Besprochen werden die Hintergründe der Entstehung des Rolandslieds, zudem wird eine detaillierte Analyse der 39 Federzeichnungen geboten. Letztlich finden sich fünf Deutungsansätze zu den Miniaturen, ihren Intentionen und Funktionsweisen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung: Das Rolandslied des Pfaffen Konrad.
2. Das Rolandslied im Detail.
2.1 CPG 112: Die Geschichte der Heidelberger Handschrift.
2.2 Text- u. Bildvarianten: Weitere Überlieferungen des Rolandslieds.
3 Scriptura: Der Text der Heidelberger Handschrift.
4 Pictura: Die Zeichnungen der Heidelberger Handschrift.
4.1 Allgemeine Feststellungen.
4.2 Original / Kopie: der Bilderzyklus der Heidelberger Handschrift.
4.3 Superbia librorum: Über die Schlichtheit der Bilder.
4.4 Schrift und Bild: Differenzen und Korrespondenzen.
5. Funktionsweisen und Gebrauch der Zeichnungen.
5.1 Das Triptychon: Ein theologisches Bild- und Literaturprogramm.
5.2 Kunst und Krieg: Auf der Suche nach göttlicher Legitimierung.
5.3 Bellum iustum: Der gerechte Krieg in Bildern.
5.4 Memoris: Bilder und ihre Rolle im Erinnerungsdiskurs.
5.5 Incarnazione: die Fleischwerdung im Bild.
6. Ein Ausblick.
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Funktion und Bedeutung der 39 Federzeichnungen in der Heidelberger Handschrift des Rolandsliedes des Pfaffen Konrad (CPG 112). Ziel der Untersuchung ist es, die Rolle der Miniaturen als affirmative Begleiter des Textes zu analysieren, ihre mediale Wirkung in einer neuen Schriftkultur aufzuzeigen und ihre Einbindung in ein christliches Programm sowie ihren Beitrag zur Legitimierung des Konzepts eines gerechten Krieges (bellum iustum) zu ergründen.
- Analyse des Verhältnisses von Text und Bild in der Heidelberger Handschrift
- Untersuchung der Zeichnungen als Instrumente des christlichen Glaubensprogramms
- Erforschung der Rolle der Bilder im Kontext der mittelalterlichen Mnemotechnik (Gedächtniskunst)
- Deutung der Illustrationen zur ideologischen Legitimierung herrschaftlicher Gewalt
Auszug aus dem Buch
4.3 Superbia librorum: Über die Schlichtheit der Bilder.
„Wozu malt jemand Menschen oder Blumen in seinem Buch? Genügen ihm etwa nicht die Blumen und Menschen, die Gott geschaffen hat?“ - gut fünf Jahrhunderte nach dem ersten Bilderstreit stammt dieser Satz von dem Lyoneser Dominikanermönch Guilelmus Peraldus (gestorben 1271), der mit seiner Schrift Summa de vitiis et virtutibus (vor 1250) zum ersten Mal in einem Regelwerk eine gebotene christlich-sittliche Lebensführung schriftlich fixierte. Dabei untersuchte er den mittelalterlichen Alltag aus moraltheologischer Sicht und systematisierte Verstöße gegen die Offenbarungsideologie in acht Todsünden (Peraldus fügte der klassischen Sündenlehre noch einen weiteren Frevel - „de peccato linguae“ – hinzu). Die Summa weist als Leitfaden für die Liturgie auch unter anderen ein Kapitel über die „superbia librorum“ auf: Peraldus suggeriert damit, dass Hochmut bei der Codexproduktion die Dimension einer Todsünde annehmen kann. Dabei verurteilt er in erster Linie Prunk und Pracht eines Buches, das in seiner Funktion als Medium ausschließlich dazu dienen sollte, die humilitas und sapiens Gottes zu vermitteln.
Ausschlaggebend dafür ist die Vorstellung, dass der Inhalt hinter der Form zurücktritt, dass visueller Luxus die Botschaft des Geschriebenen verschleiert. Sinnlich Erfahrbares, wie blattvergoldete Buchstaben und Miniaturen, kalligraphischer Zierrat und aufwändige Foliogestaltung verdrängen so die geistige Substanz des Textes. Tatsächlich verglich der Dominikaner die Prunkschrift mit dem verführerischen Frauenkörper, die kostbare Ikonographie bezeichnet er als geistigen Ehebruch: Literarisches Renommieren galt als Blasphemie im mittelalterlichen Christentum.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Rolandslied des Pfaffen Konrad: Die Einleitung gibt einen Überblick über das Rolandslied als Kreuzzugsepos und stellt die Forschungsfrage nach Nutzen und Funktion der Federzeichnungen.
2. Das Rolandslied im Detail: Dieses Kapitel widmet sich der Geschichte der Heidelberger Handschrift und vergleicht sie mit anderen Überlieferungen des Rolandsliedes.
3 Scriptura: Der Text der Heidelberger Handschrift: Hier wird die paläographische Beschaffenheit des Textes analysiert und die Frage nach dem oder den Schreibern diskutiert.
4 Pictura: Die Zeichnungen der Heidelberger Handschrift: Dieses Kapitel untersucht die formalen Aspekte, die Anordnung und die Entstehung der 39 Federzeichnungen.
5. Funktionsweisen und Gebrauch der Zeichnungen: Der Hauptteil analysiert die inhaltliche und theologische Funktion der Bilder, insbesondere ihre Rolle im Kontext von Krieg, Mnemotechnik und Inkarnation.
6. Ein Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das Rolandslied als Instrument der Kriegslegitimation und Idealbild des neuen Rittertums ein.
Schlüsselwörter
Rolandslied, Pfaffe Konrad, Heidelberger Handschrift, CPG 112, Buchmalerei, Bellum iustum, Ideologietransport, Mnemotechnik, Bild-Text-Verhältnis, Mittelalter, Kreuzzugsepos, Inkarnation, Ikonographie, Gedächtniskunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die 39 Federzeichnungen in der Heidelberger Handschrift des Rolandsliedes des Pfaffen Konrad hinsichtlich ihrer medialen, theologischen und politischen Funktion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Verhältnis von Text und Bild, die mittelalterliche Gedächtniskunst, die christliche Missionierung durch Literatur und Kunst sowie die Legitimierung von Herrschaft und Krieg.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Illustrationen als affektive Begleiter des Textes fungieren und zur ideologischen Ausgestaltung des Rolandsliedes beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung, die medientheoretische Ansätze, kunsthistorische Analysen und literaturwissenschaftliche Methoden miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehungsbedingungen der Zeichnungen, ihre kompositorische Struktur (Triptychon-Modell), ihre rhetorische Funktion im Sinne des bellum iustum sowie ihre Rolle als mnemoniches Instrument.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Rolandslied, Bild-Text-Verhältnis, Mnemotechnik, Kriegslegitimation und christliches Programm.
Warum wird die „Schlichtheit der Bilder“ in der Arbeit thematisiert?
Dies bezieht sich auf den mittelalterlichen Diskurs über die „superbia librorum“, um zu verdeutlichen, dass das asketische Dekor der Handschrift dem heilsgeschichtlichen Anspruch des Inhalts dient.
Welche Bedeutung hat die Figur des Turpin in den Zeichnungen?
Turpin repräsentiert als miles christianus die Verbindung von Priesteramt und kriegerischem Handeln, wodurch die politischen und militärischen Akte Karls theologisch legitimiert werden.
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- Andre Vatter (Author), 2004, Bellum Iustum: Der gerechte Krieg in Bildern der Heidelberger Handschrift des Rolandsliedes des Pfaffen Konrad, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24757