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Die Funktion historischer Vergleiche in der Debatte um das sogenannte Kruzifixurteil im SPIEGEL

Titel: Die Funktion historischer Vergleiche in der Debatte um das sogenannte Kruzifixurteil im SPIEGEL

Seminararbeit , 2000 , 15 Seiten , Note: bestanden

Autor:in: Oliver Buchholz (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der folgenden Hausarbeit möchte ich versuchen, historische (insbesondere sich auf den Nationalsozialismus beziehende) Vergleiche, die in der öffentlichen Kontroverse um das sogenannte Kruzifixurteil mit unterschiedlichen Zielen von unterschiedlichsten Seiten benutzt wurden, näher zu beleuchten.
Ich habe hierzu ausschliesslich Artikel, Leserbriefe und Interviews aus dem SPIEGEL aus der Zeit nach der Urteilsbegründung vor dem Hintergrund von möglichen Vergleichen des Urteils mit Ereignissen aus der Geschichte durchgearbeitet und Textpassagen, in denen sich auf das Thema bezogene Äußerungen finden ließen, herausgeschrieben, um sie zu bearbeiten.
Das Thema hat mich insofern interessiert, als ich glaube, daß es sehr spannend sein kann zu untersuchen, inwiefern öffentliche Debatten sich immer weiter vom eigentlichen Ausgangspunkt (hier der Urteilsbegründung des Bundesverfassungsgerichtes) entfernen können und zu einer Diskussion über die Diskussion werden, in der historische Vergleiche, insbesondere mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, dem Nationalsozialismus, dazu benutzt werden, den eigenen Standpunkt zu rechtfertigen und sich selbst als Opfer darzustellen, während konträre Meinungen aber mit den selben Mitteln verurteilt und die Vertreter dieser anderen Meinungen indirekt als Täter bezeichnet werden.
[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeitleiste historischer Vergleiche in Kommentaren zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts

3. Analyse ausgewählter Textstellen

3.1. Zitat des Landeskomitees der Katholiken in Bayern vom 14.8.1995

3.2. Leserbrief von Fabian Hage aus Denkendorf in Bayern vom 28.8.1995

3.3. Zitate Kardinal Wetters aus einem Artikel vom 2.10.1995

4. Resümee

5. Quellen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die diskursanalytische Funktion historischer Vergleiche, insbesondere mit dem Nationalsozialismus, in der öffentlichen Kontroverse um das Kruzifixurteil des Bundesverfassungsgerichts. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Beteiligte die Debatte durch den Einsatz solcher Analogien verschieben, um eigene Standpunkte zu rechtfertigen, sich als Opfer zu inszenieren und politische Gegner diskursiv als Täter darzustellen.

  • Analyse der Rolle historischer Vergleiche in öffentlichen Debatten
  • Untersuchung der Täter-Opfer-Konstruktion im Diskurs
  • Diskursanalytische Betrachtung ausgewählter SPIEGEL-Artikel und Leserbriefe
  • Bedeutung der Verschiebung des Debattenfokus vom juristischen Kern zum moralischen Diskurs

Auszug aus dem Buch

3.3. Zitate Kardinal Wetters aus einem Artikel vom 2.10.1995

Der Grund für das Heranziehen dieser Textstelle aus dem SPIEGEL liegt darin, daß sich dort höchst interessante Zitate eines hohen Würdenträgers der katholischen Kirche, Kardinal Wetters, finden lassen, die sich an die zuerst untersuchte Stellungnahme anschließen, aber sogar noch über den Nazi-Topos hinausgehen und sich mit dem Begriff der Toleranz und damit der französischen Religionsgeschichte befassen. Außerdem wurden sie zu einem relativ späten Zeitpunkt der Debatte geäußert, so daß wahrscheinlich bereits eine geistige Reflektion über vorherige Kommentare stattgefunden hat.

