[...] Diese Diplomarbeit erhebt hinsichtlich der gestellten Fragen keinen Anspruch auf
letztgültige Antworten. Ihr Ziel ist es, eine Analyse und den Nachweis für die Berechtigung
der Musiktherapie in der Psychiatrie vorzulegen, damit Musiktherapie
im Rahmen eines Gesamtbehandlungskonzeptes effektiv genutzt werden kann.
Mittels einer Stichprobe von 80 Patienten, die im Untersuchungszeitraum 1996
bis 2002 das musiktherapeutische Angebot der psychiatrischen Abteilung des
Kreiskrankenhauses Siegen wahrgenommen haben, werden Protokolle der Musiktherapeuten,
die zur Dokumentation nach jeder Therapiesitzung für die Patientenakte
angefertigt wurden (im folgenden Stundenprotokolle genannt), nach dem
Verfahren der „Grounded Theory“ analysiert. Die Fragestellung an die Stundenprotokolle lautet:
Welche Aussagen können über die Relevanz und Wirkung von Musiktherapie bei
der Behandlung von Patienten in der Psychiatrie gemacht werden?
Erkenntnisleitende Fragen sind:
Sind im Therapieverlauf Veränderungen zu beobachten?
Können Rückschlüsse auf bestimmte Elemente der Musiktherapie gemacht werden,
die Veränderungen und Entwicklungen ausgelöst und in Bewegung gebracht
haben? Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel:
Im ersten Kapitel wird Musiktherapie definiert und als Psychotherapie dargestellt.
Danach werden die therapeutischen Möglichkeiten von Musik aus entwicklungspsychologischer,
kommunikationstheoretischer und musikpsychologischer Sicht
beschrieben.
Das zweite Kapitel liefert einen Überblick über Forschungsarbeiten, die zur Musiktherapie
in der Psychiatrie vorliegen. Exemplarisch werden die Studien von
Stoffler und Weis, Pfeiffer et al., Thaut, Hintze und Engelmann erläutert.
Die psychiatrische Abteilung des Kreiskrankenhauses Siegen, die dortigen Rahmenbedingungen
der Musiktherapie und die Beschreibung der Stichprobe werden
im dritten Kapitel dargestellt.
Den Kern des vierten Kapitels bildet die Beschreibung der angewendeten empirischen
Untersuchungsmethode. Es werden die unterschiedlichen Bausteine der „Grounded Theory“ veranschaulicht und die als Datenbasis dienenden Dokumente
beschrieben.
Die Dokumentation des Forschungsverlaufes und die daraus resultierenden Modifikationen
sind Thema des fünften Kapitels.
Im sechsten Kapitel werden die Ergebnisse der Dokumentenanalyse anhand des
Kodierparadigmas von Strauss und Corbin erläutert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Musiktherapie
1.1 Musiktherapie als Psychotherapie
1.2 Therapeutische Möglichkeiten von Musik
2. Musiktherapieforschung in der Psychiatrie
3. Die Psychiatrie im Kreiskrankenhaus Siegen
3.1 Musiktherapie im Kreiskrankenhaus Siegen
3.2 Beschreibung der Stichprobe
4. Methodologie
4.1 Qualitative Sozialforschung
4.2 Grounded Theory
4.3 Beschreibung der Dokumente
5. Untersuchungsverlauf
6. Ergebnisse
6.1 Die Hauptkategorie: Das Phänomen „Therapeutische Wirkungen“
6.2 Ursächliche Bedingung
6.3 Kontextbedingungen
6.3.1 Therapieform
6.3.2 Intensität
6.3.3 Therapiephasen
6.3.4 Elemente der Musiktherapie
6.4 Intervenierende Bedingungen
6.5. Strategien der Patienten
6.5.1 Abwehr
6.5.2 Annahme
6.6. Konsequenzen / Resultate
6.6.1 Bereitschaft zu einer Auseinandersetzung
6.6.2 Veränderung von körperlichen Symptomen
6.6.3 Veränderung der Themen
6.6.4 Veränderung der Wahrnehmung
6.6.5 Veränderung des musikalischen Verhaltens
6.6.6 Veränderte Gefühlszustände
6.6.7 Strukturen erkennen
7. Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Relevanz und den therapeutischen Stellenwert der Musiktherapie in psychiatrischen Einrichtungen fundiert nachzuweisen. Durch eine qualitative Analyse von Patientenprotokollen wird untersucht, wie Musiktherapie psychotherapeutische Prozesse bei psychiatrischen Patienten initiieren und fördern kann und welche spezifischen Wirkungsbereiche dabei zentral sind.
- Wirksamkeit und Relevanz der Musiktherapie in der Psychiatrie
- Einsatz musiktherapeutischer Interventionen im psychiatrischen Gesamtbehandlungskontext
- Untersuchung von Veränderungsprozessen bei Patienten mittels der Grounded Theory
- Analyse der Bedeutung von Instrumenten und musikalischen Elementen wie Rhythmus und Klang
- Zusammenhang zwischen therapeutischem Setting und individuellen Patientenreaktionen
Auszug aus dem Buch
6.1 Die Hauptkategorie: Das Phänomen „Therapeutische Wirkungen“
Das Phänomen repräsentiert die „zentrale Idee, das Ereignis, Geschehnis auf das eine Reihe von Handlungen/Interaktionen gerichtet sind, um es zu bewältigen oder damit umzugehen oder auf das sich eine Reihe bezieht“ (Strauss und Corbin 1996, S. 79). Das Phänomen „Therapeutische Wirkungen“ wurde gewählt, da es in fast allen Stundenprotokollen enthalten ist.
