Einleitung
Lesen ist ein essentieller Bestandteil unseres Lebens und wird Dank der entstandenen Medienvielfalt und -wichtigkeit in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. Um Erfolgreich sein Leben bestreiten zu können, ist ein gewisses Maß an Lesekompetenz unverzichtbar. Alleine schon um sich über gesellschaftliche Dinge informieren zu können oder auch zur einfachen Wissenserweiterung. Auch spielt das Lesen im lebenslangen Lernen, wie es immer häufiger gefordert wird, eine wichtige Rolle.
Doch auch die „Literatur als Genre bietet die Möglichkeit der Lebensbewältigung, des ästhetischen Erlebens, der Befriedigung von Unterhaltungsbedürfnissen sowie der Sinnfindung und der Persönlichkeitsentfaltung“1. Zur Schulung des Denkens ist das Lesen zudem unverzichtbar. Somit wird das Lesen zu einer „kulturellen Schlüsselqualifikation“. Sie „eröffnet die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und bietet die Möglichkeit der zielorientierten und flexiblen Wissensaneignung“2. Doch wie läuft der Leseprozess eigentlich ab und von welchen Teilprozessen ist er Abhängig? Dieser Frage gehe ich in Punkt 2 nach. Hierbei verwende ich das Strategiemodell von van Dijk und Kintsch aus dem Jahre 1983, das ich im Punkt 2.1 grundlegend erkläre. In Punkt 2.1.1 erläutere ich die hierarchieniedrigen Prozesse des Lesevorganges, die sich in zwei Unterpunkte unterteilen. In Punkt 2.1.2 folgen dann die hierarchiehohen Prozesse. Diese unterteilen van Dijk und Kintsch in weitere drei Unterpunkte.
In Punkt 2.1.3 fasse ich kurz die wichtigsten Schlüsse aus den Forschungen über den Leseprozess nach van Dijk und Kintsch zusammen. Interessant ist zudem, aus welchen Motiven Personen, insbesondere Schüler, auf die Fertigkeiten des Lesens zurückgreifen. Welche Grundantriebe sind hier von Bedeutung? Dieser Frage werde ich in Punkt 3 nachgehen. Hierbei stütze ich mich auf Lerch (1975). Lerch nennt vier verschiedene Lesertypen, die ich in den Punkten 3.1 bis 3.4 näher erläutern werde. Im Punkt 3.5 folgt dann eine kurze Zusammenfassung. Abschießend ziehe ich im Punkt 4 ein abschließendes Resümee
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wie läuft der Leseprozess ab?
2.1 Das Strategiemodell von Van Dijk und Kintsch (1983)
2.1.1 Hierarchieniedrige Prozesse
2.1.2 Hierarchiehohe Prozesse
2.1.3 Zusammenfassung
3 Lesertypen
3.1 Der funktional-pragmatische Leser
3.2 Der emotional-fantastische Leser
3.3 Der rational-intellektuelle Leser
3.4 Der literarische Leser
3.5 Zusammenfassung
4 Resümee
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kognitionspsychologischen Abläufe des Leseprozesses sowie die unterschiedlichen Motivationen und Lesertypen, die das Leseverhalten von Schülern maßgeblich beeinflussen. Das primäre Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie durch das Zusammenwirken hierarchieniedriger und -hoher Prozesse sowie durch die individuelle Leseintention die Lesekompetenz gesteuert und optimiert werden kann.
- Kognitionspsychologische Grundlagen des Textverstehens
- Das Strategiemodell von Van Dijk und Kintsch (1983)
- Analyse verschiedener Lesertypen und ihrer Grundantriebe
- Bedeutung von Weltwissen und Arbeitsgedächtniskapazität
- Einflussfaktoren auf die Lesekompetenz und deren Limitierung
Auszug aus dem Buch
1. Aufbau einer propositionalen Textrepräsentation
Um einen Text lesen zu können, ist zunächst die visuelle Aufnahme von Buchstaben und Wörtern von entscheidender Bedeutung. Hierzu werde ich in diesem Zusammenhang aber nicht weiter eingehen.
Eine weitere „Voraussetzung für den Aufbau einer propositionalen Textrepräsentation ist die Worterkennung sowie die Verbindung von Wortfolgen auf der Grundlage von semantischen und syntaktischen Relationen von Sätzen“7. Nach neuesten Erkenntnissen identifiziert das Gehirn während des Lesens nicht einzelne Buchstaben, sondern abstrakte Buchstabeneinheiten, die auch parallel verarbeitet werden können.