Zunächst einmal läßt sich feststellen, daß hier die Argumentationsstruktur des Landeskomitees der Katholiken in Bayern wieder aufgenommen wird, da es sich beinahe um die gleiche Formulierung handelt wie dort. Hier erinnert Wetter an die NS-Diktatur, die schon einmal die Kreuze aus den Schulen verbannt hat, dort weckt das Urteil ungute Erinnerungen an die Entfernung von Kreuzen aus Schulen in der Nazi-Zeit. Der Nazi-Topos wird also erneut zum Zweck der Zuweisung einer Opfer- bzw. Täterrolle bemüht, wobei Wetter sich durch den Vergleich des Urteils mit dem Kreuzerlaß der Nazis in der Opferrolle und das Verfassungsgericht als Täter darstellt, da ja schon damals die Kirche durch den Kreuzerlaß getroffen wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Verwendung historischer Vergleiche in der Kruzifix-Debatte anhand von Publikationen des SPIEGEL zu untersuchen.

2. Zeitleiste historischer Vergleiche in Kommentaren zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Dieses Kapitel liefert eine chronologische Übersicht der Äußerungen zum Urteil, die historische Analogien verwenden.

3. Analyse ausgewählter Textstellen: Die Analyse untersucht im Detail drei spezifische Textstellen und deren diskursive Funktion bei der Nutzung des Nationalsozialismus als Vergleichsfolie.

4. Resümee: Das Fazit stellt fest, dass die Debatte durch den Einsatz historischer Vergleiche von der juristischen Urteilsbegründung abgelenkt wurde, um politische Zwecke durch Opfer-Täter-Konstruktionen zu verfolgen.

5. Quellen: Auflistung der verwendeten Literatur und Primärquellen.

Schlüsselwörter

Kruzifixurteil, Bundesverfassungsgericht, Diskursanalyse, Nationalsozialismus, Opfer-Täter-Konstruktion, Historische Vergleiche, Katholische Kirche, Öffentliche Debatte, Toleranz, Widerstand, Nazitopos, Religionsfreiheit, Politische Kommunikation, Medienanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie historische Analogien, insbesondere zum Nationalsozialismus, in der öffentlichen Kontroverse um das Kruzifixurteil des Bundesverfassungsgerichts genutzt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die Verschiebung öffentlicher Debatten vom eigentlichen Gegenstand (dem Urteil) hin zu moralischen Diskursen sowie die strategische Nutzung von Opfer- und Täterrollen.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, die diskursive Funktion von historischen Vergleichen aufzudecken, die dazu dienen, Standpunkte zu rechtfertigen und politische Gegner anzugreifen.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen Untersuchung von Textpassagen aus dem SPIEGEL (Artikel, Leserbriefe, Interviews).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden exemplarisch drei Textstellen analysiert: eine Äußerung des Landeskomitees der Katholiken, ein Leserbrief sowie Aussagen von Kardinal Wetter.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind unter anderem das Kruzifixurteil, der Nationalsozialismus als Vergleichsfolie, die Täter-Opfer-Konstruktion und die diskursive Verschiebung.

Welche Rolle spielt der sogenannte „Nazi-Topos“ in den untersuchten Äußerungen?

Der Topos wird als rhetorisches Mittel eingesetzt, um das Urteil als Unrecht darzustellen, wobei sich die Kritiker des Urteils durch Analogien zum Kreuzerlaß der Nazis selbst in die Opferrolle begeben.

Wie unterscheidet sich die Argumentation von Kardinal Wetter von anderen Beispielen?

Kardinal Wetter geht über den reinen Nazivergleich hinaus, indem er das Urteil als „Intoleranzedikt“ bezeichnet und Bezüge zur französischen Religionsgeschichte herstellt, um das Urteil weiter zu delegitimieren.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Funktion historischer Vergleiche in der Debatte um das sogenannte Kruzifixurteil im SPIEGEL
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (FB Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar Lernen unter dem Kreuz? Diskursanalytische Untersuchung der öffentlichen Kontroverse um das sogenannte Kruzifixurteil
Note
bestanden
Autor
Oliver Buchholz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V2486
ISBN (eBook)
9783638115162
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktion Vergleiche Debatte Kruzifixurteil SPIEGEL Proseminar Lernen Kreuz Diskursanalytische Untersuchung Kontroverse Kruzifixurteil
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Oliver Buchholz (Autor:in), 2000, Die Funktion historischer Vergleiche in der Debatte um das sogenannte Kruzifixurteil im SPIEGEL, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2486
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  15  Seiten
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