Aus den Protokollen wurden verschiedene physiologische und psychologische Wirkungsbereiche von Musiktherapie erarbeitet. Diese stellen die Subkategorien des Phänomens „Therapeutische Wirkungen“ dar. Im Folgenden werden diese vorgestellt und an Hand von Textstellen belegt.
Abschließend wird benannt, bei wie vielen Patienten die einzelnen Wirkungsbereiche in den Stundenprotokollen auftreten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Musiktherapie als jüngere Disziplin in der Psychiatrie und thematisiert die Diskrepanz zwischen der wissenschaftlichen Debatte um ihren Stellenwert und ihrer zunehmenden Verbreitung in der klinischen Praxis.
1. Musiktherapie: Dieses Kapitel definiert Musiktherapie als Psychotherapieverfahren, differenziert zwischen aktiven und rezeptiven Ansätzen und erläutert die therapeutischen Wirkfaktoren von Musik.
2. Musiktherapieforschung in der Psychiatrie: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Forschungsarbeiten und Studien zur Wirksamkeit der Musiktherapie in psychiatrischen Kontexten.
3. Die Psychiatrie im Kreiskrankenhaus Siegen: Dieses Kapitel beschreibt die lokalen Rahmenbedingungen der psychiatrischen Abteilung und detailliert das dort angewandte Musiktherapie-Angebot sowie die Zusammensetzung der Patientenstichprobe.
4. Methodologie: Dieser Abschnitt legt die theoretischen Grundlagen der qualitativen Sozialforschung und das spezifische Kodierverfahren der „Grounded Theory“ dar, welches zur Auswertung der Protokolle genutzt wurde.
5. Untersuchungsverlauf: Hier werden die praktische Durchführung der Datenerhebung, die Schwierigkeiten beim theoretischen Sampling und der Prozess der schrittweisen Kategorienbildung beschrieben.
6. Ergebnisse: Der Hauptteil präsentiert die Analyseergebnisse, unterteilt in therapeutische Wirkphänomene, Kontextbedingungen wie Therapieformen und Instrumente, Strategien der Patienten sowie die resultierenden Konsequenzen.
7. Schlusswort: Das Fazit fasst die Relevanz der Musiktherapie zusammen und empfiehlt, die gewonnenen qualitativen Erkenntnisse in weiterführenden, quantitativ ausgerichteten Studien zu evaluieren.
Schlüsselwörter
Musiktherapie, Psychiatrie, Grounded Theory, Psychotherapie, therapeutische Wirkungen, Patientenprotokolle, klinische Praxis, stationäre Behandlung, qualitative Forschung, psychische Störungen, Instrumentarium, therapeutische Beziehung, Verhaltensänderung, Emotionsregulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung und Wirksamkeit von Musiktherapie bei der Behandlung stationärer psychiatrischer Patienten im Kreiskrankenhaus Siegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die therapeutischen Wirkmechanismen von Musik, die verschiedenen Methoden der Musiktherapie (aktiv/rezeptiv) sowie die individuelle Auseinandersetzung der Patienten mit ihrer Krankheit im therapeutischen Prozess.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch eine qualitative Analyse von Stundenprotokollen nachzuweisen, dass Musiktherapie als wertvoller Bestandteil eines psychiatrischen Gesamtbehandlungskonzepts fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde die qualitative Methode der „Grounded Theory“ nach Strauss und Corbin angewandt, um aus den vorhandenen Dokumentationen der Musiktherapeuten Kategorien und Wirkungsbereiche zu entwickeln.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Vordergrund?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der therapeutischen Wirkungen, den Kontextbedingungen der Therapie, den Abwehr- und Annahmestrategien der Patienten sowie den konkreten therapeutischen Resultaten.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Musiktherapie, Psychiatrie, therapeutische Wirkung, Grounded Theory, stationäre Patienten, qualitative Analyse und psychotherapeutischer Prozess.
Welche Bedeutung haben die verwendeten Musikinstrumente für die Patienten?
Instrumente wie Trommeln, das Monocord oder die Oceandrum fungieren als intermediäre Objekte, die den Patienten den Ausdruck ihrer Gefühle und die Bearbeitung tiefsitzender, oft präverbaler Konflikte erleichtern.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „Abwehr“ und „Annahme“ für den Therapieerfolg so wichtig?
Die Identifikation dieser Strategien hilft Therapeuten, den therapeutischen Prozess flexibel an den aktuellen Zustand des Patienten anzupassen; insbesondere Krisen (Abwehr) können bei entsprechender Begleitung wertvolle Wendepunkte für den weiteren Heilungsverlauf darstellen.
- Quote paper
- Carola Paas (Author), 2003, Untersuchung zur Relevanz der Musiktherapie in der Psychiatrie am Beispiel des Kreiskrankenhauses Siegen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24752