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Demenz - eine Indikation für Musiktherapie?

Title: Demenz - eine Indikation für Musiktherapie?

Term Paper , 2000 , 38 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Robert Breitinger (Author)

Psychology - Clinical Psychology, Psychopathology, Prevention
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Einleitung: Zur thematischen Relevanz

In der deutschen Gesellschaft vollzieht sich gegenwärtig wie in allen anderen Industriestaaten eine erhebliche Verschiebung im zahlenmäßigen Verhältnis von Jung und Alt. Waren im Jahre 1880 von hundert Einwohnern gerade fünf älter als 60 Jahre, so sind es heute 23. Um 2030 werden 35 v.H. älter als 60 Jahre sein. Gleichzeitig ist eine erhebliche Zunahme im Bereich der Hochbetagten zu verzeichnen, denn ein heute 60jähriger Mann kann mit 22, eine 60jährige Frau mit 26 weiteren Lebensjahren rechnen (vgl. MUTHESIUS 1997a; SCHEUMANN 1999). Auf die Gründe und Hintergründe für diesen demographischen Wandel (wie Zunahme der Lebenserwartung und Rückgang der Geburtenrate) soll hier nicht näher eingegangen werden. Es ist jedoch klar, daß solche Veränderungen bedeutende politische, wirtschaftliche, soziale und individuelle Folgen mit sich bringen. Beispielsweise haben sie dazu geführt, "daß in der Gesellschaft dem alten Menschen und seinen Bedürfnissen mehr als je zuvor Aufmerksamkeit geschenkt wird" (HIRSCH 1997, 1). Das bislang vorherrschende negative Bild vom Alter weicht einem optimistischeren, hoffnungsvolleren Bild - und Vorbild . Nachdem es dem medizinischen Fortschritt gelungen ist, dem Leben Jahre zu geben, ist die Gesellschaft gefordert, den Jahren Leben zu geben (vgl. SCHEUMANN 1999; LINDEN 1997). Der Blick richtet sich also auf die Qualität, nicht mehr vorrangig die Quantität der gewonnenen Jahre, die oft genug um den Preis unheilbaren, chronifizierten Leidens erkauft werden. Da mit höherem Alter auch die Wahrscheinlichkeit zunimmt, eine zu Demenz führende Krankheit zu bekommen, wächst bei der geschilderten Bevölkerungsentwicklung auch der relative Anteil Betroffener an der Gesamtbevölkerung. Findet man statistisch bei 60jährigen unter hundert Einwohnern nur einen an einer Demenz Erkrankten, so sind es bei den über 80jährigen bereits 20 (vgl. BUIJSSEN 1997, 262f.). Es ist daher im Bereich der Altenarbeit von einem wachsenden pflegerischen und psychosozialen Versorgungsbedarf auszugehen.
[...]
_____
1 BAUMANN-HÖLZLE (1997) hat auf die ethische Problematik und die doppelte Botschaft dieses Wechsels vom Defizit- zum Kompetenzmodell aufmerksam gemacht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG: ZUR THEMATISCHEN RELEVANZ

