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Randgruppen im Mittelalter

Title: Randgruppen im Mittelalter

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 25 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Marco Müller (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit untersucht die verschiedenen Randgruppen mittelalterlicher
Gesellschaften unter soziologischen Gesichtspunkten. Der dieser Arbeit zugrunde
liegende Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom Beginn des 11. Jahrhunderts bis etwa
zum Ende des 16. Jahrhunderts, also auf das Spätmittelalter.
Im Zentrum der Betrachtung stehen städtische mittelalterliche Gesellschaften, die das
deutsche Reichsgebiet umfassten, wenngleich an einigen Stellen auch ein Vergleich zu
anderen Ländern Europas angestrebt wird.
Aufgrund der zahlreichen und teils sehr unterschiedlichen Auffassungen, die zum Thema
Randgruppen schriftlich überliefert sind, ist eine exakte Definition und Differenzierung
sicherlich nicht immer leicht zu treffen, wenn nicht an manchen Stellen sogar unmöglich.
Daher soll im ersten Teil der Arbeit herausgestellt werden, inwiefern sich der Begriff
‚Randgruppe’ überhaupt definieren und differenzieren lässt. In weiteren Verlauf soll
erörtert werden, welche Personengruppen anhand welcher Kriterien als Außenseiter
bezeichnet werden können. Dabei spielen vor allem die Art und Weise einerseits sowie
Gründe und Ursachen der Marginalisierung andererseits eine wichtige Rolle.
Im Anschluss an die Einzelbetrachtungen der verschiedenen Randgruppen soll
zusammenfassend herausgestellt werden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede im
Bezug auf das soziale Leben und die gesellschaftliche Stellung der Randgruppen
bestanden. Des weiteren soll aufgezeigt werden, welche Gründe für die Stigmatisierung,
also das buchstäbliche Sichtbarmachen sowie für die Marginalisierung der Betreffenden
Personenkreise verantwortlich waren.
Es wird der Versuch unternommen anhand verschiedener Indikatoren wie allgemeine
Akzeptanz, Kleidung, Religionszugehörigkeit, Aussehen, Gruppenstruktur,
Gruppenghettoisierung, obrigkeitliche Stigmatisierung und weiteren Indikatoren
gesellschaftlicher Integration he rauszustellen, wo die Ursachen der Stigmatisierung und
Marginalisierung der zu betrachtenden Personenkreise zu finden sind.
Im Laufe der Vorstellung jener Gruppen soll sich vor allem herausstellen, worauf sich die
Ablehnung der damaligen Gesellschaft den Außenseitern gegenüber begründet und
welche Parallelen, aber welche auch Unterschiede sich zwischen den einzelnen Gruppen
in Bezug auf die spätmittelalterliche Gesellschaft ziehen lassen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Der Versuch einer Definition des Randgruppenbegriffs

II. Die verschiedenen Randgruppen im Mittelalter

1. Unehrliche Berufe

1.1. Bettler

1.2. Henker

1.3. Prostituierte

1.4. Gaukler und Spielleute

2. Körperlich und geistig Signifikante

2.1. Lepra als gesellschaftliches Todesurteil

2.2. Geistig und körperlich Behinderte

3. Ethnisch-religiös Verschiedene

3.1. Juden

3.2. Zigeuner

4. Hexen und Sodomiter

4.1. Hexen

4.2. Sodomiter

III. Das Phänomen der Stigmatisierung und Marginalisierung

1. Vorurteile und Zuschreibungsprozesse

2. Der Prozess der Marginalisierung

3. Die sozialregulative Notwendigkeit (der Konstruktion) von Randgruppen

Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Stigmatisierung und Marginalisierung verschiedener Personengruppen im spätmittelalterlichen Deutschland unter soziologischen Gesichtspunkten, um die Ursachen und Funktionen dieser Ausgrenzungsprozesse für die gesellschaftliche Ordnung herauszuarbeiten.

  • Soziologische Definition und Abgrenzung des Randgruppenbegriffs
  • Analyse spezifischer Außenseitergruppen (unehrliche Berufe, Kranke, Minderheiten, "Inquisitionsopfer")
  • Untersuchung von Stigmatisierungs- und Zuschreibungsprozessen
  • Darstellung der Marginalisierung als obrigkeitliches Mittel der Sozialregulierung

Auszug aus dem Buch

1.2. Henker

Seit Beginn des Spätmittelalters trat an die Stelle des alten Bußsystems allmählich das System der peinlichen Strafen an Leib und Leben. „Aufgrund dieser Veränderung setzte im Spätmittelalter im Strafvollzug, ähnlich wie im Handwerk, ein Spezialisierungs- und Professionalisierungsprozess ein, als dessen ‚Produkt’ wir letztlich den Beruf des Scharfrichters sehen können.“

Der mittelalterliche Henker entstammte meist aus den sozialen Unterschichten; zudem wurde sein Beruf vererbt, was wie bei anderen handwerklichen Berufen auch den Vorteil hatte, dass der Sohn oder Stiefsohn das Handwerk des Henkers ‚von der Pieke auf’ erlernen konnte. Ein weiterer Vorteil dieser Transferierung des Amtes war, dass es für andere Bürger quasi ausgeschlossen war, den unehrenhaften und ungeliebten Beruf des Scharfrichters ausüben zu müssen. Daher wurden Eheschließungen zwischen verschiedenen Scharfrichterfamilien besonders unterstützt.

Das Berufsbild des Henkers in der mittelalterlichen Gesellschaft unterschied sich von Stadt zu Stadt. Die vorhandenen Quellen lassen erkennen, dass sein Berufsbild äußerst differenziert war und sich keineswegs nur auf das Vollstrecken von Todesurteilen beschränkte. In vielen Städten und Gemeinden war der Henker ebenso für die Folter zuständig, er trieb Fremde oder Ausgestoßene aus der Stadt. Oftmals überbrachte er Vorladungen oder er eröffnete Gerichtsverhandlungen. Aufgrund der zum Teil sehr ausgebildeten Kenntnisse der menschlichen Anatomie vollführten viele Henker medizinische Tätigkeiten. Ebenso waren sie oftmals verantwortlich für den Schutz der Prostituierten in den Frauenhäusern; die Dirnen unterstanden somit der Obhut des Scharfrichters, der dafür von ihnen Geld erhielt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in den Untersuchungsgegenstand, die soziologische Fragestellung und den zeitlichen Rahmen der Arbeit.

I. Der Versuch einer Definition des Randgruppenbegriffs: Herleitung einer sozialen Definition für Randgruppen im Mittelalter jenseits rein ökonomischer Kategorien.

II. Die verschiedenen Randgruppen im Mittelalter: Detailbetrachtung ausgewählter Personengruppen unter Berücksichtigung ihrer gesellschaftlichen Stigmatisierung.

1. Unehrliche Berufe: Analyse von Berufen, die trotz gesellschaftlicher Notwendigkeit tabuisiert wurden, wie Henker oder Prostituierte.

1.1. Bettler: Untersuchung des Bettelns als Form des Broterwerbs und der gesellschaftlichen Reaktion darauf.

1.2. Henker: Beschreibung der Rolle und Professionalisierung des Scharfrichters innerhalb der mittelalterlichen Gesellschaft.

1.3. Prostituierte: Analyse des Dirnenwesens als "notwendiges Übel" und der Versuche zur sozialen Kontrolle.

1.4. Gaukler und Spielleute: Erörterung der ambivalenten Rolle der Unterhaltungskünstler zwischen Faszination und kirchlicher Ablehnung.

2. Körperlich und geistig Signifikante: Betrachtung kranker und behinderter Menschen, deren Dasein als Ausdruck religiöser Deutungsmuster verstanden wurde.

2.1. Lepra als gesellschaftliches Todesurteil: Analyse der radikalen Ausgrenzung von Aussätzigen als soziale "Totenfeier".

2.2. Geistig und körperlich Behinderte: Untersuchung des Umgangs mit Menschen, die nicht dem religiösen Idealbild entsprachen.

3. Ethnisch-religiös Verschiedene: Analyse der Stigmatisierung von Minderheiten durch religiös und historisch geprägte Vorurteile.

3.1. Juden: Darstellung der Verfolgungsprozesse und der Bedeutung antijüdischer Stereotype.

3.2. Zigeuner: Untersuchung des Status von Zigeunern als marginalisierte, umherziehende Gruppe.

4. Hexen und Sodomiter: Analyse der Kriminalisierung von Menschen als Gegner der göttlichen Naturordnung.

4.1. Hexen: Beschreibung der Hexenverfolgung als Ergebnis von Aberglauben und sozialen Zuschreibungsprozessen.

4.2. Sodomiter: Untersuchung der Homosexuellenverfolgung als Instrument zur Durchsetzung sexueller Normen.

III. Das Phänomen der Stigmatisierung und Marginalisierung: Synthese der Einzelergebnisse und theoretische Einordnung der Ausgrenzung.

1. Vorurteile und Zuschreibungsprozesse: Analyse der Rolle von Stereotypen bei der Konstruktion von Randgruppen.

2. Der Prozess der Marginalisierung: Systematisierung der verschiedenen Stufen der Ausgrenzung bis hin zur physischen Vernichtung.

3. Die sozialregulative Notwendigkeit (der Konstruktion) von Randgruppen: Herleitung der These, dass Ausgrenzung ein funktionales Instrument zur Stabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung darstellt.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Randgruppen, Soziologie, Stigmatisierung, Marginalisierung, Außenseiter, Unehrliche Berufe, Sozialregulierung, Hexen, Juden, Lepra, Sodomie, Diskriminierung, Konstruktion, Soziale Normen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, welche sozialen Prozesse zur Entstehung von Randgruppen in spätmittelalterlichen Städten führten und wie die Gesellschaft sowie die Obrigkeit mit diesen Außenseitern umgingen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themenfelder umfassen den rechtlichen und sozialen Status von "unehrlichen" Berufen, die stigmatisierende Wahrnehmung von Kranken, die Verfolgung von religiösen und ethnischen Minderheiten sowie die Kriminalisierung von vermeintlichen Gegnern der göttlichen Ordnung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, den Randgruppenstatus nicht nur als soziales Faktum zu beschreiben, sondern als funktionales Instrument der Obrigkeit zur Sozialregulierung und Stabilisierung einer geordneten städtischen Struktur zu identifizieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine soziologische Analyse angewandt, die primär synchron und skizzenhaft vorgeht, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der gesellschaftlichen Ausgrenzung verschiedener Gruppen zu systematisieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Kategorisierung von Randgruppen (von Berufen über Kranke bis hin zu sogenannten Inquisitionsopfern) und eine abschließende Untersuchung der Mechanismen von Stigmatisierung und Marginalisierung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind "soziale Kategorie" (im Gegensatz zur ökonomischen Klasse), "Stigmatisierung", "Marginalisierung", "Zuschreibungsprozesse" und die "sozialregulative Funktion" von Ausgrenzung.

Inwiefern spielt der Status als "unehrlicher Beruf" eine Rolle?

Der Status als "unehrlich" diente dazu, Berufe mit notwendigen, aber verachteten Tätigkeiten (z.B. Henker, Totengräber) gesellschaftlich abzugrenzen, obwohl diese Berufe für die Stadtstruktur unverzichtbar waren.

Warum war die Verfolgung von Hexen und Sodomitern laut Autor so effektiv für die Obrigkeit?

Laut Autor war die Verfolgung dieser Gruppen ein "geniales Instrument", da sie als Drohmittel fungierte. Da der Verdacht potenziell jeden treffen konnte, mussten sich alle Bürger strikt konform verhalten, um nicht selbst Opfer von Denunziation und Verfolgung zu werden.

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Details

Title
Randgruppen im Mittelalter
College
University of Bonn  (Seminar für Soziologie)
Course
Sozialstruktur und Kultur mittelalterlicher Gesellschaften
Grade
1,3
Author
Marco Müller (Author)
Publication Year
2003
Pages
25
Catalog Number
V24763
ISBN (eBook)
9783638275583
Language
German
Tags
Randgruppen Mittelalter Sozialstruktur Kultur Gesellschaften
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marco Müller (Author), 2003, Randgruppen im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24763
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