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Stellungnahmen zur Euthanasiedebatte: Peter Singer, Helga Kuhse und Christoph Anstötz

Title: Stellungnahmen zur Euthanasiedebatte: Peter Singer, Helga Kuhse und Christoph Anstötz

Presentation (Elaboration) , 2001 , 20 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Natascha Glisic (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

Einleitung

Peter Singer hat mit seiner Schrift “Praktische Ethik” und dem gemeinsam mit Helga Kuhse verfassten Buch “Should the baby live” heftige Diskussionen in Deutschland ausgelöst. Rainer Hegselmann und Reinhard Merkel fassen die Singersche Auffassung in drei Thesen zusammen:
• “1. Das Leben sei nicht heilig oder unantastbar. So sei z.B. unter bestimmten Umständen die Tötung eines schwerstbehinderten Säuglings erlaubt. Ebenso sei es unter bestimmten Umständen moralisch zulässig, eine Person auf deren Verlangen hin zu töten – z.B. dann, wenn sie im Endstadium einer Krebserkrankung einen solchen Wunsch äußere.
• 2. Die entscheidenden Gründe dafür, jemandem ein Lebensrecht zuzusprechen, seien abhängig zu machen von der Eigenschaft eine Person zu sein, nicht aber von der Zugehörigkeit zur Gattung Mensch. Es sei auch nicht jeder Angehörige der Gattung homo sapiens in jeder Phase seines Lebens eine Person.
• 3. Zwischen einem Leben, das es wert sei gelebt zu werden, und einem Leben, für das dies nicht gelte, könne unterschieden werden.” (Hegselmann/Merkel (Hrsg.): Zur Debatte über Euthanasie, Frankfurt 1992, S. 7)

Durch diese Auffassung Singers sahen sich vor allem Behinderte bedroht. Man wírft Singer vor mit seinen Ansichten Tabus anzusprechen (Unantastbarkeit des menschlichen Lebens, Unterscheidung zwischen Person und Nichtperson; Unterscheidung zwischen einem Leben, das wert ist, gelebt zu werden und einem Leben, für das dies nicht gelte), welche in Deutschland seit der sogenannten Euthanasie des Nationalsozialismus nicht mehr oder zumindest nicht öffentlich diskutiert werden. Dieses Aufeinanderprallen einer provokanten Ansicht und einer besonders empfindsamen Bevölkerung hat in Deutschland eine Debatte ausgelöst, welche von Anfang an durch ihre hohe Emotionalität geprägt worden ist.

Begonnen hatte die Singer-Debatte im Sommer 1989. Singer erhielt mehrere Einladungen in Europa, darunter auch eine von der „Lebenshilfe“, welche ein Symposium über „Biotechnologie, Ethik und geistige Behinderung“ geplant hatte. Aufgrund heftiger Proteste, vornehmlich von Behindertenorganisationen, fielen jedoch sämtliche Veranstaltungen mit Singer in Deutschland aus oder wurden aufgrund massiver Störungen abgebrochen

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. EUTHANASIE: KANN MAN VON LEBENSUNWERTEM LEBEN SPRECHEN?

2.1. HELGA KUHSE

2.1.1. HAT JEDES MENSCHLICHE LEBEN DEN GLEICHEN WERT?

2.1.2. (SCHEIN-) VITALISISMUS! UNTERSCHEIDEN SELBST DIE VERTRETER DES VITALISMUSPRINZIPS ZWISCHEN LEBENSWERTEN UND LEBENSUNWERTEN LEBEN?

2.1.3. „WORIN LIEGT DER WERT DES LEBENS?“

2.1.4. BESTEHT EIN MORALISCHER UNTERSCHIED ZWISCHEN PASSIVER UND AKTIVER STERBEHILFE?

2.2. PETER SINGER

2.2.1. KÖNNEN PARALLELEN GEZOGEN WERDEN ZWISCHEN SINGERS ANSICHTEN UND DER NAZI- PHILOSOPHIE?

2.2.2. DARF MAN VON LEBENSUNWERTEM LEBEN SPRECHEN?

2.2.3. PASSIVE UND AKTIVE EUTHANASIE

2.2.4. SINGER ZUM THEMA BEHINDERUNG

2.2.5. STUFT SINGER DEN MENSCHEN DURCH DEN VERGLEICH MIT TIEREN AB?

3. DARF ÜBER EUTHANASIE DISKUTIERT WERDEN UND DARF DIESE DISKUSSION ÖFFENTLICH GEFÜHRT WERDEN?

3.1. CHRISTOPH ANSTÖTZ

3.2. PETER SINGER

4. SCHLUSSBEMERKUNG

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Euthanasiedebatte auseinander, die durch die Schriften von Peter Singer ausgelöst wurde. Das primäre Ziel ist es, die zentralen ethischen Argumente von Helga Kuhse und Peter Singer zu beleuchten sowie die Art und Weise der öffentlichen Diskussion in Deutschland, insbesondere aus der Perspektive von Christoph Anstötz, zu hinterfragen.

  • Die moralische Bewertung von lebenswertem und lebensunwertem Leben.
  • Die Differenzierung zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe.
  • Die wissenschaftliche und ethische Auseinandersetzung mit der Position Peter Singers.
  • Die Dynamik öffentlicher Debatten und das Phänomen der Tabuisierung in der Sonderpädagogik.

Auszug aus dem Buch

2.1.1. Hat jedes menschliche Leben den gleichen Wert?

Den ersten Teil ihres Artikels, in dem es um die Beantwortung der Frage geht, ob jedes menschliche Leben lebenswert sei, leitet Helga Kuhse mit dem Fallbeispiel eines „4 Monate alten hirngeschädigten, blinden, tauben und spastischen Kind – ‚Baby C‘“ ein, dem 1989 „lebensverlängernde Mittel (Antibiotika und künstliche Ernährung) vorenthalten werden sollten, um es sterben zu lassen.“(ebda., S.51) Die richterliche Begründung habe sich auf frühere Urteile berufen und es sei vorauszusehen gewesen, dass das weitere Leben dieses Kindes so von Schmerz und Leid bestimmt wäre, dass die Beendigung des Lebens „im besten Interesse des Kindes“ sei.(ebda., S.51)

Ohne jedoch eine Wertung zu diesem Beispiel abzugeben spricht sie gleich darauf die Einladung Singers nach Deutschland und die dadurch ausgelöste Debatte an.

Der Aussage, „jede Bewertung menschlichen Lebens als ‚lebenswert‘ oder ‚lebensunwert‘ müsse prinzipiell zurückgewiesen werden“(ebda., S. 52), begegnet Kuhse mit einem weiteren Fall, der mehr als zwanzig Jahre zurückliegt. Es handelt sich um das Beispiel eines 68jährigen Arztes, dem der Wunsch nach passiver Sterbehilfe versagt wurde. Heute, so Kuhse, würden „selbst die strengsten Verneiner von Lebenswertkriterien (...) in der Regel zu(stimmen, N.G.), daß es ein Unrecht ist, das Leben von aufgeklärten und urteilsfähigen (...) Patienten gegen deren Willen zu verlängern.“(ebda., S.52)

Dies zeige, dass man solchen Patienten das moralische Recht zugestehe zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben zu unterscheiden, womit das Prinzip, es könne diesen Unterschied nicht geben, unterlaufen werde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Singer-Debatte, die Entstehung der Thesen zur Euthanasie und die Aufzeigung der emotional geladenen Reaktionen in Deutschland.

2. EUTHANASIE: KANN MAN VON LEBENSUNWERTEM LEBEN SPRECHEN?: Untersuchung der ethischen Argumente von Helga Kuhse und Peter Singer bezüglich der Unterscheidung von Leben nach verschiedenen Qualitätsmerkmalen.

3. DARF ÜBER EUTHANASIE DISKUTIERT WERDEN UND DARF DIESE DISKUSSION ÖFFENTLICH GEFÜHRT WERDEN?: Analyse der Rezeptionsgeschichte von Singers Position in der Sonderpädagogik sowie Singers eigene Verteidigung gegen öffentliche Vorwürfe.

4. SCHLUSSBEMERKUNG: Persönliche Reflexion der Autorin über ihre Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur und die Problematik unreflektierter Zitierweisen.

Schlüsselwörter

Euthanasie, Peter Singer, Helga Kuhse, Christoph Anstötz, Sonderpädagogik, Lebenswert, Bioethik, Präferenzutilitarismus, aktive Sterbehilfe, passive Sterbehilfe, Behinderung, Diskurs, Tabuisierung, Ethik, Lebensrecht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die ethischen Debatten um Sterbehilfe und den Wert menschlichen Lebens, die durch die Publikationen von Peter Singer ausgelöst wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Debatte um lebensunwertes Leben, dem Vergleich von aktiver und passiver Sterbehilfe sowie der Rolle der akademischen Freiheit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die objektive Zusammenfassung der Argumente von Helga Kuhse und Peter Singer sowie die kritische Aufarbeitung der Art und Weise, wie die Sonderpädagogik in Deutschland mit diesen kontroversen Ansichten umgegangen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der Beiträge der beteiligten Ethiker und Kritiker sowie Sekundärquellen ausgewertet wurden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Diskussion der Lebenswert-Kriterien durch Kuhse und Singer sowie die Analyse der Debattenkultur durch Christoph Anstötz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Euthanasie, Präferenzutilitarismus, Lebenswert, Behinderung, Sonderpädagogik und Bioethik.

Wie begründet Singer den Vorwurf gegen seine Kritiker?

Singer kritisiert, dass seine Gegner oft nur aus dem Kontext gerissene Zitate verwenden, um seine Position als „Tötungsethik“ zu diffamieren, anstatt sich mit seinem gesamten philosophischen Ansatz auseinanderzusetzen.

Welche Rolle spielt die Sonderpädagogik in dieser Debatte?

Die Arbeit zeigt auf, wie die deutsche Sonderpädagogik durch die Singer-Debatte aus einer „ethischen Bewusstlosigkeit“ gerissen wurde, dabei jedoch teilweise auf Tabuisierung und moralische Abqualifizierung als Strategien gegen die kontroversen Thesen setzte.

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Details

Title
Stellungnahmen zur Euthanasiedebatte: Peter Singer, Helga Kuhse und Christoph Anstötz
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Pädagogisches Institut)
Course
Oberseminar: Ethische Fragen in der Sonderpädagogik
Grade
sehr gut
Author
Natascha Glisic (Author)
Publication Year
2001
Pages
20
Catalog Number
V24652
ISBN (eBook)
9783638274746
Language
German
Tags
Stellungnahmen Euthanasiedebatte Peter Singer Helga Kuhse Christoph Anstötz Oberseminar Ethische Fragen Sonderpädagogik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Natascha Glisic (Author), 2001, Stellungnahmen zur Euthanasiedebatte: Peter Singer, Helga Kuhse und Christoph Anstötz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24652
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