Darstellung des Charakters von Alceste und seines Konflikts mit der Gesellschaft in Molières 'Le Misanthrope'


Hausarbeit, 2003

20 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Zusammenfassung des Inhalts
2.2 Charakterisierung von Alceste
2.3 Alcestes Konflikt mit der Gesellschaft
2.3.1 Der Konflikt zwischen Alceste und Philinte
2.3.2 Der Konflikt zwischen Alceste und Célimène

3. Schlussbemerkungen

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei dem Stück „Le Misanthrope“ von Molière handelt es sich um eine Komödie in fünf Akten. Die Uraufführung fand am 4.6.1666 in Paris im Palais-Royal statt. „Le Misanthrope stellt in Molières Schaffensperiode einen großen Einschnitt dar, weil die Art der Konflikte, zwischen der Hauptfigur Alceste und anderen Personen, eine ganz eigene Qualität besitzen. Hier gibt es keinen Charakter mehr, deren fehlerhaftes Verhalten von seiner Umwelt in die richtige Richtung gelenkt wird, d.h. in die Richtung, die den Verhaltensnormen entspricht. Denn Alcestes Hass richtet sich gegen eben diese Konventionen, und niemand schafft es, ihn dazu zu bringen, diese anzuerkennen.

Leider war es so, dass die großen Hoffnungen, die der Autor in sein Werk setzte, enttäuscht wurden, denn das damalige Publikum konnte seinem Werk nichts abgewinnen. Zu der anfänglichen Ablehnung und der späteren Wertschätzung des Stückes hat wohl entscheidend die Tatsache beigetragen, dass Molière bei diesem Stück nicht überliefertes Stoffgut einfach umgewandelt hat, sondern, dass eine tragische Komödie aus einem Minimum an Handlung entstand.

Im Hauptteil werde ich zunächst kurz den Inhalt zusammenfassen, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich einen Überblick über das Geschehen zu verschaffen, bevor ich weiter ins Detail gehe. Anschließend gebe ich dann eine Darstellung des Charakters von Alceste, um dann zum Gesellschaftskonflikt Alcestes überzugehen. Hierbei werde ich differenzieren zwischen seinem Konflikt mit Philinte und schließlich seinem Konflikt mit Celimène. In meinen Schlussbemerkungen werde ich dann meine wichtigsten Untersuchungsergebnisse zusammentragen und bewerten.

2. Hauptteil

2.1 Zusammenfassung des Inhalts

Wie ich bereits schon erwähnte, handelt es sich bei Molières Werk um eine Komödie in fünf Akten. Der Protagonist dieser Komödie ist Alceste, welcher unerbittlich und selbstquälerisch die Gesellschaft anklagt. Im ersten Akt, also in der Exposition, werden dem Leser der junge Adlige Alceste und sein Freund Philinte vorgestellt, welche sich mitten in einem heftigen Streitgespräch befinden. Alceste gibt seinen Menschenhass zu erkennen, indem er den Menschen ihre Schwächen, Fehler und Laster wie z.B. gekünsteltes Benehmen und den Hang zum Geschwätz vorwirft. Für ihn sind die weltlichen Umgangsformen und die Etikette nur Heuchelei. Der Hass, den er empfindet, richtet sich nicht nur gegen Einzelne, sondern gegen alle Menschen. Philinte dagegen begegnet den menschlichen Schwächen mit Toleranz, sieht alles gelassener und nimmt die Menschen so wie sie sind. In diesem Streitgespräch versucht er, Alceste, der sich in seinen Augen unnötig das Leben schwer macht, von seiner Meinung zu überzeugen, stößt aber auf taube Ohren. Auch, als Philinte auf den Prozess zu sprechen kommt, welcher gegen Alceste geführt wird und ihm rät, die Richter zu bestechen, um seiner Freisprechung beizuhelfen, will Alceste von alldem nichts wissen. Im Falle einer Verurteilung wäre dies der Beweis für Alceste für die Ungerechtigkeit der Gesellschaft. Die Exposition wird abgeschlossen, als Philinte das Gespräch auf Alcestes Liebesprobleme mit seiner Geliebten Celimène lenkt.

