Die Volkshochschulen in Deutschland nahmen bereits im letzten Jahrhundert einen immer größeren Stellenwert ein. Ausgehend von drei verschiedenen Wurzeln, auf die im Folgenden näher eingegangen werden soll, entwickelte sie ihre Grundsätze und Ziele zur Bildung der Erwachsenen und Jugendlichen in einer freien Gesellschaft. Aus diesem Freiheitsgedanken heraus lässt sich auch die vom Staat unabhängige Organisationsform der früheren und auch der heutigen Volkshochschulen erklären.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Ursprünge des deutschen Volkshochschulwesens darzustellen und die Entwicklungen in diesem Bereich zu verfolgen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Anfängen des Volkshochschulwesens, der Entwicklung während der Weimarer Republik und der Gleichschaltung und Neuordnung der Volksbildung während des Dritten Reiches.
Um den Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht zu sprengen, wird die Volksbildung in der Nachkriegszeit nur kurz dargestellt. Den Autoren war es wichtig, gerade die Anfänge und die frühen Entwicklungsphasen des Volkshochschulwesens zu erläutern, da diese Phasen seltener angesprochen werden als die aktuellen Entwicklungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitungsgedanke
2 Die Ursprünge der Volkshochschule
2.1 Deutsche Ursprünge
2.2 Die Universitätsausdehnungsbewegung
2.3 Der dänische Einfluss
2.3.1 Die Volkshochschulen Tingleff und Norburg
2.3.2 Die Volkshochschulen Albersdorf und Mohrkirch-Osterholz
3 Die Weimarer Republik
3.1 Die „neue Richtung“
3.2 Gründung zahlreicher Volkshochschulen
3.3 Der Hohenrodter Bund
3.4 Reichsverband der deutschen Volkshochschulen
3.5 Die Prerower Formel
3.6 Das Scheitern der „neuen Richtung“
4 Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg
4.1 Zentralisierung, Gleichschaltung und Neuordnung der Volksbildung
4.2 Deutsches Volksbildungswerk
4.3 Reichsarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung
4.4 Auseinandersetzung von Kommunen und dem Deutschen Gemeindetag mit der NSDAP
5 Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg
5.1 Die Zeit der Reeducation
5.2 Die Zeit nach 1958
5.3 Die Zielsetzung der Volkshochschule
6 Schlussgedanke
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die historischen Ursprünge und die Entwicklung des deutschen Volkshochschulwesens von seinen Anfängen bis in die Nachkriegszeit darzustellen und dabei die wechselnden bildungspolitischen Einflüsse zu analysieren.
- Wurzeln und Entstehung des deutschen Volkshochschulwesens
- Die Reformbestrebungen während der Weimarer Republik
- Gleichschaltung und Neuordnung im Nationalsozialismus
- Reeducation und demokratische Neuausrichtung nach 1945
- Wandlung der Zielsetzungen und Organisationsstrukturen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die „neue Richtung“
Mit der Volksbildung zur Zeit der Weimarer Republik versuchte man die starken gesellschaftlichen Spaltungen hinsichtlich Kultur, Politik, Wirtschaft etc. zu überwinden (Vgl. Kapitel 3). Die „Volksbildung hatte also ein zentrales politisches Anliegen, wobei gehofft wurde, über Bildung eine Einheit herzustellen“ (Lenz 1979, S. 24). Um dieses Ziel zu erreichen bediente man sich einer neuen methodischen Lösung, der „neuen Richtung“ (Vgl. Cekovic 1994, S. 29). Hier ist allerdings zu beachten, dass die „neue Richtung“ die „alte Richtung“ keineswegs ablöste, „sondern als Strömung neben dieser zu verstehen“ (Lenz 1979, S: 24) ist. In den Volkshochschulen der Weimarer Zeit praktizierte man nach wie vor nach den Vorstellungen der „alten Richtung“ (University Extension, Heimvolkshochschulen etc., vgl. Kapitel 2.2), doch wurden diese Vorstellungen mit den Ideen der Jugendbewegung und der „neuen Richtung“ verbunden (Vgl. Wirth 1978, S. 682). Die Jugendbewegung war ein Lebensgefühl, das dem Städtischen und der Neutralität absprach und sich hinwandte zu Natur und Individualität.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitungsgedanke: Einführung in die Thematik der Volkshochschulgeschichte und Definition des Arbeitsziels.
2 Die Ursprünge der Volkshochschule: Darstellung der drei wesentlichen Wurzeln: deutsche Bildungsvereine, englische University Extension und dänische Heimvolkshochschulen.
3 Die Weimarer Republik: Analyse der Reformpädagogik, der „neuen Richtung“ und der institutionalisierten Bildungsarbeit dieser Ära.
4 Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg: Untersuchung der Instrumentalisierung der Volkshochschulen durch den NS-Staat und des Widerstands kommunaler Akteure.
5 Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg: Rückblick auf die Phase der Reeducation, die Nachkriegskonzeptionen und die Entwicklung zur modernen Erwachsenenbildung.
6 Schlussgedanke: Fazit zur historischen Beständigkeit und den künftigen Perspektiven der Volkshochschule.
Schlüsselwörter
Volkshochschule, Erwachsenenbildung, Volksbildung, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Reeducation, Grundtvig, Heimvolkshochschule, Arbeitsgemeinschaft, Bildungsreform, Kulturpolitik, Volkshochschulverband, Geschichte, Weiterbildung, Demokratisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die geschichtliche Entwicklung des Volkshochschulwesens in Deutschland, beginnend bei den Ursprüngen im 19. Jahrhundert bis zur Situation nach dem Zweiten Weltkrieg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die verschiedenen historischen Wurzeln, die Reformpädagogik der Weimarer Republik, die Gleichschaltung während des Nationalsozialismus sowie die demokratische Neuausrichtung nach 1945.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung der Entwicklung der Volkshochschule als Bildungseinrichtung und die Untersuchung, wie sich ihre theoretischen Ansätze und Aufgabenstellungen im Wandel der politischen Systeme verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur, Dokumentationen und zeitgenössischer Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Phasen: Ursprünge, Weimarer Republik (mit Fokus auf die „neue Richtung“), NS-Zeit (Gleichschaltung) und die Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Erwachsenenbildung, Volkshochschule, Demokratisierung, Reeducation, Bildungsreform und die historischen Epochen wie die Weimarer Zeit und der Nationalsozialismus.
Was besagt die „Prerower Formel“?
Die Prerower Formel von 1931 markierte einen Kompromiss zwischen verschiedenen Bildungsansätzen und definierte die erzieherische Wirkung der Volkshochschulen stärker über die Vermittlung und Klärung von Erfahrungen statt über bloße Wissensvermittlung.
Welche Rolle spielte der dänische Einfluss?
Dänische Vorbilder, insbesondere die Lehren von Grundtvig, prägten maßgeblich das Konzept der Heimvolkshochschulen und beeinflussten den Wunsch nach einer stärkeren Verbindung von Bildung und nationaler Identität.
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- Marion Hacke (Author), 2003, Geschichte der Volkshochschulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24709