Weiterhin kommt der Kenntnis von Wörtern, die zu identifizieren sind, eine entscheidende Rolle im Leseprozess zu. Somit sind Wörter, die dem Leser bekannt sind, leichter zu identifizieren als unbekannte oder zusammengesetzte Wörter. Natürlich werden Wörter im Lesevorgang vom Leser nicht isoliert betrachtet und analysiert, sondern in einem sinnsuchenden Zusammenhang. Bewiesen wurde, dass die Wortidentifikation schneller abläuft, wenn die gelesenen Wörter in einem sinnhaften Kontext zueinander stehen. Dabei können Fehler schneller überlesen werden, Wörter durch den Kontext schneller vorhergesagt werden und die Fixationsdauer der einzelnen Wörter ist geringer.
Nur ist die Identifikation der Wörter eines Satzes nicht die einzige entscheidende Handlung eines Lesenden. Dieser muss zudem noch Prädikat-Argument-Strukturen, auch Propositionen genannt, aus der Wortfolge generieren. (vgl. van Dijk, Kintsch 1983) Dies geschieht dadurch, dass Wortfolgen auf ihren semantischen Bezug zueinander analysiert werden. Die Sätze eines Textes werden also nach ihren grundlegenden Aussagen hin analysiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht den Stellenwert des Lesens als kulturelle Schlüsselqualifikation und gibt einen Überblick über die methodische Vorgehensweise sowie die theoretischen Grundlagen der Arbeit.
2 Wie läuft der Leseprozess ab?: In diesem Kapitel wird das interaktionistische Strategiemodell von Van Dijk und Kintsch detailliert erläutert, um die komplexen kognitiven Teilprozesse des Lesevorgangs auf verschiedenen Hierarchieebenen aufzuzeigen.
3 Lesertypen: Das Kapitel kategorisiert verschiedene Lesertypen basierend auf ihren Grundantrieben und Intentionen, um ein besseres Verständnis für unterschiedliche Leseverhaltensweisen von Schülern zu schaffen.
4 Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, identifiziert limitierende Faktoren der Lesekompetenz und unterstreicht die Notwendigkeit, Strategien an die jeweiligen Texte anzupassen.
Schlüsselwörter
Lesekompetenz, Leseprozess, Strategiemodell, Van Dijk und Kintsch, Propositionen, Kohärenzbildung, Lesertypen, kognitionspsychologische Forschung, Textverstehen, Weltwissen, Arbeitsgedächtnis, Makrostruktur, Superstrukturen, Leseförderung, Schlüsselqualifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Menschen Texte verarbeiten, welche kognitiven Prozesse dabei ablaufen und warum verschiedene Leser unterschiedliche Ansätze beim Lesen verfolgen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das kognitive Strategiemodell des Lesens nach Van Dijk und Kintsch sowie die psychologische Typologie von Lesern basierend auf ihren persönlichen Motiven.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Teilprozesse des Lesens zu beleuchten und aufzuzeigen, wie kognitive Strukturen und individuelle Antriebsarten die Leseleistung bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die kognitionspsychologische Literaturanalyse und stützt sich insbesondere auf das Strategiemodell von Van Dijk und Kintsch sowie die Lesertypologie von Gierl.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Mikro- und Makrostrukturen beim Textverständnis sowie in die Differenzierung von vier spezifischen Lesertypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Lesekompetenz, kognitive Prozessmodelle, Textkohärenz und unterschiedliche Leserintentionen charakterisiert.
Wie beeinflusst das Weltwissen den Leseprozess?
Das Weltwissen dient als wesentlicher Faktor, um Lücken in der Textkohärenz zu schließen und ein logisches Situationsmodell des gelesenen Inhalts im Gehirn aufzubauen.
Was unterscheidet einen funktional-pragmatischen von einem literarischen Leser?
Während der funktional-pragmatische Leser lediglich nach nützlichen Informationen zur Lebensbewältigung sucht, erlebt der literarische Leser den Text als ästhetisches Gut mit eigenem Wert.
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- Daniel Krükel (Author), 2004, Lesekompetenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24703