Schließlich tritt der Höfling Oronte auf, welcher Alceste seine Freundschaft anbietet und sich dabei ein lobendes Urteil über sein Sonett erhofft, das er verfasst hat. Alceste betrachtet dies als Herausforderung, nach der von ihm propagierten „sincerite“ zu urteilen, also offen und ehrlich gegenüber jedem zu sein und stellt ihm ein schlichtes Volkslied entgegen, welches seiner Meinung nach wahre Gefühle ausdrückt. Mit seiner überspitzten Kritik macht er sich Oronte zum Feind.

Im zweiten Akt tritt Celimène zum ersten Mal auf. Sie ist die Geliebte von Alceste und zugleich seine größte Schwachstelle. In der ersten Szene des zweiten Aktes beklagt sich Alceste bei Celimène über ihre zahlreichen Verehrer. Celimène gesteht Alceste daraufhin zwar ihre Liebe, ist aber nicht bereit, auf die Besuche ihrer Verehrer zu verzichten. In der zweiten Szene des zweiten Aktes versucht sie ihm zu erklären, dass man nicht tun und lassen kann, was man will, wenn man in die Gesellschaft integriert ist, sondern sich den gesellschaftlichen Umgangsformen unterwerfen muss. Alceste verlangt eine Entscheidung, aber ihr Gespräch wird durch den Auftritt der einflussreichen Marquis Acaste und Clitandre unterbrochen. Schließlich kommen noch Celimènes Cousine Eliante und Philinte hinzu. Die vierte Szene setzt sich hauptsächlich daraus zusammen, dass Celimène über Nichtanwesende wie z.B. Damon oder Geralde herzieht. In dieser Szene entfaltet sich Celimènes Charakter und die schlechten Eigenschaften, die Alceste anprangert. Alceste ist darüber empört, wird aber von Celimène auf seine Inkonsequenz aufmerksam gemacht. Darüber hinaus wirft sie ihm vor, nur aus Prinzip zu widersprechen und nicht aus Überzeugung. Alcestes Ärger wird gesteigert, als er bei einem Gespräch zwischen Clitandre und Celimène dabei ist.

In der ersten Szene des dritten Akts unterhalten sich Acaste und Clitandre darüber, wer von den beiden höher in der Gunst Celimènes steht. In der vierten Szene tritt Celimènes Freundin Arsinoe auf, heuchelt ihr Freundschaft vor und weist sie dann darauf hin, dass vor einigen Tagen in einem Salon schlecht über sie geredet wurde. Daraufhin erhebt Celimène Gegenvorwürfe und schlägt ein freies Wetteifern um Alceste vor, worauf Arsinoe Alceste ihre Liebe gesteht, wird allerdings zurückgewiesen. Aus Rache will Arsinoe nun Celimènes Untreue beweisen, was ihr auch mit einem Brief gelingt, welchen Celimène Oronte geschrieben hat. Nachdem Alceste diesen Brief gelesen hat, will er sich dadurch rächen, indem er sich um die Gunst Eliantes bemüht. In einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Alceste und Celimène kommt es schließlich zur Versöhnung: Alceste erklärt seine Liebe, macht Celimène aber gleichzeitig Vorwürfe und äußert den Wunsch, sie solle sich aus der höfischen Gesellschaft zurückziehen. Doch sie lehnt ab, und er beschließt gekränkt, die ihm verhasste Welt zu verlassen. Der Ausgang der Geschichte bleibt offen.

2.2 Charakterisierung von Alceste

Bei Alceste handelt es sich um einen jungen Pariser Adligen, der am Hofe Ludwig des XIV. lebt. Demnach ist sein Umfeld homogen und exklusiv, wenn man die Bediensteten außen vor lässt, da sie fast ausschließlich eine Botenfunktion haben. Alceste sind die am Hofe verbreiteten Umgangsformen, das Verstecken der eigenen Gefühle, Heuchelei, der Hang zum Lästern und das ständige Beobachten der Umgebung verhasst. Er rückt Werte wie Offenheit („franchise“) und Aufrichtigkeit („sincerite“) in den Vordergrund. Diese Werte verkörpern für ihn den „homme d`honneur“.

„Je veux qu’on soit sincère, et qu’en homme d’honneur,

On ne lâche aucun mot qui ne parte du cœur.“ (S.48, Z.35-36)

„Je veux que l’on soit homme, et qu’en toute rencontre le fond de notre cœur dans nos discours se montre que se soit lui qui parle, et que nos sentiments

Ne se masquent jamais sous de vains compliments.“ (S.50, Z.69-72)

Die Ursachen seines Menschenhasses liegen aber auch in der Resolution, mit der er versucht seine Forderungen an die Gesellschaft durchzusetzen und in der Tatsache, dass er sie aber in der Gesellschaft, so wie sie ist, nicht durchsetzen kann. Er scheitert ständig und begreift nicht, dass für ihn außerhalb der Gesellschaft kein Leben möglich ist. Durch die mangelnde Fähigkeit, seine Forderungen angemessen an die Gesellschaft anpassen zu können, würde ich Alceste Charaktereigenschaften wie weltfremd und realitätsfern zuschreiben. Sein Scheitern mit seinen Forderungen wird u.a. in der Lästerszene (2.Akt, 4.Szene) deutlich, als Alceste gegen Célimènes Geschwätz sein Wort erhebt und sich alle gegen ihn stellen. Er scheitert mit seinen Wertvorstellungen an der Gesellschaft, die ihn umgibt.

Clitandre: „Pourquoi s’en prendre à nous? Si ce qu’en dit vous blesse

Il faut que le reproche à Madame s’adresse.“

Alceste: „Non morbleu! c’est à vous; et vos ris complaisants…“ (S.96, Z.657-58)

Célimène: „Et ne faut-il pas bien que Monsieur contredise?“ (S.96, Z.659)

Clitandre: „Que j’ai cru jusqu’ici Madame sans défaut.“ (S.98, Z.696)

Acaste: „Mais les défauts qu’elle a ne frappent point ma vue.“ (S.98, Z.698)

Es ist aber nicht nur so, dass Alceste nur diejenigen Menschen verurteilt, die man als „schwarze Schafe“ bezeichnen würde, sein Hass richtet sich gegen alle Menschen.

„Non elle l’aversion est générale, et je hais tous les hommes.“ (S.53, Z.118)

So hasst er die einen, weil sie heimtückisch sind und die anderen, weil sie die Schandtaten anderer verschleiern und schönreden.

„…je hais tous les hommes:

Les uns parcequ’ils sont méchants et malfaisants,

Et les autres, pour être aux méchants complaisants,...“ (S.53, Z.118-120)

Alcestes Hass entspringt aber nicht einfach nur seinen Idealen. Er ist seine persönliche Schwäche und die Folge seines großen Geltungsbedürfnisses, was auch Célimène in der vierten Szene des 2. Aktes schon richtig erkennt.

„Le sentiment d’autrui n’est jamais pour lui plaire ;

Il prend toujours en main l’opinion contraire,

Et penserait paraître un homme du commun,

Si l’on voyait qu´il fût de l´avis de quelqu’un...“ (S.97, Z.673-676)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Darstellung des Charakters von Alceste und seines Konflikts mit der Gesellschaft in Molières 'Le Misanthrope'
Hochschule
Universität Hamburg  (Romanistik)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V24634
ISBN (eBook)
9783638274630
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Charakters, Alceste, Konflikts, Gesellschaft, Molières, Misanthrope
Arbeit zitieren
Annika Westphal (Autor), 2003, Darstellung des Charakters von Alceste und seines Konflikts mit der Gesellschaft in Molières 'Le Misanthrope', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24634

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