2 DAS DEMENTIELLE SYNDROM

2.1 Begriff

2.2 Formen und Ursachen

2.3 Symptome

2.4 Verlauf

2.5 Therapeutische Ansätze

2.5.1 Realitätsorientierungstraining (ROT)

2.5.2 Validation

2.5.3 Biographisches Arbeiten

2.5.4 Milieutherapie

3 MUSIKTHERAPIE BEI DEMENTIELL ERKRANKTEN

3.1 Das Modell für Musiktherapie nach SMEIJSTERS (1999)

3.2 Pathologisch-musikalische Prozesse der Demenz

3.2.1 Praxisberichte

3.2.2 Ansätze musiktherapeutischer Diagnostik

3.2.3 Zusammenfassung

3.3 Problem, maßgeschneiderte Behandlung und Förderung

3.4 Therapeutisch-musikalische Prozesse bei der Demenz

3.4.1 In der Praxis angewandte musikalische Handlungsformen

3.4.2 Eigene Überlegungen

3.5 Substitution

3.5.1 An der Versorgung dementiell Erkrankter beteiligte Berufsgruppen

3.5.2 Musiktherapeutische Effektivitätsstudien

3.5.3 Der spezifische Beitrag der Musiktherapie

3.6 Transparenz

3.6.1 Erinnerungsinseln und Emotionalität als therapeutische Ressourcen

3.6.2 Musik als nonverbales Zugangs- und Ausdrucksmedium

3.6.3 Musik als Orientierung vergegenwärtigendes Medium

3.6.4 Musik als handlungsförderndes Medium

3.6.5 Musik als Gemeinschaftserlebnis

3.6.6 Musik als identitätsstärkendes Medium

3.6.7 Musik als bewegungsförderndes Medium

3.6.8 Musik als individuell anpassungsfähiges Medium

4 ZUSAMMENFASSUNG

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob die Demenz (insbesondere Alzheimer, Multi-Infarkt-Demenz und Mischformen) eine medizinisch und therapeutisch begründbare Indikation für die Musiktherapie darstellt. Dabei wird das theoretische Modell von Smeijsters angewandt, um die Wirksamkeit und Notwendigkeit musiktherapeutischer Interventionen im Kontext der Altenarbeit zu prüfen.

  • Demographischer Wandel und zunehmender Versorgungsbedarf in der Altenpflege.
  • Pathologisch-musikalische Prozesse und die Spezifika des dementiellen Krankheitsbildes.
  • Musiktherapeutische Methoden und Handlungsformen bei kognitiven und emotionalen Abbauprozessen.
  • Substitution von medizinischen Ansätzen durch musiktherapeutische Ressourcenaktivierung.
  • Transparenz der Wirksamkeit durch eine fundierte theoretische und praktische Analyse.

Auszug aus dem Buch

Pathologisch-musikalische Prozesse der Demenz

Bei dem Begriff pathologisch-musikalische Prozesse geht es um die Frage, ob und wenn ja, wie eine Behinderung oder eine psychische Störung im musikalischen Verhalten des Klienten hörbar wird. Der Therapeut sucht nach SCHMÖLZ "... ein klingendes diagnostisches Zustandsbild ..." (zitiert bei SMEIJSTERS, 1999, 47). Wie SMEIJSTERS feststellt, stecke diese musikalische Krankheitslehre noch in ihren Kinderschuhen (a.a.O., 78). Dies mußte ich bei der Sichtung von Literatur auch für die Demenz feststellen. Ich fand nur einige knappe z.T. indirekte Angaben in wenigen Praxisberichten. Darüberhinaus stieß ich allerdings auch auf Ansätze musiktherapeutischer Diagnostik.

LINDEN (1997) beschreibt apraktische und sensorisch-aphasische Symptome in der aktiven Gruppenmusiktherapie, wenn der Wunsch der Teilnehmer zum instrumentalen Mitspielen zwar deutlich zu spüren sei, sie diesen aber trotz verbaler Erklärung-en nur nach konkreter, praktischer Anleitung realisieren könnten.

Ohne musikalische Verhaltensweisen direkt zu benennen, teilt GRÜMME (1998) neben den o.g. Erfahrungen mit, daß Demenzkranke "wenig eigene Impulse und kreative Vorschläge" (a.a.O. 30) in die musiktherapeutische Sitzung einbrächten. Zudem sei deren Fähigkeit, Neues zu erlernen herabgesetzt und nehme im Verlauf weiter ab. Hier handelt es also um eine Störung des Transfers vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis. Auffällig sei auch ein "Abrufdefizit" (a.a.O. 32), denn manche dementiell Erkrankte hätten Schwierigkeiten, in der Jugend erlernte Lieder selbständig, d.h. ohne klingendes Musikbeispiel zu erinnern. Obwohl ein Zugang zum Langzeitgedächtnis über Musik demnach möglich ist, scheint eine komplexe Ausführungsstörung die spontane Umsetzung von Fertigkeiten zu verhindern.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: ZUR THEMATISCHEN RELEVANZ: Diese Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung der Altenpflege im Zuge des demographischen Wandels und hinterfragt die Rolle der Musiktherapie als mögliche Antwort auf den zunehmenden psychosozialen Versorgungsbedarf.

