Jede Epoche entwickelt ihre eigenen, besonderen Krankheitsbilder, die in übersteigerter Form
eigene zugrunde liegende Charaktereigenschaften besitzen. Zur Zeit Freuds waren es die
Hysterie und Zwangsneurosen, welche ins Extrem gesteigerte Charakterzüge darstellten, die
von den damaligen Gesellschaftsordnungen herrührten, wie stark idealisierte Arbeitsfelder
oder die Unterdrückung der Sexualität.
In unserer Zeit sind es wohl die Schizophrenien, sowie die Vorstufe der Schizophrenie, das
Borderline-Syndrom und eben auch die Persönlichkeitsstörungen zu deren Familie sich der
Narzissmus zählt. Heutzutage fallen Frauen nicht mehr bei einem hysterischen Anfall mit
Griff zur Stirn in Ohnmacht, genauso wie die Zwänge, beispielsweise der Waschzwang oder
auch Phobien in den Hintergrund geraten. Stattdessen betrifft Menschen in unserer heutigen
Gesellschaft eine ´Ich und Du Empfindungslosigkeit´, eine Empathiestörung zu sich selbst
sowie in der Interaktion mit dem Anderen, die mit einem starken Gefühl der Leere und einer
Störung der Selbstachtung einhergeht. Dieser Zustand bildet den optimalen Brutplatz für
Schizophrenien und Persönlichkeitsstörungen, wie eben der des Narzissmus.
Von anderen Menschen gesehen, beachtet, anerkannt und geliebt zu werden ist ein
Grundbedürfnis eines jeden von uns. Der Narzissmus thematisiert dieses Grundbedürfnis in
das Pathologische hinein. Wenn man von einem Narzissten hört, so denkt man in der Regel in dem stark verflachten
Bild eines Menschen, der in sich selbst verliebt ist und mit diesem Zustand und seinem
egozentrischen Dasein mehr als glücklich ist. Das der Narzissmus allerdings eine tiefgehende
Reaktion auf ein Trauma in der Vergangenheit hinweist und Narzissten keineswegs glückliche
´Selbstverliebte´ sind, geht in der allgemeinen gesellschaftlichen Vorstellung oftmals unter.
Ich möchte somit in dieser Arbeit, das Störungsbild des Narzissmus tiefgehender betrachten
und das komplexe pathologische Selbstbild des Narzissten versuchen in seinen, eigentlich
tragischen Facetten, zu beleuchten. Ebenso werde ich zwei verschiedene Ansätze in der
Therapie ansprechen und kurz erläutern, in Art und Sinnfindung der jeweiligen Behandlung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Geschichtlicher Hintergrund des Begriffes Narzissmus
2. Theorien zur Entstehung einer narzisstisschen Persönlichkeitsstörung
3. Diagnostik, Definitionen, Charakteristik des Narzissmus
3.1 Diagnostische Kriterien nach DSM IV
3.2 Charakteristik der narzisstischen Persönlichkeitsstörung
3.2.1 Narzissten und Manipulation
3.2.2 Narzissmus und Empathie
4. Therapieformen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung
4.1 der psychoanalytische Therapieansatz
4.2 Der kognitive Ansatz
4.2.1 Spezifische Behandlungsintervention in der kognitiven Therapie
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Störungsbild des Narzissmus jenseits gesellschaftlich verflachter Vorurteile. Ziel ist es, das komplexe, pathologische Selbstbild des Narzissten in seinen tragischen Facetten zu beleuchten und therapeutische Ansätze zur Behandlung kritisch zu erörtern.
- Historische Herleitung des Begriffs Narzissmus
- Pathogenese und Entstehungsbedingungen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung
- Diagnostik und Leitsymptome nach DSM IV
- Manipulative Verhaltensmuster und Empathiedefizite
- Vergleichende Darstellung psychoanalytischer und kognitiver Therapieansätze
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Spezifische Behandlungsintervention in der kognitiven Therapie
Typischerweise zielen die Behandlungsinterventionen abwechselnd ab auf:
die Steigerung der Verantwortung für das eigene Verhalten
den Abbau kognitiver Verzerrungen und des dysfunktionalen Affekts
Formulierung neuer Einstellungen
Spezifische längerfristige Ziele sind u. a.:
ein auf Gegenseitigkeit beruhendes und sensibles Verhalten gegenüber den Gefühlen Anderer (z.B. mehr Höflichkeit)
Fähigkeiten in der Zusammenarbeit mit Anderen
Vernünftige Erwartungsebene gegenüber Anderen
Bessere Selbstkontrolle gegenüber Gewohnheiten und Stimmungen
Eine differenzierte Selbsteinschätzung, die von Gemeinsamkeiten zwischen der eigenen Person und dem Gegenüber ausgeht
Die Motivation zur Umsetzung dieser Zielsetzungen kann sich aus dem Wunsch nach stabileren Stimmungen, der Aufrechterhaltung von Beziehungen aller Art und der beruflichen Karriere oder auch dem Abbau beharrlich wiederkehrender Symptome ergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet den soziokulturellen Wandel klinischer Störungsbilder und ordnet den Narzissmus als Ausdruck einer Ich- und Du-Empfindungslosigkeit ein.
1.1 Geschichtlicher Hintergrund des Begriffes Narzissmus: Analysiert den Mythos des Narkissos in der griechischen Mythologie als tragischen Ursprung des heutigen Begriffs.
2. Theorien zur Entstehung einer narzisstisschen Persönlichkeitsstörung: Untersucht frühkindliche Traumatisierungen und elterliche Machtausübung als Ursachen für die Entwicklung narzisstischer Strukturen.
3. Diagnostik, Definitionen, Charakteristik des Narzissmus: Definiert Narzissmus als pathologische Selbstliebe und beschreibt klinische Merkmale.
3.1 Diagnostische Kriterien nach DSM IV: Listet die spezifischen Kriterien auf, die für eine Diagnose gemäß DSM IV erfüllt sein müssen.
3.2 Charakteristik der narzisstischen Persönlichkeitsstörung: Erläutert das Streben nach Großartigkeit und die Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Kontakt.
3.2.1 Narzissten und Manipulation: Beschreibt die Mechanismen, mit denen Narzissten ihr soziales Umfeld zur Zielerreichung ausnutzen.
3.2.2 Narzissmus und Empathie: Analysiert das Defizit an Einfühlungsvermögen und die daraus resultierende Unfähigkeit zu tiefergehenden Beziehungen.
4. Therapieformen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung: Diskutiert die generellen Herausforderungen bei der Behandlung narzisstischer Patienten, insbesondere hinsichtlich der therapeutischen Beziehung.
4.1 der psychoanalytische Therapieansatz: Fokussiert auf die systemische Analyse des grandiosen Selbst und die Deutung der Übertragung.
4.2 Der kognitive Ansatz: Stellt das kognitive Modell dar, das Fehlbewertungen und automatisierte Denkfehler ins Zentrum der Behandlung rückt.
4.2.1 Spezifische Behandlungsintervention in der kognitiven Therapie: Konkretisiert Methoden zur Einstellungsänderung und Verhaltensanpassung.
5. Schlusswort: Reflektiert kritisch den malignen Narzissmus auf gesellschaftlicher Ebene und betont die therapeutische Notwendigkeit von Geduld und Frustrationstoleranz.
Schlüsselwörter
Narzissmus, Persönlichkeitsstörung, Psychoanalyse, Kognitive Therapie, Empathiemangel, Manipulation, grandioses Selbstbild, DSM IV, Psychopathologie, Behandlungsintervention, Ich-Kränkung, narzisstische Wut, Übertragung, Selbstwertgefühl, Verhaltensänderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, untersucht deren Ursprung, diagnostische Merkmale und verschiedene therapeutische Behandlungswege.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die psychologische Entstehung des Narzissmus, die klinische Symptomatik nach DSM IV, das manipulative Sozialverhalten sowie therapeutische Interventionsstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das komplexe, pathologische Selbstbild von Narzissten tiefgehend zu analysieren und tragische Hintergründe sowie Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen fachwissenschaftlichen Ansatz, der klinische Diagnostik, psychoanalytische Theorien und kognitive Therapieansätze miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsbedingungen, diagnostische Kriterien, die Rolle von Empathie und Manipulation sowie spezifische Methoden der psychoanalytischen und kognitiven Therapie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Narzissmus, Persönlichkeitsstörung, psychoanalytische Therapie, kognitive Therapie, Empathiedefizit und Manipulation.
Wie gehen Narzissten mit Kritik um?
Narzissten nutzen häufig defensive Mechanismen wie Rationalisierung, Leugnung von Fakten und das Konstruieren von Alibis, um ihr Selbstbild trotz Misserfolgen aufrechtzuerhalten.
Warum ist die therapeutische Behandlung oft so schwierig?
Da Patienten mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ihren Zustand häufig nicht als Störung wahrnehmen und das Überlegenheitsgefühl aufrechterhalten wollen, ist der Aufbau einer kooperativen Arbeitsbeziehung zum Therapeuten äußerst herausfordernd.
- Quote paper
- Christian Riemarzik (Author), 2003, Die narzisstische Persönlichkeitsstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24771