Stabilität gewinnt als auch komplexe berufliche Ziele als Geheimagent erreicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans durchgeführt, die Szenenbilder und inhaltliche Motive interpretierend untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Kochen, Rezepte, Eßkultur und die spezifische Bedeutung der Mahlzeiten für das Handeln des Helden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kulinarik, Agentenleben, Manipulation, Identität und ästhetische Lebensführung.
Wie nutzt Thomas Lieven das Kochen zur Informationsbeschaffung?
Lieven nutzt das entspannte Ambiente gemeinsamer Mahlzeiten, um Gesprächspartner in Sicherheit zu wiegen und sie geschickt zu Aussagen zu bewegen, die sie sonst nicht machen würden.
Welche Rolle spielt die „Überraschungspastete“ im Roman?
Die Pastete ist ein exzellentes Beispiel für Lievens Geschick; sie dient ihm als ästhetisches und kulinarisches Druckmittel, um sich Respekt bei einer Räuberbande zu verschaffen und sein Leben zu retten.
- Quote paper
- Corinna Hein (Author), 1999, Essen und Kochen in Johannes Mario Simmels Bestseller "Es muß nicht immer Kaviar sein", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24627