2 DAS DEMENTIELLE SYNDROM: Dieses Kapitel definiert den Begriff Demenz, ordnet verschiedene Formen und Ursachen ein und beschreibt die klinischen Symptome sowie den typischen Verlauf der Erkrankung.

3 MUSIKTHERAPIE BEI DEMENTIELL ERKRANKTEN: Im Hauptteil wird unter Rückgriff auf das Modell von Smeijsters analysiert, wie pathologische Prozesse durch Musiktherapie adressiert werden können und welche Rolle das Instrumentarium und die Methode spielen.

4 ZUSAMMENFASSUNG: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Musiktherapie trotz schwieriger Nachweisbarkeit eine indizierte Ergänzung bei der Behandlung dementiell Erkrankter darstellt.

Schlüsselwörter

Demenz, Musiktherapie, Alzheimer, Altenhilfe, Gerontopsychiatrie, pathologisch-musikalische Prozesse, Indikation, Rehabilitation, Langzeitgedächtnis, Ressourcenaktivierung, Interventionsformen, therapeutische Wirksamkeit, nonverbale Kommunikation, Zeiterleben, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Eignung der Musiktherapie als ergänzendes Therapieverfahren für Menschen mit verschiedenen Demenzformen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die klinischen Aspekte der Demenz, die diagnostische Einordnung pathologisch-musikalischer Prozesse sowie die konkreten methodischen Ansätze musiktherapeutischer Interventionen im stationären Pflegekontext.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, ob die Demenz eine fachlich begründbare Indikation für eine musiktherapeutische Behandlung darstellt und wie diese innerhalb eines multiprofessionellen Behandlungsteams sinnvoll integriert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich vorhandener musiktherapeutischer Konzepte, insbesondere unter Anwendung des theoretischen Modells von Smeijsters.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird analysiert, wie sich dementielle Symptome im musikalischen Ausdruck widerspiegeln und welche therapeutischen Handlungsmöglichkeiten (wie Musik als Ausdrucks-, Orientierungs- oder Bindungsmedium) existieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen Demenz, Musiktherapie, Ressourcenaktivierung, pathologisch-musikalische Prozesse, Gerontopsychiatrie und Interventionsansätze.

Wie bewertet der Autor den Nutzen von 'Lebensrückblick' (Life-Review) bei Demenz?

Der Autor weist darauf hin, dass biographisches Arbeiten zwar wertvoll ist, aber kritisch betrachtet werden muss, da unter schwierigen Arbeitsbedingungen ungelöste Konflikte lediglich aktiviert, aber nicht ausreichend bearbeitet werden könnten.

Warum ist die Unterscheidung zwischen medizinischer Behandlung und Musiktherapie so wichtig?

Die Abgrenzung ist notwendig, um Musiktherapie als spezifische therapeutische Intervention zu positionieren und sie von einfacher 'Beschäftigungstherapie' oder reiner 'Beschallung' im Altenheim abzugrenzen.

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Details

Title
Demenz - eine Indikation für Musiktherapie?
College
SRH University of Heidelberg  (FB Psychologie)
Course
Klinische Psychologie
Grade
1,0
Author
Robert Breitinger (Author)
Publication Year
2000
Pages
38
Catalog Number
V2481
ISBN (eBook)
9783638115117
Language
German
Tags
Musiktherapie Musik Singen Altenpflege Altenarbeit Altenheim Demenz Alzheimer Validation Biographiearbeit Realitätsorientungstraining Milieutherapie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Robert Breitinger (Author), 2000, Demenz - eine Indikation für Musiktherapie